[Im Advent] Märchen aus Norwegen

Meine Lieben!

Die Weihnachtszeit lockt nicht nur mit gemütlichem Lichterglanz, köstlichen Plätzchen und stimmungsvoller Musik, nein, für mich ist die Vorweihnachtszeit auch gleichbedeutend mit ausgiebigem Schwelgen in Märchen. Im Advent stelle ich euch wieder jeden Sonntag ein Märchen aus einem anderen Land vor. Denn es gibt noch so viel mehr zu entdecken, als nur Hänsel und Gretel, Schneewittchen oder Dornröschen, mit denen wir aufgewachsen sind. ♥

In den letzten beiden Jahren habe ich euch bereits auf diese Reise mitgenommen, wir haben gemeinsam Märchen von der Orchideeninsel kennengelernt, uns in die Kälte Alaskas begeben, haben einen magischen Pinsel in China gefunden und haben uns gemeinsam mit dem Fuchs über die Dummheit des Wolfes im Orient amüsiert. Danach ging es nach Polen, einem Land, mit dem ich vorher gar nicht so viele Märchen verbunden habe. Später entführte ich euch nach Norwegen, in ein fliegendes, goldenes Schloss, und nach Indonesien, zu einer traurigen Prinzessin. Und zum Schluss hielten wir in Russland und haben Wassilissa, die Weise kennengelernt.

In diesem Jahr habe ich euch bereits von einer Leichenbraut, von einem verzauberten Spiegel und einem Teufel auf Brautschau erzählt. Als letztes machen wir nun einen Abstecher zu einem riesenhaften Troll!

Von dem Riesen,
der kein Herz im Leibe trug

Es war einmal ein König, der hatte sieben Söhne. Nun wollten die Prinzen sich eine Braut suchen, doch der König wollte den jüngsten von ihnen nicht gehen lassen, und so sagte er zu den anderen sechs, sie sollten ihm einfach eine Prinzessin mitbringen. Die sechs Prinzen zogen aus und fanden schon bald wunderschöne Prinzessinnen, die sie mit nach Hause bringen wollten. Doch ihren jüngsten Bruder vergaßen sie dabei.

Auf ihrem Heimweg kamen die Prinzen und Prinzessinnen am Schloss eines Riesen vorbei. Dieser kam heraus und verwandelte all die zwölfe in Steine. Als aber nach einer Weile weder Söhne noch Bräute ins väterliche Schloss zurückkehrten, da zog nun auch der Jüngste aus, seine Brüder zu suchen.

Auf seinem Weg kam er an einem Raben vorbei, der klagte bitterlich über seinen Hunger und versprach, dem jungen Mann zu helfen, wenn er ihm sein Brot gebe. Da willigte der Prinz ein, ritt weiter, und kam kurze Zeit später zu einem Lachs, der auf dem trocknen Ufer lag. Auch dieser versprach ihm seine Hilfe, wenn er ihm zurück ins Wasser helfe. Als letztes kam der Prinz zu einem halb verhungerten Wolf, der ihm versprach, ihn zu tragen, wenn er ihm sein Pferd zu fressen gäbe.

Auf dem Rücken des Wolfs kam er nun zum Schloss des Trolls, in dem eine Prinzessin gefangen gehalten wurde. Diese versteckte den Prinzen unter dem Bett und sagte ihm, wenn er den Troll erschlagen möchte, so müssten sie erst herausfinden, wo sein Herz zu finden sei. Am Abend lagen nun also Prinzessin und Troll im Bett und die Prinzessin fragte ihn danach. Da gab er zur Antwort, dass sie das nichts anginge, sein Herz aber unter der Türschwelle liege. Am nächsten Morgen, nachdem der Troll im Wald verschwunden ward, da suchten der Prinz und die Prinzessin vergebens unter der Türschwelle, denn dort lag kein Herz. Nun schmückte die Prinzessin die Schwelle mit allerlei Blumen, und als der Troll am Abend zurückkehrte, da wunderte er sich nicht schlecht über die Blumen. Die Prinzessin sagte, sie hätte den Troll so lieb, dass sie die Stelle mit senem Herzen mit Blumen schmücken wollte, und der Troll lachte. Nun sagte er ihr, sein Herz läge nicht dort, sondern im Wandschrank. Doch als der Prinz und die Prinzessin am nächsten Tag dort suchten, da fanden sie wieder nichts. Wieder schmückte die Prinzessin die Stelle mit Blumen und wieder lachte der Troll darüber.

Nun endlich verriet er ihr, dass sein Herz auf einer Insel, in einer Kirche, in einem Brunnen, in dem Ei einer Ente läge. Da machte der Prinz sich auf dem Rücken des Wolfes auf, diese Ente zu finden. Um in die Kirche zu gelangen, brauchte er die Hilfe des Raben, um das Ei zu bekommen die Hilfe des Lachses und schließlich hielt er das Herz des Trolls in Händen. Als er es drückte, da schrie der Riese auf und verwandelte die sechs Prinzen und ihre Prinzessinnen zurück in Menschen. Doch der jüngste Prinz drückte erneut, und da zersprang der Troll in zwei Hälften. So konnten nun sieben Brautleute zum König zurückkehren und endlich, endlich Hochzeit halten. Hurra!

… Ich hoffe, ihr hattet auch in diesem Jahr Freude an der Märchenreise durch die verschiedenen Länder. Ich bin schon jetzt gespannt, was uns im nächsten Jahr erwarten wird. ♥


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