[Rezension] Christina Henry – Lost Boy

Eine großartige Peter-Pan Adaption, die einen völlig neuen Blick auf die Geschichte wirft!

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Werbung | Autor: Christina Henry | Titel: Lost Boy |
Erscheinungsdatum: 2017 | Verlag: Titan Books | 320 Seiten | Genre: Fantasy / Adaption |

sterne5

schnörkel

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He didn’t bring magic and fun and eternal youth.
He brought fear and madness and death, trailing blood behind him, trailing all the corpses of all the boys behind him.
And yet it didn’t weigh him to the earth at all.
Every drop of spilled blood only made him lighter, gave him the freedom to fly.

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Inhalt

Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Jungen, der nicht erwachsen werden wollte? Von Wendy und Michael und all den verlorenen Jungen, die auf dieser Insel stranden und gemeinsam mit Peter Pan Abenteuer erleben. Doch diese Adaption reist zurück zu den Anfängen der Verlorenen Jungen, zurück zu dem ersten von ihnen. Zu Jamie.

Rezension

Für immer jung

Wohl jedem Kind und Kindgebliebenen ist eine besondere Insel im Meer ein Begriff. Sie besitzt eine Lagune mit spielenden Meerjungfrauen, sie hat Wälder, in denen Indianer hausen, und Küsten, an denen Piraten ihr Unwesen treiben. Sie beherbert einen Jungen, der nicht erwachsen werden will. Sie ist Nimmerland.

Nimmerland, die Insel der ewigen Jugend. Nimmerland, die Insel der nie versiegenden Abenteuer. Nimmerland, die Insel von Peter Pan. Doch in Lost Boy büßt dieses klangvolle Stückchen Land seinen Glanz ein, wird bedrückend und düster. Die Verlorenen Jungen leben zum Teil schon sehr lang auf der Insel. Wer einmal da ist, kommt nie wieder weg. Und irgendwie hält sich jeder von ihnen für etwas besonderes, doch nur einer hat ein Anrecht darauf: Jamie. Denn Jamie war der erste, den Peter vor so vielen Jahren zu sich auf die Insel brachte, der mit ihm allein Abenteuer erlebt hat. Alle anderen kamen erst später, und ihr Leben bedeutet Peter im Grunde nichts.

Lost Boy zeigt die Geschichte aus Jamies Sicht. Jamie ist aufopferungsvoll, er passt auf die Jungen auf, er sorgt dafür, dass sie zu essen haben. Er ist die fehlende Mutter, auch wenn er es selbst nicht wahrhaben will. Als Charlie auf die Insel kommt, nimmt er ihn unter seine Fittiche. Denn Charlie ist erst fünf Jahre alt, noch viel zu klein, um der Insel zum Fraß vorgeworfen zu werden. Jamie weiß das, und Peter auch. Christina Henry setzt sehr gekonnt das ursprüngliche Wesen Peter Pans um, denn er ist nicht der kleine lustige Bengel, für den wir ihn halten wollen. Peter ist egoistisch, eigensinnig, wild und brutal. Und eifersüchtig. Denn wenn er nicht die Sonne für all die Jungen ist, dann verletzt ihn das. Und dann muss sich etwas verändern. Charlie muss weg, und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Schon zu Beginn webt die Autorin ein dichtes atmosphärisches Netz, in das der Leser eintaucht. Als Peter Pan eine Geschichte erzählt, in der ein kleines Entlein stellvertretend für einen kleinen Jungen einem Krokodil zum Opfer fällt, wird schnell klar, hier ist nicht alles eitel Sonnenschein. Diese bedrohliche Stimmung zieht sich durch die gesamte Geschichte, wird von weiteren Gräueltaten überlagert und steigert sich zu einem großartigen Finale. Und manchmal, ja, manchmal ist man selbst schockiert, wie simpel des Rätsels Lösung sein kann. Sie schreit nach dir auf Seite eins, doch du verstehst sie erst ganz am Ende.

Auch finden sich die wichtigen Peter-Pan-Motive in dieser Adaption immer wieder. Das Symbol der Mutter ist allgegenwärtig, die fehlende, unerlaubte Weiblichkeit. Der Egoismus Peters, der ewige Kampf und natürlich das Krokodil. Wer der Originalgeschichte verfallen ist, der kommt auf jeden Fall auf seine Kosten.

Fazit

Lost Boy war meine erste Adaption von Christina Henry, doch mit Sicherheit nicht die letzte. Es ist eine Geschichte, die mit einer Wucht in dein Herz prallt und dort fest verankert bleibt. Weder wird die Grundstory von James M. Barrie verkitscht dargestellt, noch werden wesentliche Merkmale Peters verändert. Hier findet man eine Art Vorgeschichte vor all den Anderen, ein Anfang auf Nimmerland. Unbedingt zugreifen!

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★★ ( 5 / 5 )

Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )

= 5 ★★★★★

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schnörkel

13 Comments on “[Rezension] Christina Henry – Lost Boy

  1. Liebes das hört sich so magisch an! Ich liebe ja Peter Pan ❤ und fand Nimmerland schon immer sehr faszinierend. Danke für diese Buchperle 😉 ich wünsche dir einen schönen Tag ❤

    Gefällt 1 Person

    • Oh es war auch so magisch! Es hat mich keine Minute mehr losgelassen, und ich fürchte, ich hab in der letzten Nacht sogar noch davon geträumt 😀 ♥

      Das wünsche ich dir ebenfalls!

      Gefällt mir

  2. Liebste Gabriela,

    das hört sich einfach phantastisch an! Das muss ich mir unbedingt notieren, denn ich mag die Story von Peter Pan total gerne und bin durch deine schöne Rezi neugierig geworden!

    Hab noch einen tollen Abend!

    Liebe Grüße
    Bella

    Gefällt 1 Person

    • Liebste Bella!
      Oooh die Geschichte ist ganz bestimmt was für dich! So eine wunderschöne und vorallem unverkitschte Geschichte, in der Freundschaft zählt .. 😍

      Und einen entspannten Freitag für dich! ❤️

      Gefällt 1 Person

  3. Liebe Gabriela,

    ich habe schon so viel von diesen Büchern gehört, die eine andere Sichtweise der berühmtesten Märchen und Kinderbücher aufzeigt. Bisher allerdings nur in der englischen Version, gibt es denn schon die deutsche Variante?

    Wenn ja, würde ich auf jeden Fall zugreifen.

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

    • Huhu Tina!
      Sie sind auch wirklich ganz ganz toll! Allerdings hab ich bisher auch nur die englische Variante gesehen – ich hoffe allerdings, dass der deutsche Markt sie noch für sich entdeckt

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt mir

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