[Rezension] Henning Mankell – Die schwedischen Gummistiefel

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Erscheinungsdatum Erstausgabe: 22.08.2016

Verlag: Zsolnay, Paul

ISBN: 9783552057951

Fester Einband 480 Seiten

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Mehr und mehr schien es, als kommunizierten wir miteinander, indem wir uns aus den Augenwinkeln beobachteten. Wir gingen herum und hatten Angst. 

Meine Angst rührte daher, dass ich meinte, weniger und weniger von meiner schwangeren Tochter zu wissen. Und dass sie an mir vielleicht sah, was das Alter mit einem Menschen macht. (.S.179)

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Inhalt

Fredrik Welin, ein ehemaliger Chirurg im Ruhestand, wacht eines Nachts auf, als sein Haus über seinem Kopf lichterloh in Flammen steht. Nur mit Mühe schafft er es ins Freie. Die Brandursache ist unklar und schnell gerät der 70jährige in Verdacht, das Feuer selbst gelegt zu haben. Im Zuge der Ereignisse lernt er die Journalistin Lisa Modin kennen und verliebt sich in sie, eine fast halb so alte Frau. Er versucht ihr näher zu kommen und steht sogar eines Nachts vor ihrer Haustür. Zwischen den beiden, die so sehr die Einsamkeit im Inneren teilen, entspinnt sich langsam eine Freundschaft. Auch seiner Tochter Louise kommt er nach dem Brand näher und wird endlich ein Teil ihres Lebens. Doch die Frage, wer das Feuer gelegt hat, bleibt nach wie vor offen. Wie gut kennen wir die Menschen um uns herum?

Rezension

Henning Mankells letzter großer Roman, so wird dieses Buch angepriesen. Es liest sich, wie ich es mir vorgestellt habe. Ein ruhiges Buch, dass die Probleme des Alterns beleuchtet. Mankell schrieb dieses Buch im Wissen, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist. So lässt es den Schluss zu, dass er sich an Stelle des Fredrik Welin zuweilen selbst stehen sieht. Sein Protagonist verliert sich zeitweise in Überlegungen, die sein Leben und vor allem auch die Zeit danach betreffen. Um ihn herum, verteilt auf den anderen schwedischen Schären in der Ostsee, sind die meisten Menschen in einem Alter, in dem es bald vorbei sein könnte. Und doch ist Fredrik nicht gewillt, klein beizugeben. Er verlässt häufig seine Insel mit der heruntergebrannten Ruine und macht sich auf die Reise ins ferne Paris, der Stadt, die er in früheren Tagen so oft besucht hat. Er verliebt sich sogar noch einmal und hofft auf eine zwischenmenschliche Beziehung, auch wenn diese eher unwahrscheinlich ist.

Der Brand hat endlich das Tor geöffnet, um mit seiner Tochter warm zu werden. Lange haben sie nicht gewusst, wie sie miteinander umgehen sollen und auch jetzt ist noch diese Wand zwischen ihnen spürbar. Und doch gibt es endlich Hoffnung.

Fredrik Welin ist ein Protagonist, den man als grundsätzlich sympathisch bezeichnen kann. Er hat Fehler und er erinnert sich auch immer wieder an Episoden in seinem Leben, in denen er sich daneben benommen hat. Und doch macht ihn das aus, macht ihn zu einem von uns. Einen Menschen. Niemand ist frei von Fehlern, wir alle haben Dinge getan oder werden sie noch tun, die wir im Alter womöglich überdenken oder bereuen werden. Aber macht genau das nicht das Leben aus? Die weiteren Charaktere und Schärenbewohner sind allesamt Sonderlinge, merkwürdige Menschen und Eigenbrötler mit mehr oder weniger liebenswerten Eigenschaften. Viele bleiben blass, auch Sympathien kamen eher nicht bei mir zum Vorschein. Selbst Louise, seine Tochter, schafft es nicht, dass ich sie in mein Herz schließen konnte. Aber vielleicht muss man das auch nicht.

Die Aufklärung des Brandes auf seiner Insel verläuft im Hintergrund, ist eigentlich nicht wirklich Bestandteil des Buches. Viel mehr hat dieses Feuer Fredrik ein wenig Leben geschenkt, ein wenig Hoffnung auf die Zukunft. Denn nun hat er sein Leben wieder ein Stück mehr in der Hand.

Fazit

Eine Geschichte, klar und schnörkellos geschrieben und doch so bestechend wahr. Eine Geschichte über das Alter, über das Menschsein und die Hoffnung. Streckenweise etwas langatmig und gleichförmig, aber womöglich ist es so, das Alter. Irgendwann, wenn wir selbst 70 sind, werden wir es vielleicht wissen.

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Endlich frei – [abc-Etüden]

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Endlich frei

Die leichte Brise, die vom Meer heran wehte, zupfte an ihrem Rock, spielte mit ihren Haaren und hinterließ ein wohliges Gefühl auf der Haut. Die Augen mit einer Hand gegen die bereits tiefstehende Sonne abschirmend, betrachtete sie den sanften Wellengang, Seetang schwamm an der Oberfläche und bildete kleine dunkle Flecken auf der Wasseroberfläche, irgendwo schrie eine Möwe.

Kaum war sie mit dem Boot auf der kleinen Insel, die schon seit Generationen der Familie gehörte, angekommen, lief sie auch schon den sandigen Weg hinauf zu den Klippen, den Blick fest auf das tiefblaue Wasser gerichtet. „Endlich frei“, dachte sie und atmete die salzige Luft ein.

Bereits als Kind liebte sie dieses kleine Paradies, das nur für sie allein zu existieren schien. Nachdem ihre Großeltern verstarben, wurde das alte Haus am Strand hin und wieder für ein romantisches Wochenende an Touristen vermietet, da ihren Eltern die Einsamkeit der Insel nichts gab.

Doch nun lag es in ihren Händen und sie hatte sich entschieden. Kein Fremder sollte mehr über die Schwelle ihrer Erinnerung treten, sollte die Spuren  ihrer Familie verwischen, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten. Sie brauchte einen eigenen Platz, an dem sie ganz sich selbst überlassen war, an dem sie ein Mensch sein konnte, fernab von Konvention und Verpflichtung.

„Endlich frei“, wiederholte sie flüsternd und lächelte.

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Die abc-Etüden von Irgendwas ist immer stellen wöchentlich drei Worte zur Verfügung, auf dass wir daraus eine Geschichte aus 10 Sätzen schreiben können. Diese Woche sind es Meer, Kind und Mensch. 🙂

[Rezension] Hans Christian Andersen – Die kleine Meerjungfrau

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Erscheinungsdatum Erstausgabe :24.02.2017

Verlag : Wunderhaus Verlag

ISBN: 9783946693017

Fester Einband 44 Seiten

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„Die kleine Seejungfer schwamm bis dicht an das Kajütenfenster, und jedes Mal, wenn das Wasser sie emporhob, konnte sie durch die spiegelklaren Scheiben sehen, wie viele geputzte Menschen drinnen standen, aber der Schönste war doch der junge Prinz mit den großen schwarzen Augen.“  (S.14)

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Inhalt

Wie bei vielen anderen Märchen kennen wir die Geschichte in groben Zügen, wissen um den Rahmen der Handlung. Die kleine Meerjungfrau darf zu ihrem 15. Jahrestag das erste Mal an die Wasseroberfläche und die Welt der Menschen bestaunen. Sie erblickt ein festlich geschmücktes Schiff, auf dem ein Prinz seinen Geburtstag feiert. Doch Sturm kommt auf und das Schiff kentert. Im letzten Moment kann sie ihn retten und an Land bringen. Sie verliebt sich und träumt fortan von ihm, doch er weiß nicht einmal, dass es sie gibt. Von ihrer Großmutter erfährt die Seejungfer, dass Menschen eine unsterbliche Seele besitzen, die nach ihrem Tod in den Himmel steigt. Meermenschen haben so etwas nicht – sie vergehen bei ihrem Tod zu Meeresschaum. Nur durch die Liebe eines Menschen können sie eine Seele erhalten. Um ihrem geliebten Prinzen nahe zu sein und eine Seele zu erhalten, opfert sie ihre Schwanzflosse und ihre Stimme, damit sie ihn von sich überzeugen kann.

Rezension

Wunderschön geschrieben ist diese Geschichte ein wahres Highlight in der Märchenwelt. Wie auch bei vielen anderen Märchen ist die adaptierte Disneyversion, die wohl den meisten bekannt ist, viel romantischer und mit einem Happy End versehen. Das Märchen von Hans Christian Andersen jedoch beinhaltet Schmerzen, eine unerwiderte Liebe, den Tod und auch die Hoffnung.
Man hofft und bangt mit der kleinen Seejungfer, man erlebt ihre Ernüchterung, wenn man feststellen muss, dass der Prinz sie zwar gern hat, aber doch eher wie eine Schwester und weniger wie eine Geliebte.

Das Ende ist im Original wesentlich tragischer als in vielen Adaptionen. Auch die Schmerzen, die die Meerjungfrau ertragen muss, um ihrem Ziel einen Schritt näher zu gelangen, sind tiefgreifender.

Die Ausgabe aus dem Wunderhaus Verlag fiel mir bei der letzten Buchmesse in Leipzig in die Hände. Sie besticht durch fantastische Illustrationen, farbenfroh und doch sehr märchenhaft. Es lohnt sich also, diesen Schatz seinem Regal hinzuzufügen.

Fazit

Ein trauriges, faszinierendes Märchen in einer bezaubernden Ausgabe. Für alle großen und kleinen Märchenfreunde ein Genuss.

 

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„Du behältst deinen schwebenden Gang, keine Tänzerin wird schweben können, wie du, aber jeder Schritt, den du tust, wird sein, als ob du auf scharfe Messer trätest, so dass dein Blut fließen muss.“ (S.26)

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Mittendrin Mittwoch #15 – Vom älter werden

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Eine neue Woche, ein neues Buch. Das SuB-Glas hat am Wochenende zu mir gesprochen und mir ein Buch beschert, welches still in sich gekehrt ist, was ohne große Töne auskommt und uns doch mitnimmt in eine Zukunft, die uns allen bevorsteht. Das Alter.

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Mehr und mehr schien es, als kommunizierten wir miteinander, indem wir uns aus den Augenwinkeln beobachteten. Wir gingen herum und hatten Angst.

Meine Angst rührte daher, dass ich meinte, weniger und weniger von meiner schwangeren Tochter zu wissen. Und dass sie an mir vielleicht sah, was das Alter mit einem Menschen macht. (.S.179)

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Die schwedischen Gummistiefel ist der letzte große Roman des schwedischen Autors Henning Mankell. Mein erstes Buch von ihm, doch verfolge ich hin und wieder die Fälle seines Kommissars Wallander im Fernsehen.

Es handelt vom Leben des ehemaligen Chirurgen Fredrik Welin, der seinen Lebensabend auf seiner Schäre in der Ostsee verbringt. Doch dann wacht er eines Nachts auf und muss miterleben, wie sein Haus, das Haus, das bereits seine Großeltern erbauten, über seinem Kopf abbrennt. Nur mit Mühe schafft er es nach draußen. Doch damit nicht genug, denn die Polizei hält ihn für den Brandstifter. Seine Tochter leistet ihm im Wohnwagen auf der Schäre Gesellschaft, während er sich langsam zu fragen beginnt, ob es am Alter liegt, ob er senil wird und tatsächlich die Schuld am Brand trägt.

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Und, was liest du gerade?


Diese Aktion wurde von der lieben Elizzy von readbooksandfallinlove initiiert, schaut unbedingt mal bei ihr vorbei! ♥

[Bücher-ABC] – A wie Anfang

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Die wunderbare Elizzy hat eine neue Aktion auf ihrem Blog readbooksandfallinlove gestartet, bei der ich sehr gern dabei sein möchte. Immerhin ist diese Aktion wieder so ein Freifahrtsschein für jede Menge Buchempfehlungen! 🙂

Beim Bücher-ABC geht es darum, für den jeweiligen Buchstaben einen Autor zu benennen, ein Buch und einen Schreibtipp für die Blogger und Autoren unter uns.

Starten wir also, wie könnt es anders sein, mit dem A.

Der Autor

Ich KÖNNTE jetzt natürlich wieder meine geliebte Kate Atkinson hervorheben, doch vielleicht ist die noch zu frisch im Gedächtnis geblieben, weshalb ich mich kurzerhand umentschieden habe.

Ben Aaronvitch ist für mich ebenfalls immer wieder einen Tipp wert. Mit seiner Zauberlehrling-Reihe rund um Constable Peter Grant ist er immer wieder ein rasanter Lesetip durch das magische London.

Das Buch

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Hier fällt mir ein ganz wunderbares Buch ein, dass ich Anfang des Jahres gelesen habe: Giovanni Montanaro – Alle Farben der Welt. Ein Buch in Briefform mit einer außergewöhnlichen Sprache über das Leben eines Mädchens, dass sich selbst verloren hat.

Der Schreibtipp

A wie Aller Anfang ist schwer

Manchmal sitzt man da und das weiße Blatt, das leere Dokument ängstigen dich. Was sollst du schreiben, wie sollst du anfangen und lohnt sich das überhaupt? Ja, es lohnt sich immer und ganz besonders für dich selbst. Jede Zeile, die du schreibst, bringt dich deinem Ziel ein Stück näher. Und ist der Anfang einmal gemacht, schreibt es sich meistens wie von allein. 🙂

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Das Bücher-ABC im Überblick!

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Neuzugänge für den Mai

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Es ist schon etwas her, seit ich meine letzten Neuzugänge präsentiert habe – es wird also mal wieder Zeit! Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich kein Buch entdecke, welches ich lesen möchte, kaum ein Tag, an dem ich nicht ein neues Buch ordere, vormerke oder wenigstens von weitem anhimmele. Hier also eine kleine Auswahl der letzten Tage, die mein Herz höher schlagen lässt 🙂

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978-3-426-51513-6.jpg.30711940  M. R. Carey – Die Berufene

Die zehnjährige Melanie hat eine Gabe: Ein ­Parasit, der die Menschen in brutale Tötungsmaschinen verwandelt, die »Hungernden«, macht ihr nichts aus. Schwer bewacht leben sie und andere infizierte Kinder auf einer entlegenen Militärbasis, wo sie sich täglich grausamen Tests ausgesetzt sehen. Sie wissen nicht, warum sie gefangen gehalten werden. Sie wissen nicht, warum sie nicht spielen dürfen.
Die undurchsichtige Wissenschaftlerin Dr. Caldwell weiß es sehr wohl: Sie ist fest entschlossen, den Schlüssel zur Rettung der Überlebenden zu finden, und schreckt auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurück. Doch bevor Melanie ihren Experimenten zum Opfer fällt, rückt die Armee der »Hungernden« auf die Militärbasis zu. Wie gefährlich sind die Kinder wirklich? Und für wen?

Durfte darum bei mir einziehen: Ich hatte das Buch schon eine Weile im Blick, doch als ich dann die wirklich ausführliche Rezension von liveyourlifewithbooks las, musste ich es einfach haben.

 

Bjerg_Auerhaus_U1.inddBov Bjerg – Auerhaus

Sechs Freunde und ein Versprechen: Ihr Leben soll nicht in Ordnern mit der Aufschrift Birth – School – Work – Death abgeheftet werden. Deshalb ziehen sie gemeinsam ins Auerhaus. Eine Schüler-WG auf dem Dorf – unerhört. Aber sie wollen nicht nur ihr Leben retten, sondern vor allem das ihres besten Freundes Frieder. Denn der ist sich nicht so sicher, warum er überhaupt leben soll.

Durfte darum bei mir einziehen: Es war eindeutig ein Cover-Griff in der Buchhandlung. Der Klappentext hat mich dann vollends überzeugt.

Einmal einen Stadtbesuch auswärts machen, schon ein Buch mit nach Hause schleppen. Wir haben ja hier keine Buchhandlungen in Leipzig ^

 

Niah Finnik – Fuchsteufelsstill47166893-00-00

Die siebenundzwanzigjährige Juli steht mitten im Leben – manchmal sogar ein bisschen zu sehr. Sie ist Autistin und jeder Tag bedeutet eine gewaltige Masse an Emotionen, die es zu meistern gilt. Als Juli nach einem missglückten Suizidversuch auf eine psychiatrische Station kommt, trifft sie dort auf die überschwänglich-herzliche Sophie und auf Philipp, der mal mehr und mal weniger er selbst, aber stets anziehend für Juli ist. Die drei nehmen Reißaus und verbringen ein gemeinsames Wochenende, nachdem nichts mehr so ist wie zuvor.

Durfte darum bei mir einziehen: Bei einer Recherche zu Büchern mit psychologischem Hintergrund fiel mir dieses Buch ins Auge und wenig später auch in den Warenkorb.

 

u1_978-3-10-062908-1.54124765Christoph Ransmayr – Morbus Kitahara

»Der Friede von Oranienburg« ist der Name für die Jahre und Jahrzehnte nach einem großen Krieg. Aber dieser Name bezeichnet keine Epoche des Wiederaufbaus, sondern eine der Sühne, der Vergeltung und Rache. Nach dem Willen der Sieger sollen die geschlagenen Feinde aus den Ruinen ihrer Städte und Industrien zurückkehren auf die Rübenfelder und Schafweiden eines vergangenen Jahrhunderts. Drei Menschen begegnen sich im Moor, einem verwüsteten Kaff an einem See im Schatten des Hochgebirges. Ambras, der »Hundekönig« und ehemaliger Lagerhäftling, wird Jahre nach seiner Befreiung Verwalter jenes Steinbruchs, in dem er als Gefangener gelitten hat. Verhasst und gefürchtet haust er mit einem Rudel verwilderter Hunde im zerschlissenen Prunk der Villa Flora. Lily, die »Brasilianerin«, die Grenzgängerin zwischen den Besatzungszonen, die vom Frieden an der Küste des fernen Landes träumt, lebt zurückgezogen in den Ruinen eines Strandbades. An manchen Tagen aber steigt sie ins Gebirge zu einem versteckten Waffenlager aus dem Krieg, verwandelt sich dort in eine Scharfschützin und macht Jagd auf ihre Feine. Und Bering, der »Vogelmensch«, der Schmied von Moor: Er verlässt sein Haus, einen wuchernden Eisengarten, um zunächst Fahrer des Hundekönigs zu werden, dann aber dessen bewaffneter, zum Äußeren entschlossener Leibwächter. Doch in diesem zweiten Leben schlägt ihn ein Gebrechen, ein rätselhaftes Leiden am Auge, dessen Namen er in einem Lazarett erfahren soll: »Morbus Kitahara», die allmähliche Verfinsterung des Blicks.

Durfte darum bei mir einziehen: Ransmayr. Was soll ich dazu noch sagen. Ich mag seinen großartig poetisch-bildgewaltigen Stil, seine Art Sprache zu verwenden. Ich mag es, wie er Welten erschafft und sie untergehen lässt. Außerdem wurde mir dieses Buch von ihm mit den Worten „Ein Wahnsinnsbuch“ ins Herz genagelt. Und ich bin doch immer so anfällig für Tipps. 🙂

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Montagsfrage – Besonders schön!

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Ihr Lieben,

es wird mal wieder Zeit für die Montagsfrage von Svenja von Buchfresserchen! Heute lautet die Frage:

Besitzt du eine (oder mehrere) Schmuckausgabe/n von bestimmten Büchern?

Da ist die Frage doch direkt auf mich zugeschnitten. Ich LIEBE Schmuckausgaben! Ganz besonders groß ist mein Entzücken bei sämlichen Ausgaben, die sich mit Alice im Wunderland befassen – meinem absoluten Lieblingsbuch auf alle Zeit.

Die Ausgaben aus dem Verlag Jacoby & Stuart, illustriert von Benjamin Lacombe, sind so ein Schmuckstück in meinem Regal.

 

Blättert unbedingt mal durch diese wunderschönen Ausgaben!

Außerdem sind hier die absolut fantastischen Ausgaben aus dem Coppenrath Verlag zu nennen. Die Schöne und das Biest (für meine Rezension bitte hier entlang) zB, die durch interaktive Buchkunst besticht.

 

 

Außerdem liebe ich Märchenbücher. Märchenbücher, die die altbekannten Geschichten neu illustrieren. Davon habe ich nun auch schon das ein oder andere Schmuckstück gesammelt, aber die Ausgabe der kleinen Meerjungfrau aus dem Wunderhaus Verlag muss ich doch noch einmal hervorheben. 🙂


Wie ist’s bei euch? Habt ihr Schmuckausgaben oder sagt ihr, das Aussehen ist euch einerlei – hauptsache der Inhalt stimmt?

[Rezension] Christoph Ransmayr – Die letzte Welt

 

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Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.04.1991

Verlag : S. FISCHER

ISBN: 9783100629395

Fester Einband 288 Seiten

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„Grau und kalt stand Battus in Famas Laden,

eine mit Lavendel und Steinbrechnelken geschmückte Drohung, dass die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit vielleicht für immer verloren war.“ (S.221)

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Inhalt

Ovid, der Dichter Roms, wird in die Verbannung geschickt, nachdem er bei einer öffentlichen Rede nicht dem Imperator Roms seine Huldigungen überbrachte. Er verbrennt sein Meisterwerk der Metarmophosen und bricht auf an das Ende der Welt, nach Tomi.
Nach der Nachricht seines Todes, aus einem Gefühl der Pflicht, des bevorstehenden Ruhmes oder einfach der Langeweile heraus folgt ihm der Römer Cotta einige Zeit später, will den Dichter finden und sein Werk zurück nach Rom bringen.
In Tomi angekommen, findet er nichts als Schweigen vor. Die Menschen reden nicht über den Verbannten. Mit Mühe findet Cotta eines Tages den Weg ins Gebirge nach Trachila, dem letzten Wohnort des Dichters. Bereits hier vermischen sich Realität mit Mythos, denn Cotta findet die ersten Anzeichen der Metarmorphosen in seiner Welt.

Rezension

Christoph Ransmayr schreibt in einem sehr bildgewaltigen Stil, der zwar nicht als einfach zu bezeichnen ist, jedoch auf mich einen tiefen Sog der Faszination ausübt. In Die letzte Welt vermischen sich Traum und Wirklich, Realität mit Mythos.

Mir sind die Metarmorphosen des Ovid zwar ein Begriff, doch gelesen habe ich bisher keinen Band dieses Epos. Und doch fühlt man sich schnell heimisch, erkennt die Geschichten wieder, die sich in der römischen Mythologie verbergen.

Cotta begibt sich auf die Reise nach dem verschollenen Buch, doch wissen wir, dass dieses Buch nicht verschollen ist in der Realität. Möglicherweise (und das ist nun nur mein Interpretationsstandpunkt) ist der Römer nicht wirklich in Tomi, der eisernen Stadt am Meer. Vielleicht ist er gefangen in den Seiten dieses Buches. Denn als er in Tomi von Bord des Schiffes geht, verschmilzt seine Welt mit der, die uns Ovid in seinen Dichtungen näher bringt. Menschen verwandeln sich in Steine oder Vögel, der Weltuntergang naht und die Natur beginnt, den Menschen von der Oberfläche zu tilgen. Auch spielt Ransmayr gekonnt mit der uns bekannten Realität. Es ist, als würde Cotta in einer Parallelwelt leben. Auf der einen Seite lebt er im – wie es scheint – antiken Rom, welches vom Imperator Julius Caersar beherrscht und regiert wird – andererseits gibt es in dieser Welt bereits Mikrophone, Antennen, Busse und Filmvorführungen. Wie das zusammenpasst? Gar nicht. Und doch nimmt man es beim Lesen hin und gerät selbst immer mehr in diese andere Welt, in eine, die sich nur hinlänglich von unserer unterscheidet.

Vielleicht ist es eine Reise zu sich selbst, denn das Buch hat ein sehr offenes Ende, ein Ende, welches mich sehr ratlos zurückgelassen hat.

Sehr aufschlussreich fand ich, als Nichtkenner der Metarmorphosen, dass am Ende des Buches ein Glossar angefügt ist, in dem Ransmayr seine Figuren mit denen der Metarmorphosen vergleicht und tatsächlich: die Geschichten und Schicksale ähneln sich. So war es doch sehr spannend zu erleben, wie diese Figuren aus der einen in die anderen Welt gebracht wurden, wie Cotta sie kennengelernt hat, obwohl sie vermeintlich nicht existieren.

Fazit

Kein Buch für nebenher, vielmehr ein Buch zum Nachdenken. Es überzeugt durch seine wunderbare Sprache und seine Bilder und wer sich für die römische Mythology interessiert, wer ggf. die Metarmorphosen bereits gelesen oder in ihnen geblättert hat, dem kann ich hierzu nur raten.

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[Rezension] Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve – Die Schöne und das Biest

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Erscheinungsdatum Erstausgabe:02.03.2017

Verlag: Coppenrath

ISBN: 9783649624745

Fester Einband: 203 Seiten

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„Ich warne dich noch einmal“, sagte das Biest,

„du darfst sie nicht täuschen, sie muss um das Opfer wissen, dass du von ihr verlangst.

Beschreibe ihr meine Gestalt, so wie sie ist.“ (S.34)

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Inhalt

Ein Mann gerät in die Fänge des verwunschenen Biestes, seine Tochter, die von allen nur die Schöne genannt wird, opfert sich für ihn, um ihn zu retten und verbringt fortan ihre Tage im Schloss des Biestes. Mit der Zeit lernen sie sich näher kennen, verlieben sich schlussendlich und der Fluch ist gebrochen. Das Biest ist ein verwunschener Prinz, die beiden heiraten und alle leben glücklich bis an ihr Lebensende.

So weit, so bekannt.

Aber wie, die Geschichte ist noch gar nicht zu Ende? Wer – wie ich vor dieser Lektüre – nur die Disneyvariante dieses Märchens kennt, dem sei gesagt: Es steckt noch so viel mehr dahinter! Eine gute Fee, eine böse Fee und vor allem: jede Menge Intrigen und Eitelkeiten.

Rezension

Man kann sich mein Erstaunen vielleicht denken, als ich feststellte, dass Disney eigentlich nur den Rahmen der Erzählung übernommen hat. Eben jene Schöne, die sich in ein Biest verliebt und einen Fluch damit bricht, der auf ihm liegt. Das Originalmärchen von Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve geht weitaus tiefer.

Nachdem das Bekannte beendet ist, wird die Vorgeschichte des Biestes erzählt. Keine Fee klopfte an sein Schloss und erbat Einlass, der ihr verweigert wurde. Nein, vielmehr wurde ihr der junge Prinz anvertraut, um ihn zu erziehen und als die Zeit reif war, verliebte  sich die Fee in ihn und wollte ihn ehelichen – zum großen Verdruss des Prinzen und seiner Mutter, der Königin. Als ihr Antrag keine Zustimmung fand, verwandelte sie den Prinzen in ein Biest. All das ist das Resultat eines noch mehr in der Vergangenheit wurzelnden Unglücks, dass sich zwischen dem Bruder der Königin und der Schwester der guten Fee ereignete. Verwirrend? Es wird noch besser!

Auch die Geschichte der Schönen ist eine völlig andere. Wie sich im weiteren Verlauf  herausstellt, ist sie gar nicht die Tochter des Kaufmanns (auch nicht die des disney’schen Wissenschaftlers), sondern … Na, wer wäre ich, wenn ich euch das verraten würde? Richtig. Ein Unmensch.

Die Hintergründe der beiden, so viel sei verraten, sind dicht miteinander verwoben durch Intrigen und Flüche, durch Hoffnungen und Träume. Diese Liebe der Beiden ist weniger spontan entstanden als von langer Hand geplant. Vielleicht bin ich zu romantisch, aber dieses Konstrukt der großen Liebe, so wahrhaftig sie dann auch sein möge, hat mir meine verklärte rosarote Brille genommen. Auch fand ich die Betonung auf den Superlativen der „am Schönsten“, „am Klügsten“ und „am Tugendhaftesten“ hinlänglich enervierend mit der Zeit. Sei’s drum, es ist ein Märchen und dazu gehört nun einmal, dass die Kinder der Königshäuser in höchsten Tönen geschildert werden.

Nun aber zum für mich wichtigsten Aspekt: Die Gestaltung des Buches. Die neue Ausgabe aus dem Coppenrath Verlag ist bildschön! Mit sehr viel Liebe zum Detail, Papierkunst und wunderschönen Illustrationen im Stile der großen Märchenbücher von früher ist dieses Buch ein wahres Highlight im Bücherschrank. Man kann Dinge entfalten, man kann an Scheiben drehen und Geheimnisse entdecken, man kann etwas auf- und wieder zuklappen – kurzum: Man kann sich neben dem Text unglaublich gut unterhalten.

Fazit

Das Märchen hat viel mehr Tiefe und birgt mehr Geheimnisse in der Vergangenheit der beiden Protagonisten, als man vermutlich bisher kannte. Ein Genuss für jeden Märchenfreund, für jeden, der ein kleines Stück Kulturgut für sich haben möchte. In dieser großartigen Aufmachung ein absolutes Schmankerl. Etwas schnörkelig geschrieben, aber dafür ist’s schließlich ein Märchen geworden.

Randinformation

Im Coppenrath Verlag gibt es in ähnlicher Form bereits Peter Pan zu bestaunen und bald auch Das Dschungelbuch.

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Ich wusste nicht, wie sehr ich dich liebe, bis die Sorge um dich mir bewies, dass stärkere Bande als Dankbarkeit mich mit dir verbinden. (S. 105)

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Mittendrin Mittwoch #14 – Die Reise zur letzten Welt

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In der ersten Maiwoche nehme ich euch mit auf eine Reise in eine andere Zeit und in eine andere Welt. Begleiten wir den Römer Cotta ein Stück zusammen.

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Der Weg hinab zur Küste war mühsamer als der Aufstieg und voller Zweifel:

War es tatsächlich dieser im Schlagschatten einer Felsenzinne liegende Schuttkegel gewesen, den er auch am Nachmittag durchquert hatte? führte seine Route nicht doch über jene Halde, die dort drüben so weiß im Licht lag? Und was sich jetzt vor ihm auftat – war das die Schlucht, die er kannte oder nur ein Abgrund in die tiefste Nacht?

Manche Passagen seines Abstiegs waren Cotta so fremd, dass er sich schon verirrt glaubte und schließlich bereit war, in einer Felsnische auf den Morgen zu warten, als er in einem der alten Schneefelder endlich eine Spur fand, seine eigenen Fußstapfen, und ihnen bis an den Scheitel sanfterer Abhänge folgte. (S. 83)

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Christoph Ransmayr hat mit Die letzte Welt mal wieder ein Werk geschaffen voll poetischer, bildgewaltiger Sprache. Schon mit Cox konnte er mich für sich einnehmen, dieses Buch ist nun wieder genau so ein Schätzchen.

Der Römer Cotta macht sich auf den Weg, seinen Freund Ovid zu suchen, nachdem dieser in die Verbannung geschickt wurde ans Ende der Welt, nach Tomi. Der Dichter Ovid ist eine historisch belegte Person, sein Epos „Metamorphosen“ ist vielleicht dem ein oder anderen ein Begriff. Es ist also etwas Reales, was hier erzählt wird, in einer Welt, die am Ende angekommen zu sein scheint. Vergangenheit gemischt mit Gegenwart, Mythos mit Realität.

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Und, was liest du gerade?


Diese Aktion wurde von der lieben Elizzy von readbooksandfallinlove initiiert, schaut unbedingt mal bei ihr vorbei! ♥