[Rezension] Rona Jaffe – Die Welt war so groß

Das Abenteuer Leben wartet auf vier junge Frauen in den 50er Jahren – was sie aus ihrem Leben machen, wird detailliert geschildert.

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Werbung | Autor: Rona Jaffe | Titel: Die Welt war so groß |
Erscheinungsdatum: September 2018 | Verlag: Ullstein | 525 Seiten | Genre: Gesellschaftsroman

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Damals hatten die Frauen wenig Wahl: Wer aufs College ging, wurde höchstwahrscheinlich nicht geheiratet, sondern eben eine Intellektuelle, ein Blautrumpf. Heute dagegen wurde von Frauen sogar erwartet, dass sie aufs College gingen, sofern sie aufgenommen wurden. Für die Frauen in den Fünfzigerjahren war das Leben entschieden leichter.

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Inhalt

Es ist das Jahr 1957, als das richtige Leben für vier Frauen am Radcliffe College in Massachusetts, Amerka, beginnen soll. Das Golden Girl Daphne, die selbstbewusste Annabel, die zurückhaltende Emily und Chris, deren Zunge spitzer ist, als es sich zuweilen gehört. Alle haben ihre Pläne und Hoffnungen für die Zukunft, doch was davon wird am Ende Wirklichkeit? Welcher Traum zerplatzt? Als das zwanzigjährige Klassentreffen ansteht, kommen die Erinnerungen wieder hoch.

Rezension

Wünsche und Träume

Die Geschichte, die uns Rona Jaffe erzählt, schrieb sie bereits Ende der 70er Jahre. Wiederaufgelegt, schenkt sie uns somit Zutritt in ein vergangenes Leben von vier jungen Frauen, deren Zukunft noch in der Wiege liegt.

Gleich zu Beginn sei gesagt, dass der Klappentext allemal als irreführend angesehen werden darf. Denn was er suggeriert, sind bahnbrechende Erkenntnisse nach langer Zeit, die von den ehemaligen Studentinnen des Radcliffe-Colleges erlangt werden. Doch im Grunde nimmt das Klassentreffen nur einen winzigen Teil der Geschichte am Anfang und Ende ein. Hauptsächlich verfolgt man das Leben von Daphne Leeds, Emily Applebaum, Annabel Jones und Christine Spark innerhalb dieser zwanzig Jahre vom ersten Collegetag bis hin zum großen Wiedersehen. Sie alle haben ihre Träume, als sie in Radcliffe ankommen. Die eine will Ärztin werden, ein hoch gestecktes Ziel zur damaligen Zeit. Viele andere wollen einfach nur ein gutes Examen mit nach Hause bringen, und den Mann ihrer Träume an der nahegelegenen Harvard Universität kennenlernen. Denn in den 50ern wurde jungen Frauen ans Herz gelegt, Bildung nur der Bildung wegen zu genießen. Außer, sie konnten sich keinen der jungen Reichen rechtzeitig angeln. Die Rolle der Frau war die der Hausfrau und Mutter, vorzeigbar und gebildet, aber eben kaum mehr. Doch die Welt ist im Umbruch, das spüren die Mädchen mit jedem Jahr, das vergeht.

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Wenn Sie sich so für Medizin interessieren, Emily, heiraten Sie einen Arzt. Sie werden hier eine Menge netter junger Männer kennenlernen, lauter angehende Ärzte. Die medizinische Fakultät von Harvard ist eine der besten im ganzen Land.

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Es war wirklich interessant, den Hürden des Lebens zu folgen, zu sehen, welche Träume in Erfüllung gingen, welche kläglich scheiterten. An der Oberfläche scheinen alle Beteiligten glücklich zu sein. Sie haben eine Familie gegründet, Kinder bekommen. Sie bewegen sich nach wie vor in den oberen Kreisen. Doch blickt man hinter die geschniegelte Fassade, so sieht man, wie brüchig das Glück sein kann. Denn es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Manche fühlt sich verletzt, ungeliebt, manche bereut, dass sie kein festes Ziel in ihrem Leben verfolgt hat. Und manche klammert sich an einen Traum, der nie Realität werden kann.

Manche Ängste, die man miterlebt, scheinen aus heutiger Sicht banal, irrelevant. Man darf nur nicht vergessen, dass es andere Zeiten waren. Ingesamt hat mir die Geschichte gut gefallen, auch wenn sie mich gegen Ende hin anfing zu langweilen. Wo blieb das angekündigte Finale, der Umbruch? Es sei verraten, den gibt es nicht. Nicht wirklich. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich die letzten Seiten vielleicht noch mit mehr Interesse verfolgt, so war ich dann doch ganz froh, als es schließlich ein Ende hatte. Der Schreibstil ist angenehm, wenn auch immer ein wenig distanziert. So habe ich zwar gern mitverfolgt, was aus allen Beteiligten wurde, hatte jedoch nie eine wirkliche Favoritin oder litt mit ihnen und ihren Problemen mit. Ich war eine Außenstehende, die einen großen Abschnitt fremder Leben betrachtet.

Fazit

Eine interessante Studie der Leben vierer Frauen, die in den 50er Jahren in die Welt entlassen wurden, die angeblich so groß und am Ende doch so klein war. Ein wenig mehr Spannung hätte der Geschichte durchaus gut getan, so ist sie jedoch allemal solide.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

= 3.6 ★★★★

schnörkel

 

6 Comments on “[Rezension] Rona Jaffe – Die Welt war so groß

  1. Kia ora, Gabriela.
    Von einer bös-züngigen Warte aus könnte man/frau anmerken, dass Klappentextschreibern gelegentlich der Kontext zum Buchinhalt fehlt. In solchen Fällen werden dann die fabulierten Sätze zum „Serviervorschlag“… 😎

    Kein Wunder, dass die amerikanische Jugend der Fünfziger eine Rebelion anzutesten versuchte. Ob Rock’n Roll oder Beatnik. Allerdings unterschieden sich die Jungs damals nicht wirklich von ihren Vätern, wenn es um Geschlechterrollen ging. So verpuffte viel rebellisches Feuer in maskuliner Selbstbestätigung & Selbstbeweihräucherung.

    Vermutlich stellen sich auch deshalb heutige Gelhaar-Prominente schnell als berechnende Blender heraus… 😉

    Herrlich sind übrigens alte Umfrage-Filmchen, wenn Otto-Norma auf der Strasse zu aktuellen Themen befragt wurden. Wenn den Herren der reaktionäre Fußschweiß auf der Stirn ausbricht, bei Fragen, ob sie sich denn auch von einer Ärztin behandeln lassen würden. Wahlweise kommt auch das berüchtigte Oberlippenbärtchen wieder zum Vorschein, wann immer andere feministische Themen angesprochen werden.

    Frauen sind eben tough!

    bonté

    Gefällt 1 Person

    • Ha, ja das Gefühl habe ich zuweilen auch mit den Klappentexten 😅 übrigens auch so gesehen in TV-Zeitungen, da wird zuweilen arg am Filmthema vorbei geschrieben.

      Das glaub ich gern, dass diese alten Filme sehr interessant aus heutiger Sicht sind! Gut gesprochen! 🙂

      Gefällt mir

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