Ein ganz neuer Fantasy-Ansatz, dem schlussendlich aber das i-Tüpfelchen fehlte.

Werbung | Autoren: Rebecca F. Kuang | Titel: Babel |
Übersetzung: Heide Franck, Alexandra Jordan |
Erscheinungsdatum: April 2023 | Verlag: Eichborn |
736 Seiten | Genre: historische Fantasy | 

Bewertung: 4 von 5.

Als Professor Richard Lovell den Weg durch die schmalen Gassen von Kanton zu der verblichenen Adresse aus seinem Kalender gefunden hatte, war in dem Haus nur noch der Junge am Leben.

(S.19)

Inhalt

1828. Ein aus dem chinesischen Kanton stammender Junge, der sich später Robin Swift nennt, wird von Professor Lovell aus seinem verwaisten Zuhause nach England gebracht. Hier lernt er Latein, Altgriechisch und Chinesisch, um sich auf das vorzubereiten, was die Zukunft ihm bereithält: Ein Studium am Königlichen Institut für Übersetzung an der Universität Oxford. Das Ziel ist äußerst erstrebenswert, lernt man hier doch auch das Silberwerken – also den Umgang mit der Magie der Worte. Doch der Schein trügt, und Robin Swift sieht sich schon bald mit einer Wirklichkeit konfrontiert, die er einfach nicht ignorieren kann.

Rezension

Die Macht der Worte

Dieses Buch als Fantasy zu bezeichnen, deckt nur einen ziemlich kleinen Teil ab der Themenvielfalt, der sich dieses Buch widmet. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen vier junge Menschen, die von ihrer Erscheinung und ihrer Herkunft her nicht unterschiedlicher sein könnten. Robin Swift, der sich einen neuen Namen geben musste, weil angeblich niemand in England in der Lage wäre, seinen chinesischen Namen auszusprechen. Ramiz Rafi – Ramy – Mirza, ein junger Student aus Kalkutta, der unter ähnlichen Umständen wie Robin nach Babel gelangte. Letty Price, die englische Rose, die sich gegen die herrschende Männerwelt durchsetzen muss. Und Victoire Desgraves, aus Haiti stammend und in Frankreich aufgewachsen. Sie alle verbindet die Liebe und Leidenschaft für Worte und deren Bedeutungen, und der überall herrschende Alltagsrassismus, dem sich jeder bis auf Letty ausgesetzt sieht.

Das Silberwerken ist das höchste Gut in Babel, denn mit Hilfe dieser Magie gelangte Großbritannien zu beträchtlichem Reichtum. Worte werden in Silberbarren graviert und die verborgenen Eigenschaften der Worte bewirken dann, wie sich die Magie gestaltet. Doch wo Magie ist, da ist auch meist Machtmissbrauch nicht weit, und Großbritannien weiß seine Vormachtstellung zu nutzen. Eine Untergrund-Gruppierung namens Hermes will gegen die ungerechte Verteilung der Güter von Babel vorgehen und schon bald steckt Robin Swift mit drin. Und das, obwohl sein Herz an Babel und an seinen Möglichkeiten hängt.

Mehr möchte ich zum Inhalt gar nicht wiedergeben, denn die vielen Kleinigkeiten, die aufeinander aufbauen, werden besser von jedem Leser selbst entdeckt. Die Autorin flechtet enorm viel Sprachwissen mit in ihren Text, versetzt ihren Roman mit vielen, vielen Fußnoten, die mal fiktive Ereignisse wiedergeben, mal tatsächliche Worterläuterungen abgeben. Darauf muss man Lust haben, sonst verliert man sich in diesem Buch. Es ist also, als würde man zusammen mit den Studenten die Schulbank drücken und man muss ganz klar sagen, der sprachwissenschaftliche Teil überwiegt den fantastischen Aspekt um Längen. Hier zeigen sich auch die Schwächen des Buches in meinen Augen, denn oftmals stagniert die Handlung, es passiert wenig, und wenn doch, dann ist meistens die Handbremse angezogen. Viele Situationen sind schlimm, keine Fragen, aber sie hätten mehr Raum verdient, um die eigentliche Handlung um Babel voranzutreiben.

Fazit

Babel ist ein ungewöhnliches, sehr intelligentes Buch, auf das man sich einlassen muss. Es vereint Magie mit Sprachwissenschaften, eingebettet in ein historisches Setting , prallgefüllt mit Rassismus und Kolonialismus. In sich eher ruhig, sollten Leser sich vorab zumindest darauf einstellen, kein rasantes Voranschreiten der Handlung zu erwarten. Dafür wird man aber mit jeder Menge spannender Informationen beglückt, was die Entwicklung der verschiedenen Sprachen angeht.

Bewertung im Detail

Handlung ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Atmosphäre ★★★★★ ( 5 / 5 )

Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )

4.4 ★★★★

schnörkel

Herzlichen Dank an den Eichborn Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

9 Antworten zu „[Rezension] Rebecca F. Kuang – Babel”.

  1. Avatar von Der Büchernarr

    Hi Gabriela,
    ich hatte mit Roman geliebäugelt, aber ich glaube, dass er doch nichts für mich ist, wenn ich Deine Meinung so lese. Danke auf jeden Fall dafür 😉

    Viele Grüße
    Frank

    Gefällt 2 Personen

    1. Avatar von Buchperlenblog

      Huhu Frank!
      Ja also man muss wirklich wissen, worauf man sich bei Babel einlässt – auch nicht zuletzt, wegen der recht doch hohen Seitenanzahl. 😀
      Ich hab also gern geholfen 😀

      Alles Liebe!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

  2. Avatar von Marie

    Liebe Gabriela,
    ich habe schon so viele unterschiedliche Meinungen zu dem Buch gelesen. Mein Interesse hat mittlerweile dann doch eher abgenommen, vor allem, als ich beim Reinlesen die ganzen Fußnoten entdeckt habe. 🙈
    Ich freue mich aber, dass du insgesamt eine gute Lesezeit hattest.
    Liebe Grüße
    Marie

    Gefällt 2 Personen

    1. Avatar von Buchperlenblog

      Huhu Marie!
      Oh, was stört dich denn speziell an den Fußnoten? Ich fand die tatsächlich mal eine spannende Sache in einem Roman. 😀

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

      1. Avatar von Marie

        Ich mag dieses hoch- und runterspringen im Text nicht. 😄 Am Schlimmsten ist es, wenn die Fußnote auf die zweite Seite geht und ich dann wieder zurückblättern muss, um im eigentlichen Text weiterzulesen. Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht, ob das bei Babel der Fall war. Ich habe wirklich nur kurz reingelesen. Und zum „mal probieren“ sind es mir einfach zu viele Seiten.
        Hab ein feines Wochenende! ❤️

        Gefällt 2 Personen

  3. Avatar von Rückblick auf den Mai – Buchperlenblog

    […] war ich dank Rebecca F. Kuangs Babel im historischen Oxford unterwegs und habe die Magie der Worte zu schätzen gelernt. Ein Buch für […]

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  4. Avatar von Tina

    Hi Gabriela,

    Babel war auch auf der Buchmesse ein Thema, daran kann ich mich noch erinnern. Einerseits mal was anderes, andererseits bin ich eher der Typ, der gern durch die Seiten fliegt. Ok, wer ist das nicht?
    Auf jeden Fall klingt das Buch danach, dass eine Leseprobe eine gute Idee wäre.

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

    1. Avatar von Buchperlenblog

      Huhu Tina!
      Jepp, eine Leseprobe wäre da sicherlich ratsam. Es liest sich wirklich gut, aber es steckt halt wahnsinnig viel theoretisches Wissen drin, was man auch erstmal irgendwie verarbeiten sollte.

      Liebe Grüße!
      Gabriela

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  5. Avatar von {Rezension} Babel von Rebecca F. Kuang – Bellas Wonderworld

    […] Babel ist ein ungewöhnliches, sehr intelligentes Buch, auf das man sich einlassen muss. Buchperlenblog […]

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Mein Name ist Gabriela, und seit 2017 findet ihr hier Buchtipps aus diversen Genres. Egal ob Fantasy, Horror oder Geschichten aus dem wahren Leben, übersetzt oder englisch –
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