[Writing Friday] Alles auf Null

Endlich verblasst die letzte Rakete am Himmel. Die Luft ist von Qualm erfüllt, es stinkt widerlich und überall liegen die Überreste der Feiernden herum. Und trotzdem ist Anton froh. Ein neues Jahr hat begonnen, eine Chance, das Leben umzukrempeln und um loszulassen.

Ein Blick nach oben, die Sterne sind hinter all dem Nebel nicht zu erkennen. Er denkt an seinen Vater, der nun vielleicht von dort oben zu ihm herunterschaut, vielleicht versucht, den Dunst mit einer unwilligen Handbewegung fortzuwischen, um ihn noch einmal zu sehen. Es war Glück gewesen, dass Anton es noch rechtzeitig nach Hause geschafft hatte, bevor sein Vater die Augen für immer schloss. Wer hätte auch ahnen können, dass das Ende so schnell kommt. Jahrelang harrten seine Mutter und er an des Vaters Seite aus, zuckten bei kleinsten Beschwerden zusammen, übernahmen die Lasten des Alltags, um ihm ein ruhiges Ende zu gönnen. Und dann, als es schien, als wäre er auf dem Weg der Besserung, endlich befreit von der langjährigen Krankheit, da rief Antons Mutter an und berichtete ihm von dem schlimmen Husten, der den Vater seit einigen Tagen quälte und völlig auszulaugen schien.

Anton war nicht in der Stadt gewesen, seine Zugverbindung fiel aus und der Heimweg verschwamm in einer Fülle aus Hindernissen, die er kaum bewältigen konnte. Die letzten Kilometer rannte er, stieg über hohe Schneewehen auf Feldern, zerriss sich bei der Abkürzung durch den Wald seinen neuen Mantel. Als er anhielt, um Atem zu schöpfen, da sank ihm die Angst tief in die Kniekehlen. Was, wenn er zu spät kam? Wie hatte er seine Mutter damit allein lassen können?

Doch dann lief er weiter, das Haus seiner Eltern tauchte auf und seine Mutter stand bereits im Hauseingang, winkte ihn heran und sagte „Er ist noch hier.“ Am Bett hielt er inne, streckte eine noch von der Winterluft kalte Hand aus und berührte damit die noch kältere des Vaters. Die Finger zuckten unter ihm und Anton drückte sie sanft. „Wir sind bei dir, Papa.“

Anton steht immer noch unter dem düsteren Neujahrshimmel, irgendwo werfen Kinder ihre letzten Knallfrösche herum. Er denkt an seine Mutter, daran, wie viel Liebe sie in all den Jahren seinem Vater geschenkt hat, denkt daran, mit welchem Mut sein Vater ein anderes Leben aufgab, um es mit ihr zu teilen. Er erinnert sich, wie friedlich seine Mutter aussah, als er sie nur wenige Tage nach dem Tod des Vaters fand, in dem alten Ehebett, das nun niemandem mehr etwas nützte. Und dann denkt er daran, wie er das neue Jahr beginnen will, losgelöst von allem, bereit für einen Neuanfang.


Der Writing Friday ist eine Aktion von readbooksandfallinlove! Jeden Monat gibt es neue Schreibaufgaben, denen man sich widmen kann.
Heute habe ich eine Geschichte geschrieben, bei der die Worte Neustart, Glück, Liebe, Hindernisse, Mut vorkommen sollten. Na, habt ihr alle gefunden?

Ihr wollt mehr schreiben und braucht einen Anreiz? Dann schaut vorbei!

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5 Comments on “[Writing Friday] Alles auf Null

  1. Pingback: Rückblick auf den Januar – Buchperlenblog

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