[Rezension] Oscar Wilde – Das Bildnis des Dorian Gray

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Erscheinungsdatum Erstausgabe: 01.01.1928

Verlag: Insel Verlag

ISBN: 9783458360841

Flexibler Einband 294 Seiten

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Ein Werk voll zynischer Weisheiten über die Jugend und seine Sünden, den Menschen an sich und den Menschen im Besonderen.

„Um seine Jugend zurückzubekommen, braucht man nur seine Torheiten zu wiederholen.“ (S- 45)

Inhalt

Dorian Gray ist ein noch unverdorbener Mensch, der am Anfang seines Lebens steht. Er bezaubert mit seiner Schönheit einen Maler, der in ihm ein Ideal erkennt, welches er auf die Leinwand bringen will. Von seinem eigenen Anblick verzückt, graut es Dorian davor, dass er – im Gegensatz zu diesem Bildnis – altern wird, dass sich die Last des Lebens auf seinem Gesicht widerspiegeln soll. So flüstert er dem Bild zu:

 „Wenn ich es wäre, der ewig jung bliebe, und wenn das Bild alt würde! Dafür – dafür – gäbe ich alles! Ja, nichts auf der Welt würde ich nicht hingeben! Ich würde meine Seele dafür geben!“ (S.31)

Dank seiner Freundschaft zu Lord Henry Wotton lernt der junge Mann nun die Welt kennen, und insbesondere die Leidenschaften, die Genüsse und die Sünden. Er stürzt Menschen ins Verderben, die ihm zu nahe kommen, die sich von ihm bezaubern ließen. Nichts davon zeichnet sich in seinem Gesicht ab, sein Wunsch hat sich erfüllt, er behält seine Jugend. Doch das Bildnis von ihm verändert sich zusehends, es zeigt die wahre Seele des Dorian Gray. Und diese wird immer düsterer.

Meinung

Nun, vermutlich haben die meisten schon einmal von Dorian Gray gehört. Die Geschichte um ihn fasziniert. Ein Bild, dass die Sünden und das Alter für einen selbst abfängt? Fantastisch. Oder? Oscar Wilde zeigt hier wunderbar deutlich, wie schnell sich der Mensch mitreißen lassen kann, wenn er denkt, dass er vor allem Ungemach sicher ist.

Während Dorians Seele immer entstellter wird aufgrund der vielen Ausschweifungen seines Lebens, schaut er selbst 20 Jahre später noch genauso jungenhaft aus wie damals. Etwas merkwürdig fand ich, dass die Menschen das scheinbar einfach so zur Kenntnis nahmen ohne sich groß darüber zu sorgen. Ich hatte mal eine Verfilmung des Buches gesehen, da kam das Entsetzen der anderen über diesen Umstand irgendwie deutlicher hervor. Auch das Ende des Dorian Gray war filmisch eindeutig pathetischer, als es im Original der Fall ist. Da wurde ich von einer gewissen Erwartungshaltung fehlgeleitet, aber im Nachhinein fand ich das von Oscar Wilde gewählte Ende eindeutig besser.

Sprachlich ist das Buch ein Genuss. Nur manchmal hat sich mein eigener Geist gegen die zynisch hervorgebrachten Gedanken des Lord Henry gewehrt. Für sich genommen, sind die einzelnen Ansätze durchaus wahr und man kann auch hin und wieder über sie schmunzeln, aber ein Buch, dass fast nur aus Zynismus besteht, war mir persönlich dann doch irgendwann etwas zu viel.

„Was doch die Leute für Aufhebens um die Treue machen!“, rief Lord Henry aus. „Dabei ist sie selbst in der Liebe eine rein physiologische Frage. Mit unserem Willen hat sie gar nichts zu schaffen. Junge Leute möchten treu sein und sind es nicht; alte möchten untreu sein und können es nicht: das ist alles, was man darüber sagen kann.“ (S.34)

„Ich spreche nie während der Musik – wenigstens nicht während guter Musik. Wenn man schlechte Musik hört, ist man verpflichtet, sie im Gespräch zu übertäuben.“ (S.49)

Die Geschichte lebt von solchen Gesprächen. Einzelne Handlungen erfährt man als Leser eher zusammengefasst. Meist treffen sich Lord Henry und Dorian Gray bei einem Essen bei Freunden oder in der Oper, um sich über die vergangenen Tage auszutauschen. Nur Schlüsselstellen erlebt man an Dorians Seite. So zum Beispiel, als ihn der Maler das letzte Mal besucht.

Fazit

Wer gerne geistreiche, zynische Literatur liest, der ist mit Oscar Wildes „Bildnis des Dorian Gray“ wunderbar bedient.

Bewertung: 4 / 5 Sternen ★★★★

schnörkel

Rückblick auf den Februar

Da geht er nun hin, der olle Februar. Zum Glück! Ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, aber für mich beginnt mit März der Frühling. Und jedes Jahr bin ich wieder enttäuscht, wenn ich sehe, dass es dann immer noch schneien kann, ja ja. 😀

Mir kribbelt es auch schon in den Fingern, endlich mit dem Bepflanzen meines Balkons anzufangen, auch wenn man damit eigentlich bis Mai warten soll. *seufz* Aber wenn es dann soweit ist, steh ich mit Tüten voller Blütenpracht bereit!

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Nichtsdestotrotz, es geht mit Riesenschritten Richtung Frühling. Grund genug, einmal kurz den Monat Februar Revue passieren zu lassen.


Diesen Monat gelesene Bücher

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7828138-0-norsemythology-3dmein persönliches Monatshighlight

Natürlich ist das neue Buch von Neil Gaiman – Norse Mythology mein absolutes Monatshighlight gewesen. Auf dieses Buch hatte ich ewig gewartet und es hat sich mit jeder Seite gelohnt. ❤


Die SuB-Kurve in Zahlen

Am 01.01.2017 stand mein SuB bei 105 Büchern – Zeit zum Handeln! Dachte ich.

… Die neueste Zählung allerdings sagt: am 01.03.2017 ist der SuB auf 107 angewachsen, trotz fleißigem Abbau. Noch nicht eingerechnet sind meine neuesten Glücksfee-Momente und eine klitzekleine Bestellung vom Mops des Vertrauens. 😮 Dazu dann auch in den nächsten Tagen mehr 🙂 (SuB-Abbau kann ich. Voll.)

Nun, daran muss ich wohl noch etwas arbeiten. 😀

Und nun blicken wir voraus in einen sonnigen März voll schöner Bücher, egal ob druckfrisch oder schon älter. Habt Spaß am Lesen!1317897185_1487000881412_xxl_2

Liebe Grüße!

Eure Gabriela und Lesemops Yoshi ❤

 

 

 

 

Mittendrin Mittwoch #5

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Jeden Mittwoch gibt es neue Zeilen aus meinem aktuellen Buch für euch – heute ist es wieder soweit! Diese Aktion wurde von der lieben Elizzy von readbooksandfallinlove initiiert, schaut unbedingt mal bei ihr vorbei! ♥


apostroph_untenHallward erschrak und runzelte die Stirn. „Dorian verlobt?“, rief er. „Unmöglich.“

„Es ist durchaus wahr.“

„Mit wem?“

„Mit einer kleinen Schauspielerin oder so.“

„Das kann ich nicht glauben. Dazu ist Dorian viel zu feinfühlig.“

„Dorian ist viel zu weise, um nicht ab und zu dumme Streiche zu begehen, mein lieber Basil.“apostroph_oben

„Heiraten ist kaum etwas, das man ab und zu tun kann, Harry.“ (S.75)


Wer hat es erkannt? Dieser kleine Gesprächsausschnitt stammt aus Oscar Wildes Bildnis des Dorian Gray. Die Figur des Dorian Gray war mir schon lange bekannt, allerdings wurde meine Neugier erst durch die Serie Penny Dreadful so richtig geweckt, in der Dorian Gray einen Platz gefunden hat.

Der junge, unverdorbene Dorian Gray gerät in den zerstörerischen Bann des zynischen Dandys Lord Wotton. Fortan führt er ein ausschweifendes Leben, gibt sich ganz dem Vergnügen hin und verliert sämtliche moralischen Hemmungen. Während sein Äußeres unverändert jung und makellos schön bleibt, mutiert sein Porträt zu einer schrecklichen Fratze.

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Und, was lest ihr gerade? 🙂

Neuzugänge am 28.02.2017

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Halli Hallo ihr Lieben!

Es gibt mal wieder ein paar Neuzugänge bei mir zu verzeichnen – und dieses Mal ist es eine komplette Trilogie. Mutig, ich weiß. Jetzt hoffe ich selbst, dass mir der erste Teil so gut gefällt, dass sich die anderen beiden gelohnt haben. 😀

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Robin Jarvis‘ Trilogie Dancing Jax lädt nicht nur durch diese fantastischen Cover ein (auch wenn ich zugeben muss, dass diese ein sehr ausschlaggebendes Argument waren), sondern auch der Inhalt hört sich spannend an.

Klappentext „Auftakt“

Einige Bücher sind schädlich, sogar gefährlich. Sie verdrehen einem den Kopf und geben den dunkelsten Seiten der menschlichen Seele Nahrung. Sie sollten verbannt oder vernichtet werden. Diese Geschichte handelt von solch einem Buch. Ich hoffe, es gibt noch genug von euch da draußen, die das hier lesen und mir glauben und sich zur Wehr setzen können – bevor es zu spät ist. Ein altertümlich wirkendes und zunächst harmlos erscheinendes Buch taucht in einer englischen Kleinstadt auf und ergreift Besitz von seinen Lesern. Immer mehr Menschen werden von dem Buch befallen und zu willenlosen Charakteren der Geschichte. Der diabolische Plan des Autors scheint aufzugehen. 

Stephen-King-like kombiniert Robin Jarvis intelligente Schockelemente mit Fantasy und schafft so eine vor Spannung überbordende Trilogie. Die Saat des Bösen geht auf und es scheint kein Entrinnen für die gleichgeschaltete Menschheit zu geben …

Kennt ihr diese Bände vielleicht schon und könnt mir eure Meinung dazu sagen?


Diese Woche zieht vermutlich noch das ein oder andere weitere Buch bei mir ein, aber welche das sind, verrate ich euch beim nächsten Mal. 🙂

[Rezension] T. C. Boyle – Die Terranauten

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Erscheinungsdatum Erstausgabe:09.01.2017

Verlag: Hanser

ISBN: 9783446253865

Fester Einband 608 Seiten

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Es ist vorbei. 720 Tage Einschluss in einem abgegrenzten Bereich mit nur 8 Menschen sind überstanden.

Inhalt

Es ist 1994, die Tage von Mission 1 in Ecosphere 2, einem künstlich angelegten Terrarium auf der Größe von zwei Fußballfelder, sind vorbei. Der nächste Einschluss, Mission 2, steht bevor. Wir lernen die neuen Terranauten kennen, die sich wieder für zwei Jahre einschließen lassen, um wissenschaftlich belegt zu erforschen, ob der Mensch in einem geschlossenen Ökosystem überleben kann. Es geht darum, den Ernstfall zu proben. Sollte die Menschheit irgendwann auf einen anderen Planeten angewiesen sein, wie könnten wir unser Überleben sichern. Und doch geht es hier mehr um das Zwischenmenschliche, wie entwickelt sich der Charakter der einzelnen Personen inner- und außerhalb des Terrariums? Wie gehen sie damit um, wenn der Sauerstoffgehalt der Luft dünner wird, wenn die Nahrungsmittel knapp werden? Und wie fühlen sich die, die nicht dabei sein dürfen? Es ist ein Experiment. Ein menschliches.

Rezension

Ich bin etwas zwiegespalten. T. C. Boyle hat mit „Die Terranauten“ definitiv ein gutes Stück Charakterstudie geschaffen. So – oder so ähnlich – glaube ich gern, dass sich eine Gruppe entwickeln kann. Wenn man zwei Jahre lang nirgendwohin kann, wenn man jeden Tag auf engem Raum miteinander zutun hat, miteinander arbeitet und nach Feierabend eben nicht einfach nach Hause gehen kann, dann glaube ich definitiv, dass man sich früher oder später satt haben kann.
Und doch fand ich zum Ende des Buches eigentlich niemanden mehr sympathisch. Aber vielleicht wollte Boyle uns auch genau das zeigen. Jeder, und kann er noch so sympathisch wirken, verfolgt eigene Ziele, agiert egoistisch und hin und wieder unüberlegt.

Das Buch ist aus der Perspektive von drei Protagonisten geschrieben.
Ramsay, Dawn und Linda.

Linda ist die, die nicht ausgewählt wurde für Mission 2 und somit das gesamte Buch über ihre Frustration, ihren Ärger, ihre Wut und allem voran ihren Neid ausdrückt. Hatte ich anfangs noch Mitgefühl für sie, hat sich das im Laufe der Geschichte in Genervtheit und Unwillen verwandelt.

Ramsay ist der typische Sunnyboy, er ist sich seiner Wirkung bewusst und genießt dies auch in vollen Zügen. Nicht nur, dass er sich an ein Mitglied von Mission Control herangemacht hat, nein, auch bei zwei seiner Teammitglieder hält er die Finger nicht still. Plötzlich spricht er von der großen Liebe, zu Dawn, auch wenn er sich noch wenige Wochen vorher mit einer anderen dort eingelassen hat. Als es dann soweit ist und Dawn schwanger wird, fand ich ihn ganz besonders unmöglich. Die wenigen Sympathiepunkte, die er kurzzeitig ergattern konnte, waren direkt wieder ausgelöscht. Somit verwunderte mich das Ende mit ihm dann auch nicht mehr wirklich.

Dawn. Dawn ist der Stern des ganzen Projektes, auch wenn sich das erst mit der Zeit heraus kristallisiert. Mit ihrer ungewollten Schwangerschaft und dem Entschluss, das Baby zu bekommen, stiehlt sie nicht nur allen anderen Terranauten – bewusst oder unbewusst – die Show, sondern wird auch zum Aushängeschild von E2. Denn wie will man testen, ob der Mensch in einem abgeschlossenen Ökosystem überleben kann, wenn er sich nicht auch dort fortpflanzen könnte? Lange habe ich das Dawn-Fähnchen geschwenkt, doch zum Schluss zerfaserte mir dieses dann auch irgendwie zu Fäden des Unwillens.

Der Rest der Crew bleibt eher im Hintergrund, nur vereinzelt tauchen die vermehrt schlechten Eigenschaften der restlichen Terranauten auf. Ich weiß ehrlich nicht, ob ich es zwei Jahre mit denen ausgehalten hätte, auch wenn ich das Projekt als solches sehr spannend und interessant finde.

Fazit

 Das Buch ist gut geschrieben, keine Frage. Aber man sollte sich bewusst sein, dass es hier vorrangig um die Gedanken der drei genannten Menschen geht, wie sie sich innerhalb der zwei Jahre verhalten und entwickeln, und nicht um das Projekt E2 an sich. Es ist eine Charakterstudie und keine wissenschaftliche Abhandlung. Und die einzelnen Protagonisten sind nur all zu menschlich, aber das macht sie nicht unbedingt sympathisch.

Bewertung: 4 / 5 Sterne ★★★★

Übrigens: Das Buch basiert auf einem wahren Experiment in Arizona.

Montagsfragen #1

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Diese Woche möchte ich mich gerne an der Montagsfrage von Buchfresserchen beteiligen. 🙂

Heute lautet die Frage:

Gibt es ein Buch, das dich positiv überrascht hat, von dem du es nie erwartet hättest?

Das ist gar nicht mal so leicht zu beantworten. Während ich dieser Frage gedanklich nachgehangen habe, musste fast ein Liter Kaffee dran glauben. Eigentlich habe ich ein gutes Händchen was Bücher anbelangt. Die Bücher, die ich für lesenswert halte, sind es – für mich zumindest – in der Regel auch. Deswegen lasse ich auch die Finger von Büchern, die mich nicht von Anfang an anspringen.

Aber drehen wir die Zeit mal etwas zurück. Ja, noch etwas mehr. Damals. Zu Schulzeiten. Da mussten wir – für mein jugendliches Hirn – solch anspruchsvolle Bücher lesen wie Effi Briest von Theodor Fontane. Die Sprache, das Gehabe, alles daran hat mich zutiefst gelangweilt (ich fürchte, ich habe es nicht mal zu Ende gelesen, Asche auf mein Haupt).

img_20170227_103526_107Ein paar Jahre später habe ich den Film E-Mail für dich (mit Meg Ryan und Tom Hanks, beide Buchhändler!) als meinen absoluten Lieblingsfilm auserkoren. Wer ihn nicht kennt, schaut ihn euch an, er ist so schön! Jedenfalls, um zum Punkt zu kommen, Kathleen Kelly schwärmt in diesem Film von Jane Austens Stolz und Vorurteil. Und weil ich mich immer ein wenig in Kathleens Rolle gesehen habe, wollte ich unbedingt wissen, was sie da liest. Von meiner Mutter wurde mir – und hier ist der große Bogen zurück – gesagt, dass es mir möglicherweise nicht gefallen wird, weil es sprachlich in die Ecke Effi Briest gehört, was, wie wir weiter oben besprochen haben, gar nicht mein Fall war. Irgendwie empfand ich das aber auch als Herausforderung. Jedenfalls bin ich an Stolz und Vorurteil mit gemischten Gefühlen herangegangen.

Aber es hatte mich ab Seite 1. Ich liebe es. Ich liebe es so abgöttisch, dass kein Jahr vergeht, in dem ich nicht einmal zu diesem Buch greife – oder einem der anderen Bücher von Jane Austen. Wer es nicht kennt, so sei kurz verraten: Es geht um die Familie Bennett. Um Mary und Elisabeth. Es geht um Mr. Darcy (im Ernst: wie könnte man nicht von ihm gehört haben?) und die Frage, ob man zu stolz sein kann für eine ungleiche Liebe, und ob man seine Vorurteile gegenüber einem Menschen ablegen kann, wenn man ihn besser kennenlernt. Ganz Jane Austen wird hier die damalige Gesellschaft vorgeführt, überspitzt werden die einzelnen Charaktere gezeichnet. Wenn ich noch weiter erzähle, wird das nächste Buch wieder Stolz und Vorurteil sein. Oder vielleicht sollte ich Effi Briest doch noch einmal eine Chance geben?

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Bücher gesucht zu Multiplen Persönlichkeitsstörungen

 

Hallo ihr Lieben!

Am Dienstag war ich im Kino und habe mir SPLIT angeschaut. Der Film handelt von einem Mann, der im jungen Alter von seiner Mutter psychisch und physisch missbraucht und gequält wurde. Durch diese Leidenserfahrungen hat seine Seele sich gespalten und hervor kamen 23 Persönlichkeiten (und eine 24., die aber erst am Ende des Filmes sichtbar wird).

Das Thema übt seit langem eine gewisse Faszination auf mich aus, wenn man bedenkt, zu was unser Körper, unser Geist fähig sein kann. Ich habe das Buch Vater unser in der Hölle von Ulla Fröhling vor einigen Jahren gelesen. Etappenweise, denn was dort geschildert wird und durch welche Hölle das Mädchen gegangen ist, ist wahrlich schwer verdauliche Kost. Dennoch hat es mich auf gewisse Art und Weise fasziniert. Der Film hat mich an dieses Buch erinnert und wie das bei uns bibliophilen Menschen so üblich ist, liegt dieses Thema nun wieder sehr präsent auf meinem Buchwunschzettel.

Mein SuB beinhaltet, wie ich festgestellt habe, noch Aufschrei von Truddi Chase, welches sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt.

Außerdem erscheint am 24.05.2017 das Buch Einzig von Kathryn Evan, welches darüber erzählt, wie ein Charakter innerlich darum kämpft, nach 365 Tagen das Licht nicht wieder abgeben zu müssen, zu überleben. Natürlich habe ich das schon lange vorbestellet. 🙂


Kennt ihr noch andere Bücher, die sich in Bericht- oder Romanform (also keine wissenschaftlichen Abhandlungen) mit diesem Thema der Multiplen Persönlichkeitsstörungen auseinandersetzen? Könnt ihr mir etwas empfehlen? Oder lasst ihr lieber die Hände von solchen Büchern?

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MittendrinMittwoch #4

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Juhu! Es ist wieder Mittwoch und es wird Zeit für MITTENDRINMITTWOCH! Diese Aktion habe ich bei readbooksandfallinlove gefunden und nun darf ich euch wieder anhand eines Zitats mein aktuelles Buch vorstellen ♥

Heute also

MITTENDRINMITTWOCH #4


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In E2 gab es etwa zweitausend Sensoren,

apostroph_obendie alle möglichen Systemfunktionen maßen,

von der Bodendurchlüftung bis hin zum Salzgehalt des Ozeans,

und praktisch überall hingen Kameras.


Meine aktuelle Lektüre ist Die Terranauten von T. C. Boyle. Das ist mein erstes Buch dieses Autors und bisher finde ich es wirklich gut. Eigentlich hatte ich meine Fühler bereits bei einer Leserunde auf Lovelybooks danach ausgestreckt, aber bei der Vielzahl an Bewerbern hatte ich einfach mal kein Glück. Dafür hab ich einen tollen Freund, der sich meiner annahm und mir diesen Wälzer schenkte ♥

Wir sind also mit Dawn, Ramsay, Gretchen und fünf weiteren Personen für zwei Jahre in E2, einem riesigen Terrarium, welches fünf Biome der Erde in Miniatur enthält. Die Wissenschaftler sollen das Experiment wagen, in einem geschlossenen Ökosystem zu leben – und zu überleben. Nichts rein, nichts raus, zwei Jahre lang.

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Übrigens: Das Buch basiert auf einem wahren Experiment in Arizona.

Und, was lest ihr derzeit?


Mehr MITTENDRINMITTWOCH gewünscht? Dann bitte hier entlang.

[Rezension] Neil Gaiman – Troll Bridge

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Erscheinungsdatum Erstausgabe :04.10.2016

Verlag : Headline

ISBN: 9781472244529

Fester Einband 64 Seiten

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Wer von Neil Gaiman Die Messerkönigin bzw. Smoke & Mirrors gelesen hat, kennt diese Kurzgeschichte bereits. Troll Bridge war schon immer eine meiner liebsten Kurzgeschichten in diesem Buch. (Nur noch geschlagen von The White Road, bei dem ich auch die Daumen drücke, dass es irgendwann als GN erscheint.)

Inhalt

Ein Junge erzählt, wie er als Kind einen geheimen Pfad fand, der sich durch den Wald schlängelte. Kurz entschlossen folgt er diesem und kommt nach vielen Meilen an eine Brücke. Als er sie überqueren will, erscheint plötzlich ein Troll aus den Schatten der Brücke. Er sagt, er würde jetzt das Leben des Jungen fressen.
Doch Jack will noch nicht sterben, und so greift er zu einer List, um dem Troll zu entkommen. Er verspricht ihm, später wiederzukommen, wenn er mehr gelebt hätte. Der Troll glaubt ihm und lässt ihn gehen.

Doch wird der Junge tatsächlich zurückkehren, um den Troll sein Leben fressen zu lassen?

Rezension

Wie gesagt, ich mochte die Geschichte schon sehr lange, sie ist, so wie sie ist, einfach großartig. Sie zeigt auf wenigen Seiten die dunklen Seiten einer Seele, und wozu wir im Stande sind, wenn wir nicht sterben wollen.

Als Graphic Novel macht die Geschichte nun noch mehr her. Die Zeichnungen sind wunderschön und detailliert, farbenprächtig und voller Magie.

Fazit

Für diejenigen, die gerne auch mal zu Graphic Novels greifen, ein absolutes Schmankerl.

Bewertung: 5 / 5 Sterne ★★★★★


Du suchst mehr Lesestoff von diesem Autor? Dann schau dir doch mal diese Rezensionen an:

[Rezension] José Saramago – Die Stadt der Blinden

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Erscheinungsdatum Erstausgabe: 01.09.1997

Verlag: btb

ISBN: 9783442745296

Flexibler Einband 400 Seiten

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Dieses Buch hat mich fertig gemacht. Jetzt, da ich es beendet habe, musste ich auch erst einmal kurz aufatmen – es ist vorbei. Nicht, weil ich mich durch gequält hätte, aber es war doch sehr kräftezehrend.

Inhalt

In einer nicht benannten Stadt in einem nicht benannten Land erblindet ein Mann, während er darauf wartet, dass die Ampel vor ihm auf Grün umstellt. Verzweifelt lässt er sich von einem Fremden nach Hause bringen und wartet dort auf seine Frau. Die bringt ihn in die Praxis eines Augenarztes. Dieser muss jedoch feststellen, dass er diese Art Erblindung nicht zuordnen kann, der Blinde sieht statt Finsternis nur noch ein grelles Weiß. Er schickt den Blinden wieder nach Hause, will ihn aber weiter untersuchen.
Doch noch während er selbst die Bücher abends wälzt, um sich über die Krankheit zu informieren, erblindet er ebenfalls. Und mit ihm immer mehr. Die Regierung beschließt kurzerhand, alle Infizierten in Quarantäne zu stecken.

Wir begleiten den Augenarzt und seine Frau, die sich ebenfalls für blind ausgibt, es jedoch nicht ist, wie sie und einige andere in eine ehemalige Irrenanstalt gesperrt werden. Die Regierung verspricht ihnen, jeden Tag Nahrung kommen zu lassen, doch das soll die einzige Maßnahme sein. Wird jemand krank, gibt es Verletzungen, Unruhe oder Aufstände innerhalb der Mauern wird nicht eingegriffen. Wer sich den Soldaten draußen nähert, wird erschossen.

Schnell breitet sich die Blindheit, das Weiße Übel, aus und die Irrenanstalt füllt sich zusehends. Natürlich bricht auch in einer solchen Situation die menschliche Natur durch, jemand erhebt sich über die anderen. Schon bald kommt es unter den hunderten von eingeschlossenen Menschen zu Kämpfen, einige wenige unterdrücken die ängstlichen anderen.

Wie wird das alles enden? Kehrt das Licht in die Augen der Blinden zurück? Und was passiert, wenn man als einziger Mensch noch sehen kann in einem Meer von Blinden?

Rezension

Zuallererst fällt natürlich der markante Schreibstil des Autors auf. Da es mein erstes Buch von José Saramago war, weiß ich nicht, ob dieser Stil immer von ihm verwendet wird, oder ob dieses Buch eine Ausnahme bildet. Die ersten Seiten hatte ich Schwierigkeiten damit. Anstelle von Anführungszeichen für die wörtliche Rede werden die einzelnen Sätze nur durch Kommas getrennt, manche Sätze erstrecken sich über eine halbe Seite.

„Du wirst schon sehen, das geht vorbei, du warst nicht krank, niemand erblindet einfach so, von einem Augenblick zum anderen, Vielleicht, Erzähl mir, wie es passiert ist, was du gefühlt hast, wann, wo, nein, noch nicht, warte, wir müssen zuerst mit einem Augenarzt sprechen, kennst du einen, Nein, ich nicht, wir tragen beide keine Brille, Und wenn ich dich ins Krankenhaus bringe, Für Augen, die nicht sehen, gibt es sicher keinen Notdienst, Du hast recht, am besten gehen wir zu einem Arzt, ich werde im Telefonbuch nachsehen, zu einem, der hier in der Nähe ist.“ (S. 18)

Ja, das kann anstrengend werden. Aber auch sehr faszinierend. Wenn man einmal Fuß gefasst hat, stört man sich an dem Schreibstil kaum noch, auch wenn man innerlich schonmal aus der Puste kommen kann auf der Suche nach einem Punkt.

Die Geschichte wird teils als Bericht erzählt, teils als allwissender Erzähler. Es wird das Wort „wir“ verwendet, so hat man das Gefühl, einer der beteiligten Menschen spreche mit uns. Da wir gegen Ende des Buches auf einen Schriftsteller treffen werden, nehme ich an, dass dieser den Bericht verfasst haben könnte, sollte ihm jemand Einzelheiten erzählt haben. Nichts wird ausgelassen, wie unmenschlich das Leben wird, wenn niemand mehr sehen kann, wohin er geht, ja, wenn er nicht einmal mehr die Toilette finden kann. Der Dreck, die Exkremente, die nicht mehr da landen, wo sie landen sollten, alles trägt dazu bei, dass sich die Menschen immer mehr wie Tiere fühlen. Auch die einzige Frau, die noch sehen kann in dieser Welt der Blinden, ist nicht zu beneiden. Sie sieht das Grauen, wo es andere nur erahnen können.

Auch, dass sich wieder einige Menschen finden, die sich über die anderen erheben wollen, ist furchtbar, aber, wie ich schon in meiner Rezension zu „Das Licht der letzten Tage“ schrieb, nur all zu wahrscheinlich. Der Mensch ist so. Leider.

Fazit

Wie soll das Leben für alle weitergehen oder werden sie sterben, wird es die Menschheit nicht mehr geben, werden wir zurückkehren zu den primitiven Lebensformen, aus denen wir hervorkamen? Lest es selbst, aber macht euch darauf gefasst: Dies ist keine Nebenbei-Lektüre. Es wird anstrengend, es wird an euch zerren. Doch es lohnt sich.

Bewertung: 4 / 5 Sterne ★★★★

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