[Rezension] Margriet de Moor – Der Maler und das Mädchen

Eine Geschichte, so tragisch und melancholisch, und doch voller schwingender Schönheit.

mde

Werbung | Autor: Margriet de Moor| Titel: Der Maler und das Mädchen|
Übersetzer:  Helga van Beuningen |
Erscheinungsdatum: 2013 | Verlag: dtv |
304 Seiten | Genre: historischer Roman |

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An dem Tag, an dem das Mädchen erdrosselt werden sollte, war der Maler schon morgens in die Stadt gegangen.

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Inhalt

Wir befinden uns im Amsterdam des 17. Jahrhunderts. Die Pest wütet in dieser wundervollen Stadt, und nicht wenige fallen ihr zum Opfer. Doch trotz dieser schlimmen Zeiten steht den Menschen der Sinn nach Kunst, und einer der größten Maler der Geschichte weilt unter ihnen, immer auf der Suche nach dem nächsten Motiv.

Eine junge Dänin gelangt derweil über den Seeweg in die niederländische Stadt. Sie ist auf der Suche nach sich selbst, nach einem neuen Leben, einem Anfang – und ihrer verschwundenen Stiefschwester, die ihr nichts hinterließ, als einige wenige Taler und die stumme Bitte zu folgen.

Rezension

Beschwingte Melancholie

Wenn ihr ein Bild betrachtet, sei es nun zeitgenössisch oder klassisch, denkt ihr dabei zuweilen an die abgebildeten Personen? Ja, fragt ihr euch vielleicht, wer sie waren, wie sie lebten, wie sie liebten oder starben? Margriet de Moor geht mit uns den Weg zurück in die Vergangenheit und beleuchtet das Leben und besonders das frühe Ende eines jungen Mädchens, dessen Antlitz im Angesicht des Todes für immer in einer Federzeichnung Rembrandts verewigt sein wird.

Wie aber kam es zu dieser Zeichnung? Wir lernen Rembrandt van Rijn kennen, der immer nur als der Maler bezeichnet wird. Wir erleben, wie er den Tod seiner zweiten Frau versucht zu verkraften, wie er nach neuen Motiven sucht und über Alten brütet. Dabei sind seine Gedanken sprunghafter Natur und nicht selten geht seine Fantasie mit ihm durch, und er führt eigenwillige Gespräche mit sich selbst und längst verstorbenen Kollegen.

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Quelle: Wikipedia

Außerdem gibt es da Elisabeth Christiaen, Else – oder später einfach Elsje. Die junge Dänin begibt sich allein auf die Reise, um ihre verschollene Stiefschwester in der holländischen Großstadt zu suchen. Die Reise ist lang und beschwerlich, und mit jedem Tag, der vergeht, steuert sie unaufhaltsam auf ihren eigenen Tod hin. Denn dass sie stirbt, wissen wir von Anbeginn an, können wir doch die spätere Zeichnung ihrer selbst am Pfahl genau betrachten. Sie ist lieb, die Elsje, ein wenig forsch vielleicht, ein wenig naiv. Ein Landmädchen auf dem Weg in die große Stadt. Wie also kommt es, dass ausgerechnet dieses kleine Mädchen, kaum 18 Jahre alt geworden, nur eine Woche, nachdem sie in Amsterdam ankommt, zum Tode verurteilt und in aller Öffentlichkeit erdrosselt wird?

Margriet de Moor spinnt einen Faden um diese junge Frau, gibt ihr ein Leben, einen Sinn. Und sie verknüpft das Leben des Malers damit, während sie sprunghaft durch drei verschiedene Zeitschienen gleitet, mal vor und mal zurück, aber kontinuierlich auf diesen einen Augenblick hin ausgerichtet. Die Melancholie, die sich dabei zwischen den Zeilen immer weiter ausbreitet, ist greifbar, aber nie erdrückend. Zu beschwingt ist dafür der Tonfall der Autorin, zu frech so mancher Gedankengang.

Fazit

Kein Buch, dass sich nebenbei weglesen lässt, dafür sind die zeitlichen Sprünge zu groß. Aber in der richtigen Stimmung, und mit der richtigen Musik ist diese Geschichte um Rembrandt und das Mädchen am Pfahl sehr empfehlenswert – eben für die ruhigen Musestunden des Lebens.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )

= 4.2 ★★★★

Erinnert an

Deborah Moggach – Tulpenfieber

schnörkel

13 Comments on “[Rezension] Margriet de Moor – Der Maler und das Mädchen

  1. Hallo Gabriela,

    ach mit der Rezension hast du mich ja doch neugierig gemacht, auch wenn ich Bücher mit unglücklichem Ausgang ja so gar nicht mag – auch wenn es auf wahren Begebenheiten beruht 😉 Aber ich werde mal gucken, ob unsere Stadtbücherei den Titel hat und ihm eine Chance geben … dafür bin ich dann auch wieder zu angefixt 😀

    Liebste Grüße und danke für den Tipp,
    Antonie

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Antonie!
      Aber wenn man weiß, dass es mit dem Tod endet, dann ist es auch super interessant zu erfahren, was dazu eigentlich geführt hat, welche Entscheidungen das Schicksal ungünstig beeinflussen usw. Schön, dass ich dich so anfixen konnte! 😁

      Liebste Grüße!
      Gabriela

      Liken

  2. Liebste Gabriela,
    allein die Beschreibung „beschwingte Melancholie“ klingt schon so herrlich! 😀 Mit „Tulpenfieber“ hatte ich ja damals so meine Probleme, aber vielleicht kann mich diese Amsterdam-basierte Geschichte eher abholen! Zumal das ja ein grandioses Setting ist, von dem ich bis jetzt viel zu wenig gelesen habe. Merci für den Tipp ❤

    Gefällt 1 Person

    • Na aber sehr gern doch, liebste Ida ❤️
      Tulpenfieber mocht ich ganz gern, allerdings fand ich die Doppelgängerin vin der Moggach besser (da war ich hinterher selbst etwas.. Äh.. Manisch 😅) – ich wäre auf jeden Fall sehr gespannt, wie dir das Buch gefällt! ❤️

      Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Rückblick auf den Januar – Buchperlenblog

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