Übergroß, wunderschön, clever konzipiert und absolut mitreißend!

Werbung | Autor: Alain Ayroles | Zeichner: Juanjo Guarnido |
Titel: Der große Indienschwindel |
Erscheinungsdatum: August 2019 | Verlag: Splitter | 160 Seiten |
Genre: Historie | Reihe: Einzelband |
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Inhalt
Don Pablos aus Segovia. Eigentlich ein armer Schlucker, ein Taugenichts vor dem Herrn, der stets dem väterlichen Vorsatz folgt: Du sollst nicht hart arbeiten, um dein Geld zu verdienen. Und doch will er raus aus seinem Leben, aus dem Loch, in dem er geboren wurde. Ihm hilft dabei sein wohl größtes Talent – Die Gaukelei. So wird aus Pablos, dem Bettler, schnell Pablicos, der Sucher und Finder Eldorados, gelobtes Land des Reichtums und des Überflusses. Und noch einiges mehr.
Rezension
Auf Münchhausens Spuren
Hegt ihr auch solch eine Bewunderung für ausgemachte Spitzbuben? Schlitzohren, die ohne rot zu werden, das Blaue vom Himmel herunterlügen können? Dann ist dieser Comic auf jeden Fall etwas für euch. Und wenn ihr nun mit der Nase rümpft und auf die Wahrheit – und nichts als die Wahrheit – pocht, dann lasst euch sagen: Die Wahrheit wäre nur halb so amüsant zu lesen gewesen.

Denn Pablos erzählt uns aus den äußerst bewegten Tagen seines Lebens. Angefangen mit seiner Kindheit auf den Straßen Spaniens, dem diebischen Vater, und der Kunst des Überlebens, bis hin zur Überfahrt ins vermeintliche Indien, dass sich schlussendlich als Amerika entpuppt. Dabei bemerkt der Leser früher oder später: Der Pablos ist recht wortgewandt. Dieses Talent stellt er oft unter Beweis, indem er die Menschen in seinen Geschichten unterhält, pantomimisch Andere nachmacht und sich selbst dabei immer ins rechte Licht zu rücken weiß. Aber dahinter steckt noch mehr, auch wenn ich diese Pointe mit Sicherheit nicht preisgeben werde.
Wer nun bei dem Namen Don Pablos aus Segovia stutzig wurde, dem sei verraten, dass dieser bereits sein Unwesen in einem Schelmenroman von Francisco de Quevedo aus dem 17. Jahrhundert trieb. Dies nun soll die Fortsetzung sein, die der Autor zwar immer schreiben wollte, aber nicht mehr konnte. Die Geschichte als solche kommt mit so einigem Witz daher, verspricht aber auch große Abenteuer. Auch werden sozialkritische Themen angesprochen, der immerwährende Kampf zwischen Arm und Reich, Sklaven und Ausbeutern ist immer wieder präsent. Dabei ist Pablos nicht immer auf der Seite der Gerechtigkeit, handelt zum Beispiel selbst mit Frauen nach gut Dünken. Und trotzdem muss man ihn einfach gern haben, diesen Gauner im Pfauenkleid.

Der große Indienschwindel kommt nicht nur seitenreich und übergroß daher, er ist auch im Inneren prächtig anzusehen. Die Zeichnungen sind unglaublich detaillreich, so dass man stundenlang zwischen den Zeilen verweilen möchte. Man entdeckt hier und da Kleinigkeiten, schlägt Seiten zurück, um sich noch einmal an einem Ausdruck, einem Gegenstand, einem kurzen Augenblick im Leben des Pablos von Segovia zu ergötzen.
Fazit
Ein großes Abenteuer, das absolut in seinen Bann zu ziehen versteht. Die großartig detaillierten und verspielten Zeichnungen bekommen im Überformat den richtigen Platz und laden zum Verweilen und Staunen ein. Unbedingt daheim Platz schaffen und zugreifen!
Bewertung im Detail
Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )
Handlung ★★★★★ ( 5 / 5 )
Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )
Zeichnungen ★★★★★ ( 5 / 5 )
Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )
= 4.6 ★★★★★
weitere Stimmen

Herzlichen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!






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