Meine Lieben!
Die Weihnachtszeit lockt nicht nur mit gemütlichem Lichterglanz, köstlichen Plätzchen und stimmungsvoller Musik, nein, für mich ist die Vorweihnachtszeit auch gleichbedeutend mit ausgiebigem Schwelgen in Märchen. Im Advent stelle ich euch wieder jeden Sonntag ein Märchen aus einem anderen Land vor. Denn es gibt noch so viel mehr zu entdecken, als nur Hänsel und Gretel, Schneewittchen oder Dornröschen, mit denen wir aufgewachsen sind. ♥
In diesem Jahr treten wir bereits zum 6. Mal diese Märchenreise gemeinsam an und ich freue mich so, so sehr, dass ich euch nach wie vor Märchen aus anderen Ländern vorstellen kann, die ihr vermutlich noch nicht kennt. Erinnert ihr euch noch an die Jahre zuvor? Es sind mittlerweile so viele verschiedene Länder und Märchen gewesen, dass ich sie gar nicht mehr alle aufzählen kann. Am Ende des Beitrags findet ihr allerdings alle bisherigen noch einmal verlinkt. Ich bin gespannt, wohin uns dieses Jahr die Reise wohl führt, bin mir aber sicher, dass ich wieder einige schöne unbekannte Märchen für euch herauspicken werde. ♥
Heute geht es erst einmal nach Weißrussland, ans Meer.
Der habgierige Reiche

Es waren einmal zwei Brüder, der eine war sehr arm und der andere dagegen sehr reich. Der Reiche tat nichts für seinen Reichtum, doch der Arme konnte so viele Fische fangen wie er wollte, es reichte einfach vorne und hinten nicht zum leben. Eines Tages feiert der reiche Bruder seine Hochzeit, und der Arme möchte ihn ebenfalls besuchen, doch wird er nicht hineingelassen. „Willst du denn meine Gäste mit deiner Armut vergraulen?“, fragt ihn sein Bruder. Daraufhin verlässt der Arme traurig und niedergeschlagen das Anwesen seines Bruders, nimmt sich seine Angel und fährt hinaus aufs Meer.
Da geschieht es, dass er einen besonders großen, schönen Fisch fängt und er überlegt bereits, wie gut er ihm und seiner Familie wohl schmecken wird, als ihn dieser Fisch anspricht und ihm rät, ihn lieber nicht mit nach Hause zu nehmen und zu braten. Stattdessen solle er ihm ins Maul fassen und einen goldenen Ring hervorholen. Der arme Fischer widerspricht jedoch zunächst und merkt ganz klug an, dass ihn ein Ring nicht sättigen würde. Doch der Fisch beharrt darauf und sagt ihm, er solle nur machen und seine Sorgen würden sich sogleich in Luft auflösen. Der arme Fischer hat ein gutes Herz und so greift er dem Fisch ins Maul, holt einen schimmernden Goldring hervor und entlässt den Fisch wieder ins Meer. Daraufhin füllt sich sein Boot tatsächlich mit goldenen Talern!

Dank der Güte des Fisches geht es der Familie des armen Fischers nun gut, sie bauen sich ein neues Haus und haben endlich wieder gefüllte Bäuche. Doch der unerwartete Segen kommt auch seinem reichen Bruder zu Ohren und er verlangt zu wissen, woher dieser Reichtum käme. Der ehemals arme Fischer kann nicht lügen, und so erzählt er seinem Bruder von seinem Fang und der Güte des Fisches. Daraufhin kauft sich der Reiche eine Angel – denn wo kommen wir denn hin, wenn der ehemals arme Bruder nun reicher ist als man selbst?! – und fährt ebenfalls aufs Meer hinaus. Schon bald hat er den Fisch an der Angel und droht ihm, ihn mit nach Hause zu nehmen und zu braten, wenn er ihm nicht sofort einen Ring gebe, der ihn noch viel reicher als seinen Bruder mache. Der Fisch willigt ein: „So greife in mein Maul, neidisch wie du bist. Mir solls gleich sein!“ Gesagt, getan – doch der Fisch beißt mit seinen nadelscharfen Zähnen zu und – hoppla! – trennt dem habgierigen Reichen den Arm bis zum Ellenbogen ab! Tja, da musster er nun nach Hause fahren, ohne Geld. Und ohne Arm.
Und wenn ihr mich fragt, dann geschieht ihm dieses Los ganz recht. Darum denkt immer dran: Missgönnt den anderen nicht ihr Glück und seid vorallem nett zu denjenigen, die keinen Fisch samt seiner Schätze an der Angel haben. ♥

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- Märchen aus Weißrussland

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