[Nostalgie pur] Helen Fielding – Bridget Jones

Liebe Bücherfreunde!

Heute möchte ich euch ein bisschen mit in die Vergangenheit nehmen, nämlich ins Jahr 1996, als Helen Fielding ihre Romanheldin Bridget Jones erschuf. Ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr die tollpatschige, leicht verrückte und absolut liebenswerte Frau in meinem Leben auftauchte, aber ich kann eigentlich nicht älter als fünfzehn gewesen sein. Seitdem begleitet mich ihr Tagebuch in regelmäßigen Abständen als Buch und Film durch mein Leben. Ein kleines Plädoyer also auf eines meiner liebsten Lieblingsbücher!

Bridget Jones ist Anfang dreißig, als sie beschließt, ihr Leben in Form eines Tagebuchs festzuhalten. Weihnachten steht vor der Tür und mit ihm ein weiteres grauenvolles Familienfest, bei dem sie spießrutenmäßig von Verwandten und Bekannten ihrer Eltern gefragt wird, ob sie denn nun endlich, endlich einen Mann hätte.

Und dann soll sie auch noch verkuppelt werden, mit dem Sohn von Malcolm und Elaine („Aber du kennst doch Malcolm und Elaine, Liebes! Du hast bei ihnen splitternackt im Pool im Garten gespielt als du klein warst!“). Dieser Mark entpuppt sich zwar als gutaussehend, schreckt jedoch mit verbalen Kommunikationsproblemen und einem schrecklichen Pullover direkt wieder ab. Außerdem steht Bridget doch sowieso auf ihren Chef, den charmanten, wenn auch haltlos chauvinistischen Daniel Cleaver.

Völlig erschöpft von den Vorbereitungen für das Date.
Eine Frau zu sein ist schlimmer, als Bauer zu sein – dauernd muss man die Natur bekämpfen, um sie sich zunutze zu machen, muss Beine wachsen, Achseln rasieren, Augenbrauen zupfen, Füße von Hornhaut befreien, Teint mit Peeling und Feuchtigkeitscreme behandeln, Pickel ausdrücken, Haarwurzeln tönen, Wimpern färben, Nägel feilen, Zellulitis massieren, Bauchmuskeln trainieren. Das Endprodukt ist dann derart überzüchtet, dass man es nur wenige Tage zu vernachlässigen braucht, und schon hat sich Mutter Natur das gesamte Terrain zurückerobert.

Zugegeben, wer die Verfilmungen kennt, hat nicht nur Renée Zellweger als Bridget direkt im Kopf, sondern auch den hinreißenden Hugh Grant und nicht zu vergessen Colin Firth. Da würde es mir auch schwerfallen, mich direkt festzulegen, schwächelnde Charaktereigenschaften hin oder her. Wir erleben nun also in Tagebucheinträgen, wie das Abenteuer Männersuche für Bridget verläuft. Höhenflüge und tiefe dunkle Löcher inklusive. Man möchte ihr immer wieder zurufen, Hände weg von Daniel, du siehst doch, dass er dir nicht gut tut! Hör auf deine Freunde, scheiß auf ihn – scheiß auf sie alle (Shazzer, eine von Bridgets Freundinnen wäre stolz auf mich)! Aber wir wissen doch tief in unserem Inneren, dass wir genauso handeln würden, dass wir auch schon auf solche Typen hereingefallen sind, die viel versprechen und wenig halten. Und die dabei trotzdem noch so verdammt gut aussehen.

Auch, dass Bridget eine völlig normale Frau ist, die mit ihren Süchten und Problemen, die sie mehr oder minder ehrlich zu sich selbst protokolliert, und eben auch mit ihrem Gewicht hadert, macht sie liebenswert. Keine langbeinige Schönheit, die nur die Sonnenseiten des Lebens kennt, keine Frau, die nie an sich selbst zweifelt und der die (Männer-)Welt zu füßen liegt. Nein, Bridget ist ich, Bridget ist wir. Bridget kämpft und mogelt sich so durchs Leben und beschert dabei herrlich abstruse Momente, bei denen man vor Lachen beinahe vom Lesesessel kippen möchte.

„… also, was hältst du nun davon?“
„Hm, ich weiß nicht. Ich habe gerade das Telefon ins andere Zimmer getragen, wie gesagt“, antwortete ich.
„Aha. Du hast also nicht mit´bekommen?“
„Nein.“ Kurzes Schweigen.
„Oh, hallo, Liebes, stell dir nur vor.“ Manchmal denke ich, meine Mutter ist ein Teil der modernen Welt, doch manchmal kommt sie mir vor wie eine Außerirdische. Zum Beispiel, wenn sie Nachrichten auf meinem Anrufbeantworter hinterlässt, deren Inhalt lediglich aus den überdeutlich artikulierten Worten „Bridget Jones‘ Mutter“ besteht.

Auch die Probleme ihrer Freunde, die mitunter in ebenfalls völlig haltlosen Beziehungen stecken, erheitern auf die ein oder andere Weise. Ebenso wie Bridgets etwas gestörte Beziehung zu ihren Eltern. Klar, sie liebt sie beide, aber gerade ihre Mutter ist doch ein wenig … speziell. Und doch kann man auch sie nachvollziehen, gewissermaßen zumindest, eine Frau, die zeit ihres Lebens für die Familie da war und nun versucht, aus diesem Konstrukt auszubrechen. Wenn auch weniger bedacht, als man selbst zu erleben wagt in der eigenen Familie. (An dieser Stelle: Mama, ich liebe dich und danke, dass du nicht wie Bridgets Mutter bist! ♥)

Dabei fällt mir doch direkt wieder die Anfangsszene des ersten Teiles ein, bei der Bridget allein auf ihrer Couch zuhause sitzt und All by myself von Jamie O’Neal selbstvergessen singt und in der Luft herumtrommelt. Ja, auch das kennt bestimmt jeder von uns, oder nicht? Diese Momente, in denen wir uns schrecklich leid tun, weil das Leben nicht das ist, was uns in Märchen versprochen wurde. Wo wir zwischen selbstvergessenen Ehepaaren sitzen und uns anhören müssen, dass unsere Uhr doch mittlerweile lautstark ticken müsste. Und dann schlucken wir all diesen Bockmist runter, richten uns auf und stürzen uns erneut ins große Abenteuer Leben.

Seit beinahe zwanzig Jahren hole ich also immer wieder Bridget Jones zurück in mein Leben, singe und trommle mit, leide und lache und freue mich mit ihr, wenn scheinbar endlich mal alles glattzulaufen scheint. Zugegeben, die Liebe zu Bridget verflüchtigt sich etwas nach dem zweiten Teil. Denn irgendwie möchte ich nicht, dass Bridget älter wird, oder schwanger. Den dritten Teil (Verrückt nach ihm) habe ich einmal gelesen, der Vierte, in dem sie schwanger wird, steht noch immer unangetastet in meinem Regal. Warum? Möchte ich nicht, dass sich meine Romanheldin weiterentwickelt? Möchte ich, dass sie auf immer Anfang dreißig ist und von einem Abenteuer zum nächsten stolpert? Ja. Ja, das möchte ich. Und ich denke, das ist auch völlig in Ordnung so. Denn am Ende wird doch schließlich alles gut. Zumindest am Ende von Band zwei. ♥

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