Einen einfach einfachen Job gibt es nicht.
Werbung | Autor: Kikuko Tsumura | Titel: Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen |
Übersetzung: Katja Busson |
Erscheinungsdatum: Oktober 2025 | Verlag: Eichborn |
304 Seiten | Genre: Roman |

„Doch, doch, es war ein guter Job, der Ansicht bin ich auch“, sage ich zum wer weiß wievielten Mal, zum dreißigsten wahrscheinlich.
(S.168)


Inhalt
Vierzehn Jahre in ein und demselben Beruf hat die namenlose Erzählerin verbracht. Doch das Burnout kam und sie musste kündigen, um zu sich selbst zurückfinden. Doch man kann nicht ewig untätig bleiben, ein neuer Job muss her. Und so nimmt sie uns mit auf die Reise der scheinbar unscheinbaren Jobs, die doch allesamt gar nicht so leicht waren, wie vorher gedacht.
Rezension
Langsam, aber nicht langweilig
Jeder von uns war sicherlich schon auf der ein oder anderen Jobsuche. Manche Menschen wissen ganz genau, was sie machen wollen, manche müssen es erst noch herausfinden. Und manchen ist es von Grund auf egal, Hauptsache, das Geld stimmt einigermaßen. Und dann gibt es solche wie unsere namenlose Protagonistin, die nach einem Burnout zurück ins Berufsleben finden muss – nur bitte langsam und Schritt für Schritt. Ihre Vermittlerin bei der Arbeitsagentur hat da auch schon das passende für sie parat: Sie soll eine Frau mit Hilfe von Überwachsungsvideos observieren, da diese unwissentlich „heiße Ware“ bei sich zuhause bunkert. Was an sich ermüdend klingt, einer fremden Person Tag für Tag dabei zuzuschauen, wie sie auf Bildschirme starrt, manchmal etwas tippt, manchmal etwas kocht oder schlicht und ergreifend im sitzen einschläft – unsere Protagonistin beginnt, sich mit ihr zu identifizieren, ihr nachzueifern im Einkauf- und Essverhalten. Dinge, die sie eigentlich nicht tun wollte, denn all das strengt sie zu sehr an, rückt das Burnout wieder in greifbare Nähe. Also muss ein anderer Job her.
Das Buch erzählt uns nun von den diversen Jobs, denen sie nachgeht. Von der Observation geht es zu unscheinbaren Werbespots in einem Busunternehmen, zu Snacktüten mit kleinen Tipps und Tricks auf der Rückseite, bis sie schließlich irgendwann in einer kleinen Hütte in einem Park landet. Doch all diese kleinen Jobs haben eines gemeinsam: Sie sind nicht so stoisch abzuarbeiten, wie sie es sich gewünsc ht hatte, überall passieren kleine oder größere Dinge, die unsere Erzählerin aus dem gewünschten Trott herausziehen, bis sie schließlich bereit ist, ihrem eigentlichen Job wieder gegenüberzutreten.
Das Ganze erzählt Kikuko Tsumura auf ruhige, manchmal doch sehr lustige Art und Weise, bei der ich immer wieder schmunzeln konnte. Klar, die typisch japanischen Wiederholungen kommen auch hier wieder vor, aber in einem noch angenehmen Maß. Bei asiatischer Literatur stößt mir dieses Detail leider häufig ein wenig auf, als würden manche Details, und seien sie noch so unscheinbar, unzählige Male wiederholt werden müssen, damit man sie auch ja verinnerlicht. Wie gesagt, hier fand ich es noch im Rahmen. Ich mochte dieses Buch, auch wenn oder gerade weil nicht allzu viel passiert. Vielleicht ist dieses Buch auch ein Impuls gegen die Literaturwelt, in der immer schneller und besser und höher und weiter und fantastischer und ausgefallener erwartet wird. Ein Ruhepol sozusagen, ein kurzes Innehalten. Und manchmal braucht man eben genau das.
Fazit
Kein besonders aufgeregtes Buch, aber auch nicht langweilig. Eine kleine Insel, in der man einfach mal kurzzeitig abschalten kann und sich berieseln lässt vom Alltagsleben einer anderen Person.
Bewertung im Detail
Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )
Atmosphäre ★★★★☆ ( 4 / 5 )
Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )
Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )
Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )
= 4 ★★★★

Herzlichen Dank an den Eichborn Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

![[Rezension] Kikuko Tsumura – Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen](https://buchperlenblog.com/wp-content/uploads/2025/12/kikuko_tsumura_yakisoba.jpg?w=1000)





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