…doch nie wie ein Elefant fliegt!
Liebste Bücherwürmer!
Ich bin ein Mensch, dessen Kindheit von Trickfilmen der besonderen Art geprägt war. Ich wuchs auf mit dem Wissen, an jedem Weihnachtsfest einen weiteren Film über kleine und große Helden, mit viel Gesang und einer guten Prise Herzschmerz dem stetig wachsenden Repertoire heimischer Videokassetten hinzufügen zu können. Die Rede ist – selbstverständlich – von Disney.
Auch heute schaue ich mir die liebgewonnenen Geschichten gerne immer und immer wieder an, singe aus vollem Hals mit und weine um die Verlorenen. Doch mich interessieren nun die Geschichten, die dahinterstecken. Welches Buch war ausschlaggebend für welchen Film? Und wie wurde die Geschichte umgesetzt? Dem möchte ich in dieser Beitragsreihe nachgehen. Werfen wir einen Blick hinter die Kulissen, suchen wir gemeinsam The Story Behind.
Dumbo
Das verschollene Buch
Mit Dumbo präsentierte das Disney Studio 1941 seinen 4. abendfüllenden Zeichentrickfilm. Die herzzerreißende Geschichte um den kleinen Elefanten mit den viel zu großen Ohren rührt seitdem immer wieder Groß und Klein zu Tränen.

Der Außenseiter
Dumbo erzählt die Geschichte eines Außenseiters. Gehänselt wegen seines Aussehens, getrennt von seiner Mutter, die ihn doch nur beschützen wollte. Zum Gespött der Manege gemacht, gibt es kaum noch Hoffnung für den Kleinen. Als er jedoch zusammen mit seinem einzigen Freund – der Maus Timothy – herausfindet, dass er mit seinen fantastischen Ohren fliegen kann, wird er zum Star des Zirkus.
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Liebes Kind, weine nicht
Wenn das Herz mir auch bricht
Schmieg dich an, ich bin für dich da
Ich bin dir nah,
Mein liebes Kind.
( Dumbo )
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Die Geschichte ist schnell erzählt, der Film zählt mit seinen gerade einmal 64 Minuten Spielzeit zu den kürzesten der Disneyfilme. Doch die Originalgeschichte von Helen Aberson und ihrem Mann Harold Pearl war noch viel kürzer.
Nun kam im vergangenen Monat die Neuinterpretation Dumbos in die Kinos, bei der niemand geringeres als Tim Burton die Regie führte. Natürlich musste ich mir auch diese Realverfilmung anschauen und war wieder zu Tränen gerührt. Der neue Dumbo führt die Geschichte noch weiter fort, setzt zusätzlich menschliche Schicksale ein und gibt der Geschichte ein für heutiges Denken weitaus besseres Ende.

Roll-a-Book
An das Original von Dumbo von Helen Aberson und Harold Pearl heranzukommen, ist schier ein Ding der Unmöglichkeit. Doch bei meinen Recherchen dazu habe ich trotzdem so einiges herausgefunden, das ich gern mit euch teilen möchte.
1939 gaben Helen Aberson und ihr Mann die bis dahin noch unbekannte Geschichte an ein Unternehmen, das sich Roll-A-Book nannte. Ein sogenanntes Roll-A-Book bestand aus einem Kasten, einer Kurbel und einer Leinwand, die aus diesem Kasten herausgedreht wurde und so die Geschichte – wie einen Film – vor den Augen des Betrachters entfaltete.

Ausgehend von dieser äußerst kurzen Version der Geschichte existierte lediglich eine einzige Printausgabe, die die Originalgeschichte in Worte fasste. Diese wiederum wurde vom Disneystudio auf 1000 Exemplare beschränkt. Alle Bücher, die später veröffentlicht wurden, strichen die Namen der Autoren und ersetzen sie gegen das Disneylogo. Die eigentlichen Autoren hatten kein weiteres Mitspracherecht mehr an ihrer Geschichte.
Wusstet ihr eigentlich, dass Timothy, die Maus, kein Charakter der ersten Geschichte ist? Die sympathische Maus ist eine Erfindung Disneys, dagegen erhält Dumbo – der eigentlich auf den Namen Jumbo getauft wurde – Unterstützung von einem Rotkehlchen namens Red.
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That night, the circus train carried two very said elephants.
One was mother Ella. The other, little Jumbo.
They had put him in the donkey car. And on his water pail, they had crossed out the „J“ in Jumbo and painted a big „D“. And, from that moment, little Jumbo was known as DUMBO.
(S. 14 | Dumbo Original)
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Eigentlich erstaunlich, dass alle Welt den kleinen Elefanten von Herzen liebt und ihn trotzdem mit diesem Schimpfnamen benennt. Besonders jetzt, da wir wissen, dass das D eigentlich von Donkey – Esel – abstammt.
Die Weiten des Internets haben es mir glücklicherweise ermöglicht, zumindest einen kleinen Einblick in die Welt zu erhaschen, die sich Helen Aberson ausgedacht hat. Wenn ihr diesem Link folgt, könnt ihr die originale Geschichte von Dumbo lesen, bevor Walt Disney sie zu seiner eigenen machte.
Dumbo im Dreierpack
Da an dieses Buch vermutlich nur mit besten Verbindungen heranzukommen ist, sollten sich Freunde des kleinen Elefanten einfach an den bezaubernden Zeichentrickilm halten, der uns innerhalb einer einzigen Stunde den wohl knuffigsten Dickhäuter der Welt zeigt. Dieser Film ist eindeutig einer der anrührendsten der gesamten Disneygeschichte und zeigt uns überdeutlich, dass niemand ein Außenseiter sein sollte, nur weil er nicht so ist wie die große Mehrheit. Auch die neue Interpretation lässt sich sehen und gibt Dumbo ein fantastisch realistisches Erscheinungsbild, geht dabei aber noch mehr auf menschliche Belange ein, die es für diese Geschichte nicht zwingend gebraucht hätte. Sollte nun jemand Beziehungen haben, die es mir ermöglichen würden, einmal durch das Original zu blättern, wäre ich ihm zu äußerstem Dank verpflichtet. 😀
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Disneys abendfüllende Zeichentrickfilme im direkten Vergleich zu ihren literarischen Vorlagen:
The Story behind.
Mehr Beiträge zu dieser Reihe gibt es hier:
Cap & Capper: Fuchs und Hund – Freunde oder Feinde?
101 Dalmatiner: Wertvoll gepunktet
Dumbo: Ich hab viel gesehen auf dieser Welt, …!
Bambi: Von Reh zu Hirsch
Aladdin: Der ungeschliffene Diamant
Arielle: Unter dem Meer
Robin Hood: Im wilden Sherwood Forest
Das Dschungelbuch: Dschungelgeschichten

![[The Story Behind] Ich hab viel gesehen auf dieser Welt, …](https://buchperlenblog.com/wp-content/uploads/2019/03/the_story_behind.jpg?w=1000)





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