[Rezension] Bov Bjerg – Auerhaus

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Erscheinungsdatum Erstausgabe:16.07.2015

Verlag: Aufbau Verlag

ISBN: 9783351050238

Genre: Roman

Fester Einband 240 Seiten

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Frieder hatte mal gesagt: Wenn einer, der dauernd an Suizid gedacht hat, plötzlich gute Laune hat, ohne Grund, dann hat er sich entschieden. (S.79)

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Inhalt

Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch kommt Frieder ins Schwarze Holz, die Nervenklinik des Ortes. Höppner, ein Mitschüler, nimmt sich seiner an, besucht ihn dort regelmäßig und als Frieder schließlich entlassen werden kann, ziehen sie gemeinsam in den verlassenen Bauernhof seines Onkels, ins Auerhaus. Zusammen mit Höppners Freundin Vera, Cäcilia und später auch Pauline und Harry gründen sie eine WG, die einen Wall gegenüber der Welt darstellt.

Rezension

Ein Jahr der Auflehnung gegen den Lauf der Dinge. Birth – School – Work – Death – so betitelt Höppner, der Protagonist, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, das vorgeschriebene Leben. Die Jugendlichen sind gerade einmal 18 Jahre alt, stehen kurz vor dem Abitur und somit an der Schwelle zum Erwachsensein. Frieder leidet an Depressionen, hat sich einmal bereits versucht umzubringen. Aus Angst, ihn allein zu lassen, ziehen die Jugendlichen zusammen im Auerhaus ein. Sie leben von geringen Mitteln, klauen sich zusammen, was sie zum Überleben brauchen. Aber sie verrohen dadurch nicht, sie bilden eine Gemeinschaft und sorgen sich um ihre Zukunft. Die Beziehung von Höppner und Vera steht auf wackligem Fuß. Vera vertritt die Meinung, dass Liebe nicht wie ein Kuchen sei, dass sie nicht abnimmt, wenn man sie teilt.

Die jungen Leute erleben alle Wirrungen, Ängste und Freuden der Jugend zusammen. Höppner will nach Berlin flüchten, wenn die Bundeswehr an seine Tür klopft. Frieder fühlt sich zum ersten Mal nicht mehr allein, geht langsam auf in der Gesellschaft der anderen. Doch die Depression wird er nicht los. Immer wieder bricht er aus den Konventionen aus, treibt Situationen auf die Spitze, gerät mit dem Gesetz in Konflikt.

Die Charaktere sind alle recht unterschiedlich, ein bunt zusammengewürfelter Haufen Menschen, die doch irgendwie miteinander funktionieren. Leider kam mir niemand der Gruppe so richtig nah, bei allen war ich nur Zuschauer.

Irgendwann ist die Zeit im Auerhaus vorbei, die Freunde gehen getrennte Wege. Und Frieder ist wieder allein, mehr noch als zuvor. Er sucht den Weg zu seinem Freund Höppner, sie reden und reden, reden über nichts und doch über alles. Wer jemanden kennt, der an Depressionen leidet, weiß von der Eindringlichkeit solcher Gespräche. Sie drehen sich im Kreis, enden, wie sie angefangen haben und sind trotzdem so wichtig für die Betroffenen. Aber manchmal reicht auch das Reden nicht mehr. Teils sehr lakonisch, wird auf das Thema des Suizids eingegangen, einmal sagt Höppner, man solle wenigstens nicht sterben, bevor man 18 geworden ist. Was fast schon lustig klingt, übermittelt trotzdem den Ernst der Lage.

Die Geschichte zeichnet einen Weg von der Jugend hin zum Ernst des Lebens, dem alle Charaktere mehr oder weniger entgegen treten müssen. Es ist ein sehr erzählerischer Stil, den der Autor verwendet. Man hat immer wieder das Gefühl, dass sich Höppner auf der anderen Seite der Couch befindet. Hin und wieder schweifen seine Gedanken ab und er ruft sich selbst zurück, indem er ein „Egal.“ einwirft, oder mit einem „Jedenfalls,“ auf den vorigen Gedanken zurückkommt.

Fazit

Auerhaus ist nicht nur ein Buch über ein sehr ernstes Thema, es ist auch ein Buch über Freundschaft, Jugend, die Kraft des Zusammenhaltens. Und hin und wieder hält man beim Lesen inne und betrauert die eigene Zeit, die für immer verloren scheint.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )

= 3,8 ★★★★

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Er sagte: „Das ist schon immer so. Das ändert sich nie.“

Ich sagte: „Es war schon mal anders. Du hast das bloß vergessen.“ (S.222)

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13 Comments on “[Rezension] Bov Bjerg – Auerhaus

  1. Sehr schön geschrieben meine Liebe…:)
    Ich mag das Thema „Coming-of-age“ in Buch und Film sehr (Stand by me!!!! ♥), das hier klingt etwas schwer und erdrückend. So beschreibst du es ja auch.

    Vielen Dank für die Erkenntnis und hab einen schönen Tag…:)

    LG Torsten

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich hab Auerhaus vor knapp einem Jahr in der Uni gelesen und hab es eigentlich sehr positiv in Erinnerung. Ich mochte die Art, wie die Freundschaft der Jugendlichen entwickelt wird und auch Frieder als Figur fand ich unglaublich spannend. Er ist ja keone klassisch depressive Person, sondern dein Blickwinkel ist einfach sehr, sehr geprägt durch seine Sicht der Dinge.
    Schade, das dich Auerhaus nicht so fesseln konnte…
    VG Jennifer

    Gefällt 2 Personen

  3. Pingback: Rückblick auf den August – Buchperlenblog

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