[Nähkästchen] Angsthäschen

Meine Lieben!

Seit über drei Jahren gibt es den Buchperlenblog bereits, und ich möchte behaupten, so langsam kennen wir einander ein wenig. Natürlich geht es hier hauptsächlich um die gemeinsame Liebe zur Literatur, Schätze unter den Massen von Büchern zu entdecken, ebenso wie Gedanken rund ums Buch miteinander zu teilen.

Nun hab ich mir aber gedacht, ich erzähle euch jeden Monat ein klein wenig von mir, plaudere sozusagen aus dem Nähkästchen. Persönliches, fernab von Zeilen voll gedruckter Worte, ohne Seitenrascheln und dem Geruch nach ledernen Einbänden.
Gestatten: Gabriela. Das bin ich.

Buh!

Es gibt doch kaum etwas, das zweischneidiger daherkommt, als das eigene Angstempfinden. oder?

Wenn ich mich von außen betrachte, sehe ich zunächst eine junge Frau, die relativ angstfrei durchs Leben geht. Dank meines unstillbaren Optimismus‘ verbringe ich wenig Zeit damit, mich um Dinge zu sorgen, die mir vielleicht oder tatsächlich zustoßen könnten. Wieso sollte ich mich mit Problemen belasten, die noch gar nicht Realität geworden sind? Warum sollte ich Angst davor haben, eines Tages einen katastrophalen Fehler zu begehen, solange es noch nicht eingetroffen ist?

Anders sieht es da schon bei Geschwindigkeiten aller Art aus. Schon als Kind waren mir die Inline Skates ein Gräuel, wenn sie einmal Fahrt aufgenommen hatten. Dasselbe Gefühl ergibt sich auf der Eislaufbahn, im Vergnügungspark oder auf der Autobahn.

Ab einer gewissen Geschwindigkeit registriert mein Kopf alle möglichen Gefahren, die auf mich einprasseln könnten und die ich unter diesen Bedingungen nicht kontrollieren kann. Und schon bricht der Schweiß aus, und kalte Angstfinger greifen nach mir. Ihr seht, einen Adrenalin-Junkie kann man mich wirklich nicht gerade nennen!

Auch mit Höhen habe ich so meine Befindlichkeiten. Stellt mich auf eine Aussichtsplattform, einen Berg (mit Geländer) – kein Problem! Aber sobald ich das Gefühl habe, ich könnte herunterfallen, dann ist’s jämmerlich vorbei mit mir. Deshalb sind Leitern für mich der absolute Endgegner. Drei Stufen sind das maximale, das meine wackeligen Knie erreichen können, danach ist Sense, finito, aus die Maus.

Ihr könnt euch also sicherlich vorstellen, wie viele Liter Angstschweiß flossen, als ich mich damit konfrontiert sah, in schwindelerregenden 100 Zentimetern Höhe mitten im freien Raum mit den Händen über dem Kopf dazustehen, um die Deckenwand für unsere Malerarbeiten abzukleben. Hierbei ein großes Dankeschön an den Freund, der voller Geduld gewartet hat, wenn ich mich für so einen Akt erst einmal sammeln musste.

Und wieder anders sieht es im Gruselgenre aus. Egal, ob Horrorliteratur, Schauergeschichten, Gruselfilme oder Halloweenkostüme – gut gemachter Horror macht mir enorm viel Spaß. Hier liebe ich das Gefühl, wenn sich die Härchen im Nacken aufstellen, wenn die Gänsehaut Arme und Beine bedeckt und man sich innerlich windet, um den vermeindlichen Gruseleffekt gleichzeitig zu sehen und die Augen davor zu verschließen. Doch so sehr ich dieses Vergnügen liebe, so ängstlich agiere ich zuweilen. Schauen wir uns daheim einen Gruselfilm an, will ich, dass die Atmosphäre stimmt. Zugezogene Vorhänge, kaum Licht – perfekt! Geht es dann ans Eingemachte, verkrieche ich mich allerdings am liebsten unter einer Decke, blicke nur durch die Finger auf den TV und nehme vorsorglich Abstand zum Bildschirm, schließlich weiß man nie, wann dieses Monstrum dort auf der Mattscheibe plötzlich im Zimmer stehen könnte!

An ein Ereignis aus meiner Teeniezeit erinnere ich mich auch noch immer äußerst lebhaft. Die Eltern waren im Urlaub und mein mutiges Ich warf The Ring zum ersten Mal in den DVD Recorder ein. Zu Beginn saß ich auch noch völlig entspannt mit einer Popcornschüssel auf den Knien auf der Couch und kam mir ungeheuer mutig vor. Später war das große Couchkissen dann mein bester Freund, den ich mir nur allzu gern vor die Augen hielt. Der Film hat mich damals so erschreckt, dass ich wieder in ein altes Muster zurückfiel, indem ich das Licht in jedem Raum erst löschte, nachdem ein neues im nächsten Raum brannte. Endlich in meinem Zimmer angekommen und alle Lichter gelöscht, raschelte etwas in der dunklen Zimmerecke. Ein Kreischen, ein Griff ans Nachtlicht – eine Tüte war vom Schrank gerutscht! Aber ich kann euch sagen, so tief hing mein Herz lange danach nicht mehr. Wer weiß, welches Wesen sich damals einen Spaß mit mir erlaubt hat?

Dass der Mops heute zuweilen ganz gebannt in eine Zimmerecke starrt, bellt und sich nicht abbringen lässt, bringt mein ängstliches Häschenherz auch nicht gerade zur Entspannung. Denn was wissen wir eigentlich über die Dinge, die wir nicht mit bloßen Augen sehen können? 👻


Mehr Geplauder aus dem Nähkästchen findest du hier:

Wer schreibt hier eigentlich?
Immer zu Zweit
Mein kleines Reich
Ein früher Vogel
Blumenkind

12 Comments on “[Nähkästchen] Angsthäschen

  1. Uuh, „The Ring“ ist aber auch böse. 🙂 Ich habe den ganzen Gruselquatsch eigentlich auch immer gerne gesehen, aber nachdem Filme wie „Blair Witch Project“ und „Paranormal Activity“ erste Spuren hinterließen und ich Jahrzehnte später beim ansonsten eigentlich recht harmlosen und vor allem inhaltlich sehr überschaubaren „Katakomben“ wegen eines banalen und eigentlich absolut vorhersehbaren Jump-Scares anfing zu kreischen wie eine Achtjährige, habe ich das Genre aufgegeben. 🙂

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    • Auweija. Jaaa, dann sollte man vielleicht wirklich die Reißleine ziehen, bevor es vielleicht zu spät ist. 😮 Im übrigen ist Paranormal Activity eine der gruseligsten Filmreihen aller Zeiten – allein bei Teil 1 rutscht mir das Herz bis unter den Zehennagel. 😀

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  2. Also ich bin durch „The Grudge“ nachhaltig geschädigt. Die sind so Psycho… und mit der Höhenangst schreibst du mir aus dem Herzen. Bei mir sind es auch 3 Stufen auf einer Leiter. 😆

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  3. Die Licht-Sache kann ich komplett nachvollziehen! Das habe ich auch praktiziert. Am nächsten Morgen war es mir selbst peinlich – aber nach dem nächsten Horrorfilm ging es wieder los 😉

    Und Möpse sind doch alle gleich! Meiner macht es genau wie Yoshi. Da bleibt er plötzlich stehen und starrt die Treppe zum Dachboden hinauf. Natürlich immer, wenn ich alleine zu Hause bin.

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      • Manchmal denke ich das auch. Wir wohnen seit letztem Jahr in einem sehr alten Haus, von daher kann es natürlich sein, dass hier einiges „rumgeistert“. 🙂

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  4. Interessanter Beitrag.
    Ich glaube wir sind was Ängste angeht etwas gegensätzlich. Ich liebe Geschwindigkeiten. Als Kind habe ich meinen Vater immer angebettelt auf der Autobahn mal 220 km/h zu fahren. Ich habe auch mehrere Jahre Eislaufen als Hobby gemacht und bin im Sommer häufig inline gefahren. Mit Höhen hatte ich auch nie ein Problem.
    Wovor ich dafür ziemliche Angst habe ist Feuer. Selbst kleine Teelichter anzünden war für mich lange Zeit ein Problem, obwohl ich mich nie verband habe. Oh und Hunde. Ich bin nie gebissen wurden, aber ich habe trotzdem ziemliche Angst vor ihnen.

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    • Feuer kann aber auch sehr angsteinflößend sein, gar keine Frage! Aber es klingt, als hättest du diese Angst ein wenig überwunden?

      Bei Hunden find ich gesunden Respekt richtig, ein Tier ist ein Tier und selbst wenn dir der Halter 3mal erzählt „der tut nix!“ kann man das nie 100% wissen.

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  5. Oh neiiin und dann ziehe ich auch noch ‚The Ring‘ als erstes Buch unseres Grusel-Bingos! 😀 Jetzt tut’s mir gleich noch mehr leid, dass du mit so einem Horrorschocker starten musst! :-O Hier eine ordentliche Portion Mut ❤

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    • Hab ganz vielen Dank! ♥ Ich blicke auf dieses Buch auf jeden Fall mit ner gehörigen Mischung aus Angst und Tatendrang und bin auf gewisse Art und Weise doch froh, direkt damit einzusteigen. 😀

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