[Das King-Universum] Todesmarsch

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Werbung | Autor: Stephen King als Richard Bachman | Titel: Todesmarsch |
Übersetzer: Nora Jensen |
Erscheinungsdatum: 1979 | Verlag: Heyne|
370 Seiten | Genre: Roman|

sterne5

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Die Hand des Majors senkte sich. „Viel Glück euch allen“, sagte er. Sein Gesicht war ausdruckslos, die verspiegelte Sonnenbrille verbarg seine Augen.
Langsam gingen sie los, ohne zu drängeln.
Und Garraty ging mit ihnen.

(S. 22)anführung_oben

schnörkel

Inhalt

Ein Leben lang alles menschenmögliche bekommen, was man möchte. Hört sich doch eigentlich ganz gut an, oder? Was man dafür tun muss? 99 andere Laufteilnehmer überleben.

Rezension

Lauf um dein Leben

In Stephen Kings Utopie ist die Weltbevölkerung verarmt. Politische Strukturen wurden aufgebrochen, der Major ist der herrschende Machtinhaber. Und genau dieser lädt alljährlich zum 1. Mai 100 siebzehnjährige ein, an einem Marsch um Leben und Tod teilzunehmen. Dem Gewinner winkt ein Leben in Saus und Braus, ein Leben mit jederzeit erfüllten Wünschen aller Art. Die Verlierer dagegen werden mit dem Tod bestraft.

Ray Garraty ist einer von ihnen. Genau wie viele andere der Läufer, weiß er eigentlich nicht so genau, warum er bei diesem Spiel mitmacht. Denn für ein Spiel halten sie es alle. Bis der erste erschossen wird. Danach geht ihnen langsam aber sicher auf, worauf sie sich hier eingelassen haben.

Auf meinen reRead vom Todesmarsch habe ich mich schon lange gefreut, denn das Buch ist mir unglaublich dicht und atmosphärisch im Kopf hängen geblieben. Eigentlich ist es wie ein Kammerstück, man begleitet Ray Garraty Meile um Meile, und freundet sich dabei mit anderen Läufern an, wohlwissend, dass sie zwischen dir und dem Sieg stehen. Die Regeln des Laufes sind klar. Wenn du unter die Mindestgeschwindigkeit von 4 Meilen pro Stunde gerätst, erhältst du eine Verwarnung. Erhältst du 3 Verwarnungen, wirst du erschossen. Verlässt du die Straße, wirst du erschossen. Essen, Schlafen, Bedürfnissen nachgehen darfst du jederzeit – wenn du dich an die 4 -Meilen-Regel hältst, denn sonst … Und auch wenn die Teilnehmer über 370 Seiten hinweg eigentlich nur damit beschäftigt sind, ihren Weg quer durch Maine zu finden, so hat mich dieses Buch auch dieses Mal wieder umgehauen mit seiner Intensität. Denn auch wenn die ersten Meilen noch ein Kinderspiel sind, der menschliche Körper gerät irgendwann an seine Grenzen. Die Auswirkungen dieser permanenten Anstrengung zeichnet King auf vielfältige, glaubhafte Weise, so dass man gar nicht anders kann, als erschrocken die Luft anzuhalten, wenn die ausgezehrten Körper der Jugendlichen an einem vorbeiziehen. Auch die Masse der Zuschauer scheint gleichzeitig abgestoßen und fasziniert zu sein, denn je länger der Marsch dauert, desto mehr Menschen kommen und gaffen. Ja, sie gaffen. Denn es ist wie bei einem großen Unfall, man kann einfach nicht wegschauen, man muss sehen, wie andere Leben zerstört werden. Und auch wenn ich mit Ray mitgefiebert und mich an seine Fersen geheftet habe, so gab es doch den ein oder anderen Todesfall, der mir sehr ans Herz ging. Das Ende der Geschichte ließ mich erneut schaudernd zurück, nicht zuletzt, weil sie gruselige Kindheitstrauma-Erinnerungen von Watership Down aufreißen lässt.

Und auch bei diesem Buch beweist King einmal mehr seine enorme Weitsicht. Denn schon 1979 erkannte er den Weg, den unsere „Höher-Schneller-Weiter“-Gesellschaft nimmt. Wie weit sind wir denn noch davon entfernt, die moralischen Bedenken über Board zu werfen und die ersten Köpfe im Fernsehen rollen zu sehen?

Übrigens: Die Teilnehmer des Laufes haben mehrmals die Chance abzusagen, doch nur die wengistens nehmen diese Termine wirklich wahr. Vielleicht, weil der letzte Absagetermin der 31. April ist?

Fazit

Komme, was da wolle: Stephen Kings Todesmarsch gehört für mich persönlich zu den beeindruckendsten, tiefgründigstem und dichtesten Romanen, die mir in meinem Leben bisher begegnet sind.  Die Intensität, mit der wir Leser gleichsam den Fuß heben und senken, Meile um Meile, gemeinsam mit Ray Garraty und seinen Freunden, muss erst einmal übertroffen werden.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★★ ( 5 / 5 )

Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★★ + ★ ( 6 / 5 )

= 5 ★★★★★

schnörkel

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18 Comments on “[Das King-Universum] Todesmarsch

  1. Mensch, du legst ein Tempo vor 😉 Stecke ja noch in Nachtschicht als Hörbuch fest, welches mich bis auf Ausnahmen, eigentlich eher so semibegeistert zurücklässt bisher. Da merkt man, dass er noch in seiner Anfangsphase steckte und gerade bei Kurzgeschichten und Novellen noch einiges übte. Ich kenne ja die späteren Bände und da fällt Nachtschicht ordentlich ab dagegen.
    Todesmarsch habe ich schon einmal vor ca 15 Jahren gelesen und daher nur sehr dunkle Erinnerungen daran. Freue luch daher schon auf den erneuten Leseanlauf und werde wieder berichten, wenn ich damit fertig bin.

    Danach müsste dann Feuerkind dran sein.

    Gefällt 1 Person

    • Lass dich bloß nicht von mir hetzen! Ich hatte so große Lust auf den Todesmarsch, dass ich einfach lesen musste. 😀 Immerhin gabs davor ja fast 4 Monate keinen King für mich. Nachtschicht ist wirklich nicht mit späteren Kurzgeschichten vergleichbar, aber ich finde für den ersten Band waren da durchaus schöne Geschichten dabei. Bist du schon beim Sprung ins Heu?

      Gefällt 1 Person

      • Ich lass mich nicht hetzen, ehrlich. Bin ja auch selber wieder voll im Kingfieber, dass es fast unheimlich ist. Freue mich auch schon auf Todesmarsch und bin gespannt, wie es jetzt auf mich wirken wird.

        Bei Nachtschicht war ich gerade bei „Der Rasenmähermann“ eine sehr skurrile Geschichte. Gefallen hat mir bisher „Der Mangler“, welches trotz der Absurdität zum Schluss sehr unheimlich war, auch „Der Mauervorsprung“ gefiel mir, „Briefe aus Jerusalem“ hatte auch was, insbesondere, weil es einen Bezug zu Jerusalems Lot herstellt und die Geschichte mit den amoklaufenden Trucks. Der Rest war in meinen Augen entweder nichtssagend, eher so lala oder einfach zu speziell. Aber eines finde ich an fast allen faszinierend. Er schafft es mit wenigen Worten eine Atmosphäre zu erschaffen, die mir regelmäßig Gänsehaut beschert.

        Gefällt 1 Person

  2. Hallo! 🙂
    Todesmarsch habe ich noch nicht gelesen und ich bin erstaunt, dass klingt ja wie eine Dystopie?!
    Und das wo ich doch Dystopien gerne lese und auch King, also warum ist mir das Buch bis jetzt entgangen? Aber ich komme ja noch dazu und bin dann total gespannt. Deine Rezension klingt ja schon sehr vielversprechend. 🙂
    Liebe Grüße
    Diana

    Gefällt 1 Person

    • Guten Morgen Diana! 🙂
      Jaaaa da ist dir eindeutig etwas durch die Lappen gegangen bisher! Todesmarsch ist einfach richtig faszinierend, sehr atmosphärisch. Ich hoffe, du hast dann ebenso viel (Schreckens-) Freude an dieser Geschichte wie ich es hatte!

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

  3. Uh! Jetzt hast du mich aber angefixt! Nur das ich King lieber höre als lese, muss mal stöbern gehen, ob es das Buch als Hörbuch gibt (=
    Der Plot klingt absolut reizvoll – ich habe King erst spät für mich entdeckt, bin aber immer wieder fasziniert, wie Gesellschaftskritisch er in vielen seiner Geschichten ist. Ich glaube, ich werde mir das Print auf meine WuLi setzen, sollte es die Geschichte wirklich nicht für die Ohren geben.

    Mukkelige Grüße!

    Gefällt 1 Person

  4. Huhu Gabriela,
    das passt ja perfekt, bin gerade am 2. Band der Bill Hodges Reihe und ‚Todesmarsch‘ ist so ewig lange her, da sollte ein reread drin sein. Du hast mich echt an ein paar Dinge erinnert und ich muss das unbedingt auffrischen. Danke für den tollen Beitrag, liebe Grüße
    Kerstin

    Gefällt 1 Person

    • Huhu Kerstin!
      Ahh Bill Hodges ist soooo ein wunderbarer Charakter, mitsamt Holly und Jerome ❤️
      Freut mich sehr, dass du den Todesmarsch auch in so positiver Erinnerung hast – da ist eine Auffrischung immer super, man entdeckt ja auch immer wieder neues in der Geschichte. Viel Lesefreude dabei!

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Liken

  5. Pingback: Rückblick auf den Februar – Buchperlenblog

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