[Rezension] Erin A. Craig – Böse Wünsche

Viel zu viele lose Fäden.

Werbung | Autor: Erin A. Craig | Titel: Böse Wünsche |
Übersetzung: Patrick Baumann |
Erscheinungsdatum: 2023 | Verlag: Festa |
640 Seiten | Genre: Märchen / Grusel | 

Bewertung: 2 von 5.

Waren die Geschichten wahr?
Waren die Monster real?

(S.64)

Inhalt

Eine Siedlung in einem Tal, abgeschnitten vom Rest der Welt. Tiefe Wälder umgeben diesen friedlichen Ort, der bald schon gar nicht mehr so friedlich sein wird. Denn Monster sollen in der Umgebung hausen – und eines Tages treten sie tatsächlich in Erscheinung. Und es liegt an der achtzehnjährigen Ellerie Downing, ihre jüngeren Geschwister zu beschützen.

Rezension

Meistens neige ich dazu, Bücher, die mir nicht wirklich gefallen haben, auch nicht weiter vorzustellen, oder wenn, dann nur in aller Oberflächlichkeit, auf dass jeder Leser selbst entscheiden kann, ob ihn die gesagten Dinge abschrecken oder nicht. Da es im deutschsprachigen Raum aber kaum eine kritische Rezension zu Erin Craigs Bösen Wünschen gibt (was mich arg verwundert, im englischen fiel den Lesern nämlich durchaus dasselbe negativ auf wie mir), komm ich nun doch nicht drum herum. Und weil das partout nicht spoilerfrei geht, hier also die Warnung: Ab hier wird es massive Spoiler geben.

Wer das nicht möchte, dem sei zusammengefasst: Das Buch strotzt vor losen Fäden, die im Wind herumflattern, blassen Charakteren und einem Insta-Love-Part, der absolut unglaubwürdig ist. So. Nun also im Detail.

Die Welt, in der unsere Geschichte spielt, ist eine Mischung aus Shyamalans The Village, gepaart mit derselben Idee, die 1991 von Stephen King in Needful Things (In einer kleinen Stadt) weitaus besser umgesetzt wurde. In dieser Siedlung namens Amity Falls lebt Ellerlie Downing zusammen mit ihren Eltern, ihrem älteren Zwillingsbruder Samuel und ihren beiden jüngeren Schwestern Merry und Sadie. Die Downings sind Bienenzüchter und gehören zu den ältesten Familien des Ortes. In jedem Frühling und Herbst wird ein Versorgungstrupp über den Pass geschickt, um in der nächsten Stadt all die Dinge zu besorgen, die der Ort nicht selbst herstellen kann. Das Unglück beginnt, als ein einzelnes Pferd zurückkehrt, nur wenige Tage, nachdem der Trupp aufgebrochen ist. Die schweren Verletzungen deuten auf etwas sehr aggressives hin. Bis dahin ist alles gut. Noch.

Während der Ort sich nun langsam damit auseinandersetzt, dass Monster den Wald heimsuchen, taucht ein junger Trapper auf, der weder seinen Namen nennen, noch die Monster im Wald gesehen haben will. Ein Schelm, der böses dabei denkt – denn Ellerlie braucht für diese Überlegung geschlagene 450 Seiten. Stattdessen ist sie instant damit beschäftigt, den ach so mysteriösen Fremdling ohne Namen oder jegliche Charaktereigenschaften (außerhalb der völlig enervierenden Eigenheit, Ellerie immer und immer wieder mit Ellerie Downing anzusprechen) zu vergöttern. Auch wenn er (glücklicherweise, ich hätte diese Szenen kaum öfter ertragen wollen) immer wieder über Wochen verschwindet, um dann nur mal eben kurz aufzutauchen, unnötig geheimnisvoll zu tun und dann wieder im Wald zu verschwinden – die Faszination hält an. Worauf die genau fußt, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Wenn schon unbedingt ein bisschen Teenie-Liebe dabei sein muss, wie schön wäre es dann nicht einfach, diese auch halbwegs glaubhaft darzustellen?

Wir haben nun also Monster im Wald, von denen wir lange Zeit jedoch nicht wirklich etwas mitbekommen, denn die Siedlung ist damit beschäftigt, aufgrund des fehlgeschlagenen Versorgungstrupps, mit immer knapperen Mahlzeiten auszukommen. Hinterher habe ich mitbekommen, dass dieses Buch als Rumpelstilzchen-Adaption vermarktet wurde. Nun, ich bin sehr froh, es erst hinterher gewusst zu haben, denn bis auf eine drei Seiten dauernde Szene hat all das herzlich wenig mit dem Märchen gemeinsam. Es hat vielleicht mal daneben im Regal gestanden, aber mehr auch nicht. Zurück zu den Monstern, die keinen Auftritt haben. Stattdessen kommt es immer wieder zu kleinen Zwischenfällen bei den Einwohnern. Hier verschwindet etwas, dort wird etwas kaputt gemacht, da drüben werden Hühner abgeschlachtet und das Blumenfeld der Downings steht plötzlich in Flammen. Aufgrund dessen müssen Vater Downing und die schwerverletzte Mutter das Dorf verlassen, angeführt von unserem Trapper, den wir mittlerweile Withaker nennen. Wir sind nun also die Eltern losgeworden, und obwohl das Jahr wacker voranschreitet, es einen Nachrichten überbringenden Falken des Pastors gibt, und theoretisch der Pass auch wieder befahrbar wäre irgendwann, die Eltern lassen nie wieder von sich hören, sie sind aus der Geschichte rausgeschrieben. Ernsthaft?

Dafür tauchen zwei weitere Fremde auf, die einer geheimen Bruderschaft angehören, die sich seit Jahrhunderten darauf spezialisiert hat, eben jene bösen Monster, die sie die Dunklen Beobachter nennen, zu untersuchen, zu analysieren und … zur Strecke zu bringen? Falsch gedacht, denn außer ihren Skizzenbüchern bringen die beiden Dämonenjäger rein gar nichts an Mehrwert in die Story. Wenn die Stadt so richtig den Bach runterzugehen beginnt, wollen sie lieber fliehen und irgendwo anders den Kampf neu beginnen. Vielleicht. Also, wahrscheinlich eher nicht. Äh?

Jetzt fragt ihr euch aber langsam zurecht, was diese Monster denn nun tatsächlich böses tun. Sie erfüllen Wünsche. Im Gegenzug erbitten sie sich kleine Gefallen (wie das Buch auch im Original heißt), mit denen die Gemüter der Kleinstadt langsam aber sicher zum Überkochen gebracht werden. Da wären wir also beim anfangs erwähnten Vergleich zu Stephen Kings Needful Things, in der das Gefallen-erbittende-Monster namens Leland Gaunt einen kleinen Ramschladen eröffnet, und als Bezahlung ebenfalls kleine Streiche erbittet. Streiche, die am Ende dazu führen, dass die gesamte Stadt brennt – wie übrigens auch hier. Der massive Unterschied ist jedoch, dass man dank Kings ausführlicher Erzählweise ein Gefühl für die Bewohner der Stadt bekommt. Man interessiert sich, warum jemand auf den anderen plötzlich böse wird, warum Dinge eskalieren und sich zwei Frauen mitten auf der Straße eine Axt in den Schädel schlagen. Das gelingt Erin Craig nicht mal ansatzweise. Dadurch, dass wir die Geschichte nur mit Elleries Augen sehen und diese die meiste Zeit der Geschichte in ihren eigenen vier Wänden hockt, interessiert es absolut nicht, warum die Bewohner von Amity Falls plötzlich gar nicht mehr so friedfertig sind.

Die Geschichte könnte tatsächlich gut sein, wenn die Ansätze besser ausgebaut worden wären. Wenn mir Szenen und Menschen nicht für wichtig verkauft worden wären, nur um dann irgendwann festzustellen, dass sie es absolut nicht sind. Die Bienen der Downings? Nur ein Aufhänger. Das zunächst als nahezu magisch beschriebene Band von Ellerie zu ihrem Zwillingsbruder Sam? Quasi nicht existent ab Seite 1. Die beste Freundin, die keine mehr ist? Am Ende des Buches ist plötzlich alles vergeben und vergessen, ohne ersichtliche Gründe. Die Nutzlosigkeit der Bruderschaft, die Nahrungsknappheit, die mit Einsetzen der ersten Frühlingsstrahlen scheinbar nicht mehr erwähnenswert ist, obwohl sich keiner um Ersatz kümmert, die charakterlosen Figuren, die einfach nur als Füllmasse dienen, das offene Ende, bei dem wir nur endlich erfahren, wie Withaker tatsächlich heißt. (Er ist übrigens nicht Rumpelstilzchen, falls ihr euch das überlegt habt. ) Selbstverständlich wird ihm von Ellerie auch prompt verziehen, welche Rolle er in all dem spielt. Weil er doch so … ich weiß immer noch nicht, wie er ist. Aber er hat einen muskulösen Rücken, yay.

Fazit

Ich kann mir absolut nicht vorstellen, wie dieses Buch zu den guten Bewertungen gekommen ist, denn es fehlt an allem: Plot, Tempo, Tiefe, greifbaren Charakteren. Und meinetwegen auch an Liebe, denn die hier ist nicht glaubwürdig.

Bewertung im Detail

Handlung ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

Atmosphäre ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

Charaktere ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen ★☆☆☆☆ ( 1 / 5 )

2.2 ★★

schnörkel

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Mein Name ist Gabriela, und seit 2017 findet ihr hier Buchtipps aus diversen Genres. Egal ob Fantasy, Horror oder Geschichten aus dem wahren Leben, übersetzt oder englisch –
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