[Rezension] Sue Fortin – Sister, Sister

Zwei Schwestern, eine Wahrheit – und ganz wenig Vertrauen.

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Werbung | Autor: Sue Fortin| Titel: Sister, Sister |
Erscheinungsdatum: Januar 2019 | Verlag: Penguin | 445 Seiten | Genre: Psychothriller |

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„Oh, Clare, sie ist zu uns zurückgekehrt“, stößt Mum schluchzend hervor und presst die Lippen in mein Haar. „Wir bekommen sie wieder.“

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Inhalt

Mit nur vier Jahren wird Alice von ihrem Vater nach Amerika entführt. Der Kontakt zu ihrer Mutter und ihrer Schwester Clare bricht vollkommen ab. Jahrelang suchen sie vergeblich nach ihr, bis sie endlich ein Brief der mittlerweile erwachsenen Alice erreicht. Doch das Zusammentreffen verläuft völlig anders als geplant und schnell steht fest: Eine lügt.

Rezension

Und, ist alles in Ordnung?

Eine Frage, die man immer wieder stellen kann. Und auf die man sich auch, mal mehr und mal weniger, eine ehrliche Antwort erhofft. In dieser Geschichte jedoch wird sie in allen erdenklichen Formen immer und immer wieder gestellt, ohne dass irgendwen die Antwort darauf scheinbar auch nur im Ansatz interessiert. Denn zwischen all den „Ist alles in Ordnung?“ „Bist du okay?“ und „Alles klar bei dir?“ liegt eigentlich schon des Pudels Kern vergraben. Nein, es ist eben nicht alles okay, die Welt ist nicht in Ordnung für Clare, deren lang verschollene Schwester nun endlich wieder in ihrem alten Zuhause weilt.

Umso erstaunlicher wird diese Erkenntnis des Nicht-Erkennens, wenn man bedenkt, wie viel Zeit und Zeilen die Autorin darauf verwendet, uns die liebende, leicht verkitschte und Rosamunde-Pilcher-Gedächtnis-Familie darzustellen. Mutter Marion lebt noch immer in ihrem großen alten Haus, Clare und Luke, ihr Ehemann, und natürlich die reizenden kleinen Töchter Hannah und Chloe teilen sich den großen Rest des Anwesens. Es wird geknuddelt und geküsst, es fallen die liebevollsten Worte. Doch als Alice auftaucht, gleitet diese heile Welt direkt in ein Meer aus Unglauben und der Kunst, des Nicht-Zuhörens ab.

Denn schon früh merkt Clare, dass mit ihrer Schwester nicht alles zu stimmen scheint, schon früh lässt sie bei den anderen Mitgliedern der Familie die ein oder andere Bemerkung fallen und stößt dabei auf nichts weiter als Ablehnung. In dieser heilen Familie, in der jeder jeden liebt, da wünscht man sich doch ein etwas offeneres Ohr für die Gedanken des Nächsten. Oder nicht? Und auf der anderen Seite wollte ich immer wieder gern Clare an den Schultern packen und rütteln, ihr zurufen „Verschaff dir doch endlich mal Gehör!“ Aber sie schafft es nicht, sie bringt nur den Verdacht heraus, dass mit Alice etwas nicht stimmt, und schon halten sie alle anderen für übergeschnappt, völlig irrational, eifersüchtig.

Die Geschichte hätte echt mitreißen können. Denn dieses psychische Spiel, dass hier gespielt wird, hat durchaus Potenzial. Doch trotz aller Mauern innerhalb der Familie stößt Clare meines Erachtens nach auch viel zu schnell und zu glatt von selbst auf die verborgenen Lösungen, und sei es  mitunter aufgrund eines Korbes mit USB-Sticks, die allesamt beschriftet wurden, um sofortige Klarheit zu schaffen. Da hätte ich mir durchaus gewünscht, dass es nicht gar so einfach geworden wäre. Immerhin ist Clare eine erfolgreiche Anwältin, der ich sehr gern mehr bei ihrer Tätigkeit zugeschaut hätte. So richtig warm geworden bin ich ebenfalls mit keinem der anderen Charaktere, was wohl hauptsächlich dem Fakt geschuldet ist, dass die meisten der Personen merkwürdige Facetten an den Tag legen, die ich nicht nachvollziehen kann.

Fazit

Eine Geschichte mit Potenzial, das sich aber nur bedingt entfaltet. Es ist vor allem eine Geschichte über eine Familie, die nicht gelernt hat, auf die Zeichen der anderen zu hören. Auch wenn sie noch so oft fragt, ob alles in Ordnung ist.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Charaktere ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

Sprache ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Emotionen ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

= 3.2 ★★★

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Herzlichen Dank an den Penguin Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

 

 

5 Comments on “[Rezension] Sue Fortin – Sister, Sister

  1. Pingback: Rückblick auf den Februar – Buchperlenblog

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