[Im Advent] Jüdische Märchen

Meine Lieben!

Die Weihnachtszeit lockt nicht nur mit gemütlichem Lichterglanz, köstlichen Plätzchen und stimmungsvoller Musik, nein, für mich ist die Vorweihnachtszeit auch gleichbedeutend mit ausgiebigem Schwelgen in Märchen. Im Advent stelle ich euch wieder jeden Sonntag ein Märchen aus einem anderen Land vor. Denn es gibt noch so viel mehr zu entdecken, als nur Hänsel und Gretel, Schneewittchen oder Dornröschen, mit denen wir aufgewachsen sind. ♥

In den letzten beiden Jahren habe ich euch bereits auf diese Reise mitgenommen, wir haben gemeinsam Märchen von der Orchideeninsel kennengelernt, uns in die Kälte Alaskas begeben, haben einen magischen Pinsel in China gefunden und haben uns gemeinsam mit dem Fuchs über die Dummheit des Wolfes im Orient amüsiert. Danach ging es nach Polen, einem Land, mit dem ich vorher gar nicht so viele Märchen verbunden habe. Später entführte ich euch nach Norwegen, in ein fliegendes, goldenes Schloss, und nach Indonesien, zu einer traurigen Prinzessin. Und zum Schluss hielten wir in Russland und haben Wassilissa, die Weise kennengelernt.

Mal sehen, wohin uns dieses Jahr also die Märchenreise führt. Beginnen wir heute mit einem Märchen, das viele von euch kennen werden – wenn auch ein wenig verändert.

Der Finger
(oder auch: Die Leichenbraut)

Der Finger ist ein altes russisches Märchen, das seinen Ursprung in einer jüdischen Legende findet. Eine Gruppe junger Männer ruht sich auf einem ruhigen Fleckchen Erde vor der Stadt Safed aus. Sie plaudern und lachen und bemerken plötzlich, wie sich immer wieder ein scheinbar lebendiger Finger durch die Erde bohrt und ihre Aufmerksamkeit sucht. So kommen sie im Scherz auf die Idee, dass einer von ihnen dem einsamen Finger einen Ring anstecken könnte. So geschieht es und der Finger verschwindet wieder in der Erde.

Welchen Makel hat mein Bräutigam an mir gefunden, dass er sich jetzt mit einer anderen vermählt, nachdem er mich bereits zur Frau genommen hat?

(aus Der Finger)

Bald schon ist diese Angelegenheit vergessen und der Jüngling, der den Ring opferte, möchte sich tatsächlich eine Braut nehmen. Doch am Hochzeitstag erscheint eine Frau mit seinem Ring am Finger und behauptet, bereits seine rechtmäßige Braut zu sein. Entsetzt läuft die Frau davon, die eigentlich hätte heiraten sollen. Der junge Mann jedoch bittet den Rabbi um Hilfe, er hätte nie diese fremde Frau zur Braut gewählt. Der Rabbi nennt die Fremde eine Teufelin und entscheidet, dass das Gesetz der Tora nicht für ihresgleichen gelte und erklärt diese Hochzeit für ungültig. Vorsichtshalber belegt er die Teufelin noch mit einem Bannspruch, so dass sie weder Braut noch Bräutigam ein Leid antun könnte, woraufhin die beiden jungen Menschen schließlich doch noch heiraten können.

Na, habt ihr die Geschichte erkannt? Ganz richtig, Tim Burton kreierte daraus seinen Stop Motion Film Corpse Bride, erweckt vorallem die Leichenbraut zum Leben dabei und gibt ihr Gefühle und eine Hintergrundgeschichte. Vielleicht liegt es an diesem FIlm, dass mir auch im Märchenoriginal die betrogene Leichenbraut leid tut. Möglich, dass sie den jungen Mann mit List und Tücke einfing, aber dass er sie schlussendlich verschmäht und verbannen lässt, das erscheint mir doch ein wenig gemein. Es muss schließlich ziemlich einsam sein in der Unterwelt.


Mehr Märchen aus fremden Ländern im Advent:

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Märchen von der Orchideeninsel
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Märchen aus China
Märchen aus Polen
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Märchen aus Indonesien
Märchen aus Russland

7 Comments on “[Im Advent] Jüdische Märchen

  1. Pingback: [Im Advent] Märchen aus Estland – Buchperlenblog

  2. Pingback: [Im Advent] Märchen aus Rumänien – Buchperlenblog

  3. Hallo Gabriela,
    ich liebe Corpse Bride von Tim Burton. Und genau wie du habe ich auch bei dem Original Mitleid mit der betrogenen Braut.
    Ich mag es wenn du im Advent unbekannte Märchen vorstellst. 🙂
    Muss noch schnell bei den anderen vorbeischauen.
    Liebe Grüße
    Diana

    Gefällt 1 Person

  4. Pingback: [Im Advent] Märchen aus Norwegen – Buchperlenblog

  5. Hallöchen Gabriela,

    und wieder was gelernt. Aber ganz ehrlich, wenn ein Finger aus der Erde guckt, wäre das Letzte, was ich tun würde, dem einen Ring dranstecken. *lach
    Ich würde schreiend weglaufen. Ok, vielleicht nicht ganz. Aber Abstand nehmen definitiv und die Polizei rufen.

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

    • Huhu Tina!
      Geht mir genauso 😄 ich möchte annehmen, dass sie einfach schon ein wenig zu viel gebechert haben, und deswegen so reagiert haben 😄

      Liebe Grüße!
      Gabriela

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