[Das King-Universum] Sprengstoff

Werbung | Autor: Stephen King als Richard Bachman | Titel: Sprengstoff |
Übersetzung: Nora Jensen |
Erscheinungsdatum: 1986 | Verlag: Heyne |
430 Seiten | Genre: Thriller |

Bewertung: 2.5 von 5.
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Er tat immer wieder Dinge, über die nachzudenken er sich nicht gestattete. So war er sicherer.

(S.10)

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schnörkel

Inhalt

Werfen wir einen Blick in die – der Name wird es schon verraten – kleine Stadt Smalltown. 1973, die erste Energiekrise ist in Amerika angekommen. Doch dieser zum Trotz wird die Autobahn des Landes erweitert, und zwar so, dass sie durch eben diese kleine Stadt irgendwo in Amerika führen wird. Dafür muss die Vorstadt mit ihren hübschen Häusern weichen, dafür müssen ein paar Leben aufgegeben werden. Doch nicht, wenn Barton George Dawes ein Wörtchen mitzureden hat. Dass er sein Heim nach zwanzig Jahren aufgeben soll, ist nur der letzte Tropfen, der das Fass im Inneren Barts zum überlaufen bringen wird.

Rezension

Zwiegespräche

Die Grundvoraussetzungen für diesen Roman sind eigentlich ganz gut. Wir haben einen Mann mittlerer Jahre mit einer dahinplätschernden Ehe, einem toten Sohn und jeder Menge schizophrener Gedankengänge. Und wir haben das Pulverfass in Form der fortschreitenden Autobahnausbauung des Staates, das die Enteignung und Umsiedlung der Bewohner Smalltowns nach sich zieht. Eigentlich ein grundsolides Gerüst, um einen spannungsgeladenen Roman zu verfolgen. Eigentlich. Doch leider schaffte es King hier nicht, mich tatsächlich aus den Socken zu hauen.

Der Einstieg ist relativ abrupt. Wir verfolgen, wie Dawes ein Waffengeschäft betritt und dort eine ziemlich großkalibrige Waffe ordert. Warum er das tut, weiß er selbst noch nicht – und das er es tut, das hält er vor seiner zweiten inneren Stimme geheim. Fred scheint die vernünftige Stimme im Inneren zu sein, die Bart beharrlich mit George anspricht und immer wieder versucht, ihn zur Raison zu bringen. Doch dieser Waffenkauf ist nicht das einzig merkwürdige. Dawes arbeitet in der städtischen Blue Ribbon Wäscherei, die ebenfalls umziehen müsste. Ihm obliegt es, einen neuen geeigneten Standort zu finden, die Verträge müssen nur noch unterzeichnet werden. Doch irgendetwas hält Dawes ab. Was es genau ist, das erfahren wir bis zum Schluss nicht. Auch für sich und seine Frau Mary sollte er eigentlich ein neues Zuhause finden, weigert sich jedoch vehement dagegen und erfindet immer neue Lügengespinste. Warum? Es fühlte sich für ihn einfach richtig an.

Und so folgen wir eher kopfschüttelnd als verstehend Dawes und seinem rasanten Abstieg in die Tiefen seiner eigenen Psyche. Irgendwann scheint es auch Fred zu reichen, die Stimme im Inneren verschwindet und lässt Dawes allein mit seinem bereits angerichteten Chaos zurück. Nun führt kein Weg mehr hinaus in ein normales Leben, der Showdown beginnt. Und irgendwie faszinierte mich dieser Abstieg natürlich, zu sehen, wie aus einem erfolgreichen Angestellten ein solches Wrack werden konnte, ein Nichts in der sich weiterdrehenden Welt. Aber dennoch ließ mich am Ende sein Schicksal recht kühl, zu wenig konnte ich mich in seinen Charakter einfügen. Dass es auch in der Realität so ist, dass man als Nichtbetroffener eher selten die Gedanken eines psychisch kranken Menschen nachvollziehen kann, ist natürlich klar. Der Strudel, in dem es für Dawes nur immer weiter hinab gehen kann, ist unausweichlich und auch die Menschen in seiner Umgebung können nur zusehen, wie dieser Dawes mit sich reißt. So gesehen zeichnet King seine Figuren wieder sehr real und menschlich, verliert dabei aber den Anschluss an den Leser.

Übrigens: Die Blue Ribbon Wäscherei ist uns bereits zweimal begegnet. Zum einen arbeitete schon Carrie Whites Mutter in eben dieser, und zum anderen beherbergte sie auch in einer der Kurzgeschichten aus Nachtschicht einen dämonischen Wäschemangler, der Arbeiterinnen mit Wäsche verwechselte und sie zu Tode … mangelte.

Übrigens, Nummer 2: Auf einer Silvesterparty gegen Ende des Buches trifft Dawes auf einen ehemaligen Priester. Auch wenn sich dieser mit dem Namen Phil Drake vorstellt, so fallen doch so einige Übereinstimmungen auf, die uns an Pater Callahan aus Brennen muss Salem erinnern. Da wäre zum einen die verletzte rechte Hand samt der Aussage, seit eben jener Verletzung nicht mehr Priester zu sein. (Wenn wir uns zurückerinnern: nachdem Pater Callahan selbst zum Vampir wurde, verbrannte er sich seine Hand bei dem Versuch in die eigene Kirche zu flüchten.) Auch berichtet Callahan bei seinem erneuten Auftauchen im Dunklen Turm, dass er nach seiner Zeit als Priester in Obdachlosenheimen ausgeholfen hatte, was auch Phil Drake in Sprengstoff tut. Nun sagen manche, dass die Zeiten allerdings nicht funktionieren. Spielt Sprengstoff im Jahr 1973, wird Salem’s Lot erst 1975 von Vampiren heimgesucht. Wer nun aber den Dunklen Turm kennt, der wird den Finger heben und sich erinnern, dass es Türen gibt, die in verschiedene Zeiten springen, dass Callahan selbst davon sprach, auf den verborgenen Highways durchs Land gewandelt zu sein. Warum sollte er also nicht zurückgereist sein?

Fazit

Wie immer sind die Verknüpfungen der einzelnen Werke faszinierend, und je mehr man liest, umso auffälliger werden sie mit der Zeit. Doch das ist wohl das positivste an diesem Roman, der zwar einen sprühenden Grundgedanken hatte, jedoch nicht wirklich zünden konnte.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

Charaktere ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

Sprache ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Emotionen ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

= 2.6 ★★★

weitere Meinung

Powerschnute

schnörkel

Zur Übersicht des King-Universums

15 Comments on “[Das King-Universum] Sprengstoff

  1. Pingback: [Das King-Universum] Nachtschicht – Buchperlenblog

  2. Ich finde es sehr spannend, deine Reise durchs King-Universum zu verfolgen und auch die vielen alten Cover wiederzusehen 🙂
    Danke für deine Meinung zu Sprengstoff, ich habe bisher keinen einzigen Bachmann gelesen und konnte ihn daher nicht einordnen. Dank dir, bekomme ich langsam ein Bild von ihm.
    Liebe Grüße
    Sandra

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Sandra! 🙂
      Ohhh, das freut mich aber 🙂 Ich freu mich auch immer ungemein, wenn ich eine ältere Ausgabe ergattern kann – Neuauflagen kann schließlich jeder. 😀 Tatsächlich find ich die Bücher, die er unter seinem Pseudonym schrieb, genauso wankelnd wie die unter seinem normalen Namen. Sprengstoff war für mich erschreckend zäh, aber zB Todesmarsch ist eines der besten Bücher von King bzw sogar generell gesehen, meiner Ansicht nach. 🙂

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

  3. Hallo Gabriela,

    dann wird es noch ne zähe Nummer für mich. Bin bei ca der Hälfte und komme nicht weiter. Hatte das Buch bis auf das explosive Finale auch nicht mehr richtig auf dem Schirm.
    Kann dir aber bisher nur zustimmen, dass es bisher das schlechteste Buch aus dem bisherigen Kingmarathon ist. Die Motivation der Hauptfigur nicht klar, die Handlungen ebenso wenig und auch das generelle Umfeld, die Nebenfiguren, sonst eine Stärke von King, bleiben seltsam blass. Einzig der Mafiosi konnte mich bis jetzt begeistern.

    Ich meld mich in fünf Wochen, wenn ich mit dem Buch durch bin 😁✌️

    Liebe Grüße
    Marc

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Marc! 😀
      Uiii 5 Wochen! Da gibst du dir aber viel Zeit für das an sich ja recht dünne Buch 😀 Tatsächlich hat das Finale bei mir auch nicht mehr viel gerettet, auch wenn es da ganz ordentlich zuir Sache geht. Aber wenn einem die Hauptfigur relativ egal ist, wie soll man da groß mitleiden. :/ Na ja, die nächsten werden wieder besser =)

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

      • Und liegen schon parat. Ne, das mit den 5 Wochen war Spaß. Will das schon noch die nächsten Tage abschließen, sonst liegt es wie ein zäher Brocken rum.

        Auf die nächsten Bücher freue ich mich schon, insbesondere die Novellensammlung.

        Gefällt 1 Person

      • So, nun auch abgeschlossen. Im großen und ganzen stimme ich deiner Einschätzung zu. Die zweite Hälfte zieht ordentlich an, aber zwei große Manko sehe ich bei der ganzen Geschichte. Es ist immer noch irgendwie farblos geschrieben, völlig ohne Esprit, es kommt kein Gefühl auf einen Bachmann/King zu lesen. Und das Zweite ist, dass einem die Hauptfigur wirklich egal ist, da kommt kein Mitgefühl auf, nix. Nur Leere. Schade, denn seine Vorgeschichte hat Potential und die damit entstandene Schizophrenie.

        Gruß,
        Marc.

        P.S. Gestern gleich die Novellensammlung begonnen und mich von Die Verurteilten einsaugen lassen.

        Gefällt 1 Person

      • Wirklich schade, aber genau so hab ich es auch gesehen. Na ja, abhaken, Schwamm drüber. Da bist du mir dann ein Buch voraus, bei mir dauert der nächste King noch etwas und dann geht es ja erstmal mit Menschenjagd weiter. Das fand ich aber soweit ganz gut 😄

        Liken

  4. Hallo Gabriela!
    Ich verfolge ja immer mit Spannung wie du deine Reise durch das King Universum machst und freue mich dann immer dir nachfolgen zu können. Noch lese ich nämlich an Dead Zone 🙂
    Allerdings macht mir deine Rezension nun keine so große Freude auf das Buch. Trotzdem werde ich es lesen und mir ein eigenes Bild machen.
    Und wie du schon sagst, ich mag es momentan sehr die ganzen Verknüpfungen festzustellen oder wie ähnlich manche Charaktere gestaltet sind und so Verbindungen zwischen den Werken Kings herzustellen.
    Liebe Grüße
    Diana

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Diana!
      Stimmt, Dead Zone hab ich bei dir neulich auf der Leseliste entdeckt! Der gute Johnny Smith mit seinem prosaischen Namen 😄

      Das interessante an Sprengstoff ist ja im Nachhinein, dass zB Grit von Powerschnute das Buch ganz anders aufgefasst hat, als zB Marc oder ich. Du wirst dir also wirklich ein eigenes Bild machen müssen 💕

      Liebste Grüße!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

    • Hallo Diana,

      Ach Dead Zone hat es bei mir auf Anhieb geschafft, mein Herz zu erobern.

      Bezüglich den Bewertungen der Bücher pflichte ich Gabriela bei. Da kann man nie pauschal sagen, ob es gut oder schlecht ist, was ich bei Cujo wieder gemerkt habe. Da, wo andere die Nebenhandlungen überflüssig fanden, empfand ich sie als integralen Bestandteil der Geschichte. Da muss ich gleich mal bei Grit nachlesen, wie sie Sprengstoff für sich bewertet hat.

      Liebe Grüße
      Marc

      Gefällt 1 Person

      • Ja, Dead Zone war wirklich toll! 😀
        Cujo hat mir damals beim ersten Lesen sehr gut gefallen, bin schon auf den reread gespannt und ob es mir immer noch gut gefällt.
        Liebe Grüße

        Gefällt 1 Person

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