Liebste Büchermenschen!
Wer sich dieses Jahr auf die kommende Frankfurter Buchmesse vom 16. bis zum 20. Oktober 2019 vorbereitet, der weiß: Das diesjährige Gastland ist Norwegen.
Zwar werde ich selbst nicht auf der FBM anwesend sein, jedoch habe auch ich schon ein Auge auf die literarischen Leckerbissen geworfen, die uns in den letzten Monaten bereits serviert wurden.
Egal ob in düster-blauen Farben gehaltete Filme und Serien, oder in schriftlicher Form: Die Nordlichter können Krimis. Die haben die Spannung im Blut, die leben die Wortkargheit, die perfiden Morde mit dem dunklen Wald im Rücken. So ist zumindest landläufig der Eindruck, den man von der Literaturwelt Norwegens hat. Und ich gebe es gern zu, auch ich verfalle regelmäßig dem unterschwelligen Charme der zerklüfteten Felsen, der Weite des Landes und der einsilbigen Menschen. Doch das Norwegen auch anders kann, das wollen sie dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse zeigen. Dafür wurden 250 Bücher neu ins deutsche übersetzt, um so unser Leserherz zu begeistern.
Und je mehr ich mich mit den unterschiedlichsten Genres beschäftigt habe, desto länger wuchs die Wunschliste der norwegischen Literatur. Hier habe ich nun einige Bücher für euch ausgewählt, die so einiges an Spannung versprechen – ganz ohne Mord. Oder zumindest meistens.
• • • Märchenhaftes • • •
Hans-Jürgen Hube – Die schönsten norwegischen Märchen
Es rauschen die dunklen Wälder des Nordlandes, es faucht der Wind über die Berge, es tobt das Meer an den zerfurchten Küsten und Fjorden, wo Trolle spuken, die den Menschen das Leben erschweren und ihnen allerlei Streiche spielen. Doch noch listiger sind die Trollweiber, und sie haben zahlreiche Helfer – Tiere, Vögel und Naturkräfte –, die nur ein richtiger Held wie der Aschenper bezwingen kann …
Die norwegischen Märchen nehmen die Leser mit auf abenteuerliche Segelfahrten und entführen sie in die wilde Natur der skandinavischen Halbinsel.
Erschienen am: 09.04.2019 bei Insel taschenbuch
• • • Witziges • • •
Alexander Kielland – Jakob
Das Meisterstück des großen Stilisten Alexander L. Kielland, sein reifstes und zugleich sein letztes Werk, denn es wurde zum literarischen Skandal: Ein kleiner Bauernsohn kommt in die große Stadt und wird sprichwörtlich vom Tellerwäscher zum Millionär. Der Prototyp des Selfmademan. So weit, so gut. Der geborene Erzähler Alexander L. Kielland porträtiert diesen Selfmademan aber in einer Weise, dass dem Leser am Ende der Mund offenstehen bleibt, denn was er gerade gelesen hat, ist tatsächlich die Geschichte unserer Zeit. Ein Schelm, wer dabei zum Beispiel an einen amerikanischen Präsidenten denkt, auch wenn der nicht ganz so selfmade ist, wie er es gerne hätte.
Erschienen am: 15.02.2019 bei Körner Verlag
• • • Erschütterndes • • •
Steffen Kverneland – Ein Freitod
Die Geschichte kreist um seinen Vater und dessen überraschenden Suizid, als Kverneland gerade achtzehn Jahre alt war. Die herausragenden Zeichnungen werden mit Fotografien aus dem Familienalbum montiert und erzählen, wie dieses einschneidende Erlebnis das weitere Leben des Autors beeinflusste.
Erschienen am: 10.06.2019 bei avant
• • • Fantastisches • • •
Siri Pettersen – Rabenringe-Trilogie
Hirka ist in Ymsland aufgewachsen. Mit fünfzehn findet sie heraus, dass sie ein Odinskind ist – ein schwanzloses Wesen aus einer anderen Welt. Von nun an ändert sich alles: Sie weiß weder, wer sie ist, noch, wohin sie gehört. Sie weiß nur, dass ihr Leben auf dem Spiel steht. Aber das ist nur der Anfang, denn Hirka ist nicht die einzige Fremde, die es durch die Steintore nach Ym verschlagen hat.
Erschienen am: 2018 bei Arctis Verlag
• • • Nachdenkliches • • •
Carl Frode Tiller – Der Beginn
Das Leben kann nur rückwärts verstanden werden, gelebt werden muss es vorwärts, heißt es bei Søren Kierkegaard. Terje liegt nach einem Suizidversuch im Sterben. Er lässt sein verpfuschtes Leben Revue passieren. Auf der Suche nach Antworten gräbt er sich immer tiefer in die schmerzhafte Vergangenheit, soghaft getrieben von den blinden Flecken des eigenen Lebens: der depressiven, alkoholkranken Mutter, dem abwesenden Vater, dem Abrutschen in Ticks und Gewalt als junger Mann, und dem quälenden Gefühl des Verlassenseins, das ihn immer bestimmt hat. Momente des Friedens fand er nur in der Natur. Ruhelos stellt Terje sich im Krankenhaus seinem Leben vom Ende bis zum Anfang, vom Tod bis zur Kindheit. Ein bewegendes Buch, erzählt wie im Rausch – über endgültige Entscheidungen, Vorherbestimmung und die Freiheit des Einzelnen.
Erschienen am: 24.06.2019 bei btb
• • • Kurzweiliges • • •
Bjarte Breiteig – Die kennen keine Trauer
In Die kennen keine Trauer (Surrogater, 2000) – in Norwegen sein zweiter von drei Erzählbänden – liefert Breiteig in sieben Geschichten scheinbar leicht hingeworfene Skizzen und Ausschnitte aus brüchigen Lebenswelten: pubertierende Knaben, die sich an der Schule einer plötzlichen und unerklärt bleibenden Zerstörungswut hingeben; ein kranker, alternder Industriearbeiter, der an seinem letzten Arbeitstag in den Duschräumen der Firma zusammenbricht; der Vater, der mit seinem Jungen in das Haus seiner Eltern zurückkehrt, das voller Erinnerungen an den toten Bruder steckt; der junge Mann, der über eine Trennung nicht hinwegkommt, seine Mutter darüber belügt und eine merkwürdige Online-Bekanntschaft eingeht: Es sind stille und intensive Figuren, die Breiteig in seinen Texten zeichnet, er erzählt von (zerbrochenen oder zerbrechenden) Beziehungen, die von Scham und Schuldgefühlen, Sehnsüchten und Misserfolgen geprägt sind. Und so, wie all diese Menschen ihre Verletzungen und Enttäuschungen hinter ihrer Sprachlosigkeit verborgen halten, liegt der Bedeutungshorizont bei Breiteigs Geschichten meist zwischen den Zeilen.
Erschienen am: 14.03.2019 bei luftschacht
• • • und eben doch Kriminalistisches • • •
Samuel Bjork – Bitterherz
Ein alter Mann fährt auf einer einsamen Straße in den norwegischen Bergen. Plötzlich taucht aus dem Dunkeln eine Gestalt auf, und er schafft es gerade noch zu bremsen. Noch unter Schock kann er nicht glauben, was er sieht: Vor ihm steht ein kleiner Junge mit einem Geweih auf dem Kopf. Vierzehn Jahre später wird in einem nahegelegenen Bergsee eine Leiche gefunden. Die junge Frau trägt das Kostüm einer Balletttänzerin, und am Ufer steht eine Kamera, in deren Linse eine 4 eingeritzt ist. Kommissar Holger Munch und seine Kollegin Mia Krüger stehen vor einem Rätsel. Dann taucht eine weitere Kamera auf – und ein weiteres Opfer …
Erschienen am: 18.06.2019 bei Goldmann
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Also ich weiß ja nicht, wie es bei euch ausschaut, aber ich bin reichlich gespannt auf die norwegische Literatur, die uns da vor die Füße gepurzelt ist. Ich hoffe, es ist auch für den ein oder anderen etwas schönes dabei gewesen!

![[Mehr als Krimis] Von Büchern und Norwegern](https://buchperlenblog.com/wp-content/uploads/2019/08/norway-1226822_1280-e1565782427588.jpg?w=1024)





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