[Rezension] Margaret Atwood – Das Herz kommt zuletzt

Herrlich abstrus und irgendwie doch so menschlich!

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Werbung | Autor: Margaret Atwood| Titel: Das Herz kommt zuletzt|
Übersetzer:  Monika Baark |
Erscheinungsdatum: 2018 | Verlag: Piper |
400 Seiten | Genre: Roman |

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Das Schlafen im Auto ist beengt. Als Dritte-Hand-Honda ist es ohnehin schon kein Palast. Wär’s ein Transporter, hätten sie mehr Platz, aber sich so einen leisten zu können, nie im Leben, nicht mal damals, als sie noch Geld zu haben glaubten. Stan sagt, sie hätten Glück, überhaupt ein Auto zu haben, und das stimmt, aber dieses Glück macht das Auto nicht größer.

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Inhalt

Eine Wirtschaftskrise zwingt viele Menschen in Amerika dazu, ihr Leben völlig umzukrempeln. Jobs gehen verloren, Spareinlagen werden geplündert, die Menschheit verroht in so manchen betroffenen Gebieten zusehends. Auch Stan und Charmaine sind von dieser Krise betroffen, verlieren Job und Heim und hausen schlussendlich in einem Auto. Bis sie diese Werbung sehen von einem sozialen Projekt. Positron heißt das Zauberwort. Ein Ort, an dem die Idylle noch immer herrscht.
Wirklich?

Rezension

Trautes Heim, Glück allein

Na, wie klingt das: Verbringe fernab der Wirtschaftskrisen dieser Welt dein Leben in einem fröhlichen Ort, in dem jeder gerecht behandelt wird, jeder einen Job und ein Zuhause hat. Dafür musst du nichts weiter tun als …. Ja, als dich dein Leben lang zu verpflichten, diesen Ort nicht mehr zu verlassen. Ach ja, und jeden zweiten Monat ins Gefängnis zu gehen, um dein trautes Heim einem anderen Mitbwohner zu überlassen. Äh, was?

Bei diesem Buch musste ich mir öfter einmal vor Augen halten, wieso Stan und Charmaine nun eigentlich in dieser Situation angekommen sind. Nein, es ist keine Zombie-Apokalpyse, auch kein Weltuntergang, es ist „nur“ eine Wirtschaftskrise, die einige Ortschaften Amerikas zu trostlosen Traumwüsten verkommen lässt. Würde das für mich ausreichen, mein Leben einem Experiment zu verschreiben? Wohlwissend, wie schnell Menschen in höheren Machtpositionen eben diese Macht ausnutzen? Ich weiß es nicht. Schnell kam auch der Big Brother von George Orwell wieder zurück ins Gedächtnis, zu parallel verläuft so einiges in den Zwillingsstädten Positron und Consilience.

Margaret Atwood beweist mit Das Herz kommt zuletzt jede Menge schwarzen Humor. Die beiden Hauptcharaktere Stan und Charmaine sind typische amerikanische Klischees auf zwei Beinen. Während Stan der oberflächlich nette Typ von nebenan ist, der nur hier und da einen Blick zu viel riskiert und sich an allerlei Träumen ergötzt, ist Charmaine das ausgemachte Blondchen, die Barbie ohne besonders viel Hirn. Auch wenn sich beide im Laufe der Geschichte doch ein Stück weit entwickeln, Freunde werden wir drei wohl niemals. Und immer geisterte mir nur der eine Satz im Kopf herum: Ihr verdient euch beide. Denn die glückliche Ehe, die die beiden draußen in der freien Wildbahn lebten, die existiert in Consilience nur noch auf dem Papier. Beide hegen Gedanken und Gefühle für andere Mitbewohner, beide begehen früher oder später ähnliche Fehler.

Die Ungeheuerlichkeiten, die Atwood hier einwebt, lassen das mitfühlende Herz allerdings bis zum Schluss nicht los. Wie gesagt, wer Macht in seinen Händen hält, der nutzt sie meistens schamlos aus. Auch wenn in den Zwillingsstädten das Leben von außen betrachtet ganz beschaulich wirkt, so werden doch Grausamkeiten am menschlichen Körper begangen, die nur unter dem Deckmantel der Erhaltung der Idylle geschützt werden.

Fazit

Das Herz kommt zuletzt war meine erste Atwood, jedoch mit Sicherheit nicht meine letzte. Die völlige Überzeichnung der Charaktere, in einer Welt, die gar nicht so fern von unserer eigenen Realität ist, hat mich oftmals zum Schmunzeln gebracht und mich doch mit der Hand auf dem Mund innehalten lassen.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )

= 4.2 ★★★★

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