[Comic-Tipp] Liu, Bec & Raffaele – Die wandernde Erde

Großer Plan, wenig Gefühle.

Werbung | Autoren: Cixin Liu, Christophe Bec | Zeichner: Stefano Raffaele |
Titel: Die wandernde Erde |
Erscheinungsdatum: April 2021 | Verlag: Splitter | 128 Seiten |
Genre: Science Fiction | Reihe: Band 1 von 16, aber in sich abgeschlossen |

Bewertung: 4 von 5.

Inhalt

Wenn die Sonne explodiert, wird die Welt untergehen. Vor 300 Jahren malten die Wissenschaftler der Erde bereits dieses erschreckende Zukunftsszenario, nun ist es bald soweit. Um die Erde zu retten, wurden über 12.000 Fusionsbetriebe auf der nordamerikanischen und auf der asiatischen Platte installiert, um den gesamten Planeten aus unserem Sonnensystem zu evakuieren.

Rezension

Groß gedacht

Cixin Liu war mir bisher nur dem Namen nach ein Begriff. Klar, wer hat noch nicht von den drei Sonnen gehört, die dieser Autor erschaffen hat? Auch Die wandernde Erde war mir grundsätzlich ein Begriff – doch worum es geht? Fehlanzeige. Tatsächlich fand ich nun heraus, dass Die wandernde Erde eine Kurzgeschichte in einem Sammelband ist, was rückblickend auch einige speziell zwischenmenschliche Mankos erklärt.

Die wandernde Erde | Innenseite
Die wandernde Erde | Innenseite

Mit Christoph Bec, der aus der Buchvorlage einen Comic machte, begab ich mich auf bekannten Boden, mochte ich seine bisherigen Projekte ja auch immer sehr gern.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht eines Jungen, der während der ersten Phase dieses Projekts heranwächst. Die installierten Triebwerke beschleunigen die Erde so sehr, dass sie aus ihrer gewohnten Umlaufbahn herauskatapultiert wird. Das Ziel: das 4.2 Lichtjahre entfernte Alpha Centauri, um den sich die Erde als neuer Trabant einfinden soll. Dass das Projekt groß angelegt ist, wird allein bei den Dimensionen in Raum und Zeit klar – 4.2 Lichtjahre, das sind 2500 Erdenjahre oder über 100 Generationen an Menschen. Uff. Dabei sind die Bilder, die uns Stefano Raffaele von dem zeigt, was von unserer Welt übrig geblieben ist, zugleich niederschmetternd trostlos und unglaublich gewaltig. Erfrorene Meere, heiße Regenschauer, weder Flora noch Fauna scheinen noch vorhanden zu sein, die Menschheit lebt zurückgezogen in unterirdischen Städten.

Die wandernde Erde | Innenseite

Keine Frage, die Geschichte weiß zu faszinieren. Doch all diese schier unglaublichen Dimensionen, die gewaltigen Zeichnungen erfrorener Meereswogen und explodierender Sterne, stehen einer doch sehr unterkühlten Menschheit gegenüber. Ich fand keinen wirklichen Zugang zu den Personen, weder zu dem Jungen, noch zu seiner späteren Frau, die er bei einem Schlittenrennen fand und prompt heiratete, noch zu dem Schicksal der beiden im Verlauf der Geschichte. War mir schlichtweg egal. Das will ich gar nicht dem Comic vorwerfen, könnte ich mir im Hinblick auf andere asiatische Literatur – und die Probleme, die ich immer wieder damit habe – doch sehr gut vorstellen, dass bereits die Romanvorlage in diesem Bereich eher wenig zu bieten hat.

Fazit

Die Idee der Geschichte ist faszinierend, die Umsetzung als Comic in Bild und Wort ebenfalls. Wer darüber hinwegsehen kann, dass hier mehr der Plan zur Rettung der Menschheit, als die Menschheit per se die Oberhand behält, der sollte bedenkenlos zugreifen.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

Zeichnungen ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

= 3.8 ★★★★

Weitere Meinung

Booknapping | Tribe online

schnörkel

Vielen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

3 Comments on “[Comic-Tipp] Liu, Bec & Raffaele – Die wandernde Erde

  1. Liebe Gabriela,
    wow, ein faszinierendes Projekt! Ich kenne ein paar Bücher von Liu, kann deine Kritik aber durchaus verstehen… Dennoch eignen sich seine futuristischen Bücher sehr gut für Comics. 🙂

    Liebe Grüße
    Alina

    Gefällt 1 Person

    • Huhu Alina!
      Ich denke mir sogar, dass ich seine Geschichten tatsächlich gern nur in Comicform entdecken möchte, da die Bilder sehr viel mehr hergeben als Worte zuweilen, und ich so über die recht flachen Charaktere besser hinwegsehen kann. =)

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Rückblick auf den August – Buchperlenblog

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