[Rezension] Danbi Eo – Der Wald der verlorenen Schatten

Schöne Idee, mäßige Umsetzung!

Werbung | Autorin: Danbi Eo | Titel: Der Wald der verlorenen Schatten |
Übersetzer:  Hyuk-Sook Kim / Manfred Selzer |
Erscheinungsdatum: 26. Februar 2021 | Verlag: Golkonda |
247 Seiten | Genre: Urban Fantasy |

Bewertung: 2.5 von 5.

Ich konnte nichts mehr sehen, weshalb ich meine Augen mit der Stoffmütze abschirmte, die ich in der Hand hielt. In diesem Augenblick huschte etwas Längliches, das zuvor unter meinen Füßen gelegen hatte, in den Bambuswald hinein. Etwas Silbernes. Eine große Gestalt, die silbrig glänzte, verschwand zwischen den Bambusstangen.

(S.64)

Inhalt

Die 29jährige Hyoju sieht sich binnen weniger Wochen vor den Scherben ihres Lebens. Vom Freund verlassen und aus ihrem Job geworfen, scheint ihr Leben in einem sinnlosen Trott aus Essen und Trinken zu versinken. Doch dann erreicht sie ein merkwürdiger Anruf: Ihre Großmutter ist gestorben, und das obwohl Hyoju ihr Leben lang davon ausging, keine Familie mehr zu besitzen. Sie macht sich auf den Weg in das kleine Dorf der ihr fremden Frau, und findet dort eine Aufgabe, der sie sich stellen muss, auf Leben und Tod.

Rezension

Von magischen Ideen
und mangelnder Umsetzung

Hyojus Leben in Seoul hat, man kann es gar nicht anders sagen, keinen wirklichen Sinn mehr, seit sie sich in ihren eigenen vier Wänden verkriecht, von aller Welt verlassen. Da kommt die Nachricht der verstorbenen Großmutter – und ein in Aussicht gestelltes Erbe – gerade recht. Trotzdem packt Hyoju eher widerwillig ihren Koffer und macht sich auf die Suche nach einer Vergangenheit, die sie so nicht kannte. Im Dorf angekommen, wird ihr schnell bewusst, wie traditionell das Leben auf dem Land noch immer ist. Die Totenfeier zieht sich über mehrere Tage hin, die Hyoju mehr oder weniger still über sich ergehen lässt, und nur hier und da mit Großmutter Jangchon, eine Freundin der Verstorbenen, einige Worte wechselt.

Gleich zu Beginn wird sie gewarnt, den nahen Wald nicht ohne Kerze zu betreten, doch der Zufall will es, dass sie eben genau dieses doch tut. Eine silbrige Gestalt löst sich prompt von ihr und zu Hyojus großem Entsetzen muss sie feststellen, dass das ihr Schatten war. Mit Hilfe eines seltsamen Mannes, der keinerlei Gesichtsausdrücke zu beherrschen scheint, soll sie nun innerhalb von fünf Nächten ihren Schatten wiederfinden, denn sonst wird sie zu einem Teil des Waldes. Wenn sie ihn jedoch rechtzeitig zurückbekommt, verliert sie sämtliche Erinnerungen an die Tage im Wald und ihre Bewohner.

Die Idee der Geschichte ist voller Magie und auch die einzelnen Wesen, denen wir im Laufe der Seiten begegnen, haben durchaus Potenzial. Doch Hyojus Nächte an der Seite des Mannes entpuppen sich bei näherem Betrachten als recht zusammengestückelt. Kaum etwas habe ich über Hyoju erfahren, was darüber hinausging, dass sie eine Waise ist und mit ihrem Leben scheinbar nichts anzufangen weiß. Im Gleichklang damit ist ihr ihre neue Umgebung sowie deren Geschichten herzlich egal, sie braucht sehr lang, um sich überhaupt für den Namen von so einigen Dingen zu interessieren. Und so wie Hyoju ihr mangelndes Interesse an den Tag legte, so legte ich meines ebenso ab, trabte gemächlich mit ihr durch den nächtlichen Wald und folgte den Fußspuren ihres Schattens, immer nur halbwegs darauf gespannt, welche Episode sich uns als nächstes öffnen würde.

Die Bilder, die der magische Wald in meinem Kopf zu malen begann, gefallen mir dabei eigentlich wirklich gut. Bereits zu Beginn fühlte ich, wie zauberhaft ghibli’eske Zeichnungen in mir entstanden, die mich in den Verlauf der Geschichte durchaus eintauchen lassen wollten, wenn … Ja, wenn ich nicht immer wieder durch schablonenartige Beschreibungen (es gibt mehr Worte als alabastern, um etwas durchscheinend weißes zu beschreiben!), beharrliche Wiederholungen und einfältige Dialoge aus dieser Welt herausgerissen worden wäre. Auch hätte ich mir mehr Hintergrundinformationen zu diesem besonderen Wald gewünscht, zu den Wesen darin, deren Bestimmung und wieso die Schatten der Menschen hier eigentlich verschwinden.

Fazit

An sich eine interessante Idee, allerdings mit ausbaufähigen Charakteren. Die Umsetzung, besonders sprachlich gesehen, ist eher weniger geglückt und führte dazu, dass mich vieles kalt ließ, was mit anderen Worten vermutlich berauschend schön gewesen wäre.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Charaktere ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

Sprache ★☆☆☆☆ ( 1 / 5 )

Emotionen ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

= 2.4 ★★


Herzlichen Dank an den Golkonda Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

4 Comments on “[Rezension] Danbi Eo – Der Wald der verlorenen Schatten

  1. HUhu meine Feien!

    Ich war direkt neugierig auf den Titel, sagte mir bislang nichts und freute mich auf eine gewohnt einnehmende und verführende Rezension von dir und dann kam deine Kritik … bei dem Buch bin ich nicht wirklich angezuckert, obwohl es reizvoll klingt. Aber deine angesprochenen Punkte würde auch bei mir anecken, mich stören, etc. – schade, aber nicht jede Geschichte kann gänzlich überzeugen wie „Elmet“ (=

    Muckelige Grüße,
    Janna

    Gefällt 1 Person

    • Hallöchen meine Liebe! ❤️
      Ach ich hatte auch so große Hoffnungen bei dem Buch, und interessanterweise gibt es auch viel mehr sehr positive Bewertungen bisher als negative. Aber ich glaube, du würdest ebenfalls nicht glücklich werden mit dem Buch, die Tiefe fehlt einfach. Oder zumindest die Sprache. Oder beides 😅

      Ich hab aber bestimmt mal wieder einem Elmet-Tipp für dich =)

      Hab einen feinen Abend!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

      • Tiefe in der Geschichte und auch die passende Schriftsprache dazu sind jene Punkte, die mich in Geschichten fallen lassen und wenn ich deine Worte zu dem Buch lese, denke ich auch das es mir ähnlich wie dir gehen würde.

        Ich komm die Tage mal zum Beitragsstöbern der Rezension und des anderen Beitrags vorbei ❤

        Mein Themenbeitrag hätte zu #AugenAuf gepasst, aber zeitlich und gedanklich finde ich leider keine Ruhe, um ihn noch diesen Monat online zusetzen, schade!

        Muckelige Grüße!

        Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Rückblick auf den Februar – Buchperlenblog

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