[In 28|7 um die Welt] Willkommen in Asien!

Liebe Bücherwürmer, liebe Weltenstürmer!

Der dritte Tag der Weltreise von Bella und mir ist angebrochen. Nachdem wir unsere Reise in Afrika begonnen und gestern in Europa fortgesetzt haben, geht es heute auf den flächenmäßig größten Kontinent: Asien! Bereit? Dann ab dafür!

Asien – mit über 4 Milliarden Menschen ist dieser Kontinent nicht nur der flächenmäßig größte, sondern auch der dichtbesiedelste der Erde. Genug Menschen also, um für reichlich Nachschub auf dem Büchermarkt zu sorgen! Während ich mich in den wohlbekannten Ländern Japan und China herumtreibe, zeigt uns Bella zwei Bücher, die in weniger oft besuchten Ländern spielen. Bereit für unsere Buchtipps aus Asien?

Die Stationen:

Gabriela: China

Bella: Malaysia

Gabriela: Japan

Bella: Georgien

China: Christoph Ransmayr – Cox: Der Lauf der Zeit

Willkommen im Land der Morgenröte! China, ein Land voller Mythen und Sagengestalten, ein Land großer Kultur. Wie ich für mich selbst mit der Zeit feststellen musste, liebe ich zwar die asiatische Kultur in Geschichten, nicht aber asiatische Geschichten per se. Deswegen kommt mein Tipp für dieses Land nicht von einem chinesischen Autor, sondern von dem von mir hoch geschätzten Österreicher Christoph Ransmayr.

Der Inhalt von Cox ist schnell zusammengefasst. Der Uhrmacher Alister Cox und vier seiner Gehilfen aus England werden vom Kaiser von China in sein Reich gerufen, beautragt, die unterschiedlichen Läufe der Zeit darzustellen.

Cox erreichte das chinesische Festland unter schlaffen Segeln am Morgen jenes Oktobertages, an dem Quián-lóng, der mächtigste Mann der Welt und Kaiser von China, siebenundzwanzig Steuerbeamten und Wertpapierhändlern die Nasen abschneiden ließ.

(S. 9)

 Wie verläuft die Zeit für ein Kind? Wie für einen zum Tode Verurteilten? Während ihrer Arbeit werden sie immer wieder unterbrochen; der Kaiser, der Herr über zehntausend Jahre, wünscht etwas anderes. Schlussendlich sollen sie eine Uhr bauen, die die Unendlichkeit anzeigt, die, einmal in Gang gesetzt, nie wieder stillsteht, bis ans Ende aller Tage. Überschattet wird die Geschichte von den Erinnerungen an den  tragischen Verlust Cox‘ in England, der seine geliebte Tochter verlor und seine Frau verstummen ließ.

Das Buch kommt fast gänzlich ohne die wörtliche Rede aus, fast alles erfährt man durch einen allwissenden Erzähler. Die Geschichte an sich ist faszinierend, werden wir doch tief in das Reich der Mitte gezogen und erleben mit den Uhrmachern aus England ein völlig unbekanntes Land mit seinen Sitten, Gebräuchen, Traditionen und vor allem Geboten und Verboten.

Malaysia: Yangsze Choo – Nachttiger

Die Reise geht nach Südostasien und das dort gelegene Malaysia, welches aus dreizehn Bundesstaaten besteht und aufgrund seiner Kolonialgeschichte früher auch Britisch Malaysia genannt wurde. Die malaiische Halbinsel ist ein tropisches Gebiet und zum Meer hin mit Mangrovenwäldern bewachsen, während im Norden das Land zu einer Gebirgskette ansteigt, die bis zu 2190 m über dem Meeresspiegel gelegen ist und des Weiteren sich ein Hochgebirge mit Kinabalu, dem höchsten Berg zwischen dem Himalaya und Neuguinea, auf 4.095 m erhebt.

Wie könnte man die exotische Welt Malaysias besser erleben, als mit einem märchenhaft-fesselnden Roman über Glaube, Aberglaube, Mythen und Legenden unter dem Mantra der fünf konfuzianischen Tugenden: Güte, Rechtschaffenheit, Ordnung, Weisheit und Aufrichtigkeit? 

Genau das hat sich wohl auch die malaysische Schriftstellerin Yangsze Choo gedacht und in ihrem Roman Nachttiger die koloniale Zeit aus den dreißiger Jahren heraufbeschworen. Dort begleiten wir den Houseboy Ren beim letzten Auftrag seines Herren. Ren hat 49 Tage Zeit, um den amputierten Finger seines Herren zu finden und diesen bei dem Toten zu bestatten. Seine Suche führt ihn zu einem britischen Arzt und der Tänzerin Ji Lin, birgt so einige Gefahren und eröffnet ihm eine Welt voller Magie und Aberglaube, die auf die koloniale Herrschaft mit ihren Intrigen und einer Reihe mysteriöser Todesfälle trifft.

»Im Westen von Java gibt es Frauen, die sich hauchdünne Goldnadeln ins Gesicht stechen, so tief, bis sie nicht mehr zu sehen sind. Diese magische Methode hält das Altern auf. Einmal bin ich einer bildschönen Witwe begegnet, die schon fünf Ehemänner überlebt hatte. Zwanzig Nadeln steckten in ihrem Gesicht. Sie sagte allerdings, die Nadeln müssten nach ihrem Tod unbedingt wieder entfernt werden.«

(Seite 14)

Yangsze Choo bringt mit Nachttiger die exotische Welt Malaysias in das heimische Wohnzimmer und lässt ein authentisches Abbild der asiatischen Welt in ein betörendes Kopfkino übergehen, das mit seiner Magie zu verzaubern weiß.

Japan: Twan Eng Tan – Der Garten der Abendnebel

Japan – auch mythologisch klangvoll Toyo-ashi-hara no chi-aki no naga-i-ho-aki no mizu-ho no kuni genannt, was so viel wie Land der üppigen Schilfgefilde, 1000 Herbste, langen 500 Herbste und der fruchtbaren Reisähren bedeutet – ist ebenfalls ein kulturell sehr interessantes Land. Mein nachfolgender Tipp ist daher Tan Twan Engs Roman Der Garten der Abendnebel. Ein Buch, dass sich mit den Kriegsverbrechen des zweiten Weltkriegs beschäftigt und von einer Frau erzählt, die eben jene überlebt hat.

Die angesehene Richterin Teoh Yun Ling, deren Erinnerungskraft schwindet, will sich noch einmal mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Kurz nach dem Krieg arbeitet sie, die einzige Überlebende eines japanischen Internierungslagers, als Anwältin für ein Tribunal, das japanische Kriegsverbrechen ahndet. Auch der Tod ihrer Schwester lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Sie will für diese ein Denkmal schaffen. Da ihre Schwester eine Liebhaberin der japanischen Gartenkunst war, geht Yun Ling trotz ihres Hasses auf die Japaner bei dem japanischen Gärtner Aritomo in die Lehre. Aritomo, der einst Gärtner des japanischen Tenno war, verbirgt aber ein dunkles Geheimnis.

Sagt selbst, das klingt doch interessant, oder nicht? Also, nächster literarischer Halt: Japan!

Georgien: Angelika Jodl – Laudatio auf eine kaukasische Kuh

Von den tropischen Gefilden geht es nun nach Georgien, das in Vorderasien an der Schnittstelle zwischen Asien und Europa gelegen ist und von seinen Bewohnerinnen und Bewohnern auch als “Balkon Europas” bezeichnet wird. Die dünn besiedelte Region zwischen Russland, Türkei, Armenien und Aserbaidschan ist für seine Bergdörfer, das weitläufige Höhlenkloster Vardzia aus dem 12. Jahrhundert und die alte Weinbauregion Kachetien bekannt.

In ihrem Roman Laudatio auf eine kaukasische Kuh nimmt sich die Autorin Angelika Jodl die ethnische Vielfalt Georgiens zum Anlass, eine unterhaltsame Liebesgeschichte zu präsentieren, die sich abseits von Rosamunde Pilcher & Co. bewegt.

Die georgische Migrantin Olga glaubt mit ihrem Arztkollegen Felix den Mann fürs Leben gefunden zu haben, doch dann platzt der Lebenskünstler Jack in ihr Leben, der Olgas Herkunft toll findet, obwohl diese sie am liebsten unter den Teppich kehren würde. Olga reist nach Georgien, Jack folgt ihr und so entspinnt sich eine Geschichte über Traditionen, Ethnien, Familienbande und eine Kuh in Nöten.

Das klingt doch nach einem kunterbunten Mix mit einer Portion Liebe und Lachergarantie. Dieser Roman mit seinem herrlich grotesken Titel und der dazu passenden Coverabbildung steht bereits in meinem Regal und wartet mit der kulturellen Vielfalt eines Landes auf mich, die ich unbedingt einmal kennenlernen möchte.

Wir hoffen, euch hat unsere dritte Station auf unserer Reise in 28/7 um die Welt gefallen! Welche asiatischen Bücher könnt ihr empfehlen? Morgen geht die Weltreise wieder auf bellaswonderworld.de weiter – nächster Halt: Australien!


In 28/7 um die Welt:

Afrika
Europa
Asien
Australien / Ozeanien
Nordamerika
Südamerika
Antarktis

8 Comments on “[In 28|7 um die Welt] Willkommen in Asien!

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  2. Hallöchen,

    da ich mich ja selbst um die Welt lese finde ich diese Aktion wirklich toll. „Der garten der Abendnebel“ klingt sehr interessant. Das werde ich mir mal genauer anschauen. „Der Nachttiger“ liegt bei mir schon etwas länger auf dem SuB.

    Bei toller Literatur aus Georgien könnte ich auch noch „Das achte Leben“ von Nino Haratischwili empfehlen. Da lernt man wirklich viel über die Geschichte des Lands, weil der Roman die Zeit von der Russischen Revolution bis in die Moderne erzählt.

    LG und ich freue mich auf die weiteren Beiträge
    Elisa

    Gefällt 2 Personen

    • Hallöchen Elisa!
      Oh ja, auf den Garten freue ich mich auch schon sehr, der wartet schon eine Weile auf mich =)

      Oh vielen lieben Dank für den Tipp! Das muss ich mir auf jeden Fall genauer anschauen, das klingt sehr spannend!

      Alles Liebe!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

    • Hallo Elisa,

      dann ist es ja nur ein kleiner Schritt, den wirklich schönen Roman von Yangsze Choo aus seiner Warteposition zu befreien 🙂

      Vielen Dank auch für deinen Buchtipp, das hört sich interessant!

      Liebe Grüße
      Bella

      Gefällt 2 Personen

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