Achtung, Triggerwarnung aufgrund thematisierten Kindesmissbrauchs.

Werbung | Autor: Astrid Korten| Titel: Poppy |
Erscheinungsdatum: November 2019 | Verlag: Selfpublished |
232 Seiten | Genre: Lebensbericht |



Der alte Mann trägt unsere Koffer zur Hautür.
„Hier werden wir jetzt leben“, sagt sie, steigt aus dem schwarzen Auto, kommt an meine Tür und öffnet sie mit Schwung. „Komm!“
Ich muss beinahe weinen, weil ich ein bisschen Angst hab, aber sie sieht es nicht, weil sie schon zum Haus läuft.
(S. 5)

Inhalt
Poppy ist erst sechs Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter von einem schwarzen Auto abgeholt, und in ihr neues Zuhause gefahren wird. Pick-Up, so nennt ihre Mutter ihren neuen Mann, einen älteren Herren mit gutlaufendem Geschäft und gefülltem Konto. Doch dieser Mann ist nicht an Poppys Mutter interessiert. Sondern an ihr.
Rezension
Von Scham und Schuldgefühlen
Als mich Astrid Korten anschrieb und fragte, ob ich über Poppys Lebensgeschichte berichten möchte, brauchte ich nicht lang überlegen. Zu viel Schmerz wird in dieser Welt immer noch unter den Tisch gekehrt, verleugnet und versteckt. Zu wenig wird darüber geredet, geschrieben und ans hässliche Licht der Wahrheit gebracht. In Poppy finden wir keine fiktive Geschichte, kein Märchen vom bösen alten Mann, der einem kleinen Mädchen etwas zu oft über das Haar streicht. Nein, Pick-Up, Onkelmann, Vater oder Papa war echt. Ein Mann, der sich eine etwas orientierungslose Frau samt Tochter ins Haus holt, um sich von Tag Eins an unaufhörlich an diesem Kind zu vergehen. Die Mutter gibt später vor – natürlich – nichts in all den schlimmen Jahren mitbekommen zu haben. Weder, dass ihre Tochter nichts mehr isst, noch, dass sie keine Freunde nach Hause bringt, oder dass ihr Mann dem Mädchen jahrelang die Haare wäscht, obwohl sie längst alt genug dafür wäre. Erst als Poppy sich ein Bein bricht und ins Krankenhaus kommt, scheint ein kleiner Hoffnungsschimmer am finsteren Horizont aufzublühen, der aber von ihrer eigenen, grässlich desaströsen und dysfunktionalen Familie wieder zunichte gemacht wird.
Ich möchte hier in keiner Weise erläutern, was Poppy widerfahren ist, zu groß ist der Ekel und der Abscheu vor diesem Mann. Ich wollte ihr in all den Seiten immer wieder zurufen, endlich den Mut zu fassen und sich jemandem anzuvertrauen, aber ich konnte ebenso verstehen, wie wenig Vertrauen sie in die Welt gehabt haben musste. Wenn schon die eigene Mutter wegschaut und vorgibt, nichts zu bemerken, wem soll ein Kind dann noch vertrauen? Heute ist Poppy erwachsen, verheiratet, hat Kinder. Ich freue mich von ganzem Herzen, dass sie ihre Kindheit in gewisser Weise hinter sich lassen konnte, auch wenn sich diese Erinnerungstüren wohl nie ganz schließen lassen.
Fazit
Respekt für den mutigen Weg, den Poppy mit Astrid Kortens Worten gegangen ist und ihre Geschichte veröffentlicht hat. Respekt für alles, was sie ertrug und alles, was für sie das Leben nunmehr lebenswert macht.

Herzlichen Dank an Astrid Korten für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!






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