Werbung | Autor: Coco Mellors | Titel: Blue Sisters |
Übersetzung: Lisa Kögeböhn |
Erscheinungsdatum: 2024| Verlag: Eichborn |
441 Seiten | Genre: Roman |

Nimm eine Nabelschnur – dick, sehnig, unansehnlich und doch lebensnotwendig – und vergleiche sie mit einem Freundschaftsbändchen aus buntem Garn. Das ist der Unterschied zwischen Schwester und Freundin.
(S.7)


Inhalt
Vier Schwestern im Herzen New Yorks, die plötzlich nur noch zu dritt sind. Der Tod der einen spiegelt sich in so vielen Facetten in den Leben der Übriggebliebenen wieder, dass es alles andere als leicht ist, mit all dem plötzlich klar zu kommen. Ein Jahr nach Nickys Tod treffen sich nun Avery, Bonnie und Lucky wieder, um den Verkauf der elterlichen Wohnung zu verhindern – und um vielleicht ihre Leben zu kitten.
Rezension
(Dys-)Funktionale Familienbande
Coco Mellors hat mich mit ihrem Debütroman Cleopatra und Frankenstein bereits mehr als überzeugt von ihrem schriftstellerischen Können – und legt mit Blue Sisters in meinen Augen sogar noch eine ordentliche Schippe obendrauf.
Wir lernen die Blue-Schwestern in abwechselnden Kapiteln sehr genau kennen. Avery, die Älteste, die ihre Schwestern mehr oder minder allein großzog, weil die Eltern dazu nicht in der Lage waren. Die, die zunächst auf die schiefe Bahn geriet, sich berappelte und seitdem als erfolgreiche Anwältin mit ihrer Frau Chiti in London lebt und glaubt, perfekt sein zu müssen. Bonnie, die Zweite im Bunde, Weltmeisterin im Boxen und seit Jahren heimlich und unglücklich in ihren Trainer verliebt. Und Lucky, das Nesthäkchen, die Jüngste und die, die am exzessivsten ihr Leben lebt, seitdem sie mit fünfzehn von der Modelwelt entdeckt wurde. Feiern konnte sie schon immer, doch seit Nickys Tod scheint Lucky das Leben – und ihr eigenes Glück – mehr und mehr herauszufordern. Schwestern, die auf den ersten Blick nicht sonderlich viele Gemeinsamkeiten haben, die sich häufig in den Haaren liegen und die sich doch gegenseitig die Welt bedeuten.
Coco Mellors baut ihren Roman rund um den Tod der vierten Schwester auf und zeigt facettenreich, wie unterschiedlich und doch gleich sich so ein einschneidendes Ereignis auf die Leben ihrer Schwestern auswirkt. Dabei nimmt sie wieder keinerlei Blatt vor den Mund, das Buch ist streckenweise ein einziger Sex- und Drogenrausch, eine Abwärtsspirale, aus der es kein Entkommen zu geben scheint und dann … Ja, dann sieht man ihn eben doch. Den Hoffnungsschimmer am Himmel, etwas, an das man glauben kann. Für sich selbst, für die übriggebliebenen Schwestern. Und das schafft sie mal mit lockerem Humor, mal mit einer ordentlichen Prise Zynismus, und manchmal mit der einfachen, ungeschönten Wahrheit.
Fazit
Ich habe Blue Sisters förmlich inhaliert. So kaputt und dysfunktional diese Familie auch auf den ersten Blick erscheinen mag, sie schenken sich etwas, auf das es im Leben ankommt: Hoffnung darauf, dass man alles überstehen kann. Ganz große Liebe für dieses umwerfende Werk!
Bewertung im Detail
Handlung ★★★★★ ( 5 / 5 )
Atmosphäre ★★★★★ ( 5 / 5 )
Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )
Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )
Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )
= 5 ★★★★★

Herzlichen Dank an den Eichborn Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

![[Rezension] Coco Mellors – Blue Sisters](https://buchperlenblog.com/wp-content/uploads/2025/04/coco_mellors_blue_sisters.jpg?w=1000)





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