[Rezension] Kim Lock – Weißt du, warum ich tot bin?

Erschreckende Thematik, wirkungsvoll umgesetzt. Gegen Ende verliert die Geschichte allerdings an Spannung.

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Werbung | Autor: Kim Lock | Titel: Weißt du, warum ich tot bin? |
Erscheinungsdatum: August 2018 | Verlag: Diana | 390 Seiten | Genre: Roman / Drama

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Ark klatschte sich Rasierschaum ins Gesicht. „Ich hätte eigentlich gar nicht mitkommen sollen. In Wahrheit hatte ich keine Zeit für so was.“
„Aber du wolltest doch unbedingt mitkommen.“
„Was blieb mir denn anderes übrig?“ Wasser spitzte über die Fliesen, als er seinen Rasierer unter den Hahn hielt. Er stieß einen Fluch aus. „Seit Wochen habe ich dich kaum noch zu Gesicht bekommen. Und an meinem einzigen freien Tag wolltest du unbedingt mit Fairlie zum Strand. Wie soll ich sonst Zeit mit meiner Frau verbringen?“

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Inhalt

Jenna ist tot. Sie hat ihr Leben beendet und hinterlässt einen trauernden Mann und einen kleinen Sohn. Aber trauert Ark wirklich so sehr um seine Frau? Wirkt seine Miene nicht ein wenig zu aufgesetzt? Was verbirgt sich hinter der Fassade des Mannes, dem Jenna vor vier Jahren haltlos verfiel und seitdem nicht mehr wiederzuerkennen war? Fairlie, ihre beste Freundin seit Kindertagen, bekommt überraschend einen Brief der Toten, der sie auf eine geheime Spur bringt und endlich Licht ins Dunkel wirft.

Rezension

Der Biss in eine Zitrone

Das Buch ließ sich eigentlich recht harmlos an. Geteilt in Heute und Damals erfährt man zunächst vom Selbstmord Jennas, kennt jedoch die Umstände nicht. Auch der Beginn des Damals ist eher ein zweitklassischer Schnulzenroman, Jenna lernt Ark kennen, Jenna verliebt sich Hals über Kopf, Jenna und Ark heiraten binnen 4 Monaten. Doch nach und nach zeigt Ark sein wahres Gesicht. Und das hat es gehörig in sich. Seine psychotischen Spielchen, die er bereits von Anfang an mit Jenna spielte, ließen mir die Haare zu Berge stehen. Zeitweise verzog sich mein Gesicht so angestrengt, als hätte ich geradezu in eine Zitrone gebissen. Da wird kontrolliert, erzwungen, verdreht und genommen. Und immer, wenn es am spannendsten war, wurde man zurück ins hier und jetzt geschleudert, zu Fairlie, Jennas bester Freundin. Plötzlich hatte man mit anderen Problemen zu hadern, den Problemen einer jungen Frau, die nicht verstehen kann, warum sich ihre Freundin das Leben nahm und ihren kleinen Sohn zurücklässt. Die selbst von ihrer Mutter zurückgelassen wurde. Zwischendurch gibt es kurze Briefeinschübe der Mutter von Jenna, die ihr nach und nach von ihrem ganz persönlichen Geheimnis erzählt. Dieses Geheimnis war der Auslöser für Jennas völligen Kontaktabbruch zu ihrer Mutter und vermutlich auch der Hauptgrund, weshalb sie sich so schnell in Arks Arme flüchtete. Außerdem soll dieses Geheimnis den Abgrund zwischen Heute und Damals überbrücken, soll verbinden, was zusammen gehört.

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich den zweiten Handlungsstrang nicht wirklich gebraucht. Ich kann hier nicht so viel erzählen, wie ich gerne würde, aber ich hätte es besser gefunden, wenn man sich nur auf Jennas Leid konzentriert hätte. Damit wäre die Geschichte völlig ausgefüllt gewesen. Denn das Ende zog sich meiner Ansicht nach plötzlich reichlich hin, es kamen Wiederholungen von Wiederholungen und irgendwie hat es mich unbefriedigt zurückgelassen. Schade, denn der Mittelteil des Buches hat mich förmlich eingesaugt!

Fazit

Eine Geschichte, bei derem Fortgang sich die Haare sträuben, eine glaubhafte Entwicklung eines zarten Charakters ins bodenlose, und ein Einblick in die tiefen Abgründe einer menschlichen Seele. Der zweite Handlungsstrang ruiniert ein wenig die Tiefe des Ersten und hinterlässt einen etwas unausgegorenen Nachgeschmack. Trotz allem eine Leseempfehlung für alle, die gerne einen Blick in eine grausame Ehe voll Unterdrückung riskieren möchten.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )

= 4 ★★★★

Erinnert an:

B.A. Paris – Saving Grace

schnörkel

10 Comments on “[Rezension] Kim Lock – Weißt du, warum ich tot bin?

  1. Yum tuv, Gabriela.
    Machtspielchen funktionieren leider auf allen Ebenen des menschlichen Zusammenlebens. Von der Diktatur mit Global-Ambition bis hin zum Ehemann, der „Familie“ als Besitzstand mit Leibeigenen sieht.
    In beiden Fällen gilt es die ausgespielte Macht sofortwirkend auf Nulldiät zu setzen.
    Bezeichnend, dass das Patriarchat (die „Früher war alles besser!“-Fraktion) gern auf die Macht der Unterdrückung setzt.

    Dein gewählter Auszug (von S. 134) sagt sezierend viel über den Charakter Arks – ICH ICH ICH.
    Zu einer anderen Denke scheint er nicht fähig/willens zu sein.

    Netterweise kenne ich Dein angemahntes Problem mit der Erzählstruktur auch aus ein zwei Filmen, deren Fluss in ähnlicher Weise (unter der Gegenwart) leidet.*
    Ein Film wie ‚La Vie Revee Des Anges‘ lässt einen dagegen bis zum Ende des Abspanns nicht los…

    bonté

    * ‚Now And Then‘ oder ‚Fried Green Tomatoes‘

    Gefällt 1 Person

    • Hallo!
      Da hast du völlig Recht, Machtspielchen gibt es in allen Bereichen, und sie führen seltenst dazu, dass einer seine Macht wohlwollend einsetzt.

      Ich denke, dass manchmal wirklich weniger mehr ist und man sich auf eine Handlung konzentrieren sollte, als gewollt noch mehr Dramatik hineinbringen zu wollen.

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt mir

  2. Hallo Gabriela,
    ich habe das Buch vor ein paar Tagen beendet und schaue mir jetzt mal deine Rezension an. Ich war auch emotional total geflasht von Jennas Geschichte. Ein tolles Buch fand ich.
    Deine Kritik mit dem zweiten Handlungsstrang kann ich zwar nachvollziehen, aber mich hat das nicht so sehr gestört und ich fand das noch ein interessantes Detail zwischendurch.
    Aber die Geschmäcker sind verschieden und dir hat ja das Buch trotzdem gut gefallen. 😉
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    Gefällt 1 Person

    • Huhu Diana!
      Das freut mich, dass dir das Buch so gefallen hat! Ich fand Ark einfach unglaublich, und das schlimme ist ja, dass es diese Art Menschen immer geben wird.
      Schön, dass dir auch Fairlies Geschichte gefiel 🙂

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

      • Ja, Ark war wirklich heftig. Ich mag mir so eine Person gar nicht vorstellen, aber wie du sagst, solche wie ihn findet man leider immer.

        Gefällt mir

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  4. Hallo Gabriela,
    trotz Deiner Kritik hast Du mich mit Deiner Rezension nahezu angefixt. Meine Faszination zur Pathopsychologie wurde gekitzelt und somit wandert das Buch auf meine WL. Vielen Dank dafür! (und das ist jetzt wirklich nicht ironisch gemeint *g*)

    Liebe Grüße aus Wien,
    Conny

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Conny!
      Na dann hab ich doch alles richtig gemacht 🙂 Denn ich mochte das Buch wirklich gern, auch wenn mir eben nicht alles ganz 100% zugesagt hat. Freut mich, dass ich dich neugierig machen konnte!

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

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