[Im Advent] Märchen aus dem Morgenland

Meine Lieben!

Die Weihnachtszeit lockt nicht nur mit gemütlichem Lichterglanz, köstlichen Plätzchen und stimmungsvoller Musik, nein, für mich ist die Vorweihnachtszeit auch gleichbedeutend mit ausgiebigem Schwelgen in Märchen. Im Advent möchte ich euch nun jeden Sonntag ein Märchen aus einem anderen Land vorstellen. Denn es gibt noch so viel mehr zu entdecken, als nur Hänsel und Gretel, Schneewittchen oder Dornröschen, mit denen wir aufgewachsen sind. ♥

Beginnen wir heute unsere Reise im Morgenland, beim bösen König Schahrirar und der schlauen Geschichtenerzählerin Shererazade.

Die Geschichte
vom Wolf und vom Fuchs

Der Fuchs, unendlich müde der ununterbrochenen Zornesausbrüche seines Gebieters,
des Wolfes, mit dem er in einer Höhle gemeinsam hauste,
ließ sich eines Tages auf den Stumpf eines Baumes nieder,
um über seine Lage nachzudenken.

(aus Die Geschichte vom Wolf und vom Fuchs)

Denken wir an die Märchen, die Sheherazade in eintausend und einer Nacht ihrem König und Gebieter erzählt, um nicht am nächsten Morgen wie so viele vor ihr hingerichtet zu werden, werden den meisten vermutlich drei Märchen besonders hell im Gedächtnis erscheinen. Aladin und die Wunderlampe, Sindbad der Seefahrer, und natürlich Ali Baba und die vierzig Räuber. Tatsächlich aber sind diese drei bekanntesten Erzählungen nicht von Beginn an Teil von Sheherazades Geschichtenschatz, sondern wurden erst teilweise viel später von Übersetzern mit eingebracht.

Ein originales Märchen aus dieser Sammlung, und dazu noch eines voll Schlauheit, List und Tücke ist dagegen die Geschichte vom Wolf und vom Fuchs. Sheherazade erzählt es dem König im Zuge einiger anderer Tierfabeln und beendet mit diesem auch ihren Ausflug in die Welt der Fauna.

Fuchs und Wolf leben gemeinsam in einer Höhle, jedoch ist der Fuchs dem Wolf schon seit langer Zeit untergeordnet. Er ist sein Knecht und Diener, und während der Wolf als weitreichend brutal gilt, nutzt er die Schläue des Fuchses für seine Zwecke aus. Doch der Fuchs wittert Gefahr von außen, die Menschen breiten sich immer weiter in der Welt aus, stellen Fallen und bauen Gruben im Wald, um Tiere zu fangen. Der Versuch des Fuchses, ein Gleichgewicht zwischen sich und dem Wolf herzustellen, sich zu verbrüdern gegen den gemeinsamen Feind, scheitert an der Arroganz des Wolfes. Doch der Fuchs spürt, seine Zeit wird kommen.

Da wird er ausgeschickt, um den Weg zu prüfen, auf dass der Wolf sich in den Weinbergen sattfressen kann. Dort jedoch entdeckt der Fuchs eine gut verborgene Grube, in die der Wolf auch alsbald hineinfällt. Da liegt er nun und jammert und tut sich selbst gewaltig leid. Dem Fuchs jedoch widerspricht er, als dieser ihn an all seine Grausamkeiten erinnert. Trotz besserem Wissens versucht der Fuchs nun, dem Wolf hinauszuhelfen, doch der Jähzorn des Wolfes schlägt zu und der Fuchs landet ebenfalls in der Grube. Doch gelingt ihm die Flucht, indem er die Dummheit des Wolfes nutzt. Dieser nun wieder von seinem schweren Los verzweifelt, schwört Besserung und hofft ein weiteres Mal auf das Mitleid des Fuchses.

Aber dieser lässt sich nicht noch einmal beirren, und holt stattdessen mit lautem Gekläff die Menschen zu der Grube, die den Wolf zugrunde richten.

Diese Geschichte zeigt nicht nur die Intelligenz des Fuchses, sondern auch sein freundlich gesinntes Herz, indem er dem Wolf eine zweite Chance einräumt. Auch versucht er ihm mit zwei Geschichten innerhalb der eigentlichen Geschichte zu einem anderen Handeln zu bewegen. Dieses Märchen findet sich viele Jahre später in abgewandelter Form übrigens auch in den Hausmärchen der Brüder Grimm wieder.

Und die Moral von der Geschicht‘ – wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.


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12 Comments on “[Im Advent] Märchen aus dem Morgenland

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  5. Liebe Gabriela,

    danke für die Märchenstunde. Diese Geschichte war mir auch völlig neu und ich bin begeistert. Vielleicht sollte ich in die Welt von 1001 Nacht etwas mehr eintauchen.

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

    • Hallöchen Tina!
      Ja gerade bei 1001 Nacht hat man immer so ein gewisses Bild vor Augen, wie die Märchen sind, oder? Da fand ich dieses hier wirklich auch ganz erfrischend anders. ♥

      Liebe Grüße!
      Gabriela

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