[Montagsfrage] Comic-Helden

mofra_banner2017

Guten Morgen!

Kaum ist es kälter, schon liege ich das erste Mal flach. Das ist jedes Jahr dasselbe. Glücklicherweise bleibt’s dabei dann aber meistens. Die Erkältung hindert mich allerdings nicht daran, mich Buchfresserchen Svenjas Frage zu widmen:

Liest du nur Romane, oder auch Comics, Manga etc.? Wenn ja, was reizt dich an gezeichneten Geschichten?

Auch wenn ich nicht gerade behaupten kann, dass ich viele hätte, aber ich mag Comics und Graphic Novels sehr gern.

charliebrown3
Peanuts – Werkausgabe 1977-1978

Das begann schon damals in der frühen Kindheit mit den lustigen Taschenbüchern und zieht sich seitdem durch mein Leben. Wenn etwas schön gezeichnet ist, ist mein Interesse geweckt. Nicht für umsonst liebe ich Disneyfilme. Besonders die alten, die, die noch hundertprozentig mit der Hand gezeichnet wurden und einfach einen ganz besonderen Charme haben. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, könnte ich mal wieder einen anschauen. ♥

IMG_20170909_122626_154
Matthias Lehmann – Die Favoritin // H. Rufledt – Alisik Band 1

Aber zurück zum Thema. An Comics / Graphic Novels reizt mich ungemein die Visualität des Medium. Da taucht man nicht nur in die Fantasie des Autors, sondern auch gleich noch in die des Zeichners ein, kann sich Inspirationen von anderen holen und fällt in eine völlig andere Welt.

neilgaiman_sandman
Neil Gaiman – The Sandman – Preludes & Nocturnes

Wobei wir bei einem großen Kriterium bei mir wären. Die Zeichnungen. Ich lege durchaus Wert auf Individualität, auf einen fantasievollen Stil und eine spannende Geschichte. Erst neulich stand ich im Comicbuchladen und blätterte mich so durch die Angebote. Dabei fiel mir auf, dass bei vielen zwar das Cover bildschön ist, die restlichen Zeichnungen mir aber nicht zusagen, weshalb ich diese Bücher dann wieder weggestellt habe. Geht euch das auch so?

monstress
Marjorie Liu – Monstress

Schau ich mich in meinem Bücherregal um, stelle ich fest, dass ich ganz verschiedene Stile mag.

Außerdem besitze ich den ersten Teil der Sailor Moon Mangas. Kein Wunder, bei meiner latenten Vorliebe für die Mondkriegerin.

Meine Comics haben dein Interesse geweckt?

Hier gibt’s mehr darüber zu erfahren:

Wie geht’s euch denn, lest ihr hin und wieder Comics / Graphic Novels / Mangas etc. oder lasst ihr die Finger davon?

 

schnörkel

[Perlentauchen] Wenn der Wendigo ruft

Blogaktion_Perlentauchen

Freitag ist Perlentauchen-Zeit!

Ich stelle euch an dieser Stelle wöchentlich Bücher vor, die schon das ein oder andere Jahr auf dem Buckel haben. Dabei ist es egal, ob es 1, 2, 3 oder 30 Jahre alt ist, denn Geschichten verfallen nicht.

Hier gibt es weitere Perlen zu entdecken. 🙂

herzlinie

hohlbein_intruder

Wolfgang Hohlbein – Intruder

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.01.2002

Verlag : Bastei Lübbe

ISBN: 9783404148004

Flexibler Einband 125 Seiten

beimVerlagBestellen

schnörkel

 

anführung_unten

Es hatte die Erfüllung eines Jugendtraumes werden sollen: Born to be Wild in den Kopfhörern, das dumpfe Grollen einer Harley zwischen den Schenkeln und das endlose graue Band der Route 66 vor dem Lenker – aber zumindest dieser erste Tag hatte alles aufgeboten, um zu einem glatten Albtraum zu werden. (S.5)

anführung_oben

 

Wolfgang Hohlbein ist sicher vielen ein Begriff. Ob man ihn mag oder nicht, da scheiden sich offensichtlich die Geister. Viele Bücher hat er geschrieben, viele wurden eher mittelmäßig gut bewertet. Intruder habe ich vor sehr langer Zeit gelesen, es ist mir aber äußerst positiv im Gedächtnis geblieben.

Wir begleiten Mike und seine Freunde auf ihrer Motoradtour quer durch Amerika. Doch von Anfang an geht alles schief. Die Indianerfamilie, denen sie immer wieder begegnen, scheint sie regelrecht zu verfolgen. Als dann der Unfall passiert, eskaliert die Situation vollends und so langsam fängt Mike an, an Flüche zu glauben. Die Lage spitzt sich von Tag zu Tag zu – was ist Realität und was ist Mythos? Zwischen Roadtrip und indianischer Mythologie lässt Hohlbein ein rasantes Abenteuer entstehen, bei dem am Ende nichts mehr so is, wie anfangs gedacht.

Ein Horrortrip in 6 Teilen, so wird die Reihe beschrieben. Mittlerweile gibt es das Abenteuer auch als ein Ganzes, meine Ausgaben fallen fast auseinander. 😀

 

schnörkel

 


Gerne kann jeder mitmachen, der will!

Achtung: Es muss kein aktuell von euch gelesenes Buch sein – Schnappt euch den Banner und kramt in euren Bücherkisten, zeigt anderen, was vor Jahren toll war und noch immer ist. ♥

 

 

[Blogtour & Gewinnspiel] Seele aus Eis – Wovon träumst Du?

Seele_aus_Eis_Cover.jpg

 

anführung_unten

Wirklich reich ist der,

der mehr Träume in seiner Seele hat, als die Wirklichkeit zerstören kann.

Hans Kruppa

anführung_oben

Kennt ihr das? Ihr wacht auf und seid im ersten Moment völlig desorientiert, wisst gar nicht, wo ihr euch gerade befindet, weil der Traum noch so sehr nachwirkt? So geht es Lena in Marie Rapps Seele aus Eis. Nur mit dem Unterschied, dass ihre Träume eben nicht nur Träume sind, sondern Wirklichkeit werden können. Meine Rezension zum Buch findet ihr übrigens hier nochmal.

Blogtourbanner - Seele_aus_Eis Traum 4-3.png

Doch wie sähe das aus, wenn es unsere eigenen Träume wären?

Ich habe nun mein eigenes Traumverhalten, wenn ich es so nennen kann, einmal versucht zu deuten. Die meiste Zeit schlafe ich so fest, dass mir die Träume der Nacht nur noch als unklarer Nebel im Gedächtnis hängen, sobald der Wecker klingelt. Doch es gibt diese Träume, die bleiben ein Leben lang im Gedächtnis.

Der Clown

doll-1819915_1280

Ich weiß zum Beispiel noch, dass ich als Kind einmal von einem fürchterlich großen Clown träumte, der mitten in meinem Zimmer stand. Er stand einfach nur da, sah mich mit seinen schwarz geschminkten Augen an und grinste hämisch. Ich weiß noch, dass ich mich in meinem Bett wand, dass ich versuchte, die Augen zusammenzukneifen, doch er blieb einfach dort stehen, durchsichtig und doch völlig präsent.

Vermutlich wäre dieser Traum gerechtfertigt, wenn ich kurz davor Bekanntschaft mit Pennywise, dem unheilverbreitenden Clown aus Derry aus Stephen Kings Meisterwerk ES gemacht hätte, doch dafür war ich noch viel zu klein. Schon immer hatte ich eine unterschwellige Angst vor Clowns, sie waren mir nie geheuer. Doch diesen Clown aus meinem Traum sehe ich noch heute vor mir, sehe diese roten Pompoms an seinem Kostüm und frage mich, wieso mir mein Gehirn solch einen Streich gespielt hat.

 

Insektenschwarm

dragonfly-867888_1280

An einen anderen Traum kann ich mich ebenfalls nach wie vor sehr deutlich erinnern. Ich wohnte in einem großen, alten Haus. Mein Mann und ich betrieben eine Art Antiquariat, überall lagen alte Bücher und Kuriositäten herum. Dann verließ er mich, es war mitten in der Nacht, er meinte, er müsse noch einmal draußen nach dem rechten sehen. Er ging und ich schloss die Tür hinter ihm ab.

Wir hatten im Inneren einige große, knorrige Bäume hingestellt, ich weiß nicht warum. Doch unter einem dieser Bäume war unser Bett, in das ich mich zurückzog. Doch als ich das Licht löschte, begann die Luft zu summen und zu vibrieren. Ich weiß noch, wie ich panisch das Licht wieder anmachte. Die Früchte der Bäume, die vorher vertrocknet und verdorrt in roten Klecksen an den Bäumen hingen, verwandelten sich zu riesigen Insekten, die den ganzen Raum mit einem fürchterlichen Tosen erfüllten. Ich bin recht panisch, was Insekten angeht, man weiß ja nie, ob sie einen nicht doch fressen wollen. Ich glaube, ich bin danach aufgewacht, doch diesen Traum habe ich im Herzen behalten.

 

Gewinnspiel

 

gewinnspiel_seeleauseis.jpg

Seid ihr neugierig geworden auf Seele aus Eis von Marie Rapp? Wollt ihr wissen, was es mit ihren Träumen auf sich hat?

Dann macht mit und gewinnt ein hübsches Buchpaket, bestehend aus:

  • einer signierten Ausgabe zu Seele aus Eis und
  • einem Lesezeichen mit Charmanhänger sowie einer hübschen Postkarte dazu!
Was ihr dafür tun müsst?

Folgt meinem Blog, damit ihr nichts verpasst, gerne auch Marie Rapp bei Facebook oder Instagram und beantwortet folgende Frage:

anführung_unten

Habt ihr Träume, an die ihr euch erinnert? Welche, die sich vielleicht sogar auch schon bewahrheitet haben? Welche, die euch bis heute ängstigen? Erzählt mir davon! 🙂

anführung_oben

 

Das Kleingedruckte
  • Ein Gewinn pro Person. Da innerhalb der Blogtour mehrere Gewinnspiele zu „Seele aus Eis“ gleichzeitig stattfinden, kann ein User in dieser Blogtour nur einmal gewinnen. Sollte sein Name ein weiteres Mal gezogen werden, wird neu ausgelost.
  • Es wird keine Haftung für das Paket übernommen.
  • Der Preis kann nicht ausgezahlt werden.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Facebook/Instagram & Co. hat nichts mit diesem Gewinnspiel zutun.
  • Gewinnspielaccounts sind nicht erlaubt.
  • Die Teilnehmer müssen volljährig sein oder die Erlaubnis der Eltern haben.

Natürlich könnt ihr mir auch unabhängig vom Gewinnspiel eure Träume erzählen, solche Dinge finde ich ja immer ungemein spannend! 🙂

Die Auslosung

Das Gewinnspiel läuft vom 14.09. bis zum 17.09.2017 um 23:59Uhr.

Der/die Gewinner/in wird binnen 3 Tagen nach Ende des Gewinnspiels unter diesem Post in einem Kommentar bekannt gegeben. Danach geht das Päkchen zeitnah zu euch auf die Reise 🙂

Und nun habt viel Spaß und viel Glück!

 

schnörkel

Blogtourbanner - Seele_aus_Eis_Übersicht 1-1

[Rezension] Madeleine Thien – Sag nicht, wir hätten gar nichts

sagnichtwirhaettennichts

Werbung

Erscheinungsdatum Erstausgabe: 04.09.2017

Verlag : Luchterhand

ISBN: 9783630875200

Genre: Gegenwartsliteratur

Fester Einband 640 Seiten

beimVerlagBestellensterne4

schnörkel

 

anführung_unten

Die Zeit, Stunden, Minuten und Sekunden, die Dinge, die sie zählten, und die Art und Weise, wie sie zählten, hatten sich beschleunigt im neuen China. Er wollte diesen Wandel ausdrücken, eine Sinfonie komponieren, die sowohl das Moderne als auch das Alte umfasste: das „noch nicht“ und das „fast vorbei“. (S.175)

anführung_oben

Inhalt

Erzählt wird die Geschichte von Marie. Und die Geschichte von Ai-Ming. Und von kleiner Sperling, von Kai, von Zhuli, Große Mutter Messer, Ba Laute und so vielen anderen. Es ist eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte.

Zwei eng verbundene Musikerfamilien erleben von den 1940ern bis heute, was es heißt, in einem Land der Revolution aufzuwachsen. Im damaligen China geht eine Welle durch die Bevölkerung. Die langjährige Kulturrevolution fordert sehr viele Opfer, menschliche sowie kulturelle. Marie, die in Kanada aufgewachsen ist, ahnt lange nichts von der blutigen, brutalen Geschichte in ihrer Familie. Erst als sie Ai-Ming zuhause aufnimmt, fängt sie an, im Leben ihrer Eltern nachzuforschen und stößt mit der Zeit auf immer weitere Geheimnisse.

Rezension

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut. Die Kulturrevolution in China ist ein Thema, über das man noch immer viel zu wenig weiß. Es fing auch sehr interessant an. Wir lernen Marie kennen, als sie ihren Vater verlor. Er verließ die Familie, ging zurück nach China und beging nur wenige Wochen später Selbstmord. Warum?

Als Ai-Ming zu Marie und ihrer Mutter stößt, löst sich in Maries Innerem der Wunsch, endlich mehr über ihre Familie zu erfahren. Offensichtlich waren Ai-Mings Vater – kleiner Sperling – und Maries Vater gut miteinander bekannt gewesen. Langsam erzählt Ai-Ming Marie bruchstückhaft die Geschichte ihrer Familie.

Und so gleitet man von Marie und der Gegenwart in die 1940er, in der die Geschichte ihrer Familie einen Anfang nahm. Hier lernt man Große Mutter Messer kennen und ihre Schwester Wirbelwind, Wen den Träumer, der seine Liebe zu Wirbelwind mit abgeschriebenen Kapiteln des Buches der Aufzeichnung zeigt. Die Namen sind sicherlich sehr chinesisch in ihrer Bedeutung, doch tragen sie häufig zu Verwirrungen bei. Ich habe viele Seiten gebraucht, um die Verwandtschaftsbeziehungen der einzelnen Personen auseinander zu nehmen und zu verstehen. Auch gab es immer wieder Längen, in denen die für die Protagonisten so wichtige Beziehung und Liebe zur Musik gezeichnet wurde. Natürlich ist das für die Geschichte wichtig, aber mich haben diese Stellen leider mehr als einmal gelangweilt. Dann war ich versucht, in der Geschichte voranzukommen, wollte vorblättern und stellte schnell fest, dass ich nun wesentliche Details verpasst hatte. Also wieder zurück zum Anfang. Das Buch und ich, wir tanzten teilweise einen Reigen aus Hass und Liebe.

Die Geschehnisse der Kulturrevolution sind grauenhaft, in derem Zuge viele Menschen in China ihre Arbeit, ihre Liebe zur Kunst, ihre Heimat und ihr Leben verloren, in der sie gefoltert und zur Denunzierung von Freunden und Familie gezwungen wurden. Man erlebt mit Wirbelwind und Wen dem Träumer, mit Sperling, Zhula und den anderen die Grausamkeiten kennen, die von den Mitgliedern der Roten Garde verübt wurden. Ziel dieser Kulturrevolution war es, das bourgeoise Leben der Menschen zu beenden. Alle Macht der Partei. Es wird nur noch die Musik gehört, die von höchster Ebene gestattet ist. Menschen werden ihre Arbeitsplätze zugeteilt. Denunzierungen, Kampfsitzungen, Folter waren an der Tagesordnung. Es hört sich nach einer Dystopie an, nach Fiktion, nach 1984 und George Orwell und ist doch Wahrheit. Selbst als diese Zeit vorüber war, wurde es nicht ruhig in China. Immer wieder kam es zu Aufständen, in denen sich plötzlich auch Ai-Ming wiederfand. Es nimmt kein Ende.

Fazit

Wie viel von sich selbst muss man aufgeben, um am Leben zu bleiben? Wie viel Leid kann man ertragen, und gibt doch niemals seinen eigenen Traum auf? Das sind die zentralen Fragen dieses Buches. Eindrucksvoll geschriebenes Epos vor einer hochinteressanten Kulisse. Manchmal etwas langatmig mit leicht verwirrender Erzählstruktur, aber dennoch lesenswert.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

= 3.8 ★★★★

 

schnörkel

 

[Rezension] Jean-Paul Didierlaurent – Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12

macadam.jpg

Werbung

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 07.07.2017

Verlag : dtv Verlagsgesellschaft

ISBN: 9783423261456

Flexibler Einband 160 Seiten

beimVerlagBestellen

sterne5

schnörkel

 

anführung_unten

Und er ist heimtückisch, dieser Nebel. So heimtückisch wie das Alter: Meist kommt es über Nacht, lautlos schleicht es sich an, dringt bis in die hintersten Winkel unseres Seins, lässt die Gedanken träge werden, löscht Erinnerungen aus, ohne dass man sich dessen bewusst wird, und am Morgen ist es dann da, und lässt einen fortan nicht mehr los. (S.38)

anführung_oben

Inhalt

Elf wunderbare Geschichten beinhaltet dieses Buch. Sie alle sind in sich abgeschlossen, doch sind sie trotzdem miteinander auf die ein oder andere Weise verbunden. Hin und wieder entdeckt man eine bereits bekannte Figur in einer neuen Geschichte wieder, und am Ende drehen sie sich doch alle um ein zentrales Thema. Nämlich den Verlust und wie man damit umgeht.

Rezension

Es ist sehr erstaunlich, wie leicht man durch dieses Buch gleitet. Jedes menschliche Schicksal ist geprägt von Schmerz und Leid, Verlust des eigenen Selbst oder eines geliebten Menschen, von Krankheit und Tod. Und doch sind die Geschichten so geschrieben, dass man sich an ihnen erfreuen kann. Sie ziehen nicht runter; sie erschrecken, sie machen betroffen, aber sie ziehen dich nicht in die Leere im Inneren.

Wir lernen einen Priester kennen, der unglücklich im Beichtstuhl sitzt, wir begleiten einen Mörder zu seinem letzten Gang, wir erfahren, wie viel Seele ein Baum speichern kann, wir hören Engel im Kopf eines Mädchens kreischen.

Ich könnte jetzt auf jede der elf Geschichten ein Stück eingehen, doch das möchte ich gar nicht, denn wenn ihr dieses Buch besitzt, dann wollt ihr sie selbst entdecken. Und so gebe ich euch nur einen Einblick in eine einzige Geschichte, die, welche mir mit Abstand am besten gefallen hat.

Die Geschichte heißt Nebel. Sie handelt von einem alten Mann, der Zeit seines Lebens in den Stierarenen seinen Dienst tat, derjenige, der dem Stier den letzten Gnadenstoß verpasste. Der es zu Ende brachte. Nun ist auch sein Ende nah, er verbringt seinen Lebensabend in einem Altersheim. Der Nebel macht ihm zu schaffen, er löscht die Erinnerungen aus, verschleiert was man tut. Doch eines löscht er nicht aus: Das wissen, was man einst tat, was man nach wie vor tun kann.

Übrigens ist das Buch nicht nur von außen hübsch anzuschauen, auch die innere Gestaltung gefiel mir sehr. Denn mal lesen wir blau auf weißem Papier, und mal auf blauem Papier und die Schriftarten verändern sich mit den Geschichten.

Fazit

Unterhaltsame, kurzweilige Lesestunden mit elf wunderbaren Geschichten rund um das Thema Verlust. Wem das Eintauchen in Kurzgeschichten gefällt, der sollte defintiv zugreifen.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★★ ( 5 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )

= 4.8 ★★★★★

weitere Meinung

Kejas BlogBuch

[Montagsfrage] Die Liebe zum gedruckten Wort

mofra_banner2017

Guten Morgen!

Am Wochenende hatte ich recht wenig Lesezeit, dafür gab es Zeit zur Pflege der sozialen Kontakte – ist ja auch immer wieder schön. Von Gesellschaftsspielen, Kuchen und Pizza geht’s direkt zur heutigen Montagsfrage von Buchfresserchen Svenja:

Liest du mehr Papierbücher oder mehr E-Books, gibt es einen Grund dafür?

buchregal.jpg

Diese Frage beantworte ich wirklich sehr gern, denn … ich habe keine eBooks. Nein, nicht ein einziges.

Warum?

Weil ich keinen eReader habe und mir vermutlich auch keinen anschaffen werde. Ich weiß, man sollte niemals nie sagen und vielleicht bin ich irgendwann soweit, dass ich in einem Haus voller Bücher wohne und partout keines mehr in gedruckter Form hinein passt. Dann, ja, dann investiere ich vielleicht in einen eReader. Oder wenn es der Buchbranche einfallen würde, dass man zu einem gedruckten Buch die eBook-Version direkt mit dazu bekommt. Es gibt da diese App, von der ich gehört habe. Papego vom Piper Verlag verspricht, dass man einfach die gelesene Seite einscannt und dann kann man mobil dort weiterlesen, wo man aufgehört hat. Das ist schonmal eine nette Idee, die man weiter ausbauen kann.

Aber mal ganz ehrlich. Starren wir nicht sowieso schon viel zu sehr auf Bildschirme? Egal was uns der neueste Kindle suggerieren will mit seiner Papierweiße und seiner Wohlfühloberfläche: Ein Buch ist ein Buch.

Und ich muss gestehen, ich bin ein absoluter Hinstell-Mensch. Ein Raum ohne Bücher wirkt für mich leer, ohne Seele, nichts zu dem man hingehen und drinherum blättern kann. Nichts, über dessen Rücken man streichen kann im Vorbeigehen.

Ich habe mir erst kürzlich eine Frage für die Zukunft gestellt. Wenn wir heute auf alten Dachböden herumkriechen, Staub an Händen und Knien, dann finden wir Kisten voller Bücher, Schätze, die unsere Eltern, Großeltern oder noch weiter zurückreichende Generationen gelesen haben. Und was findet man in der Zukunft auf unseren Dachböden? Einen verstaubten eReader? Den man dann hoffentlich noch zum Laufen bringen kann und sich dann durch die digitale Bibliothek der Großeltern scrollt? Eine merkwürdige Vorstellung, findet ihr nicht?

Wie steht ihr zu dem Thema? Lest ihr mehr Bücher, die man in der hand halten kann oder sagt ihr, ihr findet eBooks viel praktischer?

 

schnörkel

[Rezension] Marie Rapp – Seele aus Eis

IMG_20170808_070406_891

Werbung

Erscheinungsdatum Erstausgabe :04.10.2016

ISBN: B01LZ2L65V

Genre: Jugendbuch / Fantasy

Seitenanzahl 428 Seiten

beimVerlagBestellen

sterne3

schnörkel

anführung_unten

Wenn du dein eigenes Herz sehen könntest, was glaubst du, wie würde es aussehen? (S.296)

anführung_oben

Inhalt

Lena hat Träume. Träume, die sie nicht zuordnen kann, Träume, die ihr Angst machen. Ein brennender Himmel und Asche, die von diesem herab rieselt. Als sich ihre Träume anfangen zu bewahrheiten, nimmt ihr bis dahin normales Leben eines Teenagers gefährliche Züge an. Dann lernt sie den geheimnisvollen Darian und seine Freunde kennen und ihr Leben ist plötzlich nicht mehr so, wie es einmal war.

Rezension

Von der lieben Ella Woodwater wurde ich auf dieses Buch aufmerksam gemacht. Vom 11.09. bis 22.09. wird es hierzu auch eine Blogtour geben, bei der ich mich am 14.09. zu dem Thema Träume auslassen werde.

Nun aber erst einmal zum Buch an sich. Der Klappentext macht richtig neugierig. Sich bewahrheitende Träume? Großartig und auch etwas, womit sich nicht alle Fantasy-Romane beschäftigen. Doch ich muss gestehen, ich hatte anfangs so meine Probleme mit der Lektüre. Man lernt Lena kennen und mit ihr zusammen die typischen Probleme eines Teenagers. Schule, Freunde, die ersten Anzeichen einer Liebe. Vermutlich bin ich einfach nicht mehr ganz die Zielgruppe, denn das alles kam mir recht belanglos vor. Natürlich führt uns die Autorin behutsam in Lenas von merkwürdigen Träumen geplagtes Leben, doch mir war es einfach zu viel Anlauf. Auch hätte ich gut auf die aufkeimende Liebe zwischen ihr und Lukas, ihrem besten Freund von Kindesbeinen an, verzichten können. Mir hätte es vollauf gereicht, wenn die beiden um ihre Freundschaft kämpfen, denn Freundschaft ist manchmal so viel mehr wert als Liebe.

Im Laufe des Buches lernen wir die anderen Avindan Darian, Ariana, Fynn und Celine kennen, die mit bemerkenswerten Fähigkeiten aufwarten können. Ihren Plan, Lena in ihre Welt zu holen, setzen sie Stück für Stück um. Auch handelt dieses Buch sehr von Lug und Betrug, und dem dringenden Wunsch, jemandem vertrauen zu können.

Die Dialoge sind typisch für Teenager und gut herausgearbeitet. Mir persönlich lag einfach viel zu oft Streit in der Luft, ständig wurden schnippische Antworten gegeben, die zuweilen nicht wirklich nachvollziehbar waren – obwohl vermutlich auch das typisch für das Alter ist. Auch der charakterliche Wandel von Darian, vom netten Unbekannten zum schlecht gelaunten Fiesling, nervte mich zunehmend. Ich wollte ständig die beiden Sturköpfe zur Seite nehmen und ihnen gehörig ins Gewissen reden.

Doch mit der Zeit und vor allem dem weiteren Verlauf der Geschichte freundete ich mich schließlich mit Lena an. Ihre Gabe des Sehens, die gruseligen Gestalten aus der anderen Welt und die Fähigkeiten der anderen fesselten mich an die Geschichte. Die zweite Hälfte, als Lena ihre Fähigkeit lernt einzusetzen, machen meiner Ansicht nach den weitaus stärkeren Teil des Buches aus. Und auch wenn ich es zu Beginn nicht so recht für möglich gehalten habe, so war ich am Ende doch traurig, dass es nun vorbei ist und bin gespannt auf den zweiten Teil, der im Oktober veröffentlicht werden soll.

Fazit

Es gab einige Startschwierigkeiten, die ab der Hälfte des Buches dann schließlich von mir überwunden waren. Wenn die Autorin ein wenig die Teenager-Liebelei herausgenommen hätte, wäre die Geschichte rund um die Avindan und ihren erbitterten Kampf gegen die Legionäre durchaus sehr lesenswert und es macht Spaß, in diese andere Welt einzutauchen.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Charaktere ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

= 3.4 ★★★

Blogtourbanner - Seele_aus_Eis_Übersicht 1-1.png

 

schnörkel

[Perlentauchen] “ … bist du der Charlie Brownste!“

Freitag ist Perlentauchen-Zeit!

Ich stelle euch an dieser Stelle wöchentlich Bücher vor, die schon das ein oder andere Jahr auf dem Buckel haben. Dabei ist es egal, ob es 1, 2, 3 oder 30 Jahre alt ist, denn Geschichten verfallen nicht.

Hier gibt es weitere Perlen zu entdecken. 🙂

herzlinie

charliebrown1

Peanuts – Werkausgaben 1977-1978

Erscheinungsdatum Erstausgabe :26.02.2013

Verlag : Carlsen

ISBN: 9783551790743

Fester Einband 344 Seiten

beimVerlagBestellen

schnörkel

 

anführung_unten

Von allen Charlie Browns der Welt bist du der Charlie Brownste!

Lucy van Pelt

anführung_oben

Dieses Zitat kennt sicherlich Groß und Klein, Jung und Alt. Was Lucy da sagt, umreißt im Groben alles, wofür Charlie Brown steht. Seit 1950 veröffentlichte Schöpfer Charles M. Schulz wöchentlich einen Comicstrip, der das Leben, die Sorgen, Ängste und Freuden der Peanuts zeigt. Charlie Brown stehen viele unvergessliche Kinder zur Seite wie Lucy van Pelt, die es nicht müde wird, Charlie im letzten Moment den Football wegzuziehen. Auch seine kleine Schwester Sally, Linus, Schröder, Pig Pen und Peppermint – Sir – Petty bereichern die Strips. Besonders verliebt habe ich mich natürlich in Snoopy, diesen klugen, faulen, liebevollen, ausgefuchsten Beagle. Wäre mein Mops kein Mops geworden, ich hätte einen Snoopy daheim. ❤️

Überhaupt wohne ich im Peanuts-Wunderland. Um all meine Schätze zu zeigen, bräuchte es vermutlich nochmal eines extra Merchandise-Beitrags. Nur so viel, auf der Fußmatte werden Gäste von Snoopy und Charlie begrüßt, Tassen, Schüsseln und Teller schmücken die Peanuts, Plüsch-Snoopy und Kissen laden zum kuscheln ein und selbst das Waschpulver passt in eine Peanuts-Box mit Guckloch. 😅

charliebrown2

Charlie Brown ist ein nachdenkliches Kind. Oft zeigen die Comics, die bis zum Schluss nur von Schulz persönlich gezeichnet wurden, wie er an einer Mauer lehnt und allein oder mit seinem besten Freund Linus über die Welt philosophiert. Alltagsweisheiten, tägliche Anekdoten. Egal ob man nun schon erwachsen ist oder nicht, die Strips passen immer!

Seit 2004 wurden nun alljährlich 2 Bände veröffentlicht, die die gesammelten Comicstrips beinhalten. Pro Band sind 2 Jahre enthalten. Da die Bände recht teuer sind, würde man ein Vermögen zuhause hüten, wenn man sie alle besäße. Ich habe aktuell nur 2 Bände, bin aber trotzdem immer wieder glücklich, wenn ich sie aufschlage.

charliebrown3

Da die Zeit nun langsam näher rückt, freue ich mich auch schon wieder auf das alljährliche Warten auf den großen Kürbis mit Linus und, wenn der erste Schnee gefallen ist, auf die Suche nach dem perfekten Weihnachtsbaum mit Charlie Brown.

 

schnörkel

 


Gerne kann jeder mitmachen, der will!

Achtung: Es muss kein aktuell von euch gelesenes Buch sein – Schnappt euch den Banner und kramt in euren Bücherkisten, zeigt anderen, was vor Jahren toll war und noch immer ist. ♥

[Bücher-abc] M wie Mach, was DU willst!

img_9215

Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Runde mit dem Bücher-abc!

Die wunderbare Elizzy hat die Aktion auf ihrem Blog readbooksandfallinlove gestartet, bei der ich sehr gern dabei bin. Immerhin ist diese Aktion wieder so ein Freifahrtsschein für jede Menge Buchempfehlungen! 🙂

Beim Bücher-ABC geht es darum, für den jeweiligen Buchstaben einen Autor zu benennen, ein Buch und einen Schreibtipp für die Blogger und Autoren unter uns.

Heute dreht sich alles um den Buchstaben M. Auf geht’s!

Der Autor

Hier fällt mir spontan der japanische Autor Haruki Murakami ein. Von vielen wird er als einer der bedeutendsten und einflussreichsten japanischen Autoren angesehen. In seinen Werken finden sich immer wieder surreale Elemente sowie Anspielungen auf die westliche Popkultur. Bisher habe ich nur den ersten und zweiten teil seines gigantischen Werkes 1Q84 gelesen, doch einige weitere Bücher von ihm stehen bereits im Schrank.

Das Buch

Die Magermilchbande von Frank Baer

Die Magermilchbande von Frank Baer las ich vor einigen Monaten, doch seine Geschichte beschäftigt mich nach wie vor. Man begleitet maxe und Peter und noch einige Kinder mehr auf ihrem Weg aus den KLV, der Kinderlandverschickung, auf ihrem Weg durch das zerbombte Deutschland während des zweiten Weltkrieges. Es handelt von Freundschaft, von Krieg, von Heimat und noch so vielem mehr – nach wie vor ein wahres Highlight!

Der Schreibtipp

M wie Mach, was DU willst!

Hilfe und Tipps von Freunden und Bekannten zu bekommen, ist immer toll. Doch manchmal ist diese Hilfe auch zu viel, überrennt dich und was am Ende übrig bleibt, das bist nicht länger du selbst. Es ist dein Projekt – schreib, worüber du schreiben willst. Nimm dir die Vorschläge der Menschen, die dir wichtig sind, gern zu Herzen, aber am Ende schreib, was DU willst, mach aus deiner Geschichte, deinem Beitrag, das was DU willst.

schnörkel

Das Bücher-ABC im Überblick!

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

[Rezension] Steve Sem-Sandberg – Die Erwählten

dieErwaehlten

Werbung

Erscheinungsdatum Erstausgabe:21.08.2017

Verlag : Goldmann

ISBN: 9783442481330

Genre: Roman / Dokumentation

Flexibler Einband 528 Seiten

beimVerlagBestellen

sterne4

schnörkel

 

anführung_unten

Alles Leben, das Gott erschaffen hat, ist ein Wunder. So hätte sie auch die Kinder sehen wollen. Doch das war nicht möglich. In den Augen derer, die die Abteilungen leiteten, waren es nicht einmal Kinder, die hier lagen, nur Spezimen, lebende Beispiele für physiologische oder neurologische Defekte oder für Krankheitsverläufe, deren Fortschreiten ein gründliches Studium lohnte. (S.150)

anführung_oben

Inhalt

Adrian Ziegler wird an einem Januarmorgen 1941 in die Klinik Spiegelgrund gebracht. Schon vorher wurde er immer wieder von seiner Familie getrennt, eine Familie die laut vorherrschender Meinung erbbiologisch minderwertigen Nachwuchs zeugt. Hier beginnt eine Tortur für den Elfjährigen, die er sein Leben lang mit sich herumtragen wird. Denn die auf Schwerbehinderte und schwer erziehbare Kinder spezialisierte Klinik ist nur zu einem Zweck da: Der systematischen Reinigung der menschlichen Rasse.

Rezension

Es ist ein dunkles, totgeschwiegenes Kapitel Menschheit, dem sich dieser Roman widmet. Von Konzentrationslagern, in denen tausende Menschen ihr Leben ließen, weiß heute jeder. Doch wie vielen Kindern wurde schon in jungen Jahren alle Chancen auf Leben genommen, in Kliniken wie der am Spiegelgrund in Wien? Allein hier fanden mindestens 789 Kinder einen gewaltsamen Tod.

Hilfe für die Hilfsbedürftigen?

Von ihren Familien getrennt, weil sie aus ärmlichen Verhältnissen kamen, weil sie nicht so schnell lernten wie andere, weil sie körperlich nicht einwandfrei funktionierten, kamen nur die wenigsten von ihnen jemals wieder hinaus. So wie der junge Adrian Ziegler, an dessen Beispiel der Roman seine Geschichte erzählt. Unter ärztlicher Aufsicht wurden die Krankheitsbilder der Kinder eingehend studiert, sie wurden beim Betreten der Klinik vermessen, gewogen und fotografiert. Anschließend wurde ihre Akte an eine Fachabteilung in Berlin geschickt. Wenn dieses Stück Papier zurückkam, war bereits über Leben und Tod des Kindes entschieden. Befand Berlin, dass man den Kindern eine „Behandlung“ zukommen lassen sollte, so wurden sie zu Testzwecken mit Tuberkulose-Viren infiziert, bekamen überdosierte Schlafmittel und wurden der Tortur einer Pneumoenzephalografie unterworfen. Meist trat der Tod nur wenige Stunden bis Tage später ein. Den Hinterbliebenen wurde dann mitgeteilt, dass das Kind leider plötzlich verstorben sei, meist wurde eine Lungenentzündung vorgeschoben.

Auch Adrian Ziegler erlebt, wie die Kinder in der Klinik systematisch drangsaliert, gefoltert und vorgeführt werden. Wie die Bettnässer in Laken gewickelt werden, in eine mit Wasser gefüllte Wanne getaucht werden, bis sie fast ertrinken, wie sie danach stundenlang auf dem Gang stehen müssen, bis die um sie gewickelten Laken getrocknet sind. Und so etwas verstanden selbst die Krankenschwestern vor Ort unter Behandlung, Hilfe für die Hilfebedürftigen. Wie tief muss der Glaube der Reinhaltung der menschlichen Rasse in einem Kopf verankert sein, um solche Grausamkeiten vor sich selbst zu rechtfertigen? Von oberster Stelle hieß es, die Zukunft müsse für die Gesunden und Starken vorbereitet werden, Kranke und Behinderte wären ein Klotz am Bein.

Keine Fiktion, sondern Wahrheit

Die Namen der diensthabenden Ärzte und Schwestern wurden originalgetreu belassen. Auch widmen sich mehrere Kapitel der Krankenschwester Anna Katschenka und ihrer Obsession gegenüber dem Klinikleiter Erwin Jekelius. Im Schlusswort bedankt sich der Autor bei Friedrich Zawrel, durch dessen Aussagen weite Teile des Romans zustande kamen. Denn Zawrel ist einer der Wenigen, die Spiegelgrund lebend verlassen konnten.

Die Lektüre war streckenweise etwas anstrengend. Nicht nur, weil die Thematik so unfassbar ist, sondern auch weil das Format der Kapitel sehr viel Aufmerksamkeit erfordert. Kaum Absätze, noch weniger wörtliche Rede, Blocksatz wohin das Auge reicht. Trostlos möchte man sagen. Genau wie die Geschichte des Buches. Man erlebt so viel Schlimmes mit den Kindern und hofft auf ein baldiges Ende, sieht, dass man das Jahr 1944 bereits erreicht hat. Dann schlägt man das nächste Kapitel auf und ist wieder im Jahr 1941 gefangen. Es ist eine Todesspirale, aus der man nicht mehr herausfindet, genervt, entmutigt, verlassen. Genauso muss es den Kindern ergangen sein, die Tag aus Tag ein der Willkür des „Pflegepersonals“ ausgeliefert waren.

Doch trotz aller schrecklichen Ereignisse bleibt man zumeist nur Zuschauer. Kinderschicksale geben sich die Hand, doch bleibt man als Leser außen vor. Namen vergehen, Einzelschicksale werden zu denen aller. Man ist streckenweise emotionslos, weil der Stil des Romans eher einer Dokumentation gleicht.

Passagen, die aus Adrians Sicht teilweise geschildert werden, erhalten etwas surreales, manchmal kaum nachvollziehbares. Natürlich nicht, er ist nur ein Kind. Er weiß selbst nicht, was hier eigentlich wirklich passiert, warum sie den „Erwählten“ ein Bonbon in den Mund stecken und warum diese dann wenig später nicht mehr da sind. Mehrfach versucht er zu fliehen, immer wird er eingefangen und noch schlimmer bestraft. Erst als die russische Armee ins Land eindringt, fällt Spiegelgrund und mit ihm einige der barbarischsten Jahre der Geschichte.

Fazit

Es fällt schwer, dieses Buch zu bewerten. Es ist ein wichtiges Buch, aber es ist auch nicht für Jedermann geschaffen. Streckenweise habe ich mich etwas schwergetan, war versucht, Seiten vorzublättern und dem Geschehen und dem Gedankengängen der Menschen zu entkommen. Doch es gibt kein Entkommen, wie es auch kein Entkommen für 789 Kinder gab.

Bewertung im Detail

Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )

= 4 ★★★★

anführung_unten

Adrian wurde auf den Spiegelgrund geschickt, wo man kurz zuvor einerseits eine Spezialklinik für Kinder mit schweren psychischen oder neurologischen Störungen, andererseits eine Erziehungsanstalt für schwererziehbare Jungen und Mädchen eingerichtet hatte. Der Spiegelgrund war die letzte Station, die unterste Stufe der Treppe, wo nur die Verworfensten landeten. (S.44)

anführung_oben

 

schnörkel