Facettenreicher Einblick in das Leben und Lieben einiger New Yorker!

Werbung | Autor: Coco Mellors | Titel: Cleopatra und Frankenstein |
Übersetzung: Lisa Kögeböhn |
Erscheinungsdatum: April 2023 | Verlag: Eichborn |
506 Seiten | Genre: Roman |

„Und, was sollst du holen?“ Er blickte geradeaus ins Leere.
„Wie bitte?“
„Mich hat man Eiswürfel holen geschickt“, sagte er. „Was brauchst du?“
„Ach so, nichts. Ich gehe nach Hause.“
„Um halb elf? An Silvester? Das ist entweder das Traurigste oder Schlauste, was ich je gehört hab.“
(S.9)


Inhalt
Silvesterabend in New York. Als die junge Cleo – Britin, Kunststudentin und chronisch pleite – im Fahrstuhl nach unten fährt, um die Party zu verlassen, begegnet ihr der zwanzig Jahre ältere Frank. Als erfolgreicher Werbetexter mit eigener Agentur scheint Frank vollständig im Leben zu stehen. Es ist Liebe auf den ersten Blick zwischen den beiden ungleichen Menschen, die jedoch im Laufe der Seiten immer wieder hart auf die Probe gestellt werden wird.
Rezension
Facettenreiches (Liebes-)Leben
Coco Mellors Debüt Cleopatra und Frankenstein hat es definitiv in sich. Was ich wollte, war keine verkitschte New Yorker Liebesschmonzette – und genau das habe ich auch bekommen. Und noch mehr, denn Coco Mellors nimmt in ihrem Roman kaum ein Blatt vor den Mund.
Das ungleiche Paar heiratet kaum sechs Monate, nachdem sie sich kennengelernt haben. Der nicht unerhebliche Altersunterschied sowie die grundsätzlich verschiedenen Lebensstile der beiden scheinen zunächst kein Problem darzustellen, jedoch ecken Cleo und Frank immer wieder aneinander an, raufen sich zusammen, lieben und hassen sich. Auch die Nebencharaktere sind illustre Gesellen, die immer wieder in den Vordergrund gerückt werden. Sei es Cleos langjähriger bester Freund Quentin, der in einem Rausch aus Drogen immer weiter abzugleiten droht, oder Franks um einiges jüngere Schwester Zoe, die als angehende Schauspielerin ebenso wie Cleo eher chronisch pleite ist. Der Missbrauch von Drogen, der Einsatz von ganz gezieltem Sex, all das wird immer wieder schonungslos hervorgehoben. Diese kleine Gesellschaft, die wir hier vorfinden, ist alles andere als perfekt. Jeder trägt sein Päckchen mit sich herum, jeder scheint immer mal wieder an einem bröckeligen Abgrund zu stehen. All das hat diesen Roman in meinen Augen zu einem sehr gelungenen Spiegel der Gesellschaft gemacht, in der mitunter eben die Hüllen glänzen und strahlen, doch dahinter so manches Höllenloch steckt, aus dem man wieder hervorkriechen muss.
Coco Mellors Sprache ist dabei herrlich direkt, die Dialoge lebensnah und gespickt mit sarkastischen Randbemerkungen. Genau so darf eine (Liebes-)Geschichte in meinen Augen gern sein. Real. Zynisch. Und trotz allem eben voller Liebe.
Fazit
Kein Wohlfühl-Liebesroman, sondern ein Buch voller Facetten, die die schönen und eben auch schmerzhaften Seite eines Lebens aufzeigen. In meinen Augen definitiv grandios!
Bewertung im Detail
Handlung ★★★★★ ( 5 / 5 )
Atmosphäre ★★★★★ ( 5 / 5 )
Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )
Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )
Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )
= 5 ★★★★★

Herzlichen Dank an den Eichborn Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!






Du möchtest was sagen? Dann los!