[Rezension] Mariette Lindstein – Die Sekte (1)

Wenn du dich schon immer gefragt hast, wie man in eine Sekte gerät – hier erfährst du es.

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Werbung | Autor: Mariette Lindstein | Titel: Die Sekte – Es gibt kein Entkommen |
Übersetzer:  Stefanie Werner|
Erscheinungsdatum: 15. Juli 2019 | Verlag: blanvalet|
608 Seiten | Genre: Thriller | Reihe: 1 von 3

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„Am Anfang ist immer alles gut“, fiel Edwin Björk ihr ins Wort. „So kriegen sie einen rum. Aber dann werden sie größenwahnsinnig, und die Hölle bricht los.“

(S. 509)anführung_oben

Inhalt

ViaTerra ist eine neue Bewegung im aktuellen Trend, der zurück zur Natur führen soll. Franz Oswald, charismatisch bis unter die dunklen Haarspitzen, entwickelt Thesen, die zu einem besseren Gleichgewicht mit sich und der Umwelt führen sollen. Auf einer sturmumtosten Insel Schwedens dürfen Gäste auf den alten Landsitz kommen und diese Thesen studieren. Das Personal kümmert sich in der Zeit um das wichtigste, baut ganz nebenbei ein kleines, abgeschiedenes Utopia auf. Auch Sofia Bauman lässt sich einfangen von der Schönheit der Insel, dem Weg zu sich selbst, und auch von Oswalds Charme. Doch die Lage wird sich zusehends verändern, und nichts wird mehr so sein wie zuvor.

Rezension

Aufregung garantiert

Es gibt diese Geschichten, die lassen eine senkrechte Zornesfalte auf meiner Stirn entstehen. Nach einiger Zeit bekomme ich Kopfschmerzen und diese lösen sich erst, wenn ich das Buch zuschlage. Die Sekte von Mariette Lindstein war genau so eine Geschichte. Nicht, weil sie mir nicht gefiel – sondern, weil sie mich permament aufregte und in Alarmbereitschaft versetzte.

Mariette Lindstein lebte selbst 25 Jahre bei Scientology, hatte also viele Jahre Zeit, um genau zu beobachten, wie es in einer Sekte zugeht. Egal, ob sie nur aus wenigen Anhängern oder aus Stars und Sternchen besteht. Und nun gibt sie Sofia Bauman, ihrer schwedischen Protagonistin, eine Stimme, um zu erzählen, wie schnell man in die Fänge einer solchen Gruppierung gerät – und wie schwer es ist, wieder hinauszufinden.

Denn als Sofia auf der Insel ankommt, zunächst als Gast und später mit einem 2-Jahres-Vertrag für den Aufbau einer kleinen Bibliothek auf dem Landsitz, da erscheint die Insel und alles, was mit ViaTerra zutun hat, noch völlig harmlos. Franz Oswald, Gründer und einziger Chef des Unternehmens, reist zu verschiedenen Vorträgen über das ganze Land, die Mitarbeiter bauen Häuser auf, in denen sie leben. Gegessen wird aus eigener Anzucht, zurück zur Natur ist das unumstößliche Motto. Doch nachdem ein Journalist statt des heißersehnten puschenden Artikels einen Verriss schreibt, ja, das Wort Sekte mehrfach in den Mund nimmt, gerät alles zusehends aus den Fugen. Mauern werden errichtet, mit Stacheldraht versehen, Wachen werden eingesetzt und niemand kann mehr ein und ausgehen, wie er möchte. Die Mitarbeiter werden beleidigt, erniedrigt, ausgehorcht und denunziert. An dieser Stelle schüttelt wohl jeder mit dem Kopf. Wieso lassen sie sich das gefallen? Sie wurden nicht entführt, sind freie Menschen, alle gegen einen und weg mit euch! Doch so einfach ist es nicht. Viele Entwicklungen kommen schleichend, hier ein Wink, da ein Schubser, dort eine neue Strafanordnung. Und jedes Mal wird gekatzbuckelt, schließlich hat man alles andere auch schon über sich ergehen lassen.

Am Ende jedes Kapitels folgen Rückblicke in eine Vergangenheit, die ein menschliches Monster offenbahren. Eines, dass unter ihnen weilt und nach weiteren Opfern giert. Eines, dass sich weiß zu verstecken, eine Maske aufzulegen. Der Bogen wird am Ende geschlagen, was man schon lange ahnte, wird bestätigt. Und ist trotzdem nicht weniger erschreckend. Die Zornesfalte wuchs von Seite zu Seite, wieso wehrt ihr euch nicht endlich, verdammt!, wollte ich ihnen zurufen. Doch ein Blick in die menschliche Vergangenheit sagt: Wir sind – mit Verlaub – allesamt dumme Herdentiere. Der Mensch lässt sich gerne führen, er lässt sich unterdrücken, die vielen Schwachen rotten sich selten zusammen, um die wenigen Starken zu besiegen. Das haben wir während der Sklaverei gesehen. Das haben wir zu Hitlers Zeiten gesehen. Das sehen wir unter jeder weiteren Diktatur, und das sehen wir auch in Sekten. Die Geschichte ist als Trilogie aufgebaut, so dass allen klar sein dürfte – das war es noch lange nicht gewesen.

Fazit

Die Entwicklung einer harmlosen Gruppierung zu einer Sekte ist gleichermaßen schleichend wie auch alarmierend, die Zuspitzung der Handlungen desaströs. Mein Puls war dauerhaft erhöht und ich habe mich schrecklich über all das aufgeregt – und doch konnte ich das Buch kaum aus der Hand nehmen.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )

= 4.4 ★★★★

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Herzlichen Dank an den blanvalet Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

8 Comments on “[Rezension] Mariette Lindstein – Die Sekte (1)

    • Liebe Jill!
      Ha, das stimmt. Spannend und nervenzerreißend, weil man immer wieder hingehen und die Leute schütteln möchte. >_< Erschreckenderweise ist es aber auch sehr realistisch gehalten.

      Liebste Grüße! ♥
      Gabriela

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    • Hello! It’s so nice to hear from you! 🙂 This is really cruel to know that many things from the book are true events. Looking forward to the next one!

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