[Rezension] Anne Eekhout – Mary

Manchmal ein wenig undurchsichtig, punktet aber mit der Sprache.

Werbung | Autor: Anne Eekhout | Titel: Mary |
Übersetzung: Hanni Ehlers |
Erscheinungsdatum: September 2022 | Verlag: btb |
416 Seiten | Genre: Roman

Bewertung: 4.5 von 5.

Dies ist die Stunde. Jede Nacht stirbt sie, ihre Tochter. Sie entdeckt es erst am Morgen, wenngleich sie sie nachts hat daliegen sehen, so ruhig, den Kopf voll Schlaf.

(S.15)

Inhalt

Mary Shelley verbringt mit ihrem Geliebten Percy den Sommer 1816 an einem See in Genf bei Lord Byron und John Polidori. Hier entsteht ihre bekannteste Geschichte, Frankenstein, welches seine Ursprünge vier Jahre zuvor in Schottland findet, während Mary einen Sommer lang bei der Familie Baxter zu Gast ist. In einer Mischung aus Biografie und Fiktion folgen wir Mary in diesen beiden Jahren nun.

Rezension

Faszinierend in seiner Gesamtheit

Mary Shelley ist vor allem für ihre Geschichte des Doktor Frankenstein und des von ihm geschaffenen Monsters berühmt. Mit dieser Geschichte legte sie 1816 im zarten Alter von nur achzehn Jahren den Grundstein für das spätere Genre der Science Fiction. Doch wie kam sie zu dieser Geschichte? Darüber erzählt uns Anne Eekhout in diesem Buch, bei dem man nie so recht weiß, was nun der Realität entspricht, und was der Fantasie der Autorin.

Mary Shelley ist 1816 mit ihrem Geliebten Percy Shelley, den sie immer als ihren Ehemann ausgab, die beiden jedoch nie verheiratet waren, bei Lord Byron zu Gast in Genf. Der Sommer ist träge, die Abende lang. Wein fließt in Strömen und die Gruppe beschließt, einen Wettbewerb daraus zu machen, wer die beste Gespenstergeschichte zu Papier bringt. Doch Mary muss sich noch mit weitaus mehr auseinander setzen, als nur dem Erfinden einer solchen Geschichte. Ihr Mann, der immer die freie Liebe predigte und auch Mary dazu ermutigte, mit anderen Männern das Bett zu teilen, teilt seines nur zu gern mit ihrer Stiefschwester Grace. Und auch die Gedanken an ihr erstes Kind, ihre Tochter, die eines Nachts verstarb, und ebenso die Gedanken an ihre im Kindbett verstorbene Mutter, treiben sie ein ums andere Mal um.

Vier Jahre zuvor verbrachte die damals vierzehnjährige Mary einen Sommer in Schottland, bei einer mit ihrem Vater befreundeten Familie. Dort lernt sie Isabella kennen, ein Mädchen, so unausgeglichen, egoistisch, in sich gekehrt und doch immer wieder so fröhlich und offen, dass Mary schnell von ihr fasziniert ist. Die beiden freunden sich an, die Freundschaft wird immer intensiver und sie entdecken Reize an der anderen, die sie sich nie hätten träumen lassen. Und dann eines Nachmittags finden sie ein Monster, das in Mary den Grundstein legt für ihr berühmtestes Werk.

Teilweise passiert in diesem Werk gar nicht sonderlich viel, manchmal sind Marys Gedanken so verworren, dass man kaum weiß, was man da liest, manchmal verlor ich ein wenig den Faden. Doch was dieses Buch vorantreibt, ist die Sprachgewalt Anne Eekhouts. Einnehmend und poetisch beschreibt sie das Leben der Mary Shelley, wie es vielleicht, vielleicht gewesen sein könnte. Und damit hat sie mich von sich überzeugen können.

Fazit

Weder eine Schauergeschichte, noch eine reine Biografie ist Mary von Anne Eekhout. Vielmehr erleben wir das Erwachsenwerden in seinen Facetten, die Höhen und vielen Tiefen des Lebens, das Mary Shelley zu der gemacht haben könnten, die solch ein grandioses, zeitüberdauerndes Werk wie Frankenstein schrieb. Ruhig und teilweise verworren, aber durchaus faszinierend in seiner Gesamtheit.

Bewertung im Detail

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Atmosphäre ★★★★★ ( 5 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )

4.4 ★★★★

Mehr Frankenstein?

Georges Bess (nach Mary Shelley) – Frankenstein – Comicadaption


Herzlichen Dank an den btb Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

5 Comments on “[Rezension] Anne Eekhout – Mary

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