Meine Lieben!
Die Weihnachtszeit lockt nicht nur mit gemütlichem Lichterglanz, köstlichen Plätzchen und stimmungsvoller Musik, nein, für mich ist die Vorweihnachtszeit auch gleichbedeutend mit ausgiebigem Schwelgen in Märchen. Im Advent stelle ich euch wieder jeden Sonntag ein Märchen aus einem anderen Land vor. Denn es gibt noch so viel mehr zu entdecken, als nur Hänsel und Gretel, Schneewittchen oder Dornröschen, mit denen wir aufgewachsen sind. ♥
In diesem Jahr treten wir bereits zum 5. Mal diese Märchenreise gemeinsam an und ich freue mich so, so sehr, dass ich euch nach wie vor Märchen aus anderen Ländern vorstellen kann, die ihr vermutlich noch nicht kennt. Erinnert ihr euch noch an die Jahre zuvor? Es sind mittlerweile so viele verschiedene Länder und Märchen gewesen, dass ich sie gar nicht mehr alle aufzählen kann. Am Ende des Beitrags findet ihr allerdings alle bisherigen noch einmal verlinkt. Dieses Jahr habe ich euch bereits mit nach Persien zu einer Konferenz der Vögel genommen, und blieb auch in der letzten Woche den Vögeln in Märchen treu. Denn da sind wir zuhause in Deutschland gebliebenund haben uns ein Märchen über einen Specht und eine Möwe angeschaut. Und heute? Heute habe ich beschlossen, dass 2024 das Jahr der Vögel sein sollte – deshalb begleiten wir heute eine kleine Nachtigall.
Die Nachtigall

Niemand geringeres als Hans Christian Andersen steuert das Märchen dieses Mal bei. Der dänische Märchenerzähler hat uns nicht nur so tragisch-schöne Geschichten wie die kleine Seejungfer und das Mädchen mit den Schwefelhölzern geschenkt, auch hat es ihn in das ferne chinesische Kaiserreich getrieben. Nämlich zu einem Kaiser, dem das Schönste in seinem Palast sehr lang verborgen blieb.
So prachtvoll, wie der Palast des Kaisers auch war, nichts kam gegen den Gesang der kleinen Nachtigall in seinem Garten an. Menschen strömten von nah und fern herbei, um sie singen zu hören, doch der Kaiser erfuhr erst von ihrer Existenz durch Bücher, die ihr zu Ehren verfasst wurden. So lud er sie zu sich in den Palast ein, auf dass sie ihn und sein Gefolge mit ihrem Gesang beglücke. Das tat sie auch, doch büßte sie dadurch ihre Freiheit ein, denn von nun an sollte sie bei Hofe bleiben. Aber da geschah es, dass ein Bote eine mechanische Nachtigall aus Gold und Diamanten zum Kaiser brachte. Diese konnte nicht nur dasselbe Lied wie die Nachtigall singen, sie war außerdem noch dem tristen Gefieder des Vögelchens weitaus überlegen. Da nutzte die Nachtigall ihre Chance und flog von dannen.

Doch alles Mechanische hat seine Ablaufzeit und auch die Nachbildung des Kaisers ging eines Tages kaputt, und konnte nicht mehr spielen. Trauer senkte sich über den Palast und der Kaiser erkrankte schwer. Eines Nachts wachte er auf, ein schweres Gefühl auf der Brust. Auf ihm hockte der Tod persönlich und zeigte ihm all seine Sünden. Um dem zu entfliehen, rief der Kaiser nach der mechanischen Nachtigall und ihrem Lied, die blieb jedoch stumm neben seinem Kissen. Aber was war das? Lieblicher Gesang erklang vom offenen Fenster her, denn dort saß die echte Nachtigall und sang für den Kaiser, um ihn zu trösten.
Der Kaiser wurde wieder gesund und bot der Nachtigall erneut einen Platz bei Hofe an, den sie aber beflissen ablehnte. Stattdessen bot sie ihm an, ihm von all den Dingen zu berichten, die sie in seinem Reich auf ihren Reisen hörte.
Und, was lernen wir daraus? Es kommt nicht auf die Verpackung an, wenn doch die Seele im Inneren fehlt. Etwas mechanisches kann nie das Lebendige ersetzen.
Ob wir am 4. Advent wohl noch einmal von Vögeln hören werden? Lasst euch überraschen! ♥

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