Mittendrin Mittwoch #24 – Den Tränen nahe

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Eigentlich wollte ich heute gar nicht, aber andererseits bin ich so sehr buchverliebt in meine aktuelle Lektüre, dass ich sie eben doch noch mit euch teilen muss!

 

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„Du glaubst nicht, wie froh wir wären, wenn du dich entschließen könntest, wieder aufzuwachen. Mein liebes Kind“, sagte er, sehr leise und schnell, wie man schnell etwas zu Ende sagt, bevor man anfängt zu weinen und nichts mehr sagen kann. (S.124)

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Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky berührt irgendwo in mir drin eine Saite, die nicht häufig von Büchern getroffen wird. Ich kann auch gar nicht beschreiben, wieso es so ist, aber die Tatsache, dass ich vorhin mit feuchten Augen in der Bahn saß, spricht wohl für sich. Es ist auch nicht so, dass einem hier die Emotionen aufgedrückt werden, nein, sie kommen von ganz allein. Weshalb das Buch nicht durchgehend traurig ist, es lebt von der schönen Sprache und dem Humor, der sich zwischen den Zeilen versteckt.

Wenn Selma von Okapis träumt, stirbt jemand aus dem Dorf innerhalb der nächsten 24 Stunden. Da niemand weiß, wen es ereilen wird, brechen Wahrheiten aus den Menschen, die schon lange verschüttet waren, öffnen sich die Menschen mehr. Ob du daran glaubst oder nicht, einen wird der Tod holen. Und der ist niemals gerecht.

 

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Diese Aktion wurde von der lieben Elizzy von readbooksandfallinlove initiiert, schaut unbedingt mal bei ihr vorbei! ♥

Bitte lächeln! [abc-Etüden]

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Bitte lächeln!

„Du musst den Arm noch etwas fordernder ausstrecken, ja, genau so!, und nun schau mich an, ja, schau mich genauso frech an, wie sie es damals tat!“ Knipps – das Stativ wackelte etwas, und eine kleine schwarze Rauchwolke stieg unter dem Vorhang des altmodischen Fotoapparats hervor, die der Mann eilig fortwedelte, als er wieder zum Vorschein kam. „So ist’s recht, du schaust exakt aus wie sie, meine Liebe, eine kleine Alice Liddell im Zigeunerkleidchen, herrlich, einfach herrlich!“

Das dunkelhaarige Mädchen vor der Kamera blickte ihn skeptisch an, schob sich dabei die verwuschelten Locken aus der Stirn und sagte: „Papa, ich verstehe ehrlich gesagt das ganze tamtam hier nicht, ich bin nicht Alice, ich bin Mary und ich will keine kleine Zigeunerin sein!“ Aber der Vater war so in seinem eigenen Wunsch gefangen, der echten Alice – dem Mädchen aus dem Wunderland – nachzuspüren, dass er dem Einwand seiner Tochter kein Gehör schenkte. Schon immer hatte er den starken Blick aus diesen dunklen Augen bewundert, hätte am liebsten mit Charles Lutwidge Dodgson die Plätze getauscht und wäre der jungen Alice einmal durch das widerspenstige Haar gefahren.

Nun war es endlich soweit, ein Kindheitstraum erfüllte sich für ihn, denn seine eigene Tochter glich der historischen Person erstaunlicherweise bis ins kleinste Detail. „Liebling, sei so gut, zieh nicht so eine Schnute und tu dem Papa diesen einen Gefallen, ja? Ich habe diese Kamera nur noch für wenige Stunden und ich möchte, dass die Bilder so authentisch wie möglich werden.“ Mary seufzte theatralisch auf, verdrehte die Augen und fügte sich dem väterlichen Wunsch: „Aber heute Abend liest du mir NICHT aus dem Wunderland vor, versprochen?“ Der Vater nickte gedankenverloren und antwortete, während er bereits wieder unter den Vorhang kroch: „Alles was du willst, aber nun zeig mir noch einmal den Blick, den Alice Dodgson zugeworfen hat, mach schon, los!“

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Die abc-Etüden von Irgendwas ist immer stellen wöchentlich drei Worte zur Verfügung, auf dass wir daraus eine Geschichte aus 10 Sätzen schreiben können. Diese Woche sind es Stativ, Kindheitstraum und nachspüren. 🙂

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Alice Liddell, Foto: Charles Lutwidge Dogdeson

Übrigens: Das Bild der jungen Alice hat damals für viel Aufsehen gesorgt. Erstmals aufgefallen ist es mir bei der Lektüre zu Alice & Ich – einem unfassbar schönen Buch über die wahre Alice Liddell, welches ich vor einiger Zeit bereits beim Perlentauchen vorgestellt habe.

[Rezension] Yasmina Reza – Babylon

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Erscheinungsdatum Erstausgabe: 24.07.2017

Verlag: Hanser

ISBN: 9783446256514

Genre: Roman

Fester Einband 224 Seiten

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Was Lydie gesagt hat, nimmt diesen Bildern allen Glanz. Er weiß nicht mehr, was er denken soll. Ihre Worte sind in seinen Körper eingedrungen und lassen ihn unstillbar verbluten. (S.120)

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Inhalt

Elisabeth und Pierre sind ein Ehepaar in ihren 60ern. Elisabeth möchte eine Frühlingsparty geben und benötigt dazu mehr Stühle, als sie selbst besitzt. Sie leiht sich diese von dem Nachbarspaar im Stockwerk über ihr aus und lädt diese nun ebenfalls ein. Mit Jean-Lino ist sie befreundet, seine Frau Lydie kennt sie eher flüchtig. Der Abend verläuft gut, die Gäste brechen wieder auf. Lydie und Jean-Lino sind die ersten, die den Abend verlassen. Als alle gegangen sind, klingelt es erneut an der Tür. Jean-Lino steht davor und gesteht: Ich habe meine Frau erwürgt.

Rezension

Wer jetzt entsetzt die Luft einzieht und meint, einem großen Spoiler aufgesessen zu sein, der irrt. Nicht der Mord an sich ist das große Geheimnis dieses Romans von Yasmina Reza. Vielmehr zeigt uns die Autorin, wie aus einer anfangs recht harmlosen, fast schon alltäglichen Situation eine Eskalation entstehen kann. Wie das Leben enden kann, das man kennt. In wenigen Sekunden.

Für Elisabeth steht zunächst fest, dass sie ihrem Freund helfen muss. Sie betritt zusammen mit ihrem Mann die Wohnung, den Tatort. Relativ abgeklärt betrachten sie die Leiche, raten Jean-Lino, die Polizei zu rufen und verlassen kurz darauf die Wohnung wieder. Pierre schafft es sogar, trotz dieser Situation zu Bett zu gehen und einzuschlafen. Nur Elisabeth kann das nicht.

Altbewährtes?

Die ersten Stimmen in der Presse sagen, dass Yasmina Reza sich bei ihrem Roman Babylon auf Altbewährtes ihrer Schreibkunst beruft. Alltägliche Leben, alltägliche Situationen und eine Eskalation. Babylon war mein erster Roman von ihr, so dass mir das nicht auffiel und ich ihren für mich neuen, bühnenhaften Stil sehr genießen konnte. Die Dialoge sind sowohl tragisch als auch in ihrer Alltäglichkeit unverhofft witzig. Als Elisabeth gegen Ende von ihrem Anwalt verhört wird, musste ich doch immer wieder schmunzeln.

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Und Sie bleiben dabei, es ist nichts als Freundschaft.

Ja.

Denken Sie nicht, Sie haben vielleicht Spuren einer Verbindung hinterlassen, die von einer anderen Natur ist, als Sie es beschreiben?

Nein.

Sie haben sich nicht vielleicht Mails geschrieben? Ihr Posteingang wird untersucht werden.

Nie eine Mail.

(S.178)

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Diese Einfachheit der Gespräche zieht sich durch die gesamte Geschichte, wirkt authentisch und real – Hand aufs Herz, wir unterhalten uns nunmal so.

Der Grund der Eskalation ist banal und allumfassend zugleich. Er bricht aus einer sehr bekannten Alltags-Situation hervor und er steht für die dünne Schicht der Zivilisation, die uns umgibt. Denn wenn wir an unserer hochgelobten Toleranzschicht kratzen, kommt sehr schnell das wahre Gesicht der Menschen zum Vorschein.

Fazit

Eine feine Geschichte, die mir wunderbare Lesestunden brachte, deren Charaktere ich auf merkwürdige Art in mein Herz schloss. Eine Situation, die man selbst nicht erleben will und sich eben doch fragt: Hätte ich wie Elisabeth reagiert? Hätte ich helfen wollen, ein Verbrechen zu vertuschen, weil ich mit dem Täter befreundet bin?

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★★ ( 5 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )

= 4.6 ★★★★★

 

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Ein Stück Kindheit

Wem es geht wie mir, dem ist die Kindheit die wichtigste Erinnerung. Ich bin im Herzen ein Kind geblieben, meine Mutter sagt auch gern: „Peter Pan hätte seine helle Freude an dir!“ Und vermutlich hat sie da recht. Natürlich kenne ich den Ernst des Lebens, aber meine Gedanken ziehen sich sehr gern zu der unbeschwerten Zeit zurück, in denen man keine größeren Entscheidungen fällen musste, als mit welchem Kuscheltier man heute das Bett teilen soll.

Mit Kuchen in die Vergangenheit

Nun kam meine Mutter vor einigen Tagen zu mir und brachte mir eine Kuchenbackmischung mit. Aber nicht nur eine x-beliebige (sonst wäre auch meine Freude geringer ausgefallen, ich backe lieber komplett selbst 🙂 ), nein, sie war von Conni. Kennt ihr noch Conni?

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Mir persönlich ist Conni als Pixi-Buch bekannt. Anlass genug, um die geliebte Sammel-Kiste aus dem Schrank zu holen, den Staub wegzupusten und einen Blick in längst vergangene Zeiten zu werfen.

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Ein wunderbares Ritual meiner Kindheit war es, abends im Bett zu liegen und eines der vielen Büchlein auszuwählen zum Vorlesen.

Elternteil: Links oder Rechts?

Ich: Links.

Elternteil: Von Vorn oder von Hinten abzählen?

Ich: Hinten.

Elternteil: *zählt ab* Sag STOPP!

Und dann wurde vorgelesen, was die Kiste offenbarte. Ich liebe diese Erinnerungen! Viele Jahre haben mich diese kurzen Geschichten begleitet, auch jetzt schaue ich von Zeit zu Zeit gerne hinein und erinnere mich an all die tollen Geschichten (Und das meine ich ernst: Ich erinnere mich. An jede einzelne.)

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Zu unseren Lieblingen zählte stets Waldo, der Hund. Waldo erlebte in meiner Kindheit viele Abenteuer, doch Waldo und die Marzipankartoffel wird vermutlich noch in unzähligen Jahren von meiner Familie zitiert. In dieser Geschichte verliert Waldo die besagte Marzipankartoffel und jagt ihr hinterher. Doch jeder Waldbewohner, an dem sie vorbeihüpft, hält sie für etwas anderes und so ist der halbe Wald in Aufruhr und hetzt ihr hinterher, bis schließlich eine Maus das Naschwerk als das erkennt, was sie ist – und sie verspeist.

Moral? Nö. Aber Unterhaltungswert für Groß und Klein! Doch es gibt viele Pixi-Geschichten, die Kindern den Alltag näher bringen, die sie auf den Besuch beim Friseur, Zahnarzt, Schule usw. vorbereiten. Ich werde meine wohl ewig aufheben, sie später meinem eigenen Kind vorlesen und hoffen, dass sie im nächsten Kinderherz genauso fest verwurzeln, wie in meinem.

Kleines Fakten-Wissen

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  • Pixis erscheinen seit 1954 im CARLSEN-Verlag
  • Sie sind immer 10 x 10cm groß (Außer die Maxi-Ausgaben, die sind jetzt 15cm groß)
  • Sie sind immer genau 24 Seiten lang
  • Es gibt bereits mehr als 2000 Geschichten und über 200 Serien

Natürlich gibt es heutzutage Unmengen neuer Geschichten, man kann sie gar nicht alle kennen. Aber immer, wenn ich an einem dieser Pixi-Becken vorbeikomme, muss ich unwillkürlich lächeln, mein Herz klopft und ich fühle mich für einen Moment wieder wie das kleine 5jährige Mädchen, dass ich damals war und heute im Herzen manchmal noch bin.

 

 

 

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[Perlentauchen] Auf Shakespeares Spuren

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Freitag ist Perlentauchen-Zeit!

Ich stelle euch an dieser Stelle wöchentlich Bücher vor, die schon das ein oder andere Jahr auf dem Buckel haben. Dabei ist es egal, ob es 1, 2, 3 oder 30 Jahre alt ist, denn Geschichten verfallen nicht.

Hier gibt es weitere Perlen zu entdecken. 🙂

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Kate Atkinson – Ein Sommernachtsspiel

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 1998

Verlag : Diana Verlag

ISBN: 3828400167

Genre: Roman

Flexibler Einband 416 Seiten

 

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In den Straßen der Bäume herrscht eine merkwürdige Stimmung, allerdings kann ich nicht sagen, worin sie genau besteht. Ich liege auf meinem Bett und starre hinauf zu meinem Dachgeschossfenster, in dem außer einem frühmorgendlichen Himmel nichts zu sehen ist, eine leere blaue Seite, ein noch nicht kartographierter Tag, der darauf wartet, gefüllt zu werden. (S.21)

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Kate Atkinson erzählt die Geschichte der 16-jährigen Isobel Fairfax im beschaulichen England. Ihre Familie ist alles andere als normal. Ihre Mutter Eliza verschwand eines Tages und hinterließ nichts, womit normalerweise Menschen in der Realität verankert sind. Es gibt keine Fotos, Kleidungsstücke oder andere Erinnerungen an sie. Der Vater hat eine Neue, der Bruder ist von der Existenz von Ufos überzeugt. Alle sind ein wenig schrullig und eigen. Und Isobel versucht, dem Geheimnis ihrer Familie in Gegenwart und Vergangenheit auf die Spur zu kommen, wieso verschwand Eliza? Ging sie einfach in den Wald oder wurde sie umgebracht? Dabei gerät sie immer wieder in eine Scheinwelt, verliert sich zwischen Realität und Traum. Was ist real und was nicht?

Der Titel Ein Sommernachtsspiel ist nicht für umsonst an einen von Shakespeares größten Werken angelehnt. Atkinson verbeugt sich hier vor dem großen Meister des Theaters.

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„Da ist jemand, den ich euch vorstellen möchte“, sagte Gordon mit einem hoffnungsvollen kleinen Lächeln. „Sie wartet im Auto.“

Charles gab einen komischen Laut von sich, als würde er ersticken. „Ist es Mummy?“, fragte er, irgendwo zwischen unmöglicher Hoffnung und überwältigender Verzweiflung schwebend.“ (S.213)

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Gerne kann jeder mitmachen, der will!

Achtung: Es muss kein aktuell von euch gelesenes Buch sein – Schnappt euch den Banner und kramt in euren Bücherkisten, zeigt anderen, was vor Jahren toll war und noch immer ist. ♥

[Rezension] Lisa Brenk – Gekoffert und Verschleppt

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Erscheinungsdatum Erstausgabe :29.01.2016

Verlag : Wölfchen Verlag

ISBN: 9783943406672

Flexibler Einband 512 Seiten

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Man brachte mich während des Aperitifs in einen Parcours, in dem man erst klettern und dann seinen Mut beweisen konnte, indem man sich möglichst kunstvoll auf große Strohmatratzen fallen ließ. Es gab glühende Kohlen zum Darüberlaufen, einen großen Eisblock, auf dem man um die Wette tanzte, Fechtduelle beim Bankett … (S. 377)

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Inhalt

Der 13-jährige Robert Julius Caillou wird entführt. Nein, er wird richtiggehend gekoffert, das heißt, Menschen dringen des nächtens in sein Schlafzimmer ein und stecken ihn in einen Koffer. So gelangt er in die so genannte Oberwelt. Hier soll er nun zum Zauberer ausgebildet werden, obwohl sich recht früh herausstellt, dass er keinerlei Talent für diesen Beruf mit sich bringt. Zusammen mit seinem Totem Tatu, einer Hyäne, nutzt er also einen günstigen Augenblick und verschwindet. Durch Wälder, über Berge, durch weite Gebiete und verlassene Schiffe führt ihn sein Weg Richtung Immerstadt, der ewigen Stadt, in der er den Weg nach Hause zu finden hofft.

Rezension

Das Cover verrät es bereits, dieses Buch strotzt nur so vor Fantasie. Anders als in den meisten Fantasygeschichten findet man hier neue, unbekannte Gestalten. Keine Werwölfe, Vampire und ähnlich gern verwendetes lebt in der Oberwelt, die durch einen Umwirbel mit der unsrigen Welt verbunden ist. Manche Namen waren leider so abstrus, dass ich sie mir weder vorstellen noch ernst nehmen konnte.

Überall Abenteuer

Nun ist unser junger Abenteurer also in dieser neuen Welt gelandet und sieht sich plötzlich Gefahren und Abenteuern an jeder Ecke gegenüber. Und genau hier setzt mein erster Kritikpunkt ein. Es war einfach zu viel. Zu viele Abenteuer, Randgeschichten, Erlebnisse, in die Robert hineinschlitterte, nein viel mehr hineinstolperte. Denn das war es. Während er den Weg Richtung Immerstadt sucht, trifft er immer wieder auf Figuren, die ihn in mehr oder weniger brenzlige Situationen hineinführen. Nichts geht so richtig von ihm aus, immer ist jemand anderes der Anlass.

Unterbrochen wird die Erzählung, die nachträglich aus Tagebucheinträgen zusammengeschrieben wurde, von Erklärungen eines der Bewohner der Oberwelt. Diese Einschübe lockern das Geschehen immer wieder auf und gefielen mir sehr gut. Auch die kleinen Zeichnungen, die das Gelesene untermauern, fand ich wundervoll.

Zufall über Zufall

Der Einstieg in die Geschichte ist spannend, man weiß genauso wenig wie Robert selbst und fällt quasi mit ihm zusammen durch den Umwirbel. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, Robert und Tatu erobern das Leserherz direkt zu Beginn. Die Autorin versteht es, diese neue Welt in anschaulichen Bildern zu beschreiben und mit vielen Details auszuschmücken. Doch ab der Hälfte des Buches wurde ich zunehmend unruhiger. Robert ist mehr Mitläufer als selbstständig, er fällt in Abenteuer, er lässt sich aus diesen heraushelfen, viele Tage verstreichen, ohne das etwas nennenswertes passiert. Sein eigentliches Ziel, die Heimfahrt nach Hause, behält er zwar im Hinterkopf, aber irgendwie war ich mit der Entwicklung in Immerstadt nicht so richtig zufrieden. Vielleicht hätte es geholfen, wenn man manches etwas mehr gerafft hätte. Einige Situationen wirkten auf mich aufgesetzt, als müsste jetzt endlich wieder etwas abstruses passieren. Im letzten Drittel nimmt die Geschichte dann wieder Fahrt auf, doch auch hier reihen sich viele, viele böse Zufälle aneinander, so dass Robert weiter durch Oberwelt strauchelt.

Das Ende fällt völlig anders aus, als gedacht, auch wenn der aufmerksame Leser sicherlich schon den ein oder anderen Hinweis vorher finden konnte. Aber auch hier wirkte die Aufdröselung ein wenig gewollt, ein wenig schnell, ein wenig … viel.

Die Sprache ist sehr schön, detailverliebt, und dank des Ich-Erzählers ist man mittendrin im Geschehen. Nicht immer funktionierten die Zeitformen, aber sei es drum.

Fazit

Ein hübsches Abenteuer für Jung und Alt. Ich hatte mir ein wenig mehr erhofft, nachdem der Klappentext und der (echt schöne!) Buchtrailer so vielversprechend waren. Ein wenig mehr Tiefe an manchen Stellen, ein bisschen weniger Abenteuer an anderer Stelle hätten sicherlich noch mehr aus der Geschichte herausholen können. Eine Geschichte, die sich mit einer Entführung befasst, dem Wunsch Heimzukehren, Freundschaft und Zusammenhalt, Verrat und dem Leben an sich in der Oberwelt.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

= 3.6 ★★★★

 

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Mittendrin Mittwoch #23 – Unterwegs in der Oberwelt

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Ein sonniges Hallo an diesem wunderbaren Mittwoch!

Aktuell stecke ich mitten in einem Buch, welches nur so vor Fantasie strotzt. Es ist die Geschichte eines Jungen, der aus seiner gewohnten Welt gerissen wurde, um ein Zauberer zu werden. Nur dass er keinerlei Talent für dieses Handwerk zu besitzen scheint. Und so nimmt er kurzerhand Reißaus und versucht zusammen mit seinem Totem Tatu zurückzufinden in die Welt, die er kennt. Doch ist das leichter gesagt, als getan.

 

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Man brachte mich während des Aperitifs in einen Parcours, in dem man erst klettern und dann seinen Mut beweisen konnte, indem man sich möglichst kunstvoll auf große Strohmatratzen fallen ließ. Es gab glühende Kohlen zum Darüberlaufen, einen großen Eisblock, auf dem man um die Wette tanzte, Fechtduelle beim Bankett … (S. 377)

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Lisa Brenk, die Autorin, schrieb mich vor wenigen Wochen an und fragte, ob ich einen Blick in ihr Buch werfen wolle, vielleicht würde ich eine neue Perle entdecken. So landete Gekoffert und Verschleppt bei mir. Es ist wahrlich voll Fantasie, die Geschichte um Robert Julius Caillou. Manchmal einen Tick zu viel, doch ich bin gespannt auf die nächsten Seiten.

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Mein lieber Mr. Bennet!

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Da hätte ich ihn doch beinahe verschlafen. Ich! Als große Freundin der Austen’schen Literatur hätte beinahe ihren 200. Todestag verpasst, wäre der wunderbare Beitrag von Bella von Bellaswonderland nicht gewesen.

Am 18. Juli 1817 starb eine der talentiertesten Schriftstellerinnen im Alter von nur 41 Jahren. Ihre Romane sind seitdem weltweit ein Erfolg, sie werden immer wieder neu aufgelegt und verlieren nie ihren Reiz.

Menschen, die sich nicht mit der Gesellschaft, die Jane Austen in ihren Büchern erschafft, auseinandersetzen wollen, sehen vor allem eines: Liebesromane. Schnulziges Anbandeln zweier unverheirateter Menschen aus gutem Haus, welches in einer Heirat gipfeln soll. Doch dabei ist Jane Austen so viel mehr! Kaum ein Autor konnte die Gesellschaft der damaligen Zeit spitzfindiger portraitieren, mehr Zynismus in die Charaktere und ihre Handlungsweisen legen. Die Jagd auf die heiratsfähigen Männer ist natürlich der Bestandteil in fast allen Austen-Werken, aber der Weg dahin bietet die größten literarischen Genüsse.

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Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.

Jane Austen, Stolz und Vorurteil

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Ja, ich gebe es zu, ich schwebe in einem Schaummeer, wenn ich von Jane Austen rede, wenn ich an Elisabeth Bennet und Mr. Darcy denke, an Emma und Anne Elliot, an all die schnieken jungen Männer in den Büchern, die doch nicht frei von Fehl und Tadel sind. Aber auch die etwas unbekannteren Geschichte wie Sanditon oder die Watsons sind wunderbar, bestens geeignet um in einem Schaukelstuhl zu sitzen, einen Tee auf dem kleinen Abstelltisch daneben und sich in das ferne, frühe England des 18. / 19. Jahrhunderts zu begeben.

 

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Auch viele Verfilmungen können sich sehen lassen. BBC hat ein Händchen für solche Literaturverfilmungen. Meine liebste ist hier eindeutig Sense & Sensibility, ein 3-Teiler, der mich jedes Mal ab der Hälfte zum Taschentuch greifen lässt. Natürlich darf auch der Klassiker Stolz & Vorurteil nicht fehlen, wobei ich es leider immer noch nicht geschafft habe, mir die Verfilmung mit Colin Firth zu besorgen.

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Ich verlange von den Leuten nicht, daß sie mir angenehm sind, weil es mich vor dem Problem bewahrt, sie zu mögen.

Jane Austen

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Seid ihr vielleicht auch ein wenig verrückt nach Jane Austen?

Montagsfrage – Huhn oder Ei?

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Guten Morgen meine Lieben,

da ist er wieder. Der Montag. Und schon wieder beginnt die Woche eher regnerisch. Hat natürlich den Vorteil, dass man ohne schlechten Gewissens auf der Couch gammeln kann, sobald die Feierabendglocken läuten.

Die heutige Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja klingt zuerst leichter, als sie ist.

Wenn du weder Buchverfilmung noch Buch kennst, was würdest du zuerst anschauen/lesen?

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Tja. Das Buch kam vor dem Film. (Berichtigt mich, sollte es andere Beispiele geben) – also ist es doch naheliegend, zuerst auch das Buch lesen zu wollen, oder? Jain. Ein aktuell sehr schönes Beispiel ist bei mir Herr der Ringe. Oh, lange, lange Jahre habe ich damit nichts anfangen können, ja, anfangen wollen. Aber nun habe ich es geschafft und mir mal alle drei Filme angeschaut. Und nun auch die Hobbit-Filme. Und plötzlich war da der Wunsch: Eigentlich möchte ich es jetzt doch mal lesen. Und siehe da, es gibt ganz zauberhafte Menschen, wie den Torsten von sahneplatten.de, der mir doch tatsächlich eine Ausgabe von Herr der Ringe schenkt. Einfach so. Einzige Bedingung: „Lies den Hobbit zuerst.“ Nun gut, also habe ich heute den Hobbit gekauft und werde mich wohl demnächst mal in Tolkiens Welt einfinden.

Habt ihr Herr der Ringe gelesen oder gesehen? Und wenn ja zu beidem, was kam zuerst?

Ein anderes Beispiel wäre auch sehr aktuell. Ich habe ja zuletzt Wir müssen über Kevin reden gelesen – ein wirklich großartiges Buch. (Hier geht’s zur Rezension nochmal) und nun sah ich, dass es auch eine Verfilmung gibt. Kurzum, der Film lief am Wochenende über den Bildschirm. Und ich muss ehrlich zugeben, ich hätte ihn nicht verstanden, hätte ich nicht vorher das Buch gelesen. Natürlich kann man Bücher nicht 1 zu 1 in Filme umsetzen, diese Diskussion mag ich an dieser Stelle gar nicht anfangen, aber ich hätte den Film so nicht richtig verstanden. Oder zumindest seine Tiefe nicht gesehen. Die Faszination, die dem Buch oblag, gab der Film einfach nicht her. Also war es gut, erst das Buch gelesen zu haben und dann noch einmal die Visualität zu erleben.

Und dann gibt es so Bücher, die würdest du gerne zuerst lesen, kannst es aber nicht, weil der Film / die Serie dem Buch zuvorkommt. Das Lied von Eis und Feuer, wir alle kennen dieses Dilemma. (Bitte nicht spoilern, ich habe kein Sky und kann es somit auch noch nicht sehen.)

Wie seht ihr das? Zuerst das Buch oder der Film? Ei oder Huhn?

[Perlentauchen] Lauf um dein Leben

 

Blogaktion_PerlentauchenFreitag ist Perlentauchen-Zeit!

Ich stelle euch an dieser Stelle wöchentlich Bücher vor, die schon das ein oder andere Jahr auf dem Buckel haben. Dabei ist es egal, ob es 1, 2, 3 oder 30 Jahre alt ist, denn Geschichten verfallen nicht.

Hier gibt es weitere Perlen zu entdecken. 🙂

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Stephen King – Todesmarsch

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 1989

Verlag : Heyne

ISBN: 9783453436916

Flexibler Einband 368 Seiten

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„Ich bin nicht müde – noch nicht. Aber ich werde es sein.“ Die Narbe leuchtete weiß in seinem hageren Gesicht, als er düster vor sich hin in die Dunkelheit starrte.

„Und ich glaube … wenn ich müde genug bin … ich glaube, dann setze ich mich einfach auf die Straße.“ (S.113)

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Ein King geht immer! Das denke nicht nur ich, das denken sicherlich sehr viele. Nicht für umsonst ist er der Meister der Horrorliteratur. Dank des #skm17 – dem Stephen King Mai – von I AM JANE ausgerufen, haben sich ja schon einige Blogger zuletzt wieder mehr mit seinen teils sehr seitenlastigen Geschichten auseinandergesetzt. Ich gestehe, ich bin ein großer Freund von King, habe sicher schon mehr als 20 seiner Geschichten verschlungen. Unter anderem die Dunkle Turm Reihe mehrfach, die es nun ja auch demnächst in die Kinos schafft.

Heute also eine Buchvorstellung über Todesmarsch von Stephen King, welches er unter seinem Pseudonym Richard Bachmann veröffentlichte.

In einer dystopischen Zukunft, in der das Militär das Sagen hat, brechen jedes Jahr am 1. Mai 100 17-Jährige auf, um sich einem Lauf um Leben und Tod zu stellen. Die Regeln sind denkbar einfach. Lauf. Lauf, so weit dich deine Beine tragen. Wenn du nicht mehr laufen kannst, bleib stehen, setz dich hin. Aber dann bezahlst du mit deinem Leben. Der Lauf endet, wenn der Letzte übrig bleibt.

Das Buch hat damals einen tiefen Eindruck auf mich gemacht. Es ist keine der typischsten King-Geschichten, es befasst sich verstärkt mit dem Denken der Läufer. Innere Monster statt Sichtbare. Warum nehmen sie freiwillig an diesem Todesmarsch teil? Der Gewinner darf sich etwas wünschen, aber ist es das eigene Leben wert?

Fesselnd, unterhaltsam, toll geschrieben – einen neuen Blick mehr als wert!

 

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Gerne kann jeder mitmachen, der will!

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