Meine Lieben!
Die Weihnachtszeit lockt nicht nur mit gemütlichem Lichterglanz, köstlichen Plätzchen und stimmungsvoller Musik, nein, für mich ist die Vorweihnachtszeit auch gleichbedeutend mit ausgiebigem Schwelgen in Märchen. Im Advent stelle ich euch wieder jeden Sonntag ein Märchen aus einem anderen Land vor. Denn es gibt noch so viel mehr zu entdecken, als nur Hänsel und Gretel, Schneewittchen oder Dornröschen, mit denen wir aufgewachsen sind. ♥
In diesem Jahr treten wir bereits zum 4. Mal diese Märchenreise gemeinsam an und ich freue mich so, so sehr, dass ich euch nach wie vor Märchen aus Ländern vorstellen kann, die ihr vermutlich noch nicht kennt. Erinnert ihr euch noch an die Jahre zuvor? Wir haben gemeinsam Märchen von der Orchideeninsel kennengelernt, uns in die Kälte Alaskas begeben, haben einen magischen Pinsel in China gefunden und haben uns gemeinsam mit dem Fuchs über die Dummheit des Wolfes im Orient amüsiert. Danach ging es nach Polen, einem Land, mit dem ich vorher gar nicht so viele Märchen verbunden habe. Später entführte ich euch nach Norwegen, in ein fliegendes, goldenes Schloss, und nach Indonesien, zu einer traurigen Prinzessin. Wir hielten in Russland und haben Wassilissa, die Weise kennengelernt.
Im letzten Jahr habe ich euch von einer Leichenbraut, von einem verzauberten Spiegel und einem Teufel auf Brautschau erzählt – und von einem riesenhaften Troll! Dieses Jahr ging die Reise zunächst nach Tibet und ins Reich der Riesen in Schottland. Und heute? Da entführe ich euch ins alte Ägypten.
König Rhampsinitos
und der Meisterdieb

Ägypten. Ein Land, das ich ehrlich gesagt nicht unbedingt mit klassischen Märchen in Verbindung gebracht habe und doch eines besseren belehrt wurde. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich mit manchen der Erzählungen und vor allem ihrer Moral ein wenig schwer getan habe.
In unserem heutigen Märchen geht es, wie der Titel bereits erahnen lässt, um einen meisterhaft gewitzten Dieb. Die Geschichte beginnt damit, dass König Rhampsinitos eine Schatzkammer erbauen ließ. Doch der Baumeister ersann eine List, bei der er einen Stein der Mauer so einsetzte, dass er sich leicht herausziehen ließ. Als das Leben des Baumeisters sich dem Ende näherte, ließ er seine zwei Söhne rufen und erzählte ihnen von dem geheimen Eingang zur Schatzkammer, auf dass sie auch ohne ihn gemachte Leute wären.
Der Plan geht auf, die Söhne holen viel Gold aus der Kammer ohne bemerkt zu werden. Doch sie bekommen den Hals nicht voll und plündern immer weiter. Eines Tages öffnet der König die Schatzkammer und erbleicht, als er sieht, wie sehr seine Schätze verringert wurden, ohne Spuren zu hinterlassen. So lässt er Fallen rund um das verbliebene Gold aufstellen, und der ältere der beiden Söhne tappt bei ihrem nächsten Plünderungszug hinein. So bittet er seinen jüngeren Bruder, ihm den Kopf abzuschneiden, auf dass der König nicht sehen könne, wer den Schatz gestohlen habe. Gesagt, getan, der Kopf des einen kommt mit dem anderen nach Hause zu deren Mutter. Die kopflose Leiche jedoch wird an die Stadtmauern genagelt, um zu sehen, wer nun für den Dieb weint. Die Mutter der beiden droht damit, ihren jüngsten Sohn beim König zu verraten, wenn er den armen Toten nicht von der Mauer holen würde.

Auch hier findet sich eine List, und der Leichnam verschwindet ungesehen. Da schickt der König völlig außer sich seine älteste Tochter in ein Freudenhaus, um sich jedem Mann hinzugeben. Doch vorher soll sie die Freier fragen, was das Schlimmste wäre, was sie je getan haben, in der Hoffnung, dass sich einer endlich zu seinen Taten bekennt.
Und tatächlich – der jüngere Sohn tut genau das. Er verrät der Königstochter im Dunkeln von den Diebstählen und dem Tod seines Bruders. Doch als diese ihn packen und verhaften lassen will, da windet er sich heraus und kann entkommen. Der König – anstatt nun wirklich fuchsteufelswild zu werden – empfindet die Schläue des jungen Mannes als so imponierend, dass er ihn ausfindig machen lässt und ihm … seine Tochter zur Frau gibt, ein eigenes Land und weitere Schätze.
Ich mochte die Erzählung wirklich, bis sie ihr Ende fand. Nun wisst ihr auch, was ich mit der fragwürdigen Moral meinte.

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2023
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