Berührend, mysteriös und sehr atmosphärisch!
Werbung | Autor: Katherine Arden | Titel: The warm hands of Ghosts |
Übersetzung: / |
Erscheinungsdatum: 2024 | Verlag: Vermilion |
381 Seiten | Genre: Krieg / Mystery |

I will bring him back if I can. If I don’t, and the war is over, you must ask …
(S.22)


Inhalt
Winter 1917, Belgien. Der erste Weltkrieg tobt noch immer ungehindert durch Europa, die Schachzüge der Armeen werden immer waghalsiger. Kälte, Dunkelheit, regnerisches Wetter und schlammige Wege führen zu schlimmen Verhältnissen auf dem Schlachtfeld. Und der Kanadier Wilfred – Freddy – Iven wird zusammen mit einem deutschen Soldaten in einem eingestürzten Bunker lebendig begraben.
Wochen später erhält seine Schwester Laura in Halifax seine Jacke. Darin eine Postkarte eines bayrischen Schlosses, mit dem darauf geschriebenen Versprechen, „ihn zurückzubringen“. Das Ganze lässt Laura keine Ruhe und sie begibt sich zurück ins Kriegsgebiet, um nach ihrem Bruder zu suchen.
Rezension
Spiel mir ein Lied, Fiedler
Katherine Arden hat sich schon lange in mein Herz geschrieben. Ihre Winternacht-Trilogie ist großartig gewesen mit all seiner russischen Folklore, das Small Spaces Quartett ein herrlich leichter Gruselspaß und nun also eine geisterhafte Kriegsgeschichte. Und ich kann euch sagen, das passt ganz hervorragend zusammen!
Wir folgen der Geschichte in zwei versetzten Zeitabschnitten. Einmal ab Beginn des Winters in Belgien mit Freddy und zwei Monate später ab Januar 1918 setzt Lauras Geschichte ein. Laura, die sich als ehemalige Armeekrankenschwester erneut in Kriegsgebiet begibt, hat bereits zu viel erlebt. Schwer verletzt wurde sie einige Monate zuvor nach Hause geschickt, und nun ist sie wieder hier, an der Front. An ihrer Seite findet sie Pim, die ihren Mann und ihren Sohn an den Krieg verloren hat und nun einen Sinn in ihrem Leben sucht. Und Mary, die die Chance ergriffen und ein eigenes Hospital in Belgien eröffnet hat. Doch schon bei ihrer Ankunft in diesem Land verfolgt sie der Tod. Er kommt daher in Form eines älteren Mannes mit einer Violine und einem … seltsamerweise vom Krieg verschonten Hotel. Hier gibt es Alkohol, hier gibt es Musik – und einen großen Spiegel, der den Menschen zeigt, was ihr Herz am meisten begehrt. Und Laura sieht darin ihren Bruder Freddy.
Auch Freddy macht recht früh Bekanntschaft mit dem Fiedler, der sich Faland nennt. Denn nachdem Freddy und Winter (der deutsche Soldat), es irgendwie aus diesem Bunker geschafft haben, beginnt erst das eigentliche Martyrium der beiden. Aufeinander angewiesen, hat sich zwischen den eigentlich verfeindeten Soldaten eine tiefe Verbundenheit entwickelt, die niemand an der Front tolerieren würde. Und so müssen sie versuchen, unentdeckt zu bleiben. Bis … Ja, bis eben jener Faland sie entdeckt und sie in seine Fänge lockt.
Soweit das Grundkonstrukt. „The warm hands of ghosts“ ist eine sehr einfühlsame Geschichte über Kriegsschrecken, über Vertrauen, Freundschaft, Loyalität – und einen dämonischen Mann, der sich an den Erlebnissen der Menschen, egal ob gut oder schlecht, labt und sie als leere Hüllen zurücklässt. Interessanterweise hat mich das Buch in mancher Hinsicht an Andersens Schneekönigin erinnert, auch wenn es vermutlich nicht darauf abgezielt hat. Aber den grausigen Märchencharakter, den finden wir hier definitiv.
Fazit
Geister gibt es dort, wo die Toten sind. Und wo gibt es mehr Tote als in einem Krieg? Diese geisterhafte Kriegsgeschichte vereint reale Schrecken mit gruseliger Folklore und findet dabei immer die richtige Balance. Absolute Leseempfehlung meinerseits.
PS: Katherine Ardens nächstes Buch scheint ein Einhorn zu enthalten – ich brauche es also ganz unbedingt!
Bewertung im Detail
Handlung ★★★★★ ( 5 / 5 )
Atmosphäre ★★★★★ ( 5 / 5 )
Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )
Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )
Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )
= 5 ★★★★★
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