[Gruselklassiker] 2: Frei nach E.T.A. Hoffmann – Der Sandmann

Liebe Büchermenschen!

Der Oktober ist der Monat, in dem der Herbst Einzug hält in Land und Herzen. Pilze werden gesammelt, bunte Blätter getrocknet, Kürbisse mit Gesichtern versehen. Und am Ende des Monats findet das Fest der Geister  statt: Halloween. Kein Monat steht für mich mehr für Gruselspaß und Horrorshow als der Oktober. Dabei braucht es nicht immer literweise Blut, um mich zu gruseln. Meist ist ein subtiler Schauer, ein Blick hinab in die Abgründe der Psyche weitaus schauriger. Dieses Jahr habe ich mir ein paar gruselige Klassiker der Literatur herausgesucht, die ich euch nun in den folgenden Wochen vorstellen möchte.

Kennt ihr noch den Sandmann von E.T.A. Hoffmann? Eine Geschichte voll Wahn und Wirrungen, ein Schauerroman par excellence. Diese Geschichte hat mich schon zu Schulzeiten begeistert mit ihrem verschleierten Blick auf die Wirklichkeit, und diese Faszination ist nach wie vor vorhanden. Doch für diejenigen, die nie dem Sandmann begegnet sind, ein paar klärende Worte.

Nathanael ist noch ein Kind, als sein Vater bei einem tragischen Unglück im hauseigenen Chemielabor stirbt. Er macht dessen Freund und Kollegen Coppelius verantwortlich, den er im kindlichen Unbehagen als jenen bösen Sandmann erkennt, der des Nachts die Augen der unartigen Kinder mit Sand bestreut und sie dann seiner eigenen Brut zum Fraß vorwirft.

Selbst als Erwachsener wird er von diesem Wahn nicht losgelassen, der schließlich erneut aufflammt, als ihm ein Wetterglashändler begegnet. Zeitgleich verliebt er sich in die bezaubernde Olimpia, bildschön und strahlend, und dennoch nichts weiter als ein Automat. Doch Nathanael bemerkt seinen Fehler nicht, nein, er gleitet immer weiter ab in seiner Fantasie.

Michael Mikolajczak

Sandmann

Eine schaurige Adaption

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Werbung | Autor: Michael Mikolajczak| Zeichner: Jacek Piotrowski |
Titel:  Sandmann | Erscheinungsdatum: 2019 | Verlag: Kult Comics | 130 Seiten |
Genre: Adaption nach E.T.A. Hoffmann| Reihe: Einzelband |

Die Adaption von Michael Mikolajczak setzt nun zu einem Zeitpunkt ein, da das Wesentliche der Geschichte von E.T.A. Hoffmann noch nicht geschehen ist. Zwar ist Nathanaels Vater bereits tot und er selbst dem Wahnsinn anheim gefallen, doch tritt der Sandmann auf anderen Wegen erneut in sein Leben. Die beiden leben nun Tür an Tür, sind Nachbarn in einem Mietshaus.

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Michael Mikolajczak – Sandmann | Innenseite

Abwechselnd begleitet der Leser also Nathanael und Coppelius, den angeblichen Sandmann, und sieht durch die jeweiligen Augen die vermeintliche Wahrheit. Dabei stellt sich Nathanael immer wieder als der tugendhafte Mann dar, der er in seinen Augen ist, und Coppelius sieht sich selbst nur als alten, einsamen Mann, der seine Frau auf traurige Weise verlor. Doch beide Personen haben etwas tragisches an sich, beide sind missverstanden von ihren Mitmenschen und werden zu Monstern gemacht. Dabei fällt es zunehmend schwer, Nathanael – der in immer gruseligerer, entstellter Weise dargestellt wird, noch Sympathien entgegen zu bringen. Auch seine Liebe zu Olimpia nimmt – im Gegensatz zur Romanvorlage – immer noch schaurigere, groteskere Züge an.

Die schwarz und weiß dargestellten Szenen eignen sich hervorragend, um diese nostalgische Gruselstimmung aufrecht zu erhalten. Gedanken an alte Klassiker wie Frankenstein oder Psycho  werden wach und verbreiten ein angemessenes Gefühl. Den Sandmann gibt es in vielen Varianten, doch diese ist hier wohl eine der schaurigsten – greift zu!

schnörkel


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