[Rezension] Alan Bradley – Flavia de Luce – Halunken, Tod & Teufel (3)

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Erscheinungsdatum Erstausgabe24.10.2011

Verlag: Blanvalet

ISBN: 9783442379507

Genre: Roman / Krimi

Flexibler Einband 368 Seiten

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Ich stand vor dem Rumpf eines Möbelwagens, auf dem eine blutrote Aufschrift verkündete: ACHTUNG BISSIGER HUN, als wäre das betreffende Tier dem Schreiber an die Gurgel gesprungen, ehe er den letzten Buchstaben hatte ausführen können. (S. 223)

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Halunken, Tod & Teufel ist der 3. Band der Reihe, kann aber auch unabhängig von den Vorgängern gelesen werden.

Inhalt

Es ist Kirmes in Bishop’s Lacey und Flavia lässt sich von der alten Wahrsagerin Fenella in die Kristallkugel schauen. Was Flavia erfährt, lässt sie erschrocken aufspringen, eine Kerze fällt um und das Zelt brennt lichterloh. Als Entschädigung bietet Flavia der Zigeunerin an, auf ihrem Grundstück zu nächtigen, um sich von diesem Schrecken zu erholen. Doch damit tritt sie eine Reihe von Ereignissen los, die nicht für jeden glimpflich ausgehen.

Rezension

Oh, Flavia! Auch Band 3 konnte mich vollauf überzeugen. Die kleine Miss Naseweis schlich sich vor Monaten in mein Herz und wird dort wohl auch noch eine ganze Weile bleiben. Gewohnt keck und spitzfindig, ist sie der Polizei wieder einmal einen großen Schritt voraus. Auch ihr Vater zeigt sich mittlerweile leicht beeindruckt, was aufgrund der de Luce’schen Steifheit schon fast an ein Wunder grenzt.

Der Fall ist wieder einmal kriminologisch gut aufgebaut, vergangene Fehden mit neuen Ereignissen verwoben. Eine alte Sekte, die Humpler, kommt zurück ans Licht. Kinder werden an den Füßen – wie Achilles – gehalten und kopfüber ins Wasser getunkt, voilá – die Taufe ist vollbracht. Dass dabei einiges schief gehen kann, wird einem im Laufe der Geschichte überaus deutlich bewusst.

Mit Köpfchen zum Erfolg

Auch glänzt Flavia wieder mit ihrer Spürnase und ihrem Sinn dafür, anderen Bewohnern des idyllisch-englischen Dorfes wertvolle Informationen direkt aus dem Ärmel zu drehen. Auch wenn Inspector Hewitt nicht sonderlich begeistert erscheint, so sollte er in zukünftigen Bänden doch einmal eine direkte Zusammenarbeit mit der Elfjährigen in Erwägung ziehen.

Nicht neu sind die Garstigkeiten, mit denen Feely und Daffy ihre Schwester Flavia überziehen. Da mir die Kleine so sehr ans Herz gewachsen ist, tut sie mir in diesen Momenten einfach nur leid. Als Einzelkind aufgewachsen, weiß ich natürlich nicht, was natürliche Geschwisterhassliebe ist, und wo die beiden eindeutig zu weit gehen. Was mag sich in ihren Köpfen festgesetzt haben, dass sie ihre Schwester allzu böse behandeln? Auch Flavia findet darauf keine Antwort bislang.

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Ich hatte schon lange festgestellt, dass beim Umgang von Schwestern miteinander immer irgendetwas Unsichtbares unter der Oberfläche lauerte, aber mir wurde erst jetzt so richtig bewusst, dass es in unserem Fall vor allem finstere Absichten waren, die uns drei unausgesprochen verbanden. (S. 42)

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Eine Freundin für Flavia

Wirklich neu dagegen ist Porcelaine, die Enkelin der Wahrsagerin Fenella. So schwierig die Grundsituation der beiden Mädchen auch ist, so findet Flavia in Porcelaine doch erstmalig eine Freundin. Und die braucht sie dringend. Denn Flavia ist ein sehr einsames Kind, verdrängt diese Tatsache jedoch immer wieder gekonnt, indem sie Gespräche mit Gladys führt, dem Fahrrad, dass einst ihrer Mutter Harriet gehörte. Ich hoffe, Porcelaine wird ein fester Punkt für Flavia, auch wenn sie mittlerweile zurück in London ist.

Fazit

Flavia de Luce ist für mich ein großes Flauschkissen, in dem ich es mir gemütlich machen kann. Neben Mord und Totschlag ist diese ganz spezielle, trügerische Kleinstadt-Idylle ein so gelungenes Setting mit typisch britischen Bewohnern, dass es mir nur schwer fällt, sie zu verlassen. Sehr gelungen und für all jene empfehlenswert, die bei einem Krimi Wert auf das Drumherum legen.

 

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Einen Überblick über die Reihe bekommst du hier.

Die Reihenfolge der Flavia de Luce – Reihe:

Band 1  – Mord im Gurkenbeet

Band 2Mord ist kein Kinderspiel

Band 3Halunken, Tod und Teufel

Band 4 – Vorhang auf für eine Leiche

Band 5 – Schlussakkord für einen Mord

Band 6 – Tote Vögel singen nicht

Band 7 – Eine Leiche wirbelt Staub auf

Band 8 – Mord ist nicht das letzte Wort

[Perlentauchen] Vergessene Bücher

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Beim Perlentauchen stelle ich euch jede Woche ein Buch vor, welches nicht auf den aktuellen Bestsellerlisten steht. Es ist egal, ob es 1, 2, 3 oder 30 Jahre alt ist, denn Geschichten verjähren nicht.

Hier findest du weitere Perlen!

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Christopher Morley – Das Haus der vergessenen Bücher

Erscheinungsdatum Originalausgabe : 1919

Verlag : Atlantik Verlag

ISBN: 9783455600124

Genre: Roman

Fester Einband 256 Seiten

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Eine Liebeserklärung an die Bücher. Genau das war die Geschichte um das Haus der verlorenen Bücher. Im New Yorker 1919 betreibt Roger Mifflin ein Antiquariat und er verkauft nicht einfach jedes Buch, nein, er verkauft nur Bücher, die seiner Meinung nach lesenswert sind. Für Werbemaßnahmen hat er keinen Sinn, den Fachmann Aubrey Gilbert lässt er immer wieder abblitzen. Dieser verliebt sich trotzdem in den Buchladen – und vielleicht auch in die Hilfskraft des Hauses – und schaut nun täglich vorbei. Als dann ein wertvolles Buch entwendet wird, bekommt die Handlung einen fast krimihaften Twist.

Anspruchsvoll und ein wenig philosophisch ist es ein wunderbares Buch über die Liebe zum geschriebenen Wort.

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Wenn es Sie einmal nach Brooklyn verschlägt, einen Ort, der prachtvolle Sonnenuntergänge und den erhebenden Anblick von Kinderwagen bietet, die von Ehemännern geschoben werden, hoffe ich um Ihretwillen, dass der Zufall sie auch in jene Nebenstraße führt, in der sich eine höchst bemerkenswerte Buchhandlung befindet.“ (S.7)

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Gerne kann jeder mitmachen, der will!

Achtung: Es muss kein aktuell von euch gelesenes Buch sein – Schnappt euch den Banner und kramt in euren Bücherkisten, zeigt anderen, was vor Jahren toll war und noch immer ist. ♥

Eine Ode an Buchhandlungen

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Neulich beim Friseur

Wenn sich Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung über Bücher unterhalten, dann werde ich natürlich immer hellhörig.  So erzählt Dame 1 der Dame 2 doch von einem unfassbar tollen Buch, welches sie erst vor kurzem kaufte. Dame 2 nickt erfreut und fragt direkt nach der Buchhandlung.  „Na, bei Amazon natürlich!“, ist die prompte Antwort, die mich und Dame 2 fast gleichzeitig zusammenzucken lässt.

Ist es so natürlich, dass man Bücher bei Amazon kauft? Ein Blick in meine recht spärliche Bestellhistorie zeigt mir: Ich kaufe keine Bücher beim großen A. Dank der Buchpreisbindung ist es hierzulande nicht so arg um das Preis-Dumping bestellt wie beispielsweise in Amerika, also verdient der Verlag an den verkauften Büchern so oder so. Aber was ist mit den Buchhändlern? Den Menschen, die für uns die Titel heraussuchen, die lesenswert sind?  Und so richtig persönlich ist das ja auch nicht. „Kunden, die Buch X kauften, interessierten sich auch für…“ Schön! Aber bin ich denn jeder andere? In den Weiten des Internets herumzustöbern, kann durchaus Spaß machen. Aber es zeigt mir ja doch nur an, was es anzeigen will, was es auch anderen schon angezeigt hat.

Nun eröffnete A also einen Bookstore in New York. Die FAZ hat einen großartigen Artikel darüber veröffentlich, tituliert ihn sogar mit Die langweiligste Buchhandlung von New York !  Es ist das völlig interaktive Buchshoppen. Man kommt in eine Buchhandlung, die sich nach den aktuellen Buchpreisen des Internets richtet, und es ist aufgebaut nach exakt denselben Werten, wie es die Webseite von A macht. Wozu also reingehen?

Groß vs. Klein?

Ich persönlich schlendere ja lieber durch die kleinen Buchhandlungen unserer Stadt. Natürlich muss ich hier damit rechnen, dass sie nicht jedes Buch vorrätig haben, dafür reicht der Platz einfach nicht aus. Womit ich aber rechne, ist, für mich unbekannte Bücher zu entdecken. Bücher, die vielleicht kein milliardenschweres Werbebudget zur Verfügung haben, die aber trotzdem toll und lesenswert sind. Die in dem ausgesuchten Repertoire der kleinen Buchläden zu finden sind.

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Natürlich haben auch große Buchhandelsketten ihre Berechtigung. Weiß ich genau, welches Buch ich suche, ist es ein Leichtes, zum nächsten Buchgiganten zu laufen und mir entsprechendes Buch zu schnappen. Bei der schieren Masse der angebotenen Bücher kann man durchaus auch einige Stunden mit Stöbern verbringen. Bei Hugendubel gibt es mittlerweile aber auch eine schöne Empfehlungswand, in der Bücher stehen, die aus dem Rahmen fallen. So habe ich erst letzte Woche dort viele tolle Bücher aus dem Jacoby & Stuart Verlag gefunden, auch standen dort einige unbekanntere Bücher, die Mitarbeiter empfohlen haben.

Wie ist es denn bei euch? Geht ihr lieber in reale Buchhandlungen oder ist das Internet einfach doch zu bequem geworden?

Zu guter Letzt ein kleiner Reisetipp: Letztes Jahr war ich in Erfurt und fand eine ganz wunderbare Kinderbuchhandlung auf der Krämerbrücke. Tintenherz heißt sie und wurde sogar mit dem Deutschen Buchhandlungspreis 2016 in der Kategorie „Hervorragende Buchhandlung“ ausgezeichnet. Völlig zu Recht, wie ich finde. Die Betreiberin war herzerwärmend, die Bücher ausgesucht, die Atmosphäre lud zum Stöbern ein. Gekauft habe ich natürlich auch etwas – das Konzept ging also auf!

 

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Mittendrin Mittwoch #20 – Oh, Flavia!

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Meine Lieben,

ich bin gerade fast vom Stuhl gefallen, als ich die Zahl hinter den heutigen Mittendrin Mittwoch schrieb. 20! Das würde bedeuten – nein, das bedeutet es sogar – dass ich bei dieser Aktion bereits seit 20 Wochen mitmache. Das bedeutet auch, dass ich seit mehr als 20 Wochen bereits diesen Blog habe. Wo ist die Zeit denn hin?

Auf diesen kurzen Schock, gepaart mit Schnappatmung, nehme ich euch lieber direkt mit in Flavia de Luces England in den 50ern.

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Ich stand vor dem Rumpf eines Möbelwagens, auf dem eine blutrote Aufschrift verkündete: ACHTUNG BISSIGER HUN, als wäre das betreffende Tier dem Schreiber an die Gurgel gesprungen, ehe er den letzten Buchstaben hatte ausführen können. (S. 223)

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Viele werden sie kennen, früher oder später fällt man zwangsläufig über die elfjährige Spürnase Flavia de Luce im beschaulichen Bishop’s Lacey. Es handelt sich hier um den dritten Teil Halunken, Tod & Teufel und gewohnt spitzfindig entwickelt sich gerade der Fall, bei dem eine alte Wahrsagerin überfallen und fast getötet wurde – auf dem Grundstück der de Luces!

Flavia muss man einfach mögen. Für ein so junges Mädchen hin und wieder etwas altklug, ist sie seit dem ersten Fall in meinem Herzen Zuhause.

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Wenn du noch mehr über Flavia erfahren möchtest, findest du hier eine kleine Übersicht von mir zu den bisher von mir gelesenen Teilen 1 und 2 🙂


Diese Aktion wurde von der lieben Elizzy von readbooksandfallinlove initiiert, schaut unbedingt mal bei ihr vorbei! ♥

[Bücher-abc] F wie Fantasie

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Guten Morgen! 🙂

Die wunderbare Elizzy hat eine neue Aktion auf ihrem Blog readbooksandfallinlove gestartet, bei der ich sehr gern dabei bin. Immerhin ist diese Aktion wieder so ein Freifahrtsschein für jede Menge Buchempfehlungen! 🙂

Beim Bücher-ABC geht es darum, für den jeweiligen Buchstaben einen Autor zu benennen, ein Buch und einen Schreibtipp für die Blogger und Autoren unter uns.

Heute dreht sich alles um den Buchstaben F. Auf geht’s!

Der Autor

F. Scott Fitzgerald gilt neben Ernest Hemingway als Hauptvertreter der amerikanischen Moderne. Seine Werke sind auch heute noch Literaturbegeisterten ein Begriff. The Great Gatsby von 1925 gehört zu den prominentesten seiner Werke, nicht zuletzt, weil Leonardo DiCaprio den Dandy wunderbar auf der großen Leinwand verkörperte.

 

Das Buch

 

 

Meine Nase steckt aktuell auch wieder in einem ihrer Fälle – die Rede ist von Flavia de Luce. Sicherlich ist die Buchreihe, die mittlerweile 8 Teile zählt, vielen bereits ein Begriff. Die kleine Flavia ist eine Expertin auf dem Gebiet der Chemie und dem Lösen von Mordfällen, die sich scheinbar immer wieder direkt vor ihrer Nase abspielen. Sehr witzig und unglaublich britisch!

Der Schreibtipp

F wie Fantasie

Natürlich gibt es Bereiche, in denen die Fantasie nur bedingt einsetzbar ist beim Schreiben. In Redaktionen zum Beispiel, wenn wir uns an die Fakten halten sollen. Aber geht es um das kreative Schreiben, dann können wir richtig loslegen. Fantasie ist ein ganz wichtiger Bestandteil einer guten Schreibe, wenn man keinen langweiligen, staubtrockenen Text fabrizieren will. Die eigene Fantasie kann man anregen, in denen man sich Inspiration von anderen holt und über den eigenen Tellerrand hinausblickt. Bildbände von Künstlern können dabei ebenfalls eine große Hilfe sein. Und ganz viel lesen, lesen, lesen. ❤

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Das Bücher-ABC im Überblick!

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[Neuzugänge] für den Juni

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Es ist mal wieder soweit, ein neuer Monat bringt neue Bücher für mich! 🙂

Und weil es noch übersichtlich ist, will ich euch die drei neuen Schmuckstücke heute kurz vorstellen.

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superhero-9783257237337Anthony McCarten – Superhero

Donald Delpe ist 14, voller unerfüllter Sehnsucht, Comiczeichner. Er möchte nur eines wissen: Wie geht Liebe? Doch er hat wenig Zeit – er ist schwerkrank. Was ihm bleibt, ist ein Leben im schnellen Vorlauf. Das schafft aber nur ein Superheld. Donald hat sogar einen erfunden – MiracleMan. Aber kann MiracleMan ihm helfen, oder braucht Donald ganz andere Helden?

Durfte darum bei mir einziehen: Gestolpert bin ich vorrangig über den zweiten Teil dieses Romans Ganz normale Helden und die Thematik fand ich unheimlich interessant.

130_0647_153223_xxlDörte Hansen – Altes Land

Das „Polackenkind“ ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen.

Durfte darum bei mir einziehen: Um dieses Buch schleiche ich, seit es 2015 erschienen ist. Nun ist die Taschenbuchausgabe verfügbar und ich habe endlich zugeschlagen. Meine Mutter hob auch direkt den Arm und meldete sich zum Lesen an. 🙂

9783423144230David Ballantyne – Sydney Bridge Upside Down

Calliope Bay, ein Sommer in den sechziger Jahren: Der dreizehnjährige Harry stromert mit seinem Kumpel im alten Schlachthof herum, raucht, lauert seiner Cousine Caroline auf, – ist ihr nacktes Herumtollen morgens durchs Haus tatsächlich nur kindliches Spiel? – und wartet darauf, dass etwas passiert. Eine Teenageridylle? Harry erweist sich als unzuverlässiger Erzähler und unberechenbarer Charakter – zwei Menschen kommen zu Tode, die Mutter hat, so scheint es, die Familie verlassen. Auch Harrys Vater ist nicht nur der freundliche, fürsorgliche Mann, für den man ihn zunächst hält. Was hat sich in jenem Sommer in Calliope Bay wirklich zugetragen?

Durfte darum bei mir einziehen: Ich habe auf einem Buchblog (Asche auf mein Haupt, ich habe leider vergessen, welcher es war 😮 ) eine ganz mitreißende Rezension gelesen und für mich stand fest: Dieses Buch muss ich haben!


Wie ist es bei euch, habt ihr auch tolle neue Bücherneuzugänge, die man nicht in seinem Bücherregal missen sollte? Erzählt es mir gerne! ❤

[Rezension] Niah Finnik – Fuchsteufelsstill

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Erscheinungsdatum Erstausgabe: 07.04.2017

Verlag: Ullstein

ISBN: 9783961010035

Flexibler Einband 304 Seiten

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„Wir alle wiesen ein hohes Risiko auf, an Suizid zu sterben, das war Teil unserer Diagnosen. Nun war einer von uns gestorben, und niemand wusste, warum.“ (S.88)

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Inhalt

Juli wollte ihr Leben mit einer Überdosis beenden. Der Suizidversuch scheiterte und sie kam in eine Klinik, in der man sich ihrer Probleme annahm. Sie ist Autistin, bekam das  Asperger-Syndrom diagnostiziert. Ihr Leben ist geprägt von Angst und Zweifel, Zwängen und Gedanken, die sie nicht kontrollieren kann. Dort lernt sie nun Sophie (bipolar) und Philipp (schizophren) kennen und gemeinsam erleben sie ein Wochenende fernab der Klinik, dass sie eng zusammenschweißen wird und vorallem jedem seine eigenen Ängste aufweist.

Rezension

Niah Finnik weiß, wovon sie schreibt. Selbst Autistin, beschreibt sie die Gedanken der Protagonistin Juli mit unerbittlicher Klarheit. Nie sieht sich Juli in der Opferrolle, nie hat man das Gefühl, sie für ihre Andersartigkeit bemitleiden zu müssen. Viel eher ist es so, als ob uns ein Fenster geöffnet wird in eine Welt, in der wir als „normale“ Menschen keinen Zutritt haben.
Vor Julis innerem Auge reihen sich Bilderketten aneinander, sobald sie bestimmte Begriffe hört, eins kommt zum nächsten und sie schweift so sehr gedanklich ab, dass sie die Welt um sich herum vergisst. Wenn man sie fragt, wie es ihr geht, antwortet sie nicht mit einem simplen „gut“ oder „schlecht“, sie spricht in Minuten, um genau ausdrücken zu können, wie es ihr wirklich geht.

Und nun sprengt sie ihre Routine, geht mit Sophie und Phillip auf ein Abenteuer, immer nach Norden, denn im Süden lauert die Angst. Sie lernen Menschen kennen und stellen fest, dass Außenstehende sie gar nicht für verrückt eingestuft hätten. Sind sie denn verrückt? Oder sind sie einfach anders? Was haben wir für Vorstellungen, wenn uns Menschen mit einer psychischen Krankheit begegnen? Das Buch schafft etwas, das man immer wieder gern selbst verdrängt. Es veranlasst den Leser, selbst die Frage zu stellen: Wie tolerant bin ich? Natürlich fällt es leicht, die personifizierte Toleranz zu sein, wenn man niemanden kennt, der selbst betroffen ist. Aber wie sieht es aus, wenn wir genau so jemanden kennenlernen? Kommen wir damit klar, behandeln wir ihn normal, oder fassen wir ihn mit Samthandschuhen an, haben wir vllt sogar Angst, dass seine „Krankheit“ ansteckend ist? Nicht nur wir sollten uns das fragen, auch Juli steht der Schizophrenie Phillips kritisch gegenüber, hat Angst vor dem was er tut und dass es auf sie abfärben könnte.

Das Ziel der Reise findet sich, wenn Juli erkennt, dass sie vor ihrer Angst nicht fliehen kann, dass sie ein Teil von ihr ist, den sie akzeptieren muss. Vielleicht ist ihr damit schon sehr geholfen.

Fazit

Ein sehr intelligentes Buch, welches zum Nachdenken anregt, mit Personen, die so verrückt wirken, dass sie beinahe schon wieder normal sind.

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Meine Gedanken verflüssigten sich, ergossen sich unkontrolliert über den Fußboden und verteilten sich um mich herum, bis ich knietief darin saß. Ich rührte mit meinen Füßen in ihnen herum, erst mit dem einen und dann mit dem anderen, und sah zu, wie sie sich ineinander verhakten. (S. 59)

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Wusstest ihr, dass man die Zahl 37037 mit einer x-beliebigen einstelligen Zahl multiplizieren kann, dieses Ergebnis erneut mit 3 multipliziert und das Ergebnis IMMER die x-beliebige Zahl vom Anfang ergibt?

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Zum Thema Asperger-Syndrom gibt es einen ganz wunderbaren Film, der sich „Mary & Max“ nennt, sehr empfehlenswert für alle, die sich gern mit diesem Thema weiter auseinandersetzen wollen. 🙂

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[Perlentauchen] Im Zebrawald

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Ihr kennt es sicher, auf vielen Blogs werden zeitgleich immer dieselben Bücher gelesen und vorgestellt und nach der zehnten Rezension zu demselben Buch möchte man einfach mal etwas anderes lesen.

Da ich mit meinem Leseverhalten hin und wieder aus der Reihe tanze und lieber den Staub von Büchern wische, die sich in meinem Regal angesammelt haben, anstatt mich auf jede Neuerscheinung zu stürzen, möchte ich mit dieser Aktion Büchern eine neue Chance geben, in die Gedächtnisse der Leser zurückzukehren. Ich stelle euch nun also wöchentlich Bücher vor, die schon das ein oder andere Jahr auf dem Buckel haben. Dabei ist es egal, ob es 1, 2, 3 oder 30 Jahre alt ist, denn Geschichten verfallen nicht.

Gerne kann jeder mitmachen, der will!

Achtung: Es muss kein aktuell von euch gelesenes Buch sein – Schnappt euch den Banner und kramt in euren Bücherkisten, zeigt anderen, was vor Jahren toll war und noch immer ist. ♥

Auf geht’s!

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Adina Rishe Gewirtz – Zebrawald

Buchdetails

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 25.08.2014

Verlag : cbt

Genre: Jugendbuch

ISBN: 9783570163092

Fester Einband 256 Seiten

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Das ungewöhnliche Cover hatte mich damals direkt angezogen. Auch ist die Gestaltung der Innenseiten sehr schön und zeigt das Schwarzweißdenken der Protagonisten deutlich.

Die elfjährige Annie wohnt mit Rew, ihrem jüngeren Bruder, in einem Haus am Rand des Zebrawaldes. Die Mutter ist abgehauen, der Vater von einem wütenden Mann getötet, deshalb leben sie bei ihrer Gran. Die Sommerferien sind nah. Doch plötzlich steht ein wildfremder Mann in ihrem Haus, der aus dem naheliegenden Gefängnis geflohen ist.

Es ist eine Familiengeschichte, die auf unglaubliche Weise das Herz berührt und mich mit einem guten Gefühl zurückgelassen hat.
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„Sie? Sie sind Andrew Snow?“ Und durch meine ertrinkenden Augen sah ich, wie der Mann in der Gefängniskleidung nickte.
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Mittendrin Mittwoch #19 – Fast verpasst!

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Diese Woche dachte ich, ich verzichte auf den Mittendrin Mittwoch, einfach weil ich mein letztes Buch just an diesem Tag beendet habe. Doch nun sitze ich hier und liebe das neue Buch schon so sehr, dass ich euch eben an einem Donnerstag einen kurzen Blick hinein werfen lassen möchte.

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Wir alle wiesen ein hohes Risiko auf, an Suizid zu sterben, das war Teil unserer Diagnosen. Nun war einer von uns gestorben, und niemand wusste, warum. (S.88)

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Fuchsteufelsstill von Niah Finnik ist eines dieser Bücher, die mich von Seite 1 an hatten. Ich kann das gar nicht so genau erklären, denn scheinbar ging es nicht allen so bislang mit diesem Buch. Juli, die Protagonistin, landet in einer Klinik, nachdem sie versuchte, sich das Leben zu nehmen. Sie ist Autistin, leidet an dem Asperger-Syndrom, ihr Leben ist von Routinen und Zwängen geprägt. Doch nun lernt sie in dieser Klinik Menschen kennen, die selbst psychologische Probleme haben und gemeinsam geht es nun auf eine Reise zu den eigenen Ängsten.

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© Ullstein Verlag

Und, was liest du gerade?


Diese Aktion wurde von der lieben Elizzy von readbooksandfallinlove initiiert, schaut unbedingt mal bei ihr vorbei! ♥

 

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[Rezension] Ken Kesey – Einer flog über das Kuckucksnest

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Buchdetails

Erscheinungsdatum Erstausgabe :01.01.1973

Verlag : Verlag Volk und Welt

Genre: Roman

ISBN: 9783353002952

Fester Einband: 435 Seiten

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„Doch diesen Morgen muss ich auf meinem Stuhl sitzen bleiben und kann nur zuhören, wie sie ihn hereinbringen. Trotzdem, obwohl ich ihn nicht sehen kann, weiß ich, dass es keine gewöhnliche Neuaufnahme ist. Ich kann nicht hören, dass er sich voller Angst die Wand entlang tastet, und als sie ihm wegen der Dusche Bescheid sagen, gibt er nicht einfach mit einem schwachen kleinen Ja nach, vielmehr antwortet er ihnen laut und bestimmt, er sei, verdammt nochmal, sauber genug, vielen Dank.“ (S. 19)

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Inhalt

Häuptling Bromden, so nennen sie ihn, den Halbindianer, der seit mehr als zwanzig Jahren in dieser Anstalt für Nervenkranke behandelt wird. Sie halten ihn für taubstumm, wie er da mit seinem Besen die Flure fegt, tagein, tagaus. Doch er hört sehr gut, dieser Indianer. Zwischen seinen eigenen wahnhaften Vorstellungen erlebt er, wie die Patienten auf der Station immer mehr unterdrückt werden von der Großen Schwester, der Krankenschwester, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Herrschaft über all diese Menschen zu erlangen. Und er erzählt uns eine Geschichte über den eingewiesenen Psychopathen R.P. McMurphy, der ein Gauner und ein Spielsüchtiger ist, der auch zuschlägt, wenn er muss, und der doch vielleicht am Wenigsten von allen verrückt ist.

Rezension

Es ist ein unheimlich bedrückendes Buch. Emotional geladen und immer am Rand zwischen Wahn und Realität begleiten wir den Halbindianer Bromden bei seinem Leben in dieser Anstalt. Von den anderen Insassen geduldet, doch nie wirklich wahrgenommen, lebt er irgendwo am Rande der herrschenden Gesellschaft. Sein Geist wird immer wieder vernebelt und er erzählt uns von den Maschinen in den Wänden, die diesen Nebel entstehen lassen. Man fragt sich, ob er sich in einer realen Welt befindet, ob es diese Maschinen tatsächlich gibt, denn so verrückt erscheint er gar nicht.

Eines Tages geht die Tür auf und R.P. McMurphy betritt die Anstalt, ist laut und vulgär, unangepasst und lacht den ganzen Tag. Er versucht direkt, das Kommando an sich zu reißen und belebt somit jeden Tag ein wenig mehr die schon so lange Eingesperrten. Sie bezeichnen sich selbst als Hasen, die gelernt haben vor der Willkür der Großen Schwester zu kuschen, sich klein und unbedeutend zu machen. Denn wer sich regt, wer aufbegehrt, dem droht die Schocktherapie.

Nur McMurphy interessiert das nicht, er nimmt das Zepter in die Hand und hilft so seinen Kameraden wieder zu Männern zu werden, die sich etwas trauen, die auch mal lachen, wenn sie lachen wollen, die sich einen Scherz erlauben und die vor allem nicht vor der Allmacht der Krankenschwester davonlaufen. Im Gegensatz zu ihnen ist McMurphy jedoch nicht freiwillig hier. Er wurde vom Sträflingslager verlegt, in seiner Krankenakte verweist man auf psychopathisches Verhalten. Doch stimmt das? Mir kam es nie so vor. Was ich sah, war ein Mann, der sich nicht verbiegen lässt, einer, der für seine Freunde geradesteht und seinen Kopf hinhält für eine gute Sache. Natürlich ist er gewitzt und auf seinen eigenen Vorteil aus, doch er bringt ihnen das Leben zurück. Auch unser Häuptling lässt sich dadurch beeindrucken und fängt wieder an zu Sprechen.

Es geschehen schreckliche Dinge in dieser Klinik. Dinge, von denen man hofft, dass sie längst der Vergangenheit angehören. Von Elektroschocks ist die Rede, von Tabletten, die einen Nebel um den Geist legen und dich ewig im Dunkeln tappen lassen. Selbst die Lobotomie gehört noch immer zu den praktizierten Methoden. Es ist grausam, wenn man bedenkt, dass es so tatsächlich ablief, damals. Wobei „damals“ ein sehr dehnbarer Begriff ist, denn selbst in Deutschland sind erst 40 Jahre vergangen, seit man diesen barbarischen Eingriff unterlässt.

Ich habe McMurphy, den eigentlichen Protagonisten, sehr ins Herz geschlossen. Mit seiner ruppig rauen, aber sehr herzlichen Art habe ich ihm von ganzem Herzen das Beste gewünscht und wurde bitter enttäuscht. Auch die anderen Patienten hatten ihre liebenswerten, wenn auch merkwürdigen Seiten an sich und es tat mir um jeden leid, der es in dieser Klinik nicht mehr aushielt. Wie wenig muss einem das eigene Leben bedeuten, wenn man gehen könnte, wohin man will und doch dort bleibt und sich schikanieren lässt, wenn man am Ende keinen anderen Ausweg mehr sieht, als zu Beenden, was keinen Sinn mehr hat.

Fazit

Sehr aufwühlend geschriebener Roman, über das Leben und die inneren Konflikte von Menschen, die einfach nicht mit der Gesellschaft klar kommen; von einem Mann, der sich für andere einsetzt und ihnen hilft und doch bitter dafür bezahlen muss.

 

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