[Rezension] Brom – Der Kinderdieb

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Werbung | Erscheinungsdatum Erstausgabe: 09.02.2010   Verlag: Knaur Taschenbuch

ISBN: 9783426506882   Flexibler Einband 664 Seiten

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schnörkel

 

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Ein ewiger Widerspruch, dachte Tanngnost. In einem Moment ist er ein kaltblütiger Mörder und dann wieder ein gefühlvoller kleiner Junge, ein ewiger Optimist, obwohl sein ganzes Leben eine einzige Tragödie war. Aber das ist natürlich sein besonderer Zauber. Das ist es, was die Kinder zu ihm hinzieht, was dafür sorgt, dass sie ihn trotz all dieser Widersprüche lieben. (S. 328)anführung_oben

Inhalt

Ein Junge mit goldenen Augen streicht durch das nächtliche New York, auf der Suche nach … Ja, nach was? Nach verlorenen Kinderseelen. Er hilft den Missverstandenen, den Einsamen und den verletzten Kindern, und bringt sie in seine Welt, durch den schrecklichen Nebel in das noch schrecklichere Avalon. Willkommen in Nimmerland, meine Freunde.

Rezension

Ich sagte es bereits, Peter Pan ist eine Geschichte, die mich seit jeher begeistert. Mit Der Kinderdieb ist Brom ein Paukenschlag gelungen, der mich sprachlos zurückgelassen hat.

Es ist Nimmerland, und es ist es eben doch nicht mehr. Die Geschichte um Peter und seine Teufel ist keine einfache Nacherzählung des Originals von James M. Barrie. Vielmehr ist es ein neuer Ansatz mit alten Schrecken, blutigen Taten und großer phantastischer Vielfalt.

Peter, ein Kind eines Menschlings und eines Waldgeistes, ist in keiner der beiden Welten wirklich willkommen. Er verdient sich einen Platz im Feenreich Avalon, indem er der dortigen Herrscherin Modron treu zur Seite steht. Menschlinge haben Avalon entdeckt und sich dort niedergelassen, doch die Magie des Ortes machte aus ihnen Dämonen, die mit den Jahren nur umso grausamer wüten. Feen, Elfen, Hexen und Waldgeister kämpfen Seite an Seite, doch der Feind kann nicht zurückgedrängt werden und langsam aber sicher stirbt Avalon.

Peter fängt Kinder aus der Welt der Menschen, die ihn in seinem Kampf unterstützen sollen. Einmal auf der Insel gibt es kein Zurück mehr für sie, und sie müssen sich beweisen, um in Peters Teufelsbande aufgenommen zu werden. Die Kämpfe sind blutig, nicht selten fliegen Gedärme durch die Luft. Niemand ist sicher, jeder kann sterben. Neben dem Kampf gegen die Eindringlinge, die nunmehr dreihundert Jahre auf der Insel verbringen, gibt es auch Streit zwischen Ulfger, dem Kriegsherrn der Elfen und Peter. So zersplittert der Zusammenhalt der magischen Wesen und schwächt sie.

Brom schafft eine großartige Atmosphäre, mit deren Hilfe man sich selbst im Wald umher huschen sieht, in der man selbst goldene Augen dank der herrschenden Magie bekommt und bei der man bereit ist, sein Leben Peter und Modron, seiner Dame, zu widmen.

Fanatischer Glauben und Missverständnisse, die Unfähigkeit zum Reden, das alles begünstigt den Konflikt auf der Insel. Jeder hat seine Geschichte, und irgendwie wirken mit der Zeit manche Bösewichte gar nicht mehr so schlimm, irgendwann versteht man ihre eigenen Wünsche, irgendwann .. ja, irgendwann stellt man sogar Peter in Frage.

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So grausam und brutal dieses neue Nimmerland auch erscheint, man entdeckt doch vieles, dass an das Original erinnert. Peters Charakter ist ebenso halsstarrig, egoistisch, verspielt und frech wie eh und je. Was er sich in den Kopf gesetzt hat, wird getan, egal welche Konsequenzen das bedeutet. Er will geliebt werden, er duldet keinen Ungehorsam. Modron, den Geist des Wassers, bezeichnet er immer als seine Dame. Den gleichen Ausdruck benutzt Peter Pan in Barries Original für Wendys Mutter. Und Modron bedeutet tatsächlich nichts anderes als Mutter auf walisisch. Auch andere keltische Einflüsse finden sich in Broms Erzählung wieder; so findet man in Tanngnost, dem ziegenähnlichen Troll, eine der Ziegen, die Thors Streitwagen durch den Himmel zogen.

Mutter. Das ist das zentrale Thema in Peter Pan, das ist, weshalb Peter Wendy nach Nimmerland holte, und das ist auch, warum Peter all die Kinder nach Avalon bringt, um zu kämpfen. Brom zeichnet eine Geschichte entlang des roten Fadens und spinnt ein großes Abenteuer um die alles beherrschende Liebe zur Mutterfigur, zu Modron.

Fazit

Der Kinderdieb ist eine fantastische Adaption des Kinderbuchklassikers Peter Pan. Alte Elemente wurden mit Neuen vermischt und in einer eigenständigen Version verpackt. Der packende Erzählstil lässt kaum Platz zum Luftholen, man fiebert beständig mit Peter und seinen Teufeln mit, hofft und bangt, erschrickt und stirbt tausend Tode dabei. Der Verzicht auf jegliche Liebelei, außer der vielleicht wichtigsten zu einer Mutterfigur, macht das Buch besonders für Leser interessant, die große Abenteuer ohne Ablenkungen bevorzugen. Für mich ganz klar ein absolutes Lesehighlight!

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★★ ( 5 / 5 )

Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )

= 5.0 ★★★★★

schnörkel

 

7 Comments on “[Rezension] Brom – Der Kinderdieb

  1. Huhu
    ich habe dieses Buch vor Jahren einmal angefangen zu lesen, bin damit aber einfach nicht warm geworden.
    Mittlerweile denke ich aber, dass es mir doch wieder gefallen könnte und ich es gerne wieder zur Hand nehmen möchte.
    Leider weiß ich nicht ob ich es noch besitze, oder weg gegeben habe…

    Liebe Grüße
    Lilly

    Gefällt 1 Person

    • Hey Lilly 🙂
      Oh, wie schade … aber manchmal reichen ja durchaus ein paar Jahre aus, damit man ganz anders über eine Geschichte denkt. Ich hoffe wirklich, dass du das Buch noch irgendwo bei dir findest 🙂

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt mir

  2. Pingback: Rückblick auf den Dezember – Buchperlenblog

  3. Ich habe dieses Buch regelrecht verschlungen. Gehört zu meinen Lieblingen im Regal. Tolle Geschichte, spannend geschrieben und angenehm zu lesen. Schön eine ähnliche Erfahrung/Meinung zu lesen.

    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

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