[Rezension] Heather Young – Das verlorene Mädchen

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Erscheinungsdatum Erstausgabe: 21.08.2017

Verlag: Goldmann

ISBN: 9783442485802

Flexibler Einband 410 Seiten

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Während ich in dem düsteren Haus sitze und seinem Ausatmen lausche, das die Wände so glatt gerieben hat wie Pergament, kommt mir der Gedanke, dass die ganze tragische Geschichte unserer Familie auf dieses eine hinausläuft: Keiner von uns wusste, wie er sich selbst retten sollte. (S.246)

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Inhalt

Es sollte ein ganz normaler Sommer sein. 1935 in Minnesota fährt die Familie Evans wie jedes Jahr zu ihrem Haus am See in der Nähe von Williamsburg. Doch als der Sommer sich neigt, wird die jüngste der drei Töchter vermisst. Der Verlust Emilys verändert radikal das Leben der Familie Evans. Zerplatzte Träume, Reue und Schuld beherrschen sie von nun an.

Auch zwei Generationen später sind die Auswirkungen noch immer zu spüren. Justine erlebte eine Kindheit auf der Flucht und sucht nun mit ihren beiden Töchtern einen Platz für sich. Als sie von ihrer Großtante Lucy das Haus am See erbt, beginnt für sie eine Reise in die Zukunft und die Vergangenheit, denn irgendwo in diesem Haus hat Lucy ihre Aufzeichnungen versteckt.

Rezension

Die Geschichte wird in zwei Erzählsträngen geschildert. Zum einen die Sicht auf Justine mit ihren beiden Töchtern Melanie und Angela in der heutigen Zeit. Der Vater hat die Familie verlassen und Justine führt eine Beziehung zu einem Mann, der sehr viel Kontrolle über ihr Leben besitzt. Als sie von Lucys Testament erfährt, verlässt sie ihn Hals über Kopf und zieht mit ihren Töchtern in das Haus am See. Sie versuchen sich in diesem einsamen, gramgebeugten Haus einzuleben, sind Fremde und Vertraute zugleich.

Die verstorbene Lucy Evans hat ihrer Großnichte Justine ein Notizbuch hinterlassen, in welchem sie die wahre Geschichte der verschwundenen Schwester erzählt. Mit Lucy taucht man in die vergangene Zeit, lernt ihre Schwester Lilith kennen und erlebt mit ihr einen Sommer, der ihr ganzes Leben verändern sollte. An der Schwelle zum Erwachsensein rebelliert Lilith immer offener gegen ihren Vater und träumt von einem Leben weit weg von der Familie. Fast geht ihr Traum in Erfüllung, doch dann verschwindet die jüngste der drei Schwestern spurlos und Lilith und Lucy sind auf ewig an den Ort gebunden, der ihnen den letzten unbeschwerten Sommer bescherte.

In der Familie Evans gibt es düstere Geheimnisse. Der Vater, Thomas Evans, gibt sich sehr religiös, wünscht sich frei von seinen Sünden. Erst zum Schluss ahnt man mehr als man weiß, welche Sünden er sich in seinem Leben auferlegt hat.

Vergangenheit gegen Gegenwart

Mir gefiel – wie meisten – die Geschichte in der Vergangenheit besser, liebe ich doch den besonderen Charme dieser alten Tage. Das Haus am See mit seiner eigenwilligen Familie erfüllte mein Denken, gerne hätte ich mit Lilith und Lucy auf der Veranda gesessen und in einer Zeitschrift geblättert, wäre mit ihnen zum See gelaufen, durch den Wald spaziert, hätte eine Brause in der Lodge der Familie Miller getrunken. Doch all das war umschattet von der Vorahnung, dass irgendetwas passieren wird.

Justine mit ihren Töchtern, ihrer Mutter Maurie und ihrem Exfreund Patrick war mir dagegen recht fremd. Auch bei ihnen saß ich gern am Tisch und lauschte den Gesprächen, erfuhr, inwiefern ihr Leben mit dem Ereignis von damals zusammenhängt. Doch der große Zusammenhang ergab sich mir nicht so recht. Hinterher verstehe ich, dass beide Familien damals wie heute gegen einen Mann ankämpfen wollten, der ihnen nicht gut tat, die eine schafft es, die andere nicht. Doch hätte es das tatsächlich gebraucht? Nein. Auch ist der Klappentext recht irreführend, da er eine Handlung suggeriert, die nur entfernt stattfindet, die nur kurz zum Schluss eintritt. Das fand ich etwas schade, hat dieser Umstand doch die Erwartungshaltung in eine etwas andere Richtung gelenkt.

Fazit

Alles in allem war es eine solide, sehr gut lesbare Familiengeschichte. Mit Charakteren, die man mögen muss, egal wie speziell sie auch waren. Eine Geschichte, die so tragisch ist, dass es einem kurz die Luft nimmt, und die so viele Jahre später immer noch an der Familie haftet. Eine schöne Geschichte, die sich zu lesen lohnt, wenn man den Klappentext etwas außer Acht lässt.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

= 4 ★★★★

 

schnörkel

3 Comments on “[Rezension] Heather Young – Das verlorene Mädchen

  1. Du hast mich nun definitiv neugierig aufs Buch gemacht und es wird dann gleich mal auf die Wunschliste wandern!

    Hab einen feinen Sonntag!

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Rückblick auf den August – Buchperlenblog

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