Gute Ideen, zu lose verwobene Fäden.

Werbung | Autor: Laura Purcell | Titel: Die stillen Gefährten |
Übersetzung: Eva Brunner |
Erscheinungsdatum: 2020 | Verlag: Festa |
444 Seiten | Genre: Geistergeschichte |

Sie sah ein flaches jakobinisches Gebäude mit drei Giebeln auf dem Dach, einem Laternenturm in der Mitte und roten Ziegelschornsteinen dahinter. Efeu wuchs aus dem Dachgesims und verschlang die Türme zu beiden Seiten des Hauses. Es sah tot aus.
(S.29)


Inhalt
Sie kann nicht sprechen, als der Arzt des Hospitals sie bittet, ihre Geschichte zu erzählen. Doch sie kann sie aufschreiben, mühsam Erinnerung für Erinnerung hervorholen, was eigentlich geschah. In diesem alten Haus auf dem Land, welche Schreckgestalten sie ängstigten, und ob sie tatsächlich eine Mörderin ist.
Rezension
Der Schauer fehlt
Laura Purcell möchte uns eine viktorianische Geistergeschichte erzählen. Sie handelt von Elsie, einer Frau Anfang 30 und Erbin einer Zündholzfabrik, die den mittlerweile verstorbenen Rupert Bainbridge spät heiratete, und von der nun erwartet wird, dass sie ihre Trauerzeit auf dessem Landsitz verbringt. Das alte Herrenhaus bietet eine gute Grundlage für mögliche Schauergestalten, die uns und vorallem Elsie heimsuchen wollen.
Und tatsächlich lässt die Heimsuchung nicht allzu lang auf sich warten, denn bereits in den ersten Nächten hört Elsie ein seltsames Zischen, dass sie schier in den Wahnsinn treiben könnte, wenn sie diesem nicht nachgeht. Eine verschlossene Dachkammer ist’s, aus der diese Geräusche dringen. Doch sollte man verschlossene Türen nicht einfach in Ruhe lassen?
Stück für Stück erinnert sich Elsie an die Tage auf The Bridge, während sie im Hospital liegt und sich von Verbrennungen und Prellungen erholt. Was genau ist vorgefallen? Und wo sind alle hin, die Zeugen der Ereignisse waren?
So hangeln wir uns voran, im Hospital, in Elsies Rückblicken und zwischendurch in einem Tagebuch, welches 200 Jahre zuvor geschrieben wurde. Anne Bainbridge und ihr Mann erwarten königlichen Besuch, ein großes Fest soll ausgerichtet werden. Alle werden dabei sein, außer … Ja, außer vielleicht ihre kleine, stumme Tochter Hetta.
Wie das nun alles miteinander zusammen hängt, das erfährt man bruchstückhaft und in ihren Ideen glänzt die Autorin durchaus mit Einfallreichtum. Doch der wahre Gruselfunke wollte bei mir partout nicht überspringen. Zu wenig sympathisch war mir Elsie mit ihren aufgesetzten Standesdünkeln, ihren Ohnmachtsanfällen und ihrem ganzen Gebahren. Zu sprung- und episodenhaft der Wechsel zwischen den einzelnen Zeiten, und auch an mancher Stelle für mich nicht logisch zu Ende gedacht. Lose Fäden bleiben lose, die Erklärungen mangelhaft. Auch der große Schrecken, den die stillen Gefährten in den Gemäuern verbreiten, ließ mich eher ratlos zurück, auch wenn ich nicht erklären kann wieso, ohne einen gewissen Reiz des Buches vorwegzunehmen.
Außerdem – und das stört mich nunmal ganz besonders – empfand ich den gewählten Stil des Buches als unrund. Laura Purcell kann atmosphärisch schreiben, das beweist sie in den wenigen Hospital-Szenen sehr gut. Doch wenn sie Elsie zu Wort kommen lässt – oder Anne Bainbridge in ihrem Tagebuch – wandelt sich der Stil, wird einfacher, lässt mitunter ganze Sätze aus. Kurzum: es lag mir einfach nicht besonders. Dabei ist auch hier der Stil nicht schlecht, aber eben auch nicht so, wie ich ihn mir in einer viktorianischen Geistergeschichte gewünscht hätte.
Fazit
Ein wunderschön gestaltetes Buch, dem es im Inneren leider an dem wahren Gruselfaktor fehlt.
Bewertung im Detail
Handlung ★★★☆☆ ( 3 / 5 )
Charaktere ★★★☆☆ ( 3 / 5 )
Logik ★★★☆☆ ( 3 / 5 )
Sprache ★★★☆☆ ( 3 / 5 )
Emotionen ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )
= 2.8 ★★★







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