[Rezension] Chloe Benjamin – Die Unsterblichen

Wie würdest du dein Leben leben, wenn du wüsstest, wann du stirbst?

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Werbung | Autor: Chloe Benjamin | Titel: Die Unsterblichen |
Erscheinungsdatum: Oktober 2018 | Verlag: btb | 480 Seiten | Genre: Roman

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Was für ein Schwachsinn, unser Überleben wichtiger zu nehmen als unser Leben. So als könnten wir das eine oder das andere kontrollieren.

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Inhalt

Es ist ein heißer Sommer im New York des Jahres 1969. Die vier Geschwister Varya, Daniel, Klara und Simon sind auf dem Weg zu einer alten Zigeunerin, einer Wahrsagerin, die angeblich den eigenen Todestag vorhersagen kann. Doch wie wird es sein zu leben, wenn man weiß, wann alles endet?

Rezension

Fluch oder Segen?

Der Tod ist etwas, das den Menschen sein ganzes Leben lang begleiten wird. Jeder stirbt, irgendwann. Die Großeltern, die Eltern, das geliebte Haustier. Man selbst. Der Tod ist unausweichlich, er trifft jeden von uns, nur scheinbar zufällig wählt er den dafür vorgesehenen Tag aus. Ein falscher Schritt, eine Unachtsamkeit, eine schwere Krankheit. Das alles sind Faktoren, die dazu führen können. Doch was, wenn man weiß, wann man selbst sterben wird? Nicht wie oder woran, nur wann. Gestaltet man dann sein Leben anders, wenn man weiß, dass man erst in vierzig Jahren sterben wird? Oder in sechzig? Was, wenn jemand uns sagt, dass wir bereits mit zwanzig sterben werden? Was, wenn es unser letzter Tag auf Erden ist?

Die Geschwister Gold denken nicht so weit, als sie an diesem heißen Tag im Jahr 1969 die Wahrsagerin aufsuchen. Sie glauben den Gerüchten nicht, und doch werden sie magisch von diesem Ort angezogen, an dem es die ungeschönte Wahrheit zu hören gibt. Ein jeder von ihnen hat seine Gründe, die Prophezeiung der Frau zu verfluchen oder zu missachten. Und doch werden sie sie nie vergessen.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert, die sich mit den einzelnen Geschwistern beschäftigen. Dabei gibt Chloe Benjamin ihnen allen viele Facetten mit, keiner der Charaktere ist hohl, unzulänglich oder gar zweidimensional. Jeden liebt man auf seine eigene Art und Weise, jeder hat sein eigenes Päckchen mit sich herumzutragen. Wie lebt man mit dieser Prophezeiung, diesem Wissen des eigenen Todes? Ist es besser, wenn man vorsichtig ist, sich vielleicht in Zwangshandlungen verliert, um sich zu schützen, um das Schicksal nicht herauszufordern? Oder sollte man sein Leben in die Hand nehmen, sollte alles mitnehmen, was man kriegen kann, um am Ende sagen zu können: Ich hatte meine Chance, so zu leben wie ich es will, bevor es zu spät war? Und provoziert man dann damit nicht vielleicht sogar die Erfüllung der Prophezeiung?

Klara, die Zauberkünstlerin, die unerschrocken ihren Weg ging, wuchs mir am meisten ans Herz. Ihr Weg ist sowohl duldsam wie aufregend, immer an der Grenze zum Unwirklichen entlang und das Ende des Fadens doch so nah. Auch Simon war auf seine egozentrische, lebensbejahende Art erfrischend, Daniel packte mich bei meinen Urinstinkten und Varya, ja, auch ihr konnte ich am Ende verzeihen. Die Unsterblichen ist ein großartiges Buch, eines, das mit seiner Sprachgewandtheit überzeugt, dessen Geschichte mitreißt und dessen Ende viel zu schnell kam und mir eine Gänsehaut auf den Armen und im Herzen hinterließ.

Fazit

Ein fantastisches Leseerlebnis, das eine Familie schonungslos beleuchtet und der überaus interessanten Frage nachgeht, wie wir unser Leben gestalten würden, wenn wir wüssten, wann es vorbei ist.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★★ ( 5 / 5 )

Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )

= 5 ★★★★★

schnörkel


 Herzlichen Dank an den btb Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

5 Comments on “[Rezension] Chloe Benjamin – Die Unsterblichen

  1. Moin moin, Gabriela.
    Rein in der Theorie hat man/frau den Tag, den Monat des eigenen Todes „bereits“ mehrfach durchlebt…einzig das Jahr nicht.
    So besehen bleibt diese Unwissenheit ein gewaltiger Vorteil im Leben. Denn auf ein relevantes Datum fixiert sich der Mensch – selbst wenn er es zu verdrängen versuchen mag. Es bohrt sich in das Bewußtseinsmark.
    Ich würde es nie wissen wollen.

    Vermutbar geht der Roman hier vier mögliche Reaktionsvarianten „durch“, die einen Blick auf den menschlichen Charakter geben. Anmerkenswert, wenn sich dabei die gegebenen Termine als willkürlich ergäben. Somit ein Fest für das Leben wären.
    „Der Tod ist nie das Zentrum des Seins, denn er negiert das Leben. Sein bedeutet Leben. Tod das Nichts.“
    (Myrelle Minotier)

    bonté

    Gefällt 1 Person

    • Hallo!
      Ich bin mir gar nicht so sicher, ob ich es nicht nicht wissen wollen würde, muss ich sagen. Vielleicht würde man dann tun, was man sonst immer nur aufschiebt mit den Worten „eines Tages“. Vielleicht würde es wachrütteln in der eigenen Faulheit. Vielleicht würde man aber auch einfach nur panisch werden.

      Gefällt mir

  2. Vielen Dank für die tolle Rezension! Ich liebäugel schon sehr lange mit dem Buch (seit es im Original erschienen ist), habe aber immer so viel auf dem SUB, dass ich mich nicht traue, es zu kaufen. Sollte ich vielleicht doch mal langsam angehen… 😀 Ihr erster Roman „The anatomy of dreams“ klingt auch total spannend – ich bin mal gespannt, ob der auch irgendwann auf Deutsch übersetzt wird. 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Sehr gern! Also meiner Meinung nach machst du mit diesem Buch defintiv nichts falsch, es ist eine so großartige Geschichte! Vielleicht besinnen sie sich ja auf diesed Buch jetzt, wo die Unsterblichen erschienen sind 🙂

      Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Rückblick auf den Oktober – Buchperlenblog

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