[Rezension] Laura Purcell – Das Korsett

Interessant und mysteriös in einem ganz speziellen Setting!

Werbung | Autor: Laura Purcell | Titel: Das Korsett |
Übersetzer:  Eva Brunner |
Erscheinungsdatum: November 2021 | Verlag: Festa |
528 Seiten | Genre: viktorianischer Thriller / Gothic Novel | 

Bewertung: 4.5 von 5.

Wäre ich als Junge geboren worden, wäre das nie passiert. Ich hätte nie eine Nadel in der Hand gehabt, nie von der Macht erfahren die ich besitze, und mein Leben hätte einen anderen Verlauf genommen.

(S.23)

Inhalt

Dorothea Truelove hilft gemeinnützig im örtlichen Gefängnis Oakgate, sie spricht mit den Insassinnen, spendet Trost, und geht ganz nebenbei ihren eigenen Interessen der Phrenologie nach. In der erst sechzehnjährigen Ruth findet sie ein Mädchen, das sie ganz besonders fasziniert. Denn diese ist des Mordes angeklagt, und glaubt selbst, Macht über eine Nähnadel ausüben zu können.

Rezension

Verdrehte Wahrheiten

Laura Purcells zweites Buch Das Korsett wählt erneut ein viktorianisches Setting. Dieses Mal begleiten wir abwechselnd Dorothea und Ruth, zwei ganz unterschiedliche Frauen, die doch eine Geschichte vereint: Der Mord, den Ruth angeblich begangen hat.

Dorothea kommt aus gutem Hause, ist auch mit fünfundzwanzig noch immer uverheiratet und widmet sich der wissenschaftlichen Analyse der Phreonologie. Hierbei nahm man im 19. Jahrhundert an, dass man anhand der Schädelform eines Menschen erkennen konnte, welche charakteristischen Eigenschaften einen jeden von uns ausmachen. Eine Beule über dem rechten Ohr? Man hatte einen ausgeprägten Ortssinn. War der Scheitel erhöht, konnte man davon ausgehen, dass diese Person schneller zu einem Mord verleitet werden könnte. Und was passiert, wenn man positiv auf negative Eigenschaften einwirkte, konnte sich ein Schädel dann verändern? In Ruth findet Dorothea eine junge Frau, die sie dahingehend äußerst fasziniert, hat sie doch gar keinen solch ausgeprägten Kopf unter all den Locken.

Ruth dagegen stammt aus einfachen Verhältnissen, Mutter und Vater waren arm, schon früh musste sie lernen, Geld zum elterlichen Haushalt beizusteuern, indem sie von ihrer Mutter das Nähen und Sticken erlernte. Doch bald merkt sie, dass ihren Stichen eine seltsame Kraft innezuwohnen scheint. Ihr eigenes Korsett, zusammengenäht aus Stoffresten, verleiht ihr innere Stärke, ein Blumenmuster in Handschuhen, eingestickt voll Groll und Trauer, bringen eine junge Braut zum Weinen.

Schreckliche Umstände und eine toxische Familiengeschichte bringen Ruth schließlich in die Nähstube der Metyards, einer grausamen Frau, die ihre jungen Näherinnen ausbeutet und aufs schlimmste schikaniert. Hier nun nimmt Ruths Leben eine Wendung, die man niemandem wünschen würde. Abwechselnd folgen wir nun also Ruths Erzählung, die ihr Leben kurz vor ihrem Prozess im Gefängnis an Dorothea weitergibt, immer mit dem Wissen, dass am Ende ein Mord steht. Doch ist es möglich, dass man seine Gedanken, ob Gut oder Schlecht, in ein Kleidungsstück einweben kann? Oder ist doch alles nur ein Zufall, eine Verkettung von Unmöglichkeiten, die schlussendlich dazu führen, dass Ruth sich für etwas verantwortlich fühlt, dass sie gar nicht getan hat?

Dorotheas Abschnitte haben mich dagegen leider immer wieder etwas aus der Geschichte hinauskatapultiert. Auch sie hat Probleme, die Frauen der damaligen Zeit in Atem gehalten haben, und doch waren mir ihre Heiratsabsichten doch immer weniger interessant erschienen, erweckten ein unpassendes Jane-Austen-Gefühl in mir, während Ruths versponnene Wege mir teilweise wahre Schauer über den Rücken jagen konnten.

Fazit

Die Geschichte zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und die doch eines vereint: Der Glaube an etwas, das eigentlich nicht sein kann. Für mich hätte Ruths Erzählstrang durchaus ausgereicht, doch auch so hat mir dieser viktorianische Mystery-Thriller gut gefallen, weitaus besser als Purcells erster Roman.

Bewertung im Detail

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Atmosphäre ★★★★★ ( 5 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )

4.4 ★★★★

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7 Comments on “[Rezension] Laura Purcell – Das Korsett

    • Huhu Bine!
      Das solltest du auf jeden Fall, wenn es dich vorher auch schon angesprochen hat! Allerdings ist es an mancher Stelle schon echt harte Kost, sei also gewarnt. 🙂

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt mir

  1. Pingback: Rückblick auf den Februar – Buchperlenblog

  2. Hallo Gabriela!
    Bei dem Buch war ich mir nicht sicher, ob ich es lesen soll oder nicht. Und leider bin ich nach deiner Rezension auch nicht schlauer. Was nicht heißt, dass deine Rezension nicht gut wäre. 😉
    Aber wenn du schreibst, dass dich Dorotheas Erzählstrang aus dem Fluss gerissen hat, bin ich mir nicht sicher ob mich das nicht sehr stören würde.
    Meinst du das wäre was für mich?
    Liebe Grüße
    Diana

    Gefällt 1 Person

    • Huhu Diana!
      Ja also ich fand Dottys Parts anfangs echt interessant durch die eingebaute Phrenologie, aber als es dann eher um ihre Heiratsabsichten ging.. Das Ende hat mich dann aber wieder mit ihr versöhnt und Ruths Kapitel haben vieles aufgewogen – also… Probier es, los! Ich denke, es könnte dir gefallen =)

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

  3. Pingback: {Rezension} Das Korsett von Laura Purcell ♣ Bellas Wonderworld

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