Neulich beim Friseur
Wenn sich Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung über Bücher unterhalten, dann werde ich natürlich immer hellhörig. So erzählt Dame 1 der Dame 2 doch von einem unfassbar tollen Buch, welches sie erst vor kurzem kaufte. Dame 2 nickt erfreut und fragt direkt nach der Buchhandlung. „Na, bei Amazon natürlich!“, ist die prompte Antwort, die mich und Dame 2 fast gleichzeitig zusammenzucken lässt.
Ist es so natürlich, dass man Bücher bei Amazon kauft? Ein Blick in meine recht spärliche Bestellhistorie zeigt mir: Ich kaufe keine Bücher beim großen A. Dank der Buchpreisbindung ist es hierzulande nicht so arg um das Preis-Dumping bestellt wie beispielsweise in Amerika, also verdient der Verlag an den verkauften Büchern so oder so. Aber was ist mit den Buchhändlern? Den Menschen, die für uns die Titel heraussuchen, die lesenswert sind? Und so richtig persönlich ist das ja auch nicht. „Kunden, die Buch X kauften, interessierten sich auch für…“ Schön! Aber bin ich denn jeder andere? In den Weiten des Internets herumzustöbern, kann durchaus Spaß machen. Aber es zeigt mir ja doch nur an, was es anzeigen will, was es auch anderen schon angezeigt hat.
Nun eröffnete A also einen Bookstore in New York. Die FAZ hat einen großartigen Artikel darüber veröffentlich, tituliert ihn sogar mit Die langweiligste Buchhandlung von New York ! Es ist das völlig interaktive Buchshoppen. Man kommt in eine Buchhandlung, die sich nach den aktuellen Buchpreisen des Internets richtet, und es ist aufgebaut nach exakt denselben Werten, wie es die Webseite von A macht. Wozu also reingehen?
Groß vs. Klein?
Ich persönlich schlendere ja lieber durch die kleinen Buchhandlungen unserer Stadt. Natürlich muss ich hier damit rechnen, dass sie nicht jedes Buch vorrätig haben, dafür reicht der Platz einfach nicht aus. Womit ich aber rechne, ist, für mich unbekannte Bücher zu entdecken. Bücher, die vielleicht kein milliardenschweres Werbebudget zur Verfügung haben, die aber trotzdem toll und lesenswert sind. Die in dem ausgesuchten Repertoire der kleinen Buchläden zu finden sind.

Natürlich haben auch große Buchhandelsketten ihre Berechtigung. Weiß ich genau, welches Buch ich suche, ist es ein Leichtes, zum nächsten Buchgiganten zu laufen und mir entsprechendes Buch zu schnappen. Bei der schieren Masse der angebotenen Bücher kann man durchaus auch einige Stunden mit Stöbern verbringen. Bei Hugendubel gibt es mittlerweile aber auch eine schöne Empfehlungswand, in der Bücher stehen, die aus dem Rahmen fallen. So habe ich erst letzte Woche dort viele tolle Bücher aus dem Jacoby & Stuart Verlag gefunden, auch standen dort einige unbekanntere Bücher, die Mitarbeiter empfohlen haben.
Wie ist es denn bei euch? Geht ihr lieber in reale Buchhandlungen oder ist das Internet einfach doch zu bequem geworden?
Zu guter Letzt ein kleiner Reisetipp: Letztes Jahr war ich in Erfurt und fand eine ganz wunderbare Kinderbuchhandlung auf der Krämerbrücke. Tintenherz heißt sie und wurde sogar mit dem Deutschen Buchhandlungspreis 2016 in der Kategorie „Hervorragende Buchhandlung“ ausgezeichnet. Völlig zu Recht, wie ich finde. Die Betreiberin war herzerwärmend, die Bücher ausgesucht, die Atmosphäre lud zum Stöbern ein. Gekauft habe ich natürlich auch etwas – das Konzept ging also auf!









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