[Rezension] Jocelyne Saucier – Niemals ohne sie

Eine Familiengeschichte, mitreißend wie ein Strom, sich öffnend wie eine Rose.

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Werbung | Autor: Jocelyne Saucier| Titel: Niemals ohne sie |
Erscheinungsdatum: März 2019 | Verlag: Insel | 255 Seiten | Genre: Familiendrama  |

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„Ich möchte, dass mir niemand meinen Platz wegnimmt.“

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Inhalt

Eine Großfamilie irgendwo im Herzen Kanadas. Ein um seinen Gewinn geprellter Familienvater und der Racheplan seiner Kinder. Eine Zerreißprobe für alle, für eine kleine Ewigkeit.

Rezension

Wilde Herzen

Es war einmal ein Mann, der fand im Herzen Kanadas eine Erzader, tief verborgen im Gestein. Er verkaufte seinen Fund an eine große Firma, die Stadt Norco wuchs um diesen Fund herum. Soweit, so gut. Alles gedeiht, nur nicht das Familienerbe, denn dieser Mann lebt mit seiner Frau und seinen 21 (in Worten: EINUNDZWANZIG!) Kindern in der größten Armut. Doch das scheint die Familie nicht sehr zu stören, die Mutter verschwindet den ganzen Tag hinter ihren Kochtöpfen, der Vater träumt im Keller des großen Hauses von Erzfunden. Die Kinder bleiben sich selbst überlassen, regeln Streitigkeiten mit Rangeleien, und ziehen in den Krieg mit den anderen „Landeiern“ des Dorfes. Die Cardinals sind die Könige und Königinnen von Norco.

Die Geschichte wird aus der Sicht der Kinder in Rückblicken erzählt. Zuerst lernt man Matz kennen, den letzten der Sippe, der, der sich eigentlich nur noch an die Erinnerungen der anderen erinnern kann. Der, der ahnt, dass sich ein Geheimnis verbirgt, welches das Lachen überdecken soll. Doch auch Tommy kommt zu Wort, das Mädchen, dass hart nach außen erscheinen wollte, um so ihre Zwillingsschwester Angèle zu schützen. Geronimo, der Anführer der Bande, Jeanne d’Arc, die sich aufopferungsvoll um die Kleinen und Großen kümmerte. Sie alle treffen bei einer Ehrung des Vaters wieder aufeinander, nach dreißig Jahren, in denen sie sich überall auf der Welt verteilt haben, ihr Heil in der Flucht suchten und doch nie der Vergangenheit entwischen konnten. Stück für Stück kommt zu Tage, was lang verschütt geblieben, unangetastet, um den äußerlichen Familiensegen zu schützen. Denn jemand fehlt in ihren Reihen, jemand, von dem sich manche bis heute nicht sicher sind, ob sie nicht doch noch da ist, verborgen in der Weite der Welt, in den Augen der Schwester.

Langsam, wie eine Rosenblüte, die man auseinander zieht, so kommt man zum Kern, zur schrecklichen Gewissheit, was damals geschah. Und darüber hinaus, die Ungeheuerlichkeit der schieren Wahrheit. Getragen von den verschiedenen Erinnerungen bekommt der Tag des Unglücks in der Mine klarere Konturen, die Schuld des Einzelnen und die Schuld Aller treten hervor. Dieses Buch ist ein Abbild einer Familie, die sich selbst regiert und in der jeder seinen Platz erkämpfen musste, bis zum bitteren Ende.

Fazit

Niemals ohne sie riss mich in einem Atemzug fort. Die Melancholie ist so greifbar, die Gedanken der Familienmitglieder fressen sich in die Eingeweide. Man spürt sie förmlich, die Wildheit der Cardinals, die vielleicht für immer gefangen sind in den Erinnerungen an ihre Kindheit. Und an sie.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★★ ( 5 / 5 )

Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )

Sprache ★★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )

= 5 ★★★★★

schnörkel


Herzlichen Dank an den Insel Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

4 Comments on “[Rezension] Jocelyne Saucier – Niemals ohne sie

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