Mein lieber Mr. Bennet!

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Da hätte ich ihn doch beinahe verschlafen. Ich! Als große Freundin der Austen’schen Literatur hätte beinahe ihren 200. Todestag verpasst, wäre der wunderbare Beitrag von Bella von Bellaswonderland nicht gewesen.

Am 18. Juli 1817 starb eine der talentiertesten Schriftstellerinnen im Alter von nur 41 Jahren. Ihre Romane sind seitdem weltweit ein Erfolg, sie werden immer wieder neu aufgelegt und verlieren nie ihren Reiz.

Menschen, die sich nicht mit der Gesellschaft, die Jane Austen in ihren Büchern erschafft, auseinandersetzen wollen, sehen vor allem eines: Liebesromane. Schnulziges Anbandeln zweier unverheirateter Menschen aus gutem Haus, welches in einer Heirat gipfeln soll. Doch dabei ist Jane Austen so viel mehr! Kaum ein Autor konnte die Gesellschaft der damaligen Zeit spitzfindiger portraitieren, mehr Zynismus in die Charaktere und ihre Handlungsweisen legen. Die Jagd auf die heiratsfähigen Männer ist natürlich der Bestandteil in fast allen Austen-Werken, aber der Weg dahin bietet die größten literarischen Genüsse.

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Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.

Jane Austen, Stolz und Vorurteil

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Ja, ich gebe es zu, ich schwebe in einem Schaummeer, wenn ich von Jane Austen rede, wenn ich an Elisabeth Bennet und Mr. Darcy denke, an Emma und Anne Elliot, an all die schnieken jungen Männer in den Büchern, die doch nicht frei von Fehl und Tadel sind. Aber auch die etwas unbekannteren Geschichte wie Sanditon oder die Watsons sind wunderbar, bestens geeignet um in einem Schaukelstuhl zu sitzen, einen Tee auf dem kleinen Abstelltisch daneben und sich in das ferne, frühe England des 18. / 19. Jahrhunderts zu begeben.

 

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Auch viele Verfilmungen können sich sehen lassen. BBC hat ein Händchen für solche Literaturverfilmungen. Meine liebste ist hier eindeutig Sense & Sensibility, ein 3-Teiler, der mich jedes Mal ab der Hälfte zum Taschentuch greifen lässt. Natürlich darf auch der Klassiker Stolz & Vorurteil nicht fehlen, wobei ich es leider immer noch nicht geschafft habe, mir die Verfilmung mit Colin Firth zu besorgen.

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Ich verlange von den Leuten nicht, daß sie mir angenehm sind, weil es mich vor dem Problem bewahrt, sie zu mögen.

Jane Austen

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Seid ihr vielleicht auch ein wenig verrückt nach Jane Austen?

Montagsfrage – Huhn oder Ei?

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Guten Morgen meine Lieben,

da ist er wieder. Der Montag. Und schon wieder beginnt die Woche eher regnerisch. Hat natürlich den Vorteil, dass man ohne schlechten Gewissens auf der Couch gammeln kann, sobald die Feierabendglocken läuten.

Die heutige Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja klingt zuerst leichter, als sie ist.

Wenn du weder Buchverfilmung noch Buch kennst, was würdest du zuerst anschauen/lesen?

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Tja. Das Buch kam vor dem Film. (Berichtigt mich, sollte es andere Beispiele geben) – also ist es doch naheliegend, zuerst auch das Buch lesen zu wollen, oder? Jain. Ein aktuell sehr schönes Beispiel ist bei mir Herr der Ringe. Oh, lange, lange Jahre habe ich damit nichts anfangen können, ja, anfangen wollen. Aber nun habe ich es geschafft und mir mal alle drei Filme angeschaut. Und nun auch die Hobbit-Filme. Und plötzlich war da der Wunsch: Eigentlich möchte ich es jetzt doch mal lesen. Und siehe da, es gibt ganz zauberhafte Menschen, wie den Torsten von sahneplatten.de, der mir doch tatsächlich eine Ausgabe von Herr der Ringe schenkt. Einfach so. Einzige Bedingung: „Lies den Hobbit zuerst.“ Nun gut, also habe ich heute den Hobbit gekauft und werde mich wohl demnächst mal in Tolkiens Welt einfinden.

Habt ihr Herr der Ringe gelesen oder gesehen? Und wenn ja zu beidem, was kam zuerst?

Ein anderes Beispiel wäre auch sehr aktuell. Ich habe ja zuletzt Wir müssen über Kevin reden gelesen – ein wirklich großartiges Buch. (Hier geht’s zur Rezension nochmal) und nun sah ich, dass es auch eine Verfilmung gibt. Kurzum, der Film lief am Wochenende über den Bildschirm. Und ich muss ehrlich zugeben, ich hätte ihn nicht verstanden, hätte ich nicht vorher das Buch gelesen. Natürlich kann man Bücher nicht 1 zu 1 in Filme umsetzen, diese Diskussion mag ich an dieser Stelle gar nicht anfangen, aber ich hätte den Film so nicht richtig verstanden. Oder zumindest seine Tiefe nicht gesehen. Die Faszination, die dem Buch oblag, gab der Film einfach nicht her. Also war es gut, erst das Buch gelesen zu haben und dann noch einmal die Visualität zu erleben.

Und dann gibt es so Bücher, die würdest du gerne zuerst lesen, kannst es aber nicht, weil der Film / die Serie dem Buch zuvorkommt. Das Lied von Eis und Feuer, wir alle kennen dieses Dilemma. (Bitte nicht spoilern, ich habe kein Sky und kann es somit auch noch nicht sehen.)

Wie seht ihr das? Zuerst das Buch oder der Film? Ei oder Huhn?

[Perlentauchen] Lauf um dein Leben

 

Blogaktion_PerlentauchenFreitag ist Perlentauchen-Zeit!

Ich stelle euch an dieser Stelle wöchentlich Bücher vor, die schon das ein oder andere Jahr auf dem Buckel haben. Dabei ist es egal, ob es 1, 2, 3 oder 30 Jahre alt ist, denn Geschichten verfallen nicht.

Hier gibt es weitere Perlen zu entdecken. 🙂

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Stephen King – Todesmarsch

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 1989

Verlag : Heyne

ISBN: 9783453436916

Flexibler Einband 368 Seiten

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„Ich bin nicht müde – noch nicht. Aber ich werde es sein.“ Die Narbe leuchtete weiß in seinem hageren Gesicht, als er düster vor sich hin in die Dunkelheit starrte.

„Und ich glaube … wenn ich müde genug bin … ich glaube, dann setze ich mich einfach auf die Straße.“ (S.113)

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Ein King geht immer! Das denke nicht nur ich, das denken sicherlich sehr viele. Nicht für umsonst ist er der Meister der Horrorliteratur. Dank des #skm17 – dem Stephen King Mai – von I AM JANE ausgerufen, haben sich ja schon einige Blogger zuletzt wieder mehr mit seinen teils sehr seitenlastigen Geschichten auseinandergesetzt. Ich gestehe, ich bin ein großer Freund von King, habe sicher schon mehr als 20 seiner Geschichten verschlungen. Unter anderem die Dunkle Turm Reihe mehrfach, die es nun ja auch demnächst in die Kinos schafft.

Heute also eine Buchvorstellung über Todesmarsch von Stephen King, welches er unter seinem Pseudonym Richard Bachmann veröffentlichte.

In einer dystopischen Zukunft, in der das Militär das Sagen hat, brechen jedes Jahr am 1. Mai 100 17-Jährige auf, um sich einem Lauf um Leben und Tod zu stellen. Die Regeln sind denkbar einfach. Lauf. Lauf, so weit dich deine Beine tragen. Wenn du nicht mehr laufen kannst, bleib stehen, setz dich hin. Aber dann bezahlst du mit deinem Leben. Der Lauf endet, wenn der Letzte übrig bleibt.

Das Buch hat damals einen tiefen Eindruck auf mich gemacht. Es ist keine der typischsten King-Geschichten, es befasst sich verstärkt mit dem Denken der Läufer. Innere Monster statt Sichtbare. Warum nehmen sie freiwillig an diesem Todesmarsch teil? Der Gewinner darf sich etwas wünschen, aber ist es das eigene Leben wert?

Fesselnd, unterhaltsam, toll geschrieben – einen neuen Blick mehr als wert!

 

schnörkel


Gerne kann jeder mitmachen, der will!

Achtung: Es muss kein aktuell von euch gelesenes Buch sein – Schnappt euch den Banner und kramt in euren Bücherkisten, zeigt anderen, was vor Jahren toll war und noch immer ist. ♥

„Was liest du denn so?“

Buecherregal

Buecherregal

Wenn ich so in mein gut gefülltes Bücherregal schaue, kann ich durchaus feststellen, dass ich eigentlich querbeet viele Genre bedienen kann. Je nach Leselaune, kann ich also einfach ein Buch herausgreifen und drauflos lesen. Und natürlich bin ich immer ganz vorne dabei, wenn es darum geht, über ein Buch zu diskutieren, dass ich irgendwann in meinem Leben gelesen habe und welches nach wie vor in meinem Kopf präsent ist.

Doch in den letzten Tagen wurde ich rundheraus gefragt:

Was liest du denn eigentlich so?

Und da verschlug es mir doch glatt die Sprache. In meinem Kopf flogen all die tollen Bücher der letzten Jahre auf einem Haufen zusammen, füllten meinen Kopf und was blieb zurück? Leere. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, wusste keine Antwort. Wie soll ich die Fülle an Büchern, Geschichten und Genre kurz und knapp zusammenfassen? Schließlich will man ja nicht alle Bücher über einen Kamm scheren. Kann man auch nicht. Jedes Buch ist besonders und sollte auch genau so präsentiert werden. Doch der Gegenüber wirkte nicht so, als wolle er eine Abhandlung meines Bücherregals hören, geschweige denn das Auseinandernehmen der letzten von mir gelesenen Bücher.

books-441866_640Auf den meisten Büchern in meinem Regal steht als Genre lediglich Roman, doch Roman bedeutet ja nicht gleich Roman. Es gibt so viele Zwischenschritte. Eine Freundin meinte letztens, sie dachte lange Zeit Roman stehe für Liebesgeschichten. Doch fern ab von den Liebesromanen, gibt es doch noch Gesellschaftsromane. Historische Romane. Entwicklungsromane. Familienromane. Abenteuerromane. Bildungsromane. Briefromane. Schauerromane. Ich muss sie euch nicht alle aufzählen, ihr kennt die endlose Kategorisierung. Von Thrillern und Krimis einmal abgesehen, von denen ich auch den einen oder anderen beherberge, stehen ja auch noch diverse Fantasybücher bei mir.

Wie also zusammenfassen? Meine Antwort war schließlich und endlich: „Öhm. Vieles. Bücher die mir gefallen. Von denen ich etwas lernen kann.“ – eine geistige Glanzleistung! Das Gesicht mir gegenüber wirkte verständlicherweise auch etwas ratlos, doch ich konnte es partout nicht enger zusammenfassen.

Seid ihr Genre-festgelegt oder kommt ihr genauso ins Rotieren, wenn ihr gefragt werdet: Sag mal, was liest du eigentlich so?

 

schnörkel

 

[Rezension] Lionel Shriver – Wir müssen über Kevin reden

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Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.02.2006

Verlag : List

ISBN: 9783492310512

Flexibler Einband 560 Seiten

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schnörkel

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„Ein kleines Mädchen hat sich also gekratzt. Was hat das mit meinem Sohn zutun?“

„Er war dabei! Dieses kleine Mädchen zieht sich bei lebendigem Leib die Haut ab, und er unternimmt nichts!“ (S. 264)

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Inhalt

Kevin Khatchadourian ist fast 16 Jahre alt, als er mit einer Schusswaffe die Turnhalle seiner Schule betritt und neun Leben einfordert. Er erschießt sieben seiner Mitschüler, eine Lehrerin und einen Angestellten der schulischen Cafeteria. Doch seine Familie zerstört er schon früher. Nun sitzt er in der Jugendstrafanstalt. Seine Mutter besucht ihn nach wie vor regelmäßig, auch wenn sie eigentlich nicht weiß, warum.

In unzähligen Briefen an ihren Mann Franklin rollt sie ihr gemeinsames Leben mit ihrem Sohn auf, angefangen bei ihrem zweisamen Leben, über die verstörende Geburt ihres Sohnes bis hin zum großen Finale, dem Amoklauf. Sie schildert ihr Leben im festen Griff dieses Sohnes, der von Geburt an bösartig zu sein scheint und fragt sich immer wieder: Hätte ich etwas anders machen sollen?

Rezension

Dieses Buch besitzt Macht. Es stellt sich die Frage, wie sehr die Eltern dafür verantwortlich sein können, dass aus Kindern wird, was sie sind. Wie viel Bösartigkeit besitzt ein Mensch von Natur aus und wie viel ist der Umgebung, dem familiären Umgang geschuldet?

Bindungsängste und Blindheit

Lange Jahre waren Eva und Franklin glücklich, ihnen reichte das Leben so wie es war. Doch irgendwann sehnten sie sich nach einem Kind. Sie ist Ende 30, als Eva schließlich schwanger wird. Doch bereits während der Schwangerschaft wächst in ihr ein Widerwillen gegenüber dem Kind. Die Geburt verläuft für sie nicht so, wie gedacht, die Bindung zum eigenen Kind ist von Beginn an nicht gegeben. Er verweigert die Brust, sie versucht, es nicht persönlich zu nehmen. Doch je älter Kevin wird, umso schwächer wird die Verbindung der beiden. Immer wieder versucht sie, auf ihren Sohn und seine kaum vorhandenen Bedürfnisse einzugehen, ihn zu verstehen. Er scheint von Anfang an wütend zu sein. Wütend auf sich, seine Mutter, die Welt, seine pure Existenz. Er schreit, er verjagt die Babysitter der Umgebung, er beginnt mit den ersten bösartigen Streichen. Doch anstatt eine seelische Unterstützung zu sein, wirft ihr Franklin immer wieder mangelndes Gefühl vor. Er weiß noch nicht, was er tut und Das bildest du dir doch nur ein sind noch die harmloseren Dinge, die sich Eva im Lauf der Jahre immer wieder anhören muss. Der Vater ist getrieben von überbordenden väterlichen Gefühlen und sieht nicht, wie aus seinem Kind ein Monster wird. Er spielt alle alarmschlagenden Signale herunter. Kevin wirft Ziegelsteine von einer Autobahnbrücke? Nein, das war die Idee seines Freundes. Er wusste doch gar nicht, wie gefährlich so etwas ist. Die Flasche mit dem Rohrreiniger? Die hast du sicherlich nicht weggeräumt. Was sollte Kevin damit wollen? Die Blindheit Franklins trieb mich mehrfach dazu, das Buch frustriert zur Seite zu legen und mir zu wünschen, ihn nur einmal an den Schultern packen und schütteln zu dürfen.

Natürlich ist auch Eva nicht frei von aller Schuld, wenn man denn von Schuld sprechen kann. Sie hat sich bemüht, Kevin eine gute Mutter zu sein, doch ihre innere Angst, ihr Zurückschrecken vor seiner Andersartigkeit hat bewirkt, dass sie ihn nur halbherzig betrachtete. Natürlich merkt ein Kind, dass man das Interesse nur vorspielt. Auch hält sie sich im Grunde ihres Herzens für besser als ihre Mitmenschen. Doch damit ist sie nicht allein. Von oben herab auf andere zu blicken, ist um so vieles leichter, als sich die eigenen Unzulänglichkeiten einzugestehen. Wir sehen uns schließlich alle gern als kleine Götter, den anderen überlegen.

Wunsch nach Aufmerksamkeit?

Kevin dagegen scheint einen tatsächlich bösen Zug zu besitzen. Von innen heraus angetrieben, verbringt er seine Jahre damit, seine Umwelt bewusst zu drangsalieren. Er trägt Windeln, bis er sechs Jahre alt, obwohl er es längst anders könnte. Er schraubt an dem Fahrrad eines Nachbarjungen herum, damit dieser einen Unfall verursacht. Er verspottet alles um sich herum, hat an nichts Interesse. Scheint von allem über- und unterfordert zugleich zu sein. Sucht er die Aufmerksamkeit seiner Umwelt oder will er sich genau dieser entziehen?

Die Geschichte spielt in den späten 90er Jahren. In Amerika eine gefährliche Zeit. Amokläufe in den Schulen des Landes häufen sich, es scheint eine Welle der Nachahmer zu geben. Auch Kevin wird zu einem von ihnen. Vielleicht wurde er von diesen Gräueltaten beeinflusst, vielleicht sah er darin endlich einen Sinn für sein Leben. Einmal sagt er, dass es beängstigend sein kann, seine eigene Zukunft zu kennen.

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„Vielleicht kann er sich seine Zukunft vorstellen“, sagte Kevin. „Vielleicht liegt genau da sein Problem.“  (S. 439)

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Der Link hinter dem Bild zeigt eine Weltkarte, die die gesammelten Amokläufe darstellt. Erschreckend, wie viele Menschen ihr Leben lassen mussten, erschreckend, wie viele davon in unserem eigenen Land. Auch wenn in Amerika das Waffengesetz eindeutig zu lasch gehandhabt wird, auch hierzulande gibt es Jugendliche, die in ihrer Schule bewaffnet auftauchten. Immer wieder erinnert sich Eva Khatchadourian an Taten, die der ihres Sohnes vorangingen. Und an die, die daraufhin folgten. Wohl einer der bekanntesten ist der Fall in Columbine, bei dessen Verlauf 15 Menschen ihr Leben verloren.

Die letzten Szenen der Geschichte werden mir wohl noch lange im Gedächtnis eingebrannt sein. Geahnt? Ja. Verarbeitet? Nein. Und immer wieder diese bohrenden Fragen einer Mutter: Hätte ich ihn mehr lieben müssen? Hätte ich es verhindern können, hätten wir irgendetwas anders machen können? Oder war es Kevins Schicksal, zu werden, wer er schließlich war?

Fazit

Es wird immer Menschen geben, die nicht in ihrem Leben zurecht kommen, die sich ausgeschlossen, falsch oder verletzt fühlen. Die es nicht mehr in der eigenen Haut aushalten und ausbrechen. Die Rache wollen. Oder die einfach an eine Waffe gelangen und damit unschuldige Leben nehmen. Doch dieses Buch ist ein kleiner Blick hinter die Kulisse. Wie geht das Leben der Mutter dieser Menschen weiter? Von wie vielen Zweifeln ist sie zerfressen, wie viel Schuld lädt sie auf ihre eigene Schultern – und trägt sie wirklich Schuld? Das Buch erklärt nichts, aber es hinterfragt.

 

schnörkel

[Bücher-abc] I wie Ironie

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Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Runde mit dem Bücher-abc!

Die wunderbare Elizzy hat die Aktion auf ihrem Blog readbooksandfallinlove gestartet, bei der ich sehr gern dabei bin. Immerhin ist diese Aktion wieder so ein Freifahrtsschein für jede Menge Buchempfehlungen! 🙂

Beim Bücher-ABC geht es darum, für den jeweiligen Buchstaben einen Autor zu benennen, ein Buch und einen Schreibtipp für die Blogger und Autoren unter uns.

Heute dreht sich alles um den Buchstaben I. Auf geht’s!

Der Autor

Hier fällt mir niemand geringeres ein, als John Irving. Fast jedem Buchliebhaber ist er ein Begriff dank seiner zahlreichen Romane. Wer noch nie ein Werk von ihm gelesen hat, kennt aber vermutlich zum Beispiel die Verfilmung zum  Bestseller Gottes Werk und Teufels Beitrag  gesehen.

Das Buch

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Ein Blick ins Bücherregal bringt mir hier ein ganz tolles Buch, wie ich finde. Irre von Erika Kroell zeigt dem Leser eine psychiatrische Klinik von innen.

Carla, die eigentliche Protagonistin, erlebt ihre ersten Tage in einer Anstalt für geistig Gestörte. Schnell findet sie Kontakt zu Paul und Ellen.
Während Ellen zu nichts anderem mehr fähig zu sein scheint, als immerfort zu lächeln, nimmt Paul es auf sich, die Geschichten der anderen Patienten und dann insbesondere Ellens Geschichte zu erzählen.

Die vollständige Rezension dazu gibt es hier bei Lovelybooks von mir 🙂

Der Schreibtipp

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Eines der besten rhetorischen Stilmittel ist meiner Ansicht nach die Ironie. Sie verpackt Kritik geschickt, lässt den Gegenüber nachdenken und bringt den ein oder anderen auch gekonnt zum Schmunzeln, sofern er sie denn versteht. Mein Schreibtipp heute ist also: Spielt mit eurer ironischen Seite! Texte können dadurch unheimlich aufgelockert werden, wenn sie akzentuiert eingesetzt wird. Probiert’s aus!

 schnörkel

Das Bücher-ABC im Überblick!

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

 

 

Montagsfrage – Reiselektüre

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Einen wunderbaren guten Morgen wünsch ich euch!

Heute wurde ich mit einem Knall geweckt – und das wortwörtlich. Eine dicke Gewitterwand schob sich über Leipzig und dann war auch schon Land unter. Umso passender kommt heute also Buchfresserchens Montagsfrage daher.

Welche 5 Bücher würdest du jetzt auf eine Reise mitnehmen?

Diese Frage impliziert natürlich erst einmal ein gewisses Nachdenken. Was eignet sich als Urlaubslektüre? Wie dick sind die Bücher? Der eBook-Verweigerer weiß genau, wovon ich jetzt rede. Es sollte ja vermutlich realistisch sein.

Werfen wir also einen Blick auf den gut gefüllten SuB. Aha.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit:

Banana Yoshimoto – Lebensgeister

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Ein kleines Büchlein, perfekt für das Handgepäck. Lebensgeister widmet sich den Gedanken Sayokos, die ihren Geliebten bei einem Unfall verlor. In einem Tempel scheint sie nun über den Tod nachzudenken und entdeckt scheinbar das Leben neu.

 

Katharina Hagena – Das Geräusch des Lichts

41prYHjY6qL._SX303_BO1,204,203,200_  Fünf Menschen im Wartezimmer. Wer könnten sie sein? Eine der Wartenden beobachtet die anderen und erfindet ihre Lebensgeschichten.

Das Buch liegt seit Ende letzten Jahres auf meinem SuB. Ich mag ja so ruhige Bücher immer wieder sehr gern, würde zum Urlaubsgefühl passen.

 

Genevieve Cogman – Die unsichtbare Bibliothek

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Die unsichtbare Bibliothek – ein Ort jenseits von Raum und Zeit und ein Tor zu den unterschiedlichsten Welten. Hier werden einzigartige Bücher gesammelt und erforscht, nachdem Bibliothekare im Außendienst sie beschafft haben.

Schon lange vorgenommen, immer wieder etwas zurückgeschreckt. Die Meinungen sind ja zwiegespalten, aber hey – im Urlaub legt man ja das Internet beiseite und konzentriert sich voll und ganz auf sein eigenes Leseerlebnis, nicht wahr?

Leonie Swann – Dunkelsprung

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Julius Birdwell, Goldschmiedemeister, Flohdompteur und unfreiwilliger Einbruchskünstler, wünscht sich sehnlichst ein ruhiges, unbescholtenes Dasein. Doch als seine Flohartisten einem plötzlichen Nachtfrost zum Opfer fallen und die geheimnisvolle Elizabeth Thorn in sein Leben tritt, ist es mit der Ruhe endgültig vorbei.

Absoluter Coverkauf. Auch hier wieder geteilte Meinungen, aber ein Flohzirkus. Was will man mehr?

Steven Galloway – Der Illusionist

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Erzählern ist zuweilen nicht zu trauen. Besonders wenn sie, wie Martin Strauss, an einer seltenen neurologischen Krankheit leiden, an der sogenannten Konfabulation: Konfabulierende sind Menschen, die objektiv falsche Dinge erzählen, in der festen Überzeugung, dass sie wirklich genau so geschehen sind.

Last but not least … Ein Buch aus dem Bücherzirkus. Jetzt, wo ich es vor mir sehe, sollte ich es nicht nur in den imaginären Urlaub mitnehmen.

 

Das wäre sie, meine Reiselektüre – wie ich sehe, lege ich vermehrt Wert auf unterhaltende, ruhige Literatur, anstatt auf Mord und Totschlag. Was würdet ihr mitnehmen? Packt ihr ein, was ihr gerade greifen könnt, oder bevorzugt ihr gewisse Genre für die richtige Urlaubsstimmung?

 

 

[Perlentauchen] Humor & Satire

Freitag ist Perlentauchen-Zeit!

Ich stelle euch an dieser Stelle wöchentlich Bücher vor, die schon das ein oder andere Jahr auf dem Buckel haben. Dabei ist es egal, ob es 1, 2, 3 oder 30 Jahre alt ist, denn Geschichten verfallen nicht.

Hier gibt es weitere Perlen zu entdecken. 🙂

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Beflügelnde Klänge

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Für mich hat jedes Buch einen eigenen Rhythmus. Da gibt es die leisen Bücher, die dem Klang einer Violine ähneln. Die sich bedächtig im Hintergrund halten, die nur hin und wieder einen lauten Ton wagen. Es gibt diese Bücher, die einem Trommel-Solo gleichen. Es scheppert und kracht, es raubt einem den Atem und lässt einen nicht klar denken. Und es gibt die Bücher, die ein ganzes Orchester beherbergen. Sie fangen leise an und schrauben sich immer höher bis zum großen Finale, in dem jedes Instrument die Melodie aufgreift.

Musikalische Untermalung

Und dann gibt es diese Bücher, in denen Musik namentlich genannt wird, die die Geschichte begleitet wie einen roten Faden. Immer wenn ich die Möglichkeit dazu habe, stelle ich meine Hintergrundmusik auf genau diese Musik ein. Bei Flavia de Luce läuft bei mir vorrangig Klassik im Hintergrund, lauscht die Familie doch allwöchentlich einem Konzert – wenn auch mehr oder weniger vom Vater erzwungen.

Bei dem zweiten Band von Ben Aaronovitchs Reihe rund um Constable Peter Grant war Jazz ein Hauptthema. Obwohl ich Jazz nicht gerade als meine favorisierte Musikrichtung bezeichne, lief die gesamte Zeit über eine Playlist mit Titeln aus diesem Genre. Und es passte hervorragend zum Schwung der Geschichte. Hat sie unterstützt. Hat mich die Geschichte noch mehr erleben lassen.

Auch Bücher aus anderen Kulturen oder Länder regen meinen Musikgeschmack sehr an. Als ich mit dem Uhrenmacher Cox durch Japan wandelte, erklangen leise japanische Laute aus meinen Lautsprechern, so dass ich mich fühlte, als wäre ich selbst im Land der aufgehenden Sonne.

Und dann gibt es Bücher, bei denen ich die Musik ausstellen muss, weil jeder Laut ein Laut zu viel wäre. Weil er den Zauber der Geschichte zerstören würde.

Braucht ihr Musik zum Lesen? Oder ist euch die Zeit, in der ihr lest, so heilig, dass ihr auf jegliche Ablenkung aus dem Hintergrund verzichtet?

Mittendrin Mittwoch #22 – Opfer und Täter

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Meine Lieben,

gestern begann ich mit einem Buch, dass mir förmlich aufgedrängt wurde. O-Ton meiner Mutter: „Du musst es unbedingt lesen! Ich brauche jemanden, mit dem ich darüber reden kann!“ Nun, was soll man machen, wenn jemand scheinbar so überzeugt von einem Buch ist? Richtig. Den Leseplan über den Haufen werfen und zur empfohlenen Lektüre greifen.

 

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Das Haus sah aus, als hätte ihm jemand die Kehle durchgeschlitzt. Wilde, triefende Formen bedeckten die Wände, in einem sorgfältig ausgewählten Farbton – tief, satt und üppig, eine Spur Blau, wie extra gemischt. S. 18

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Wir müssen über Kevin reden von Lionel Shriver ist ein aufwühlendes Buch. Kevin ist ein Amokläufer. Er hat neun Menschen getötet, sieben davon waren seine Mitschüler. Erzählt wird das Buch aus Sicht der Mutter. Sie schildert in Briefform ihr Leben nach der Tat ihrem Mann, der offensichtlich nicht mehr bei ihr lebt. In der aktuellen Szene wachte sie einen Monat nach der Tat auf und findet ihr Haus mit blutroter Farbe überschüttet vor.

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Habt ihr das Buch bereits gelesen?


Diese Aktion wurde von der lieben Elizzy von readbooksandfallinlove initiiert, schaut unbedingt mal bei ihr vorbei! ♥