Herrlich abgefahren!

Werbung | Autor: Joe Hill | Titel: Christmasland |
Übersetzer: Sara und Hannes Riffel |
Erscheinungsdatum: 2014 | Verlag: Heyne |
800 Seiten | Genre: Horror / Thriller | Reihe: Einzelband

„Ihr Sohn Josiah“, sagte Charlie Manx mit rauer, kratziger Stimme. „Für den wäre auch Platz im Christmasland, wie für die anderen Kinder. Ich könnte ihm ein neues Leben geben. Ein nettes neues Lächeln. Hübsche neue Zähne.“
(S.14)


Inhalt
Wie wäre es, wenn ewige Weihnacht herrschen würde? Jeden Morgen heißt es Geschenke auszupacken, jeden Nachmittag gibt es wilde Spiele im Schnee und hinterher heiße Schokolade, und es ist verboten, unglücklich zu sein. All das verspricht das Christmasland.
Doch dieses Weihnachtsland existiert nur in der Gedankenwelt von Charlie Manx, einem äußerst bösen Menschen. Ein solcher, der Kinder hinbringt, um sie glücklich zu machen, und der doch nur eines hinterlässt: Leid.
Rezension
Oh du fröh…?
Lange hat es gedauert, bis Joe Hill, Sohn von Vielschreiber Stephen King, auf meinem Radar gelandet ist. Christmasland war nun endlich mein erstes Werk von ihm, und ich kann euch schon jetzt verraten: es wird definitiv nicht das letzte gewesen sein. Denn Joe Hill tritt nicht nur in die Fußstapfen seines Vaters, er findet auch den Weg hinaus und in seine eigene Schneewehe hinein.
Wenn man Christmasland liest, werden einem so manche Easter Eggs begegnen. Gerade, wenn man einige Bücher seines Vaters kennt, kann man sich an mal mehr, mal weniger versteckten Anspielungen auf diverse Werke Kings erfreuen. Auch generell empfand ich den Anfang des Buches, als hätte es auch aus Kings Feder stammen können. Joe Hill lässt sich ähnlich viel Zeit, um seine Figuren zu etablieren. Man lernt zunächst Victoria – Vic – McQueen kennen, ein aufgewecktes Mädel, dass mit ihrem Fahrrad eine längst eingestürzte Brücke erscheinen lassen kann. Wenn sie sich nur schnell genug bewegt, dann ist diese Brücke plötzlich da und bringt Vic an den Ort, an dem etwas verloren gegangenes wiedergefunden werden kann.
Und dann haben wir Mr. Charlie Manx, seines Zeichens glückbringender Weihnachtsmann – zumindest sieht er sich gern so. Denn er entführt Kinder, bringt deren Eltern um, und chauffiert diese Kinder dann in sein Christmasland. Dieses ist – ähnlich wie Vics Brücke – eine Ingestalt, eine Idee, ein Gedanke, der durch einen besonderen Gegenstand in die Realität gelangt. Vic braucht dafür ihr Fahrrad, Manx einen Schlitten, genauer gesagt einen Rolls-Royce Wraith, einen wahren Oldtimer also. Der Preis für diese wahrgewordenen Ideen ist unterschiedlich, aber immer hoch.
Die Wege von Vic und Manx kreuzen sich bereits früh, doch es werden viele Jahre vergehen, bevor der eigentliche Showdown beginnt. Und der hat es gewaltig in sich. Joe Hill verstand es, mich mitzunehmen auf diese Reise ins Christmasland, während alle Sorgen vergessen werden wollten, und auf der anderen Seite wieder hochsprudelten wie eine schwärende Krankheit. Ich mochte die untypischen Charaktere, Vic mit ihren Ecken und Kanten, ihren Mann Lou mit seinem Übergewicht, den viel zu ernsten Jungen der beiden – und tatsächlich auch Mr. Manx, das Böse in Person, was sich als liebenswerter Mann mit besten Absichten verkleidet. Und ich war traurig, als die Jagd über die Straßen Amerikas, innen wie außen, schlussendlich vorbei war, auch wenn sie immerhin 800 Seiten dauerte.
Fazit
Joe Hill hat das Talent seines Vaters geerbt, menschliche Figuren zu entwerfen und ihrem Leben Form und Farbe zu geben. Dabei hat er es allerdings sehr wohl verstanden, seinen ganz eigenen, garstigen Humor zu entfalten und uns ein winterliches Abenteuer zu schenken, welches nicht nur an Weihnachten unter die Haut geht.
Bewertung im Detail
Idee ★★★★☆ ( 4 /5 )
Handlung ★★★★★ ( 5/5 )
Charaktere ★★★★★ ( 5/5 )
Sprache ★★★★★ ( 5/5 )
Emotionen ★★★★★ ( 5/5 )
= 4.8 ★★★★★







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