Willkommen, oh furchtloser Leser!
Halloween steht vor der Tür und ich möchte dich mitnehmen auf eine Reise, deren Ausgang du entscheiden kannst! Bist du bereit für ein kleines Abenteuer? Dann folge der Geschichte und entscheide selbst, was du erleben willst! Dazu klickst du einfach am Ende eines Abschnittes auf die von dir getroffene Entscheidung. Bereit? Los geht’s!


Wind. Ich spüre ihn, wie er mit meinen Haaren spielt, an meiner Kleidung zupft. Wie er mich umtanzt und mich leicht frösteln lässt.
Wind?
Ich reiße meine Augen auf, sie sind noch ganz verklebt vom Schlaf. Wo bin ich?
Meine eigene Stimme hallt flüsternd durch meinen Kopf. Ich blinzle ein paar Mal, bis ich meine Umgebung klar vor mir sehen kann. Ich stehe am Rand eines Waldes. Groß und dunkel erheben sich die Baumkronen über mir, schwingen sanft im leichten Wind hin und her. Das Laub raschelt.
Ein Blick an mir herunter bestätigt, was ich bereits geahnt habe. Ich trage lediglich mein Nachthemd, weiß und lang und dreckig. Grasflecken bedecken den unteren Teil, als wäre ich streckenweise durch nasses Gras gerobbt. Auf dem Weg hierher. Wo auch immer hier ist.
Die Sonne ist untergegangen, natürlich ist sie das. Zum Glück ist es noch immer recht sommerlich warm. Ich runzle die Stirn und versuche mich daran zu erinnern, was ich als letztes getan habe. Ich habe mit den anderen Kindern zu Abend gegessen, die Sonne stand noch strahlend am Himmel und gab mir das Gefühl eines ewigen Tages. Danach mussten wir uns für die Nachtruhe fertig machen. Eloise und ich haben uns zusammen umgezogen, dann ist sie zum schlafen in ihr Zimmer gegangen und ich in meines. Ich lag in dem viel zu kleinen Bett und habe an den vergangenen Tag gedacht, an das Gefühl, beobachtet zu werden. Wie seltsam ich mich dabei gefühlt habe, als ob mir ein formloser Schatten folgen würde. Und nun bin ich hier an diesem Wald. Ob ich geschlafwandelt bin? Oder ob ich vielleicht immer noch träume?
Was tust du?
Ich nehme all meinen Mut zusammen und betrete den Wald!

Ich bleibe stehen und lausche.

Ich versuche, meinen Atem irgendwie unter Kontrolle zu bekommen. Er hüpft und zittert, dass ich kaum etwas anderes wahrnehmen kann. Ich halte die Luft an, höre meinen eigenen Herzschlag. Ein nervöses Glucksen entweicht mir.
Sonst ist nichts zu hören.
Ich muss es mir eingebildet haben, vielleicht spielen mir meine überstrapazierten Nerven einen bösen Streich. Gerade will ich beruhigt tief Luft holen, als ein lautes Knacken von rechts kommt. Ich reiße den Kopf herum, doch ich sehe nichts. Das Knacken kommt nun von Links, direkt auf mich zu! Schwarze Löcher teilen das Gebüsch – da sind doch Augen! Ich gebe einen schrillen Laut von mir und

Ich nehme all meinen Mut zusammen und betrete den Wald!

Also gut. Wenn ich einmal hier bin, kann ich mich auch gleich ein wenig umschauen. Ich schiebe einige der Äste zur Seite, die den Eingang in den Wald blockieren. Sie fühlen sich rau unter meinen Fingern an. Trockene Zweige knacken unter meinen nackten Füßen, als ich vorsichtig dem Trampelpfad durch den Wald folge. Staunend schaue ich mich um, die Bäume um mich herum schimmern im goldenen Licht der letzten Sonnenstrahlen. Mir ist, als wäre ich in einem alten Gedicht gefangen. Vereinzelt sehe ich die Hauben von Pilzen unter Blättern und Moos hervorlugen. Ein alberner Kinderreim kommt mir in den Sinn.
Ein Männlein steht im Walde, ganz still und stumm …
Ich summe es eine Weile mit, doch als eine große Eule im Sturzflug meinen Kopf nur knapp verfehlt und ein krächzendes Schuhuuu ausstößt, verstumme ich wieder. Langsam wird es immer dunkler, hoffentlich verirre ich mich nicht zwischen all den hohen Baumstämmen. Wieder überkommt mich dieses Gefühl des Beobachtet werdens. Wie schon am Nachmittag schaue ich mich immer wieder panisch um, doch ich sehe nichts. Moment, dort drüben zwischen den Büschen, da war doch … nein, da ist niemand. Ich rede mir selbst gut zu. Ich hätte am Waldrand direkt umdrehen sollen! Weit vom Heim entfernt kann ich gar nicht sein, das hätte ich doch mitbekommen müssen. So weit schlafwandelt man doch nicht. Oder? Vielleicht hat mich etwas hierhergelockt, meine Träume manipuliert, meinen Körper …
Da, Schritte. Direkt hinter mir. Oh mein Gott! Was soll ich nur tun?
Was tust du?
Was soll ich schon tun? Ich nehme meine Beine in die Hand und renne los!
Ich bleibe stehen und lausche.

Ich nehme meine Beine in die Hand und renne los!
Geäst peitscht mir ins Gesicht, als ich kopfüber losrenne. Meine Gedanken fliegen hinter mir her, war das Wirklichkeit oder hatte mir doch meine Fantasie einen Streich der ganz besonders üblen Art gespielt? Ich weiß es nicht, ich will es nicht herausfinden. Ich stolpere vorwärts, strecke beide Arme aus, um Zweige und Spinnweben gleichermaßen wegzuwischen. Ein besonders spitzer Ast verheddert sich in meinem Nachthemd. Als ich daran ziehe, reiße ich ein fingernagelgroßes Loch hinein. Egal! Wo ist der Ausgang aus diesem grässlichen Wald? Verzweifelt bleibe ich stehen, drehe mich um mich selbst, immer wieder. Den Blick in die Ferne zu richten, scheint kaum möglich, so dicht stehen die Bäume hier. Baumstamm an Baumstamm, eine hölzerne Armee.
Blind entscheide ich mich für eine Lücke zwischen ihnen, der Boden vor mir ist kaum noch zu erkennen. Nur noch weg weg weg von hier. Wieder höre ich Schritte hinter mir. Wende ich mich nach links, kommt das Knacken morscher Äste aus dieser Richtung, bis ich mich notgedrungen in die andere Richtung bewege. Mein Atem kommt stockend, ich halte mir die Seite und keuche. Ich merke, wie meine Kraft schwindet und der Waldrand ist noch immer nicht in Sicht. Vielmehr habe ich das Gefühl, als ob mich die Schritte immer tiefer in den Wald drängen! Schließlich muss ich stehen bleiben, ich bekomme keine Luft mehr. Japsend beuge ich mich vor, versuche mein Herz zu beruhigen. Ein eiskalter Hauch streift meinen Nacken, als ich mich wieder aufrichte. Ich schreie auf, stürze ein zwei Schritte vor und falle über einen quer über den Weg liegenden Baumstamm. Um mich herum wird es schwarz.

Als ich wieder zu mir komme, ist es tief in der Nacht. Der Mond scheint durch die Wipfel der Bäume und beleuchtet ein Stück vor mir ein heruntergekommenes, verwahrlostes Zirkuszelt. Mitten im Wald.







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