[Rezension] Beate Teresa Hanika – Vom Ende eines langen Sommers

Eine bittersüße Geschichte, um das, was uns als Menschen ausmacht:
Nämlich unsere ganz eigene Geschichte.

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Werbung | Autor: Beate Teresa Hanika| Titel: Vom Ende eines langen Sommers |
Erscheinungsdatum: August 2018 | Verlag: btb | 312 Seiten | Genre: Roman

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„Sie ist ein harter Brocken.“
Zia Maria nickte.
„Man weiß nie, was die Menschen dazu macht. Deine Mutter war das jüngste von fünf Kindern, sie wurde immer hin und her geschoben. Hatte eine Kinderfrau nach der anderen, die sich um sie kümmerte.“
„Das höre ich zum ersten Mal.“
„Was soll ich sagen, deine Mutter spricht nicht gerne.“

(S.101)

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Inhalt

Marielle kehrt nach einem langen Tag nach Hause zurück. Bei ihrer Nachbarin wurde ein geheimnisvoll zusammengeschnürtes Paket abgegeben. Darin befinden sich die alten Tagebücher ihrer Mutter, einer Frau, die ihr Leben lang einsilbig war, zu der sie nie eine enge Bindung aufbauen konnte und die eigentlich gar nicht ihre Mutter ist. Als sie sich entschließt, die Bücher zu lesen, taucht Marielle hinein in ein fernes Leben, einen Sommer 1944 in der sonnigen Toskana, als der Krieg nah und die Entscheidungen schwer waren.

Rezension

Was macht uns zu dem, der wir sind?

Die Geschichte wird uns auf mehreren Zeitebenen erzählt. Da haben wir Marielle, es ist Frühling im Jahr 2004, ihre Mutter starb im vergagenen Jahr. Sie erinnert sich an diesen Sommer, und gleichzeitig lässt sie uns an frühen Kindheitstagen teilhaben. Immer wieder erhalten wir Einblicke in das Leben mit der Frau, die ihre Mutter ist und sich doch so benimmt, als hätten sie und das Kind nichts gemeinsam. Die Beziehung der beiden ist unterkühlt, während Marielle verzweifelt versucht ein bisschen Liebe zu erhaschen.

Und dann haben wir die Tagebuchaufzeichnungen von Franka, der Mutter. Sie erzählen von einem langen Sommer in Italien, in der sonnigen Toskana im Jahr 1944. Der Krieg ist allgegenwärtig, auch in dem kleinen Dorf, in dem die deutsche Franka bei ihrer Zia – Tante – lebt. Deutsche Offiziere haben sich im Haus einquartiert, während in den Bergen die Partisanen verhungern. Die Partisanen, die sind Franka ein Dorn im Auge, niemand sollte sich auflehnen gegen höhere Mächte. Doch dann kommt es zu einer Verkettung unglücklicher Zufälle, so dass sich Franka plötzlich doch in der Rolle der Helferin wiederfindet. Als sie sich in einen der Offiziere verliebt, lebt sie ein gefährliches, zwiegespaltenes Leben.

Die Geschichte offenbahrt das Leben zweier Frauen, die so unterschiedlich und doch so gleich sind. Sie halten ihre wahren Gefühle verborgen, sie reden nicht über das, was sie wirklich bewegt. Doch jeder hat seine Geschichte, auch wenn man sie nicht kennt. Warum ist Franka so einsilbig, warum redet sie nie über die Vergangenheit, über den Vater von Marielle, über die Adoption? Was geschah alles in jenem fernen Sommer in jenem fernen Land? Wir alle tragen unsere Geheimnisse in uns. Manche von ihnen entfremden uns von denen, denen wir nahe sein sollten. Doch es gibt kleine Lichtblicke im Leben von Marielle und Franka, eine Annäherung findet statt, im Geiste und zaghaft auch in der Realität.

Die Geschichte hat mich sehr bewegt, ich mochte die Erzählung der Vergangenheit sowie der heutigen Zeit, ich schloss beide Frauen in mein Herz. Der Stil ist sanft, weder kitschig noch überladen, er ist realistisch und doch wunderschön zugleich.

Fazit

Eine Buch über die Lebensgeschichte zweier Frauen, die sich zeit ihres Lebens nie nah genug kamen, da Geheimnisse den Weg versperrten. Die uns aber auch zeigen, dass wir nicht über andere urteilen sollten, wenn wir ihre Geschichte nicht kennen. Unbedingte Leseempfehlung für das Ende eines langen Sommers – nämlich jetzt.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★☆ ( 5 / 5 )

=4.8 ★★★★★

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Herzlichen Dank an den btb Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

9 Comments on “[Rezension] Beate Teresa Hanika – Vom Ende eines langen Sommers

  1. Ciao, Gabriela.
    „Der Mensch ist seine Geschichte – & was er daraus macht.“
    (Myrelle Minotier)
    Das heikle an eigenen Lebensgeschichten kann sein, dass vielleicht niemand dazu bereit ist sie zu hören. Nach 1945 war das „plötzliche Vergessen“ Volkssport & Menschen, die sich ein Anliegen von der Seele reden wollten, wären eher auf die wohlfeile Mauer „Unverständnis“ gestossen. „Hab dich nicht so, wir haben alle Schlimmeres erlebt!“ als Bestenfalls-Antwort.
    Also blieben viele für sich allein – mit all den Dämonen am Tisch; & Dämonen halten nicht lange ruhig am Tisch…

    „We don’t see ourselves anymore, when demons cover our eyes in shade. So raise your hands…do uncover!“
    (Saoirse O’Boinor)

    bonté

    Gefällt 1 Person

    • Hallo!
      Das erklärt natürlich so einiges und vermutlich wird es bei Franka ebenso gewesen sein. Es ist nur schade, wenn unter solchen totgeschwiegenen Geheimnissen dann die Beziehungen zur eigenen Familie leiden muss.

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt mir

      • …“We are hurt by people we don’t know, outa times we even not been born. So do end the pain in your chain!“
        (Samaire O’Boinor)

        bonté

        Gefällt 1 Person

  2. Guten Morgen,
    dieses Buch liegt noch auf meinem Rezensionsstapel (Ich muss erst ein paar andere lesen…), aber ich freue mich schon sehr darauf! Vor allem jetzt nach deiner Rezension freue ich mich doppelt drauf, denn es klingt nach einer berührenden und tollen Geschichte.

    Liebe Grüße
    Denise

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Rezension: Vom Ende eines langen Sommers von Beate Teresa Hanika – Seele's Welt

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